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Die Apartheid in Südafrika

Hausarbeit (Hauptseminar) 2008 36 Seiten

Ethnologie / Volkskunde

Leseprobe

Gliederung

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Zeittafel

Text

1. Einleitung

2. Die Ideologie der Apartheid

3. Die Etablierung der Apartheid

4. Die wichtigsten Ausprägungen des Apartheidsystems
4.1 Homelands
4.1.1 Geschichte bis zur Errichtung der Homelands
4.1.2 Etablierung der Homeland-Politik
4.1.3 Scheitern der Homeland-Politik
4.1.4 Auswirkungen der Regierungspolitik auf die Homelands (Bsp. Ciskei)
4.2 Wanderarbeitnehmer
4.3Group Areas Act
4.4 Bildungssystem

5. Staatsgewalt und Apartheid

6. Das internationale System und Apartheid

7. Westliche Sicherheitsinteressen und Apartheid

8. Sanktionen gegen Südafrika

9. Das Ende der Apartheid

10. Südafrika nach dem Ende der Apartheid

11. Der ANC

Literaturverzeichnis

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Abkürzungsverzeichnis

ADK Afrikaans-Deutsche Kulturvereinigung

ANCAfrican National Congress

AVF Afrikanische Volksfront

DSAG Deutsch-Südafrikanische Gesellschaft

IFPInkatha Freedom Party

NPNational Party

OAPECOrganization of Arab Petroleum Exporting Countries

PACPan Africanist Congress

Res. Resolution

UNOUnited Nations

Zeittafel

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

South Africa is a country where you hope on Mondays and despair on Tuesday.“

Alan Paton, 1985

„Ich habe mein Leben dem Kampf des afrikanischen Volkes geweiht. Ich habe gegen die weiße Vorherrschaft, und ich habe gegen die schwarze Vorherrschaft gekämpft. Mein Ideal war eine demokratische und freie Gesellschaft, in der alle Menschen harmonisch zusammenleben und die gleichen Chancen haben. Für dieses Ideal hoffe ich leben zu dürfen, und ich hoffe, es zu verwirklichen. Aber wenn notwendig, bin ich auch bereit, für dieses Ideal zu sterben.“(Nelson Mandela)

Text

1. Einleitung

Zwischen Kap und Oranjefluss lebten zuerst die San und Khoikhoi , bis ca. 1400 lebten im Norden, Osten und Südosten dieser Region die zur Nguni-Gruppe gehörenden „schwarzen“ Völker[1]. Die ersten Weißen, die Südafrika besiedelten waren die Niederländer: seit dem ersten Aufeinandertreffen von Weißen und Schwarzen in Südafrika entstand bereits eine elementare Trennungsstruktur[2]. Mit den ersten Funden von Diamanten und Gold im Jahr 1652 wurde die Rassentrennungspolitik in Südafrika stringent kontinuierlich intensiviert[3]. Die Niederländisch-ostindische Kompagnie unterschied bereits am Ende des 17. Jahrhunderts zwischen eigenen Angestellten, zweitens sog. Freien („freie burgher“), drittens Sklaven und viertens Fremden (Kohikoi = Hottentotten, San=Buschmänner)[4]. Dabei wurde das Land ausschließlich von Weißen bewirtschaftet und die Handwerksausbildung für Schwarze und Eingeborene unmöglich gemacht[5].

Bei dem Zeitraum von 1910 bis 1948 spricht man von der sog. Segregation Era, in dem die Apartheid entscheidend ausgestaltet wurde[6]. 1961 trat Südafrika aus dem Commonwealth aus und kam so dem Ausschluss aus dem Commonwealth zuvor[7].

Bereits vor Beginn des Zweiten Weltkriegs trennten mehrere Gesetze die verschiedenen rassischen Gruppen Südafrikas, gerade die Weißen und die Schwarzen, noch bevor der Begriff „Apartheid“ in die Diskussion in Südafrika gelangte[8].

Im Mai 1948 gewann die burische Nationale Partei des Predigers Daniel François Malan die Wahlen zum südafrikanischen Parlament[9]. Diese Organisation stand maßgeblich unter dem Einfluss der Afrikaaner Broederbonds, einem um 1918 gegründeten Geheimbund, dem nur Mitglieder der burischen Elite (Großagrarier, Unternehmer, Politiker, Professoren etc.) angehören durften und dessen Ideologie einer Art von „christlichem Nationalismus“ entsprang[10].

Als Slogan wurde in diesem Wahlkampf zum ersten Mal der Begriff „Apartheid“[11]verwendet[12]. Dadurch schaffte es eine stark benachteiligte Gruppe von Farmern die Macht zu ergreifen und damit Einfluss auf den sich vergrößernden militärisch-industriellen Komplex zu nehmen[13]. Sie stellte nur 10% aller Bewohner Südafrikas, da sie infolge des Krieges mit den Engländern um die Jahrhundertwende stark dezimiert wurde[14].

