Lade Inhalt...

Organisation der Distributionslogistik

Diplomarbeit 2008 51 Seiten

BWL - Beschaffung, Produktion, Logistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Ziel und Gang der Arbeit

2 Theoretische Grundlagen und Begriffsbestimmungen
2.1 Die historische Entwicklung der Distributionslogistik und definitorische Grundlagen der Arbeit
2.2 Der Organisationsbegriff in der Logistik
2.3 Verschiedene Betriebsformen und ihre Ausprägungen im E-Commerce
2.4 Zusammenfassung

3 Der Transaktionskostenansatz in der Neuen Institutionenökonomie
3.1 Die historische Entwicklung des Transaktionskostenansatzes
3.2 Kritische Würdigung des Transaktionskostenansatzes
3.3 Zusammenfassung

4 Komparativ heuristische Analyse verschiedener Betriebsformen im E-Commerce
4.1 Der direkte interne Vertrieb
4.1.1 Der status quo bei der Entscheidung zur Multi-Channel-Strategie
4.1.2 Die Atomisierung der Sendungsgröße: Alternative Vertriebsstrategien
4.1.3 Hemmfaktoren und Grenzen des direkten internen Vertriebs
4.2 Der direkte externe Vertrieb
4.2.1 Die Nutzung elektronischer Märkte
4.2.2 Die Distribution mit Hilfe von KEP-Dienstleistern
4.2.3 Weitere Funktionen von Logistikdienstleistern
4.3 Der indirekte Vertrieb
4.3.1 Die verschiedenen indirekten Vertriebsmöglichkeiten
4.3.2 Die Rolle der Produktvariantenvielfalt im E-Commerce
4.3.3 Mengen- und Lerneffekte der Intermediäre
4.3.4 Probleme vertraglicher Beziehungen
4.4 Zusammenfassung

5 Fazit und Ausblick

Quellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Aufbau der Arbeit

Abbildung 2: Einordnung des B2C-Commerce

Abbildung 3: Kostenvergleich der alternativen Zustellvarianten

Abbildung 4: Zustellkosten alternativer Vertriebsformen

Abbildung 5: Der Wandel von stationärem Handel und E-Commerce von 1998 bis 2010

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Funktionen und Aufgaben eines Intermediäres

Tabelle 2: Zusammenfassung der Ergebnisse

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

1.1 Problemstellung

Die betriebliche Logistik hat in den vergangenen Jahrzehnten stetig an Bedeutung gewonnen und stellt Anfang des 21. Jahrhunderts eine entscheidende Herausforderung an Unterneh- men dar. Drucker bezeichnete die Logistik noch 1962 alsäeconoP\ ¶ V GDUN FRQWLQHQW ³äWe know it is there, and we know it is big, and that's about all. ³1 Geschätzte Logistikkostenan- teile an den Produktkosten zwischen 5% und 20% je nach Branche belegen die gehobene Bedeutung eines effizienten Lieferservices.2 Auch der in Wissenschaft und Praxis bis heute vergleichsweise ungenau bestimmbare betriebliche Aufwand für logistische Leistungen im Allgemeinen zeigt diese Tendenz auf. Als Wettbewerbsinstrument bieten optimale logistische Prozesse gerade auf den durch Markttransparenz gekennzeichneten Käufermärkten Potenti- ale der Kundengewinnung und -treue.3 Auch die Distribution hat ihre einstige Stellung als Hilfsfunktion zugunsten einer Rolle eines eigenständigen mikrologistischen Systems aufge- geben und stellt damit ein vergleichsweise junges Forschungsgebiet innerhalb der Betriebs- wirtschaft dar.4 Eine erfolgreiche Organisation der Distributionslogistik ist demnach für ein Unternehmen eine gute Möglichkeit, durch Kosteneinsparungen zusätzliche Gewinne zu generieren und seine Stellung im Wettbewerb zu verbessern.

