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Gleichgeschlechtliche Pflegeeltern in Kanada

Forschungsarbeit 2008 79 Seiten

Soziologie - Familie, Frauen, Männer, Sexualität, Geschlechter

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Quantitative Datenerhebung
1.1. Zaehlung der gleichgeschlechtlichen Bevoelkerung in Kanada
1.1.1. Statistik zur kanadischen Bevoelkerung
1.1.2. Zaehlung der gleichgeschlechtlichen Bevoelkerung beider Geschlechter in Kanada
1.2. Datenerhebung fuer gleichgeschlechtliche Verheiratete und Common-Law Paare im Vergleich zu gegengeschlechtlich Verheirateten
1.2.1. Zaehlungen fuer gegen- und gleichgeschlechtliche Paare (verheiratet, Common-Law), 2001 und
1.3. Haeufigkeit der Kinder in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften bei Maenner und Frauen in Kanada
1.4. Anzahl der Pflegefamilien und Pflegekinder in den kanadischen Provinzen und Territorien
1.4.1. British Columbia - Children in Care
1.4.2. Manitoba - Children in Care
1.4.3. Newfoundland and Labrador - Children in Care
1.4.4. Nova Scotia - Children in Care
1.4.5. Ontario - Children in Care
1.4.6. Quebec - Children in Care
1.4.7. Yukon - Children in Care
1.4.8. Alberta - Children in Care
1.4.9. New Brunswick - Children in Care
1.4.10. Northwest Territories - Children in Care
1.4.11. Nunavut - Children in Care
1.4.12. Prince Edward Island - Children in Care
1.4.13. Saskatchewan - Children in Care
1.5. Bericht des Family Research Institutes (Ottawa, Canada)

2. Canadian Charter of Rights and Freedoms

3. Begriffsbestimmungen: Familie und (gleichgeschlechtliche) Pflegefamilie
3.1. Familie
3.2. (Gleichgeschlechtliche) Pflegefamilie

4. Zur Triade in Herkunftsfamilien und (gleichgeschlechtlichen) Pflegefamilien

5. Child Welfare in Kanada
5.1. Historische Hintergruende

6. Formenvielfalt von Pflegestellen in Kanada

7. Konzepte zur Pflegefamilienforschung
7.1. Das Konzept der Pflegefamilie als Ersatzfamilie
7.2. Das Konzept der Pflegefamilie als Ergaenzungsfamilie
7.3. Ergaenzungsfamilie vs. Ersatzfamilie
7.4. Zusammenfassung
7.5. Das Konzept der Pflegefamilie als „ Familie anderer Art“
7.6. Die Milieupflege

8. Resilienzentwicklung von Pflegekindern
8.1. Forschungsdesigns
8.2. Protektive Faktoren
8.3. Schutzfaktoren vs. Risikofaktoren
8.4. Begriffbestimmung Risikofaktoren
8.5. Zusammenfassung

9. Bessere oder schlechtere Entwicklungsbedingungen fuer Pflegekinder in gleichgeschlechtlichen Pflegefamilien?
9.1. Warum Homosexuelle ungeeignete Pflegeeltern sind (?)
9.2. Das hoechste Kindeswohl - Studie vergleicht Kinder heterosexueller verheirateter Paare mit Kindern von homosexuellen und heterosexuellen Lebenspartnern
9.2.1. Zusammenfassung der Ergebnisse
9.3. Maengel der Datenerhebungen ueber gleichgeschlechtliche Pflegeeltern

10. Schlusswort

Literaturverzeichnis

Internetaddressen

Einleitung

Keine andere private Lebensform loest vermutlich solche heftigen Emotionen und ideologisch begruendeten Diskussionen aus wie gleichgeschlechtliche (Pflege)Lebensgemeinschaften mit Kindern. Immerhin stehen tief sitzende Ueberzeugungen unserer Kultur zur Diskussion und damit zur Disposition; es sind kulturelle Gewissheiten ueber Geschlecht, Sexualitaet, Ehe und Elternschaft (Stacey & Biblarz, 2001; Donovan, 2000). Im Kern des Streites stehen die persoenlichen Entwicklungen des (Pflege)Kindes und die Eigenschaften der (gleichgeschlechtlichen Pflege)Eltern. Das Thema Pflegekinder in gleichgeschlechtlichen Pflegefamilien wird in Kanada wie auch in Deutschland immer aktueller. Aufgrund dessen ist es fuer die Sozialforschung wichtig zu untersuchen, wie es jungen Menschen durch die Unterstuetzung ihrer (gleichgeschlechtlichen) Pflegefamilie gelingt, sich zu selbststaendigen Erwachsenen zu entwickeln, die die Schwierigkeiten des Lebens meistern koennen. Daher bezieht sich das Thema meiner Hausarbeit auf folgende Frage: Sind die Bedingungen, die gleichgeschlechtliche Pflegefamilien ihren Pflegekindern zur Verfuegung stellen, um Resilienzpotentiale auszubilden, besser als in gegengeschlechtlichen Pflegefamilien?

