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Das Asturisch-Leonesische: Sprachliche Charakteristik, Areale Gliederung, Soziolinguistik und Sprachkontakt (mit dem Spanischen)

Hausarbeit 2003 22 Seiten

Romanistik - Spanische Sprache, Literatur, Landeskunde

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Sprachgeschichte

3. Areale Gliederung

4. Sprachliche Charakterisierung
4.1. Phonologie
4.1.1. Vokalsystem
4.1.2. Diphthonge
4.1.3. Konsonantensystem
4.2. Morphosyntax
4.2.1. Artikel
4.2.2. Substantiv
4.2.3. Adjektiv
4.2.4. Verbsystem
4.2.5. Derivation
4.3. Lesebeispiele
4.3.1. Bable occidental
4.3.2. Bable central
4.3.3. Bable oriental

5. Soziolinguistik
5.1. Sprachbewußtsein
5.2. Pragmatik
5.2. Sprachpolitik

6. Sprachkontakt

7. Resümee

8. Quellen

1. Einleitung

Die hier vorliegende Arbeit widmet sich dem Asturisch-Leonesischen.

Einem der primären iberoromanischen Dialekte, die sich als direkte Fortsetzer des gesprochenen hispanischen Lateins entwickelt hat.

Im ersten Teil wird eine kurze Sprachgeschichte dargestellt und eine areale Gliederung vorgenommen. Da die vitalste Form im heutigen Asturien gesprochen wird, werde ich bei der Sprachcharakterisierung insbesondere auf das Asturische eingehen.

Als ich einer Asturierin von dieser Arbeit erzählte, schlug sie die Hände über den Kopf zusammen und sagte: Dios mio, ¡cada asturiano un bable!“

Es gibt unzählige Varianten des Asturischen weshalb nur ein grober Überblick möglich ist.

Ob diese Fülle von Varianten Auswirkungen auf den Gebrauch des Asturischen hat, wird im nächsten Teil der Arbeit untersucht.

Denn letztendlich geht es um die Frage der Zukunft der Sprache. Wird sie wie das Aragonesische verschwinden? Oder begünstigt eine wiedererstarkende Regionalbewegung eine Renaissance des Asturischen?

2. Sprachgeschichte

Asturien wurde relativ spät, im Vergleich zu der restlichen Iberoromania, latinisiert (die Asturer wurden erst 29-19 v. Chr. besiegt; Dietrich/Geckeler 1990 S.122). Das Asturisch-Leonesische ist aus dem in Hispanien verbreiteten Sprechlatein entstanden. Jedoch sind noch eine Reihe von Substraten in der Lexik der Sprache vorhanden, deren Herkunft meist unbekannt ist. So z.B. carbayu (Pappelart) , vega (Ebene) artu (Strauchart), cuetu (Hügel) (Cano González 1976 S.15).

Allerdings scheinen die nördlich des Kantabrischen Gebirges ansässigen Asturer, Galaeici und Cantabrer keltisch beeinflußt gewesen zu sein (Dietrich/Geckeler 1990 S.141). Die römische Herrschaft endete auf der Halbinsel mit den Einfällen der Germanen im Zuge der Völkerwanderung um 500. Das Westgotische Reich wurde mit dem Arabereinfall 711 zerschlagen, und Teile des westgotischen Adels flüchteten sich in den unzugänglichen Norden (Dietrich/Geckeler 1990 S.147).

Die Germanen haben in geringer Zahl auch Superstrate hinterlassen, welche Eingang ins Asturianische fanden. So z.B.: blancu (weiß), estaca (Pfahl), amagar (drohen) (Cano González 1976 S.15).

Das Leonesische ist die romanische Sprache, welche im Ostteil des ehemaligen Königreiches León verwendet wurde. Zentrum war das ehemalige Königreich Asturien (seit 718), welches zum Ausgangspunkt der Reconquista wurde. Mit der raschen Ausbreitung in Richtung Süden verlagerte man die Hauptstadt von Oviedo nach León (910) . Das Sprachgebiet reichte im 9. Jh. bis an den Duero und im 13. Jh. bis Badajoz. (Dietrich/Geckeler 1990 S.39).

Die in León liegenden Gebiete wurden von Siedlern aus der ganzen Halbinsel wiederbevölkert. Resultat war, daß die Sprache in diesen Regionen einheitlicher war als in Asturien selbst (Menéndez Pidal 1986 S.445).

1230 wurde das Königreich endgültig Kastilien einverleibt und in Folge dessen die Ausbreitung des Leonesischen gestoppt. Die darauf einsetzende Kastilianisierung der Oberschichten und der Gebrauch des Castellano in formellen Angelegenheiten ließ die Entstehung einer leonesischen beziehungsweise asturischen Literatur nicht zu (Berschin 1987 S.59).

Es sind nur wenige asturische Texte erhalten. Meist sind sie aus dem Rechtswesen, so wie das Fuero de Avilés (1155), Fuero de Oviedo (1145) (García Arias 1995 S.622).

Ab dem 15.Jahrhundert fand das Asturische in die Literatur lediglich Eingang durch das sayagués, welches als charakteristisches Merkmal von ländlichen, schlichten Personen benutzt wurde (Lleal Galceran 1990 S.271).