Der Eintritt in das Informationszeitalter und insbesondere die rasante Entwicklung des Inter- nets gilt bei den meisten Experten als eine technische Innovation im Sinne des Kondratieff- Zyklus, also eine das gesamte gesellschaftliche Leben umwälzende, in Wellen von ca. 45 bis 60 Jahren auftretende Erfindung, die für die Menschen mit Einkommens- und Wohlstands- schüben verbunden ist.5 Ist die Ende der 1990er Jahre aufkommende Euphorie infolge zu optimistischer Prognosen zwar ab dem Jahre 2000 gemeinsam mit der sprichwörtlichen Ä'RW-Com-%ODVH³ JHSODW]W VR OlVVW VLFK nach der Konsolidierung ein etwas gemäßigteres, dafür aber stabileres Wachstum feststellen: Der Online-Umsatz durch deutsche Verbraucher stieg alleine von 32 0UG ¼ LP -DKU 5 auf 0UG ¼ LP -DKU DOVR XP 'HU Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (BITKOM) erwartet für das Jahr 2010 einen weiteren Anstieg auf 145 0UG bereits Erfahrung mit dem Einkauf von Waren über das Internet gesammelt, die Tendenz ist steigend.6

Durch diese Entwicklung ergeben sich für Unternehmen, die ihr Geschäftsfeld auf das Inter- net ausweiten, neue Chancen und Möglichkeiten für den Vertrieb von Produkten. Die Anbie- ter können ihre Produkte mit wenig Aufwand national oder sogar global vertreiben und so neue Vertriebskanäle nutzen.7 Durch neuartige Präsentationsmöglichkeiten sowie eine direk- te Kundenorientierung können Reichhaltigkeit und Reichweite der angebotenen Pro- duktinformationen erweitert und so neue Käuferschichten gewonnen werden. Außerdem be- steht für Unternehmen die Möglichkeit, klassische Handelsstufen zu umgehen und die damit verbundenen Kosteneinsparungen zum Teil an die Verbraucher weiterzuleiten. Diese Mög- lichkeiten bieten sich kleinen und mittleren Unternehmen ebenso wie den Global Playern. Im deutschen Handel verfolgen bereits 25% der Unternehmen eine Multi-Channel-Strategie unter Einbeziehung des Internets.8 Viele weitere Unternehmen bereiten den Online-Vertrieb vor, aktuell planen z.B. Adidas und Hugo Boss, einen eigenen E-Commerce-Kanal zu instal- lieren.9

1.2 Ziel und Gang der Arbeit

Diese Arbeit widmet sich der Möglichkeit, E-Commerce entlang einer bestehenden Wertkette einzusetzen, also das existierende Unternehmen um einen elektronischen Absatzkanal zu erweitern (Multi-Channel-Strategie). Sie beschränkt sich dabei auf die Beobachtung des B2C-Bereichs, befasst sich also ausschließlich mit den Verkaufsbeziehungen zwischen Un- ternehmen und Konsumenten. Die Frage, die sich dann für Unternehmen stellt und die Moti- vation dieser Arbeit ist, ist folgende: Mit Hilfe welcher Betriebsform kann die Distributionslo- gistik unter Berücksichtigung eines hohen Lieferservices im Hinblick auf die Transaktionskosten am effektivsten, d.h. kostengünstigsten durchgeführt werden? Dabei wird untersucht, bei Vorliegen welcher Transaktionsmerkmale eine der Formen den anderen ceteris paribus vorzuziehen ist. Der Transaktionskostenansatz eignet sich aufgrund seiner offenen Auslegung des zentralen Begriffes des Transaktion und seiner Realitätsnähe für einen theoretischen Vergleich der in der Praxis anzutreffenden Betriebsformen. Das Haupt- augenmerk wird dabei auf dem Fulfillment liegen, welches nach Köcher das Auftragsmanagement, die Kommissionierung und Verpackung, die Distribution und Redistribution, die Zahlungsabwicklung sowie den Nachkauf-Service beinhaltet und mit 44% Anteil an den gesamten Logistikkosten auch der größte Kostenträger ist.10,11

Abschnitt 2.1 gibt zunächst einen Überblick über die Entwicklung der Distributionslogistik und definiert anschließend die zentralen Begriffe Logistik, Distributionslogistik, Electronic Com- merce und Lieferservice. Daran anknüpfend erfolgt in Abschnitt 2.2 ein Überblick über den Organisationsbegriff, ehe in Abschnitt 2.3 verschiedene mögliche Betriebsformen vorgestellt werden. Das Kapitel wird in Abschnitt 2.4 mit einer Zusammenfassung abgeschlossen.

