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Die gesellschaftliche Funktion von Religion in fremden Gesellschaften

Seminararbeit 2007 18 Seiten

Ethnologie / Volkskunde

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Die ethnologische Herangehensweise und ihre Probleme

3. Emische und etische Aspekte von Religionen

4. Magie zur Bearbeitung von Leid in Lukanien

5. Besessenheitskulte bei den Stämmen der Shona
5.1 Die Geistkategorien
5.2 Die Heroengeister
5.3 Die Ahnengeister und friedlosen Toten
5.4 Die Shavegeister

6. Hexerei und Korruption als Erklärungsmodelle
6.1 Hexerei bei den Azande
6.2 Korruption in Lettland

7. Resümee

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Gegenstand der Hausarbeit sind die gesellschaftlichen Funktionen verschiedener Religionen in fremden Gesellschaften. Fokussiert sollen bei den Überlegungen insbesondere die Ausführungen T. Hauschilds über Magie und Macht in Italien, F. Kramers über den Stamm der Shona in Südafrika, E. Evans – Pritchards über die Azande im Sudan und K. Sedlenieks über Korruption in Lettland. In Kapitel 2 sollen zunächst Methode und Perspektive der ethnologischen Herangehensweise erläutert werden, um im Anschluss in Kapitel 3 auf Probleme einzugehen, die sich besonders innerhalb der Religionsethnologie auftun, da man in der Forschungspraxis mit Definitionsproblemen konfrontiert ist. Anschließend wird die emische der etischen Perspektive gegenübergestellt und diskutiert, inwiefern eine jeweilige Kultur eine Innen- oder Außensicht erfordert, um sie hinreichend zu verstehen. In Kapitel 4 widme ich mich des Weiteren den magischen Praktiken der Lukanier, um die Erhaltung ihrer Bearbeitungsformen von körperlichem Leid als Kulturleistung herauszustellen. Im fünften Kapitel sollen die verschiedenen von den Shona praktizierten Geisterkulte beschrieben werden und dabei deren Funktion als Form der Verarbeitung von fremden Eindrücken vor Augen geführt werden. Im sechsten Kapitel soll eine Gegenüberstellung der gesellschaftlichen Instrumente der Hexerei und der Korruption erfolgen, bei der auch die jeweiligen Parallelen herausgearbeitet werden. In Kapitel sieben werden schließlich die zuvor beschriebenen religiösen Praktiken noch einmal aufgegriffen, um vor allem deren Gemeinsamkeiten und Unterschiede hinsichtlich ihrer gesellschaftlichen Relevanz aufzudecken.

2. Die ethnologische Herangehensweise und ihre Probleme

Was die Ethnologie unter anderen Disziplinen, die sich mit Religion beschäftigen, zunächst auszeichnet, ist in erster Linie sowohl ihre Methode und Herangehensweise, als auch die Perspektive, mit der sie religiöse Phänomene zu fassen versucht. Folglich ist es nicht lediglich der Forschungsgegenstand, der die Religionsethnologie z. B. von der vergleichenden Religionswissenschaft oder von der Theologie unterscheidet, sondern der Anspruch, dass erst durch die Methode der teilnehmenden Beobachtung das Fremde weitgehend verstanden werden soll.[1] Hierbei wird darauf Wert gelegt, dass man als Forscher den Kontakt zu den Einheimischen der anderen Kultur sucht und sich so weit wie möglich in ihren Lebensraum und ihre alltägliche Lebensweise eingliedert, um vor allem informelle Dimensionen des Verhaltens, der Praktiken und der Vorstellungen entschlüsseln zu können.

