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Energiepolitik Großbritanniens am Beispiel erneuerbarer Energieträger (unter Berücksichtigung der Privatisierung und Marktliberalisierung)

Hausarbeit 2001 21 Seiten

Politik - Internationale Politik - Region: Westeuropa

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort

2. Einleitung

3. Großbritannien
3.1 Historisches
3.2 Die britische Energiepolitik ab 1945
3.3 Erneuerbare und umweltfreundliche Energieträger in GB
3.4 Die Reform der britischen E-Wirtschaft im Überblick
3.4.1 Förderung der Stromerzeugung aus regenerativen Energieträgern
3.5 Non Fossil Fuel Obligation (NFFO)

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis und Bibliografie

Ich versichere, dass ich diese Hausarbeit selbstständig verfasst, andere als die angegebenen Quellen und Hilfsmittel nicht benutzt und mich auch sonst keiner unerlaubten Hilfen bedient habe.

Freistadt, 25.12.2001

1. Vorwort

Die Amtszeit von Premierministerin Margaret Thatcher brachte etliche einschneidende Änderungen und Neuregelungen in das politische Leben des Vereinigten Königreiches. Die begonnenen Privatisierungen vieler Bereiche beeinflussten jahrzehntelang aufgebaute Strukturen und Abläufe. In der letzten Amtszeit Thatchers (1987-91) wurde die Wasserversorgung bis 1989, vor allem aber nach 1989 die Elektrizitätswirtschaft, die den größten und komplexesten Versorgungsbereich darstelle, privatisiert. Unter John Majors Regierung seit 1991 wurden 1994 der Kohlebergbau und seit Ende 1995 British Rail und Teile der britischen Atomindustrie privatisiert[1].

Eine überaus signifikante Änderung war die Neuregelung der Energiepolitik. Großbritannien versuchte als erstes Land der Erde den Energiemarkt zu liberalisieren und damit großteils der direkten staatlichen Kontrolle zu entziehen. Dieses „Experiment“[2] wie es heute in der Literatur genannt wird, wurde in vielen anderen Staaten als Informationspool und Beispiel verwendet.

Die Energiepolitik Großbritanniens bzgl. erneuerbarer Energieträger ist einerseits aufgrund der historischen Gegebenheiten (Kernenergie, Kohle, eigene riesige Erdöl- und Erdgasvorkommen) sehr stark mit diesen Energien und den korrelierenden Energiepolitiken und andererseits aufgrund der Liberalisierung der E-Wirtschaft überaus eng mit den Entwicklungen und „Nebenwirkungen“ dieses Schrittes gekoppelt. Aus diesem Grunde bedingt eine Untersuchung und Beschreibung dieser speziellen Energiepolitik gleichzeitig die Auseinandersetzung mit dem kompletten energiepolitischen Umfeld, im besonderen der britischen Atompolitik.

Aufgrund des begrenzten Umfanges dieser Arbeit kann es sich nur um eine Zusammenfassung der wichtigsten Daten handeln. Eine ausführliche Darstellung und Analyse der Energiepolitik, im speziellen der erneuerbaren Energieträger würde bei weitem den Umfang dieser Arbeit sprengen und würde zusätzlich eine ausführliche Betrachtung der Kohle-, Öl- und Kernenergiepolitik bedeuten, welche wiederum sehr eng mit der Gewerkschaftspolitik der letzten Jahrzehnte verbunden ist.

Großbritannien – einer der Mitgliedsstaaten der Europäischen Union – hat mit seiner Energiepolitik einen völlig anderen Weg eingeschlagen als der Rest der Mitgliedsstaaten. Durch seine Energiediversität (Kohle, Erdgas, Erdöl, Kernenergie und nun erneuerbare Energien) war es viele Jahre lang eines der wenigen Länder dieser Erde, welche sich zu 100% selbst versorgen konnte. Seit Mitte der 80er bzw. Anfang der 90er sinkt die Selbstversorgungsrate jedoch erheblich.

Diese Hausarbeit wird sich schwerpunktmäßig mit zwei Bereichen beschäftigen – zum einen der Energiepolitik Großbritanniens allgemein und im Speziellen der Energiepolitik der erneuerbaren Energieträger unter Berücksichtigung der Privatisierung und Liberalisierung.