In Abschnitt 3.1 wird der Transaktionskostenansatz als Lösungsmethodik wissenschaftlicher Probleme vorgestellt und in Abschnitt 3.2 einer kritischen Würdigung unterzogen. Abschnitt

3.3 beinhaltet ebenfalls eine Zusammenfassung.

Kapitel 4 befasst sich mit der Antwort der Fragestellung nach der im E-Commerce geeigneten Betriebsform mittels des Transaktionskostenansatzes unter Berücksichtigung des Lieferservices. Abschnitt 4.1 widmet sich dabei dem direkten internen Vertrieb, Abschnitt 4.2 dem direkten externen Vertrieb und Abschnitt 4.3 dem indirekten Vertrieb. In Abschnitt 4.4 erfolgt eine abschließende Zusammenfassung.

Kapitel 5 fasst die Ergebnisse der Untersuchung zusammen und schließt die Arbeit mit einem Fazit ab. Abbildung 1 gibt einen Überblick über die Strukturierung der Arbeit.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Aufbau der Arbeit, eigene Darstellung

2 Theoretische Grundlagen und Begriffsbestimmungen

2.1 Die historische Entwicklung der Distributionslogistik und definitorische Grundlagen der Arbeit

Der Begriff der Logistik ist aus heutigen Unternehmen nicht mehr wegzudenken. Die Ent- wicklung der Logistik als betriebswirtschaftliche Disziplin begann als Wissenschaft von den Transferfunktionen. Diese eng gestrickte Definition wurde später zugunsten einer Auswei- tung auf die gesamte Wertschöpfungskette aufgegeben. Nun wurde die Koordination aller interdependenten Material- und Güterströme über institutionelle Abgrenzungen in den Wert- schöpfungsketten hinweg betrachtet und somit eine Fließsystemorientierung geschaffen.12 Aus heutiger Sicht sind logistische Konzepte in erster Linie organisatorische Konzepte und bedürfen damit regelungsintensiver Maßnahmen. Neuartige Informations- und Kommunikati- onstechnologien (IuK-Technologien) bilden dabei das Grundgerüst der regelungsintensiven Organisation.13

Betrachtet man die Kosten der Distributionslogistik, so fällt auf, dass im Vergleich zu anderen Bereichen des Wertschöpfungsprozesses das logistische Kostenbewusstsein lange unter- entwickelt war. Auch noch in der Gegenwart ist die Einteilung betrieblichen Aufwands für logistische Leistungen unscharf. Dies liegt auch darin begründet, dass eine notwendige Ge- samtkostenbetrachtung innerhalb der Logistik schwer durchzuführen ist, da verschiedene Bereiche innerhalb der Wertschöpfungskette betroffen sind. Kosten- und leistungsmäßige Wechselwirkungen, wie z.B. der Trade-off zwischen Transport- und Lagerkosten, Synergie- potenziale durch Größen- (economics of scale) und Verbundeffekte (economics of scope) sowie Netzeffekte sind in logistischen Kostenbetrachtungen schwer zu erfassen.14

In den letzten Jahren ist der Trend zu erkennen, dass Unternehmen versuchen, die Distribu- tionslogistik in das logistische Gesamtkonzept zu integrieren. Ordneten 1990 erst 65% der befragten Unternehmen die Distribution den Logistikfunktionen zu, waren es zehn Jahre spä- ter bereits 82%.15 Die Distributionslogistik kann also nicht isoliert betrachtet werden, sondern muss ± zumindest gedanklich ± immer als Bestandteil des gesamten logistischen Prozesses gesehen werden. Im Folgenden werden nun die für die Arbeit relevanten definitorischen Grundlagen für die Organisation der Distributionslogistik aufgezeigt.