Um diese Frage meiner Hausarbeit wissenschaftlich beantworten zu koennen, erscheint es mir wichtig, als Basis und Ausgangspunkt ein fundiertes Wissen ueber die „Pflegefamilie“ als solche zu haben. Ich habe zusaetzlich den Fokus auf die kanadische Bevoelkerung gelegt, um deren gesellschaftliche Umstaende zu diesem Thema zu erarbeiten. Daher werde ich im ersten Kapitel mit Hilfe von Statistiken der kanadischen Bevoelkerung eine Eingrenzung der homosexuellen Bevoelkerungsschicht vornehmen sowie meine Zaehlung zu Pflegefamilien und Pflegekindern in Kanada darlegen. Dadurch ist es mir moeglich die potenziell fuer eine gleichgeschlechtliche Pflegeelternschaft in Frage kommenden homosexuellen Paare herauszufiltern. Da es noch keine Statistiken ueber gleichgeschlechtliche Pflegefamilien in Kanada gibt - denn bislang wuerde das unter Diskriminierung zaehlen - habe ich mich in Kapitel zwei mit der kanadischen Gesetzgebung zu den Gleichheitsrechten bzgl. Homosexueller (Pflegeelternschaft) befasst. Um die strukurellen Rahmenbedingungen einzugrenzen, befasst sich Kapitel drei mit den Begriffsbestimmungen von Familie und Pflegefamilie und Kapitel vier mit der Triade in Pflegefamilien (mit zusaetzlichem Verweis auf die Identitaetsbildungprozessen von Pflegekindern). Der geschichtliche Rueckblick auf die Entstehung der Child Welfare in Kanada (Kapitel fuenf), die Formenvielfalt der Familienpflege (Kapitel sechs) wie auch die Erlaeuterung des Theorienstreits zur Pflegefamilie als Ersatz- oder Ergaenzungsfamilie und des neu entwickelten theoretischen Konzepts zur Pflegefamilienforschung der „Pflegefamilie als Familie anderer Art“ (Kapitel sieben), sollen das Bild ueber die (kanadische) „Pflegefamilie“ abrunden. Mit Hilfe dieses Hintergrundwissens wende ich mich der Beantwortung meiner Forschungsfrage zu, indem ich mich zuerst ausfuehrlicher mit der Resilienzforschung (Kapitel acht) und danach mit einer empirischen Studie (Rekers, 2004) ueber (Pflege)Kinder von gegen- und gleichgeschlechtlichen Pflege- und Adoptivfamilien im Vergleich zu (Pflege)Kindern von gegengeschlechtlichen Verheirateten (Kapitel neun) befasse. Im letzten Kapitel werde ich meine Hausarbeit mit einer offenen Beantwortung der Forschungsfrage abschliessen.

1. Quantitative Datenerhebung

Das Kapitel ueber quantitative Datenerhebung soll ersterhand einen Gesamtueberblick ueber die Anzahl kanadischer gleichgeschlechtlicher Pflegefamilien geben. Meine Recherchen haben ergeben, dass aufgrund der Gefahr von Diskriminierung der homosexuellen1 Bevoelkerungschicht (vgl. Kapitel 2.), bislang keine Zaehlungen gemacht wurden, um die Anzahl der gleichgeschlechtlichen Pflegefamilien Kanada's zu erfassen. Auch sonst liegen zu diesem Thema keine weiteren kanadischen Studien vor. Es ist jedoch zu bemerken, dass in allen 10 Provinzen und drei Territorien Kanada's die Erlaubnis fuer eine Pflegeelternschaft Homosexueller seit Ende des 20. Jahrhunderts gesetzlich erlassen wurden ist. Da der Fokus meiner Arbeit auf der Untersuchung von gleichgeschlechtlichen Pflegefamilien in Kanada liegt, bin ich zu folgender Loesung gekommen: Um, trotz mangelnder Statistiken, eine Annaehrung, Eingrenzung und ungefaehre Einschaetzung ueber die moegliche Anzahl der gleichgeschlechtlichen Pflegefamilien zu bekommen, habe ich im Folgenden die in der kanadischen Geschichte erstmalige statistische Zaehlung der homosexuellen Bevoelkerung fuer beide Geschlechter aufgefuehrt. Eine weitere, fuer die Pflegeelternschaft in Frage kommende Gruppe stellen die homosexuellen Verheiraten und Common-Law2 Paare dar. Ebenso habe ich bei dieser Zaehlung die Haeufigkeit der Kinder in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften bei Maenner und Frauen beruecksichtigt. Allerdings ging aus dieser Zaehlung nicht hervor, ob es sich um eigene (biologische) Kinder oder aber um Pflegekinder handelt.