Unter Malan und seinen Nachfolgern (Strijdom, Verwoerd, Vorster und Botha) begannen die Regierungen die Segregationspolitik ihrer Vorgänger fortzuführen, die Ungleichheit von Menschen verschiedener Hautfarbe gesetzlich festzulegen und Südafrika in einen Polizei- und Sicherheitsstaat zu verwandeln[15]. Dabei wird unter Apartheid im engeren Sinn eine gerade von den Afrikaanern durchgeführte strikte Rassentrennungspolitik verstanden[16]. Verwoerd verfolgte eine Politik der sog. „positiven“ Rassentrennung, für die er eigens den Begriff „getrennte Entwicklung“ schuf[17].

Die Gesetzgebung in der Apartheidära (1948-1990) kann in zwei Bereiche eingeteilt werden: die „Petty Apartheid“ (kleine Apartheid) und die „Große Apartheid , womit die Homelandpolitik gemeint ist[18].

2. Die Ideologie der Apartheid

Die Ideologie der Apartheid hat ihren Ursprung in der Gruppenideologie der weißen Bevölkerungsgruppe, die zwischen Weißen und Nicht-Weißen unterscheidet und den Anspruch auf die Ressourcen eines Landes ausschließlich den Weißen vorbehält[19].

Nach der christlich-nationalistischen Weltanschauung der Buren sind alle Völker von Gott erschaffen, denen ein Recht zur Selbstverwirklichung zusteht[20].

Das Hauptfeindbild der Apartheid war der „internationale Kommunismus“: aus diesem Grund wurde 1950 derSuppression of Communism Act Nr 44(Gesetz zur Unterdrückung des Kommunismus) als erstes Gesetz dieser Art geschaffen und achtzigmal geändert, um jede Art von Publikationen oder Organisationen aus diesem Spektrum zu verbieten[21]. Bei der Neustrukturierung dieses Gesetzes wurde der definitorische Rahmen der anti-kommunistischen Doktrin noch ausgebaut: jetzt wurden alle „Aktivitäten, die die Sicherheit des Staates oder die Wahrung der öffentlichen Ordnung gefährden“, verboten[22].

Eine der vielen Doktrinen der Apartheid ist die „separate but equal“-Doktrin, nach der

jeder gleiche Rechte haben soll, aber jeweils nur in seinem eigenen Land[23].

Zum Kern der Apartheid, der räumlichen Trennung der Bevölkerungsgruppen äußerten sich der Ethnologe, Broederbonder und Missionarssohn Werner Eiselen und der Schriftsteller Geoffrey Cronje wie folgt:

„Der Verfasser und die Mehrheit der europäischen Wählerschaft ebenso wie viele aufgeklärte Repräsentanten der Bantu und anderer Gruppen sind ... der Ansicht, dass die Erhaltung der „weißen“ Vorherrschaft im ganzen Land eine conditio sine qua non ist für den Rassenfrieden und Wohlstand für Südafrika“. (Eiselen)[24]

„Racial mixing and racial conflict ... are at the core of the South African racial problem, and will remain so as long as contact between whites and non-whites continues on its present pattern”. (Cronje)[25]

3. Die Etablierung der Apartheid

Im Gegensatz zur Kap-Kolonie, wo der Gouverneur Sir George Grey eine viel-rassische Gesellschaft propagierte, favorisierte der Schotte Sir Theophilus Shepstone als Staatssekretär für Eingeborenenangelegenheiten in Natal (1848-1875) die Politik einer strikten Trennung der Schwarzen von den Weißen, was man als Vorläufer der Apartheid bezeichnen kann[26].

Die Etablierung der Apartheid erfolgte in vier Phasen: 1) räumliche Aufteilung im Zuge der Urbanisierung und Trennung der öffentlichen Einrichtungen (dabei zogen sich die afrikanischen Siedlungsgebiete hufeisenförmig von der nordöstlichen Kap-Provinz durch West-, Nord- und Ost-Transvaal, Zululand und Natal bis hin zur Transkei und zur Ciskei an der Südküste[27]), 2) Segregation im Wirtschaftsleben, 3) politische Diskriminierung Nicht-Weißer und 4) ab Ende der 1920er Jahre: gesetzgeberische Maßnahmen[28].

1903 wurde nach dem Ende des Burenkriegesdie South African Native Affairs Commissionunter dem Vorsitz von Sir Godfrey Lagden eingesetzt: ihre Aufgabe war die Erarbeitung von Vorschlägen für eine räumliche und politische Trennung der verschiedenen Rassen in Südafrika, da der Konkurrenzdruck zwischen Weißen und Schwarzen in den rapide wachsenden Siedlungsgebieten immer größer wurde[29].