Logistische Leistungen sind das Ergebnis von Leistungserstellungsprozessen, die spezifi- sche, durch art- und mengenmäßige, räumliche und zeitliche Merkmale gekennzeichnete Anfangszustände von Gütersystemen in andere angestrebte Endzustände transformieren.16 Da es in der betriebswirtschaftlichen Literatur keine einheitliche Definition des Begriffs Logis- tik gibt, wird im Folgenden die umfassende Beschreibung Ehrmanns zu Grunde gHOHJWäLo- gistik stellt die aus den Unternehmenszielen abgeleiteten planerischen und ausführenden Maßnahmen und Instrumente zur Gewährleistung eines optimalen Material-, Wert- und In- formationsflusses im Rahmen des betrieblichen Leistungserstellungsprozesses dar, wobei sich dieser von der Beschaffung von Produktionsfaktoren und Informationenüber deren Be- arbeitung und Weiterleitung bis zur Distribution der erstellten Leistungen erstreckt. ³17 Auf- gabe der Logistik ist also die Versorgung einer Empfangsinstanz durch eine Lieferinstanz mit dem in Menge und Sorte richtigen Produkt, im richtigen Zustand, zur richtigen Zeit, am richti- gen Ort zu minimalen Kosten.18

Im Wertschöpfungsprozess übernimmt die Distributionslogistik die Funktion des Bindeglieds zwischen der Produktion und der Absatzseite des Unternehmens. Sie umfasst dabei sowohl die physischen Lager- und Transportvorgänge der Waren zum Abnehmer als auch die damit verbundenen Informations-, Steuerungs- und Kontrolltätigkeiten.19 Die Distributionslogistik umfasst alle notwendigen Aktivitäten, die dafür sorgen, dass im Unternehmen fertiggestellte Produkte bis zum letzten Punkt im Absatzkanal, also zum Abnehmer, gelangen. Insbeson- dere sind diese Aktivitäten die Planung und Gestaltung der Lagerhäuser, der Lagerhaltung, des Lagerumschlags, des Transports und der Zustellung der Güter, der Verpackung sowie der Auftragsabwicklung.20 Die genannten Aktivitäten der physischen Distribution lassen sich noch um die Wahl der Absatzkanäle erweitern, welche eine distributionspolitische Entschei- dung darstellt und daher gesondert zu betrachten ist. Im Gegensatz zur physischen Distribu- tion umfasst die akquisitorische Distribution alle denkbaren Aktivitäten, die einen Kaufvertrag zur Folge haben, und kann somit als weiter gefasster Begriff verstanden werden. Die Distri- butionslogistik verfolgt als mikrologistisches System kein eigenständiges Unternehmensziel und hat somit auch keine Entscheidungsautonomie über fertigungsspezifische Variablen, sondern ist als ein funktionales Subsystem derjenigen Organisation zu verstehen, deren logistische Aufgaben sie wahrnimmt.21 Das Distributionsmanagement befasst sich mit der Planung, Organisation und Kontrolle der oben genannten distributionslogistischen Tätigkeiten.22 Zieldeterminanten können z.B. die Distribution zu minimalen Kosten, in minimaler Lieferzeit oder zu einem gewünschten Lieferserviceniveau darstellen. Nachdem in den vorangegangenen Absätzen die definitorischen Grundlagen der Distributionslogistik geschaffen wurden, erfolgt nun eine Einordnung des Electronic Commerce.

Der Electronic Commerce, oder kurz E-Commerce, wird in der Literatur verschiedenartig definiert. In seiner engsten Definition umfasst er ausschließlich den digitalen Vertrieb von Waren über das Internet, d.h. das Versenden oder Herunterladen digitaler Produkte wie z.B. Musikdateien oder Software.23 Weiter gefasst beschreibt E-Commerce die elektronische An- bahnung, Vereinbarung und Abwicklung von Transaktionen zwischen Wirtschaftssubjekten über Computernetzwerke.24 Die vorliegende Arbeit folgt der Definition im weiteren Sinne. Dabei lassen sich die Wirtschaftssubjekte in die Gruppen Konsumenten (engl.: Consumer), Unternehmen (engl.: Business) und öffentliche Institutionen (engl.: Administration) untertei- len. Hieraus ergeben sich neun mögliche Geschäftsbeziehungen, wovon in Theorie und Pra- xis die Beziehungen von Unternehmen untereinander (Business-to-Business, kurz: B2B) sowie die Beziehungen von Unternehmen zu Konsumenten (Business-to-Consumer, kurz: B2C) die weitaus wichtigsten darstellen. Abbildung 2 fasst diesen Sachverhalt noch einmal graphisch zusammen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Einordnung des B2C-Commerce, eigene Darstellung, in Anlehnung an Lasch/Lemke (2002), S. 1