Heute sind nur noch Reste des ursprünglichen Sprachgebietes des Leonés erhalten, dessen vitalste Form heute das Asturische ist. Trotzdem werden teilweise noch in der Literatur die Termini Leonés, Astur-Leonés verwendet. Jedoch ist kein überregionales Sprachbewußtsein für das Leonés mehr vorhanden. Eher ist man der jeweiligen comunidad autónoma oder dem jeweiligen pueblo verbunden und bezeichnet dementsprechend sein Idiom als extremeño, zamorano, salmantino. Die einzelnen Mundarten werden bables genannt (Born 1992 S.693).

3. Areale Gliederung

Das Sprachgebiet Asturisch-Leonesischen wird durch das des Castellano im Osten und im Süden und durch das des Gallego-portugués im Westen begrenzt.

Das Sprachgebiet des Astur-Leonés erstreckt sich heute, in seiner vitalsten Ausprägung, auf Asturien, das westlichen Santander, das westlichen León, das westliche Zamora und auf einigen grenznahen Gegenden Portugals (Rionor, Guadramil, Miranda do Douro). Außerdem gibt es galicisch-asturische Dialekte im Grenzraum Galiciens und Asturiens (Born 1992 S.693; siehe Abbildung 1).

Die überwiegend ländlich geprägte Bevölkerung Asturiens und das frühere Fehlen von großen Städten, welchen eine sprachlich verbindende Funktion zukommen hätte können, begünstigte das Entstehen vieler Varietäten. Auch hatte der Gebrauchs des Kastilischen als Schriftsprache, mit dem eine Diglossierung der Bevölkerung einherging, ein mangelndes Sprachbewußtsein zur Folge. Die Sprecher empfanden das Castellano als lengua comun, während ihr Dialekt nur auf lokaler, mündlicher und informeller Ebene verwendet wurde (Lleal Galceran 1990 S.272). Demzufolge haben wir heute eine Vielzahl von Varianten des Asturischen, die sich grob in vier regionale Idiome ordnen lassen: gallego-asturiano, bable occidental, bable oriental, bable central (siehe Abbildung 2).

Von den etwa 1.1 Millionen Einwohnern Asturiens leben 80% auf dem Gebiet des Zentralasturischen, während es im westlichen Bereich nur 14 % , im östlichen nur 2% und im galicisch-asturischen nur 4% sind (García Arias 1992 S.686).

Martínez Álvarez vermutet, daß der Verlauf der Isoglossen Resultat der präromanischen Besiedlung ist, scheinen sich doch die Siedlungsgebiete der Cántabros, der Gallaicos, der Ástures mit ihren zwei Gruppen Pœsicos und Luggones mit den heutigen Dialektgebieten zu decken (Martínez Álvarez 1996 S.126). Weitere Ursache der überwiegend von dem Norden nach dem Süden verlaufenden Varietätengrenzen ist die Topographie Asturiens. So begünstigen die Ausläufer der Cordillera Cantábrica die Nord-Süd Kommunikation, während sie vom Osten nach Westen eher als Barriere wirken (García de Diego 1964 S.138).

Abbildung 1: Verbreitung des Astur-Leonesischen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(entnommen aus Born 1992 S.694)

Abbildung 2: Areale Gliederung der Bable Varietäten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(entnommen aus Cano González 1976 S.104)

4. Sprachliche Charakteristik:

Aufgrund der hohen Anzahl von Varietäten des Asturisch-Leonesischen werde ich mich hier nur auf das Asturische beziehen. Die wichtigsten Unterschiede der Mundarten (bables) des Asturischen werden benannt, können jedoch an dieser Stelle nicht alle erläutert werden.

4.1. Phonologie

4.1.1. Vokalsystem

Das Bable hat wie das Spanische fünf Vokale (Rodríguez Millo 1994 S.33). Häufig werden -e, –o zu –i,-u geschlossen: tsubu ‘lobo’ (Wolf), pilu ‘pelo’ (Haar) (Dietrich/Geckeler 1990 S.39).

4.1.2. Diphthonge

Ein charakteristisches Merkmal des Asturischen ist die Diphthongierung des vulgärlateinischen é7 und ó7 auch vor Palatalen. So etwa: teneo > tiengo, folia > fueya, nocte > nueche, porta > puorta/puarta/puörta, et > ya, ferrum>fierru, iocum>xuegu (Dietrich/Geckeler 1990 S.39). Diese Form der Diphthonierung ist in ganz Asturien verbreitet.

Im Westen hingegen finden wir auch die steigenden Diphthonge ei, ou, welche in Zentral- und Ostasturien schon zu e und u verkürzt sind (entnommen aus Cano González 1976 S.22). So wie: carpinteiro / carpintero, veiga / vega.

Die unterschiedlichen Realisierungen werden in der Abbildung 3 dargestellt.

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Details

Seiten
22
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638070850
ISBN (Buch)
9783640413645
Dateigröße
6.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v93938
Institution / Hochschule
Universität Potsdam
Note
2
Schlagworte
Asturisch-Leonesische Sprachliche Charakteristik Areale Gliederung Soziolinguistik Sprachkontakt Spanischen) Iberoromanische Dialekte

Autor

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