1911 erfolgte eine wirtschaftliche Rassentrennung auf der Grundlage des „Mines and Works Act“: Diplome und Zertifikate wurden nun nur noch an Weiße Mischlinge (farbige Facharbeiter) ausgegeben und nicht mehr an Schwarze[30]. 1928 wurde mit demImmorality Actacht Jahre vor den Nürnberger Gesetzen der Nazis die Ehe und der außereheliche Verkehr zwischen Schwarzen und Weißen unter Strafe gestellt[31].

Mit demPopulation Registration Actvon 1950 begann die eigentliche Apartheid: mit diesem Gesetz wurde die Bevölkerung in „Rassen“ eingeteilt mit den drei Hauptgruppen weiß,colouredund schwarz[32].

Ende der 1950er Jahre begann die Verwoerd-Regierung dann mit der Einleitung der Phase der sog. „petty Apartheid“ und einer regelrechten Gesetzesflut (hauptsächlich im Jahr 1976)[33]: mit Hilfe der neu geschaffenen Homelands sollten alle Schwarzen aus dem weißen Südafrika abgeschoben werden bis auf die als Fremdarbeiter in den weißen Regionen geduldeten Schwarzen[34].

Zu den gewichtigsten Gesetzen der Apartheid zählen derSuppression of Communism Act,derUnlawful Organizations Act(beide 1960), derTerrorism Actvon 1967 (Terrorismus-Gesetz)[35].

Die Apartheid hatte die Durchsetzung der folgenden Anliegen zum Ziel: 1) die Trennung der ethnischen Gruppen unter weißer Vorherrschaft, 2) die Erhaltung der privilegierten sozio-wirtschaftlichen Position der Weißen, und 3) die politische Abschottung des Systems gegen Versuche, es gegen die weiße Mehrheit und hier insbesondere gegen die der Buren zu verändern[36].

In den Verfassungen von 1909, 1961 und 1983 kommt das Wort Apartheid nicht vor, es findet sich in der Verfassung von 1983 lediglich folgende Passage:

„In humble Submission to almighty God ... we declare that we ... are convinced of the necessity of standing united and of pursuing the following national goals: … to respect, to further and to protect the self-determination of population groups and peoples, …[37].

Die südafrikanische Apartheid hat eine asymmetrische Struktur, in der vor allem die schwarze Bevölkerung zum Vorteil der Weißen benachteiligt wird[38].

Zu den vier Säulen der Apartheid zählen: 1) die Beschränkung des Wahlrechts und fast vollständige Monopolisierung der zentralen Staatsmacht durch die Buren (Armee/Geheimdienste/Polizei/Bürokratie), 2) das erzwungene Zusammenfallen von räumlicher Trennung und Rassentrennung unter weißer Vorherrschaft, 3) die Zwangsregulierung der Arbeitskräfte für die Minen, Fabriken, Farmen und weißen Haushalte und 4) die soziale Kontrolle durch das Regime in den städtischen Gebieten[39].

4. Die wichtigsten Ausprägungen des Apartheidsystems

4.1 Homelands

4.1.1 Geschichte bis zur Errichtung der Homelands

In kolonialer Zeit gab es immer wieder Kämpfe um Siedlungs- und Nutzungszonen zwischen den Einheimischen untereinander und den Kolonisten, die künstliche „Zwischenräume“ zwischen den einzelnen Gruppen und sich selbst schufen[40].

Die teilweise vertragliche und teilweise okkupatorische Landnahme bildete bereits um 1900 ein Bild von getrenntem weißen und schwarzen Landbesitz heraus[41].

Bereits 1913 erließ die Regierung denBantu (Natives) Land Act, der den Weißen und den Schwarzen den Landerwerb auf dem jeweils anderen Grund und Boden verbot: dabei wurde den Schwarzen nur 7,4% des südafrikanischen Territoriums (9 Millionen ha) zugewiesen[42]. 1923 erließ die Regierung denNatives Urban Areas Act: dieser ermöglichte es der Regierung, Teile einzelner Regionen für die Schwarzen zur Besiedlung auszuweisen und die Bewegung der Schwarzen wurde von nun an durch ein einheitliches Passwesen geregelt[43]. 1936 wurden den Schwarzen weitere 6,2 Millionen ha als ausschließlich schwarzes Siedlungsgebiet zugewiesen[44].

Diese Gesetze waren eine Folge der rasanten Urbanisierung und Industrialisierung Südafrikas seit der Jahrhundertwende: infolge der Rinderpest und des Burenkrieges 1902 zogen zunächst mehr Afrikaaner als Schwarze in die kleineren vorhandenen Städte, die sich dadurch zu großen Metropolen entwickeln konnten wie das 1886 von Goldsuchern gegründete Johannesburg[45].