Können bei Transaktionen im B2B-Bereich noch zum Teil intranet-gestützte Modelle beo- bachtet werden, beschränken sich Transaktionen in B2C-Modellen meist auf das Internet als nutzbares Computernetzwerk. Dabei bezeichnet der Begriff Front-End die dem Kunden zu- gewandte Seite des Transaktionsprozesses, im Falle von B2C-Modellen also meist die Ho- mepage des anbietenden Unternehmens, während sich der Begriff Back-End auf die unter- nehmensinternen Prozesse wie Beschaffung, Logistik oder Abwicklung bezieht.25 Die Logis- Logistik sorgt also als ein Back-End-Modul für den reibungslosen Ablauf der physischen Pro- zesse. Es sei noch darauf hingewiesen, dass in der vielfältigen Literatur zu diesem Thema noch andere Begriffe verwendet werden, deren Definitionen sich je nach Autor unterscheiden bzw. überschneiden. Zu nennen wären z.B. E-Distribution, E-Logistics oder E-Business. Die- se Arbeit beschränkt sich jedoch auf den oben definierten Begriff E-Commerce.

Beim E-Commerce ergibt sich die Besonderheit, dass der Kunde beim Abschluss der Trans- aktion das Produkt nicht mit nach Hause nehmen kann, sondern auf die Zustellung durch den Distributeur warten muss. Daher wird die Logistikqualität stärker wahrgenommen, sie wird zum kritischen Kundenzufriedenheitsfaktor.26 Unter dem Begriff Lieferservice als Ele- ment des Kundenservices lassen sich die Dimensionen Lieferzeit, Lieferzuverlässigkeit, Lie- ferungsbeschaffenheit und Lieferflexibilität sowie diesen Dimensionen zugehörige Pre- und After-sale-Services subsumieren.27 Die Lieferzuverlässigkeit lässt sich in Termintreue und Lieferbereitschaft untergliedern, die Lieferungsbeschaffenheit in Genauigkeit und Zustand der Lieferung.28 Pfohl untersuchte bereits 1977 die Hypothese von der Abhängigkeit der Nachfrage vom Lieferserviceniveau und unterstellte einen s-förmigen Kurvenverlauf zwi- schen Umsatz und Lieferservice.29 Wie wichtig ein zufrieden stellender Lieferservice im Be- reich des E-Commerce ist, belegt eine Studie über die so genannWHQ Ä&RQYHUVLRQ 5DWHV³ welche als Ergebnis die Faustregel hat, dass bei den meisten Online-Shopping-Anbietern nur 30% der Erstkunden zu Wiederkäufern werden.30 Die Effektivität der Auftragsabwicklung bestimmt demnach die Kundenzufriedenheit und auch die Wiederkaufquote im E-Com- merce.31 Eine besondere Bedeutung erlangt der Lieferservice bei den im E-Commerce häu- fig anzutreffenden leicht substituierbaren Gütern, die keine große Spezifität aufweisen, da hier bei einer Differenzierung im Lieferservice Wettbewerbsvorteile erzielt werden können.32 Um sich im E-Commerce von Wettbewerbern positiv abzusetzen, bedarf es also eines effizienten Lieferservices.

2.2 Der Organisationsbegriff in der Logistik

Grundsätzlich stellt sich in der Logistik die Frage nach der (De-)Zentralisation der Organisa- tion. Es hat sich gezeigt, dass eine logistisch zentrale Unterstützung der Abteilungen bei gleichzeitiger dezentraler Wahrnehmung logistischer Aufgaben in der Lage ist, Synergiepo- tenzial auszuschöpfen. Die Logistik kann in diesem Zuge unter einem bestehenden Funkti- onsbereich zusammengefasst werden oder in eine zusätzliche selbständige Organisations- einheit ausgegliedert werden.33 Gegenstand der Organisation ist in diesem Zusammenhangädie bewusste Gestaltung einer Ordnung zwischen den Elementen betrieblicher Prozesse. ³34 Man kann darauf aufbauend zwischen der Aufbau- und der Ablauforganisation unterschei- den.