Weiterhin ist hervorzuheben, dass die ethnologische Forschungsmethode durch ihre spezifische Perspektive gekennzeichnet ist. Demzufolge wird zwar zunächst der Forschungsgegenstand isoliert betrachtet, jedoch werden die Erkenntnisse, die man über es gewonnen hat in den Kontext anderer Kulturen gesetzt, um schließlich Gemeinsamkeiten oder grundlegende Unterschiede sehen zu können[2]

Es lassen sich allerdings auch Probleme innerhalb der ethnologischen Herangehensweise konstatieren. Es ist nämlich fraglich, inwiefern ein Ethnologe in der Lage ist eine völlig wertfreie Beurteilung eines ihm fremden Phänomens durchzunehmen: Durch eigene kulturspezifische Prägungen ist man in der westlichen Welt zumeist durch die Vorstellung bestimmt, dass Geisteswesen, Magie und Hexerei nicht existieren und demnach der Glaube daran irrational sei. Eine solche Bewertung beschreibt ein ethisches Problem und ist nur schwierig zu umgehen, da man zu sehr in eigene Denkmuster verhaftet ist.[3]

Ein weiteres Problem innerhalb der ethnologischen Forschungspraxis ist die Frage nach einer einheitlichen Definition für den Begriff der Religion. Man ist sich zwar im Allgemeinen über den Begriff „religiös“ einig, jedoch bestehen divergierende Meinungen darüber, was genau unter Religion zu verstehen ist.[4] Es lassen sich verschiede Definitionskriterien unterscheiden, die Mischung zufolge allerdings nicht hinreichend sind:

Gottesverehrung ist als Merkmal beispielsweise ungeeignet, da sie in vielen Regionen außerhalb Europas nicht existiert. Es wird zwar vielerorts angenommen, dass die Welt durch eine Gottheit erschaffen wurde, allerdings ist dies keine Voraussetzung für ihre Verehrung, da davon ausgegangen wird, dass sie nach der Erschaffung der Welt dem nichts mehr hinzufügt und auch für Gebete nicht mehr empfänglich ist.

Ebenfalls ungeeignet ist die Eigenschaft einer gewissen Haltung gegenüber dem Religiösen, welches von Rudolph Otto als Tremendum und Faszinosum bezeichnet wird und das Göttliche als Ursprung ehrfürchtigen Erschauerns beschreibt. In einigen Religionen kommen die Handlungen allerdings eher Alltagshandlungen gleich und lassen sich in ihrer Ausdrucksform kaum von ihnen unterscheiden.

Der Versuch, das Übernatürliche und Transzendentale als Religionskennzeichen festzulegen, erweist sich gleichermaßen ungeeignet, da eine die Grenzen zwischen natürlichen und übernatürlichen Sphären diffus sind und in manchen Gesellschaften nicht gesehen werden.

Mit diesen Beispielen lässt sich somit beschreiben, dass es lediglich Annäherungen an eine Religionsdefinition gibt. Wissenschaftler teilen untereinander aber den Konsens darüber, dass man weiß, was gemeint ist, wenn von Religion die Rede ist. Hier wird deutlich, dass die Logik der Prototypenbildung eingesetzt wird: Innerhalb eines kognitiven Prozesses werden Erscheinungen der Alltagswelt auf ein mentales Konzept übertragen, wenn diese als typisch für die Vorstellung, die man von Religion hat, erachtet werden. Dies gewährleistet eine gewisse Flexibilität und Offenheit für die Kategorisierung und bietet eine einfachere Sinnstiftung, als es mit einer starren Definition möglich wäre. Problematisch erweist sich dabei die Tatsache, dass man nicht immer sicher einordnen kann, ob eine bestimmte Erscheinung zu einem bestimmten Prototyp passt. Somit ist das Konzept der R

[...]


[1] Mischung, Roland: Religionsethnologie, in: Hans Fischer/Bettina Beer (Hg.) Ethnologie – Einführung und Überblick (Aufl. 5). Berlin: Reimer 2003, S.201, nachfolgend bezeichnet als Mischung

[2] Haller, Dieter: Dtv Atlas – Ethnologie. München, dtv 2005, S. 13, nachfolgend bezeichnet als Haller

[3] Mischung, S.202

[4] Mischung, S.198

Details

Seiten
18
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640098736
Dateigröße
387 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v94206
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Note
1,5
Schlagworte
Funktion Religion Gesellschaften

Autor

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