Bereits um die Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert bildete sich ein klar strukturiertes Muster von weißen und schwarzen Landbesitz[46]. Infolge desBantu Trust and Land Act(1936) erweiterte sich das den Schwarzen zugeteilte Land auf 15,6 Mill. ha (13% der Fläche Südafrikas)[47]. Mit demNative (Urban Areas) Consolidation Actvon 1945 wurde dem Minister für Angelegenheiten der Schwarzen das Recht eingeräumt, innerhalb der Städte bestimmte Wohngebiete für Schwarze einzurichten[48].

[...]


[1]Kramer, Apartheid, 2001, S. 27.

[2]Vogt, Apartheid, 1982, S. 21.

[3]Holz-Kemmler, Südafrika, 2001, S. 12 f.

[4]Hagemann, Apartheid, 1992, S. 19.

[5]Hagemann, Apartheid, 1992, S. 20.

[6]Holz-Kemmler, Südafrika, 2001, S. 13.

[7]Halbach/Röhm, Südafrika, 1998, S. 1. Vgl. auch Hagemann, Apartheid, 1992, S. 28.

[8]Hagemann, Apartheid, 1991, S. 414

[9]Hagemann, Bonn, 1995, S. 679.

[10]Gnad, Desegration, 2002, S. 43.

[11]Der Begriff “Apartheid” kann nicht direkt übersetzt werden und bedeutet so viel wie „Getrennt-Sein“

oder „Gesondertheit“ (apartbedeutet im Französischen „getrennt“, das Suffix–heidstammt aus

dem Niederländischen. Der Begriff stammt aus dem Afrikaans, einer Sprache, die auf der Basis

niederländischer Dialekte aus dem 17. Jahrhundert gebildet wurde und seit 1925 neben Englisch

offizielle Amtssprache in der Südafrikanischen Union ist. Vgl. Holz-Kemmler, Südafrika, 2001, S. 13,

[12]Nopens, Apartheid, 1999, S. 13.

[13]Adam/Moddley, Südafrika, 1987, S. 55.

[14]Adam/Moddley, Südafrika, 1987, S. 55.

[15]Hagemann, Bonn, 1995, S. 679. Vgl. auch, Hagemann, Apartheid, 1992, S. 17.

[16]Hagemann, Apartheid, 1992, S. 17.

[17]Holz-Kemmler, Südafrika, 2001, S. 92.

[18]Holz-Kemmler, Apartheid, 2001, S. 91.

[19]Vogt, Apartheid, 1982, S. 21.

[20]Gnad, Desegregation, 2002, S. 43.

[21]Sodemann, Gesetze, 1986, S. 97. Vgl. auch Rüsen et al., Südafrika, 1992, S. 224.

[22]Sodemann, Gesetze, 1986, S. 100.

[23]Zimmermann, Apartheid, 1978, S. 651 ff. Zitiert nach Nopens, Apartheid, 1999, S. 14.

[24]Eiselen, Entwicklung, 1965, S. 18.

[25]Cronje, zitiert nach Norval,Deconstructing, 1996, S. 90.

[26]Hagemann, Apartheid, 1992, S. 23.

[27]Halbach, Entwicklungsprobleme, 1982, S. 7.

[28]Hagemann, Apartheid, 1992, S. 26.

[29]Hagemann, Apartheid, 1992, S. 25.

[30]Hagemann, Apartheid, 1991, S. 416.

[31]Hagemann, Apartheid, 1991, S. 416.

[32]Gnad, Desegregation, 2002, S. 45.

[33]Hagemann, Apartheid, 1992, S. 18.

[34]Hagemann, Bonn, 1995, S. 680.

[35]Sodemann, Gesetze, 1962, S. 97.

[36]Nopens, Apartheid, 1999, S. 14.

[37]Nopens, Apartheid, 2000, S. 15.

[38]Vogt, Apartheid, 1982, S. 179.

[39]Cohen, Südafrika, 1987, S. 26 ff.

[40]Novack, Südafrika, 1986, S. 131.

[41]Halbach, Entwicklungsprobleme, 1982, S. 6.

[42]Halbach, Entwicklungsprobleme, 1982, S. 7.

[43]Lemon,Apartheid, 1987, S. 212 f.

[44]Halbach, Entwicklungsprobleme, 1982, S. 7.

[45]Hagemann, Apartheid, 1991, S. 415.

[46]Halbach, Entwicklungsprobleme, 1982, S. 5.

[47]Halbach, Entwicklungsprobleme, 1982, S. 7.

[48]Kramer, Apartheid, 2001, S. 17.

Details

Seiten
36
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783638073370
ISBN (Buch)
9783638957335
Dateigröße
2.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v93953
Institution / Hochschule
Universität Augsburg – Volkskunde
Note
2,0
Schlagworte
Apartheid Seminar Migration Integration

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Titel: Die Apartheid in Südafrika