In der Aufbauorganisation werden Bestandsgrößen definiert, es erfolgt also eine Festlegung und Verteilung von Aufgaben, deren Beziehungen zueinander längerfristig angelegt sind. Demgegenüber behandelt die Ablauforganisation Bewegungsgrößen, ist demzufolge für den konkreten Vollzug der Prozesse verantwortlich. Nach Ihde EHVWLPPHQädie Erfordernisse der UlXPOLFKHQ XQG ]HLWOLFKHQ $EVWLPPXQJ GHU DUEHLWVWHLOLJ ZDKUJHQRPPHQHQ 7HLODXIJDEHQ > « @ das Wesen der Ablauforganisation. ³35 Im Kern steht demnach die Gestaltung der raumzeitli- chen Beziehungen zwischen Subjekten, Objekten, Arbeitsmitteln und Verrichtungen.36 Dazu zählt auch die Strukturierung der logistischen Prozesse. Wegen der zunehmenden Verket- tung logistischer Prozesse und des erhöhten Komplexitätsgrades ist in jüngerer Vergangen- heit der Trend zu erkennen, dass die Organisation der Logistik sich von einer hierarchisch geprägten Aufbauorganisation zu einer flexibleren Ablauforganisation hin entwickelt.37

Nachdem in den vorangegangenen Abschnitten die für die Arbeit relevanten Definitionen herausgearbeitet wurden, erfolgt im nächsten Abschnitt ein Überblick über verschiedene Betriebsformen und ihre Ausgestaltung im E-Commerce.

2.3 Verschiedene Betriebsformen und ihre Ausprägungen im E-Commerce

Ein wichtiges Merkmal hinsichtlich der Betriebsform stellt die Unterscheidung zwischen direktem und indirektem Vertrieb dar. Der direkte Vertrieb zeichnet sich durch eine 1:1- bzw. 1:n-Beziehung zwischen Produzent und Abnehmer(n) aus (Nullstufenkanal), während beim indirekten Vertrieb eine oder mehrere werksungebundene Handelsstufen, so genannte Absatzmittler, eingeschaltet werden (Ein- oder Mehrstufenkanal).38 Absatz- oder Distributionsmittler sind wirtschaftlich und rechtlich selbständige Personen oder Unternehmen, deren Hauptzweck die Übertragung wirtschaftlicher Verfügungsmacht über Güter gegen Entgelt ist.39,40 Im Falle des E-Commerce treten Verkaufsagenten als Händler auf, welche die Produkte des Herstellers in eigenem Namen verkaufen. Dies kann entweder über eine eigene Homepage, einen Online-Marktplatz oder ein Online-Auktionshaus erfolgen. Aus traditioneller Sichtweise heraus sind diese Verkaufsagenten als Einzelhändler zu verstehen, welche die Ware an Konsumenten bzw. private Haushalte veräußern.

Der direkte Vertrieb kann weiter in direkten internen und direkten externen Vertrieb unter- gliedert werden. Bei der letztgenannten Ausprägung übernehmen Absatzhelfer Aufgaben im Vertrieb, ohne jedoch Eigentum an der zu vertreibenden Ware zu erlangen. Hierzu gehören beim E-Commerce in erster Linie Helfer für den physischen Transport der Ware wie Spediti- onen oder Kurier- Express- und Paketdienstleister (KEP-Dienstleister). Es sind aber auch Helfer im Bereich der Kommissionierung oder des Inkassomanagements denkbar.