Aus diesem Grunde sowie aus der Tatsache begründet, dass die erneuerbaren Energieträger großteils in Richtung Elektrizität zielen (durch Wind-, Gezeiten-, Photovoltaik- und Strömungskraftwerke), wird in dieser Arbeit unter dem Begriff erneuerbare Energien vorrangig die E-Wirtschaft betrachtet.

Diese Arbeit erhebt in keinster Weise den Anspruch, die Energiepolitik Großbritanniens umfassend zu beschreiben – dies ist schon aufgrund des begrenzten Umfanges nicht möglich. Sie soll vielmehr aufzeigen wie komplex und facettenreich die Interaktionen zwischen Politik, Wirtschaft und Bevölkerung im Hinblick auf den ersten Versuch einer Marktliberalisierung der Energiewirtschaft sind. Da mehrere Möglichkeiten bestehen, sich der Materie „Erneuerbare Energie“ zu nähern, und gleichzeitig die Energiepolitik Großbritanniens sich im letzten Jahrzehnt vorrangig auf die Strommarktliberalisierung bezieht, wird hier der Versuch unternommen, die Verbindung bzw. der Einfluss dieser Liberalisierung auf die erneuerbaren Energieträger bzw. -technologien aufzuzeigen.

Welche methodischen Mittel eignen sich am besten, um die Auswirkungen der Privatisierungen – im besonderen der Energiewirtschaft – zu untersuchen? Grundlage wird die qualitative Literaturrecherche sein und die inhaltliche Auswertung diesbezüglicher gesetzlicher Beschlüsse. Darüber hinaus werden zwei Statistiken dargestellt.

Die Arbeit gliedert sich in drei große Bereiche: Der erste Teil befasst sich mit dem historischen Umfeld Großbritanniens und legt die Hintergründe und Grundlagen der Privatisierung und Liberalisierung dar.

Das zweite Kapitel befasst sich mit den erneuerbaren und umweltfreundlichen Energieträgern Großbritanniens und beschreibt die Reform der britischen E-Wirtschaft.

Das vorletzte Kapitel beschreibt den anfangs wichtigsten Förderungsmechanismus – die Non Fossil Fuels Obligation (NFFO).

Eine Zusammenfassung der Erkenntnisse im letzten Kapitel schließen diese Arbeit ab.

2. Einleitung

Energiepolitik wird in der Literatur sehr oft zusammen mit anderen Politikfeldern gesehen. In Gablers Wirtschaftslexikon wird unter Energiepolitik ein „Teilbereich der sektoralen Wirtschaftspolitik in Form der staatlichen Einflussnahme auf die Energiewirtschaft (Erzeugung, Außenhandel, Umwandlung, Verbrauch der Energieträger) verstanden. Grundlegendes Ziel der Energiepolitik ist die Gewährleistung einer langfristigen sicheren, kostengünstigen und umweltgerechten Energieversorgung (Aretzen, 1992).

Der Begriff Energiepolitik lässt sich aus wirtschaftspolitischer Sicht in vier Teilbereiche gliedern[3]:

1) Energiepolitik hat die Aufgabe, nachgefragte Energiemengen dauernd verfügbar zu machen.
2) Die Versorgung mit Energie soll sichergestellt werden und weiters soll auf die Bevorratung von Energie als Krisenvorsorge geachtet werden.
3) Energiepolitik soll die Energienachfrage nicht nur in ausreichender Menge, sondern auch in ausreichender Qualität befriedigen können.
4) Die nachgefragte Energie soll möglichst billig bereitgestellt werden.

Eine Regierung, die eine festgelegte Energiepolitik ausführt, verfolgt nach dieser Definition mehrere Ziele, die nicht gleichzeitig optimal erreicht werden können. Die Ausgestaltung der energiepolitischen Ziele ist auch von Situation zu Situation verschieden. Nach jedem Krieg bricht die Energieversorgung zusammen – in diesen Zeiten wird die Sicherstellung der Energieversorgung oberste Priorität besitzen, während in wirtschaftlich erfolgreicheren Perioden andere Kriterien, wie zum Beispiel die Qualität der Energieträger ausschlaggebend sind.

Betrachtet man die Definition des World Energy Councils (WEC), erkennt man, das diese Definition viel weiter gefasst ist und dort als Teil der Außen- und der Umweltpolitik gesehen wird:

„That part of national or international policy that is concerned with the production and supply of energy, its conversion, storage, distribution and utilisation and with the formulation of measures aimed at equating anticipated overall demand for energy with the presumed availability national and internationally of sources of energy, such a policy would take account of the potential for energy conservation, in particular of finite fuel resources as well as the environmental impact“ (World Energy Council, 1992, Madrid Conference).

Diese Definition verweist schon auf die Punkte Energy Conservation, Finite Fuels und Environmental Impacts. Gerade in den letzten Jahren sind diese Begriffe zu Schlagworten geworden, unter deren Flagge eine Unzahl an Projekten begründet wurden, um fossile Energieträger durch alternative Energien (Wasserkraft, Photovoltaik, Solarenergie, Windenergie, Erdwärme etc.) zu ersetzen. Weltweit wird an entsprechenden Systemen und Technologien gearbeitet - die europäische Union hat in den letzten Jahren mehrere große Rahmenprojekte begründet, welche die weltweite Vorrangstellung europäischer Firmen sichern und den entsprechenden Technologien zum Durchbruch helfen sollen.

3. Großbritannien

Großbritannien hat bei einigen wichtigen Ressourcen die besten Voraussetzungen - es hat in Europa die größten Wind-, Gezeiten- und Meeresströmungsressourcen. Jahrzehntelange verfolgte Großbritannien eine Politik der Energieautonomie, d.h. die Insel konnte sich zu 100% selbst mit Energie versorgen. Atomenergie, riesige Öl- und Gasvorkommen machten dies möglich. Obwohl Großbritannien zur Europäischen Gemeinschaft gehört, besitzt es durch seine Geschichte und vielmehr durch die geografischen Gegebenheiten (Insel) gewisse „Vorbehalte“, Einzigkeiten bzw. „Andersartigkeiten“ gegenüber Kontinentaleuropa.

Um die aktuelle Energiepolitik besser verstehen zu können, müssen wir uns zuerst mit den historischen Grundlagen beschäftigen.

3.1 Historisches

Die Liberalisierung von Elektrizitätsmärkten ist ein gegenwärtig weltweit zu beobachtendes Phänomen – zumindest in entwickelten Industriestaaten. Den Anfang machte bemerkenswerterweise Chile im Jahre 1978[4]. Elf Jahre später, nämlich 1989 setzte sich Großbritannien an die Spitze der Entwicklung - mit dem sogenannten „Experiment“. Es folgten die skandinavischen Länder und danach die Niederlande. In den anderen europäischen Ländern bedurfte es erst des Anstoßes durch die europäische Elektrizitätsbinnenmarktrichtlinie[5], bis auf einzelstaatlicher Ebene Reformen eingeleitet wurden.

Der Ursprung vieler Restrukturierungsdebatten und -maßnahmen und der Entwicklung vieler alternativer Technologien liegt in den vom arabischen Ölembargo 1973-74 ausgelösten Verwerfungen der Weltenergiemärkte. Die Industrie litt nicht nur unter den erhöhten Primärenergiepreisen, sondern auch unter der dadurch ausgelösten wirtschaftlichen Rezession.

Erneuerbare Energieträger spielten in Großbritannien traditionell eine geringe Rolle. 1990 hat sich die britische Regierung das Ziel gesetzt, dass im Jahre 2000 insgesamt 1000 MW[6] Elektrizität aus erneuerbaren Energiequellen stammen sollen. Bereits 1993 wurden dieses Ziel nach oben revidiert, nämlich auf 1500 MW.

[...]


[1] 1993 wurden Pläne, das Post Office zu privatisieren, aufgrund starkes Widerstände aufgegeben.

[2] Siehe Surrey, J.: The British Electricity Experiment

[3] Siehe dazu Hinterhuber H. (1973): Energiewirtschaftliche Perspektiven für Österreich, Graz

[4] Schulz, in: Hoffmann-Riem/J.P. –Schneider, Umweltpolitische Steuerung, 106; zu Argentinien: Kasperk, ZfE 1997, 295 ff.

[5] sieh dazu u.a.: McGowan: European Energy Policies, Lauriol: Electricity Liberalisation in the EU; Tettinger: Strukturen der Versorgungswirtschaft in Europa.

[6] MW = Megawatt

Details

Seiten
21
Jahr
2001
ISBN (eBook)
9783638161114
Dateigröße
593 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v9396
Institution / Hochschule
FernUniversität Hagen – Internationale Politik / Vergleichende Politikwiss.
Note
2
Schlagworte
Energiepolitik Erneuerbare Energieträger Großbritannien

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