Beim direkten internen Vertrieb übernimmt das Unternehmen sämtliche Aufgaben der Distri- bution selbst. Hier stellt sich unter anderem die Frage nach der (De-)Zentralität der Lager- haltung. Hier unterscheidet man zwischen einstufiger, mit einem zentralen Lager ausgestat- teter, und zweistufiger, mit mehreren dezentralen Lagern ausgestatteter, Distribution.41 Die Vermutung liegt nahe, dass ein solches Modell im E-Commerce nur dann lohnenswert sein kann, wenn bereits ein intaktes Distributionsnetzwerk für andere Vertriebskanäle besteht. Ansatzpunkt für einen indirekten oder einen direkten externen Vertrieb ist die Konzentration eines Unternehmens auf seine Kernkompetenzen wie z.B. die Produktion und die Abgabe dispositiver Befugnisse an externe logistische Dienstleister, um die Leistungsfähigkeit der Logistik entscheidend zu verbessern.42

2.4 Zusammenfassung

Im Kapitel 2 erfolgte zunächst in Abschnitt 2.1 ein Überblick über die zeitliche Entwicklung des Begriffes der Distributionslogistik. Anschließend wurden die für diese Arbeit relevanten Begriffe definiert. Einer Übersicht über den Begriff der Organisation in Abschnitt 2.2 folgte in Abschnitt 2.3 die Herausarbeitung verschiedener Betriebsformen und ihre Ausprägung im E-Commerce. Das folgende Kapitel stellt die Lösungsmethodik für das zu untersuchende Problem vor. Dafür wird der Begriff der Transaktionskosten herausgestellt und in den wissenschaftlichen Rahmen eingebettet.

[...]


1 Vgl. Drucker (1962), S. 103f.

2 Vgl. Klaus/Kille (2006), S. 2.

3 Vgl. Ihde (2001), S. 35ff.

4 Vgl. Bröcker (1972), S. 191.

5 Vgl. Dichtl/Issing (1994), S. 1168. ¼. 28 Mio. Deutsche haben

6 Vgl. Stahl et al. (2007), S. 3.

7 Vgl. Stahl et al. (2007), S. 42: Wenn auch meist in geringem Maße, vertreiben 80% der befragten Unternehmen ihre Waren auch ins Ausland.

8 Vgl. O.V. (2005a), S. 15.

9 Vgl. Erlinger (2007), S. 82.

10 Vgl. Köcher (2006), S. 22ff.

11 Vgl. Klaus/Kille (2006), S. 3.

12 Vgl. Ihde (2001), S. 20f.

13 Vgl. Ihde (2001), S. 29f.

14 Vgl. Ihde (2001), S. 30ff.

15 Vgl. Baumgartner/Kornak (1990), S. 12.

16 Vgl. Isermann (1999), S. 76f.

17 Vgl. Ehrmann/Olfert (2005), S. 25.

18 Vgl. Pfohl (2004), S. 12.

19 Vgl. Pfohl (1972), S. 26.

20 Vgl. Specht/Fritz (2005), S. 115.

21 Vgl. Ihde (2001), S. 41f.

22 Vgl. Specht/Fritz (2005), S. 116.

23 Vgl. Amor (2002), S. 141.

24 Vgl. Specht/Fritz (2005), S. 194.

25 Vgl. Amor (2002), S. 143ff.

26 Vgl. Weber et al. (2001), S. 57.

27 Vgl. Specht/Fritz (2005), S. 122.

28 Vgl. Vahrenkamp (2005), S. 88ff.

29 Vgl. Pfohl (1977), S. 250.

30 Vgl. Schögel/Birkofer/Tomczak (2000), S. 38.

31 Vgl. Thirumalai/Sinha (2005), S. 291ff.

32 Vgl. Daub (2006), S. 3.

33 Vgl. Ihde (2001), S. 343ff.

34 Vgl. Küpper/Helber (1995), S. 1.

35 Vgl. Ihde (1978), S. 64.

36 Vgl. Küpper/Helber (1995), S. 4.

37 Vgl. Ihde (2001), S. 343.

38 Vgl. Alicke (2005), S. 162f.

39 Vgl. Specht/Fritz (2005), S. 71.

40 Die Begriffe Intermediär, Händler und Absatzmittler werden in dieser Arbeit synonym behandelt.

41 Vgl. Vahrenkamp (2005), S. 92.

42 Vgl. Ihde (1978), S. 77.

Details

Seiten
51
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640097227
ISBN (Buch)
9783640099313
Dateigröße
601 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v94309
Institution / Hochschule
FernUniversität Hagen
Note
1,3
Schlagworte
Organisation Distributionslogistik

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Organisation der Distributionslogistik