Daher laesst sich nur eine Eingrenzung diesbezueglich wagen. Abschliessend habe ich anhand durchgefuehrter Telefoninterviews die Gesamtanzahl der Pflegefamilien (foster families), der Pflegekinder, je nach Moeglichkeit die Anzahl insgesamt aller Pflegemoeglichkeiten und aller Pflegekinder fuer die kanadischen Provinzen und Territorien zusammengefasst. Diese Zahlen unterliegen jedoch einer staendigen Fluktuation und koennen sich taeglich, woechentlich, monatlich und jaehrlich aendern. Waehrend meiner Internetrecherche bin ich auf einen einzigen Artikel des Family Research Institutes aus Ottawa vom Jahr 2002 gestossen, welcher die Anzahl von gleichgeschlechtlichen Pflegefamilien in Ottawa aufzeigt. Darueber hinaus ist anhand der Telefoninterviews erkenntlich geworden, dass es in fast jeder Provinz/ Territorium gleichgeschlechtliche Pflegefamilien gibt - den Aussagen der Telefoninterviews zufolge ist jedoch deren Anzahl im Vergleich zu heterosexuellen Pflegefamilien bislang sehr niedrig. Eine genaue Anzahl konnte mir leider nicht gesagt werden, denn die Trennung von heterosexuellen und homosexuellen Pflegefamilien wuerde, wie schon erwaehnt, als Diskriminierung angesehen und klar abgelehnt werden.

1.1. Zaehlung der gleichgeschlechtlichen Bevoelkerung in Kanada

Die Zaehlung der gleichgeschlechtlichen Bevoelkerung in Kanada hat ergeben, dass insgesamt 0,27% der kanadischen Bevoelkerung homosexuell sind. Davon sind 0,15% (49480) homosexuelle Maenner und 0,12% (41220) homosexuelle Frauen. Anhand der Stadt- Land-Verteilung ist deutlich zu sehen, dass es wesentlich mehr Homosexuelle in den Grossstadtgebieten der Provinzen als in den laendlichen Gebieten der Provinzen und Territorien gibt. Es ist allerdings zu bemerken, dass die Zaehlung nicht in allen Staedten durchgefuehrt wurden ist, wie bspw. in Smithers BC. Hier gibt es ca. sechs homosexuelle Individuen von denen ich weiss. Auch steht nicht fest, wie viele der Befragten ihre Homosexualitaet tatsaechlich zugegeben haben. Somit ist eine „Dunkelziffer“ von Homosexuellen durchaus gegeben. Kapitel 1.1.1. und 1.1.2. dienen dem tabellarischen Ueberblick der gesammelten Daten und zeigen deutlich die Stadt-Landverteilung. Es ist demzufolge ersichtlich, dass es mehr homosexuelle Paare in den Stadtgebieten, vor allem in den Grossstaedten als in den laendlichen Gebieten gibt.

-Im Durchschnitt waren die Personen homosexueller Paare juenger als die der heterosexuellen Paare. Z.B. befanden sich 24,5% an Personen im Alter von 34 Jahren und juenger in einer homosexuellen Partnerschaftsbeziehung (common-law, verheiratet), waehrend dessen nur 3,8% Senioren im Alter von 65 Jahren oder aelter in einer homosexuellen Partnerschaftsbeziehung waren;
-Im Vergleich: nur 18,1% der Personen in heterosexuellen Partnerschaftsbeziehungen (common-law, verheiratet) befanden sich im Alter von 34 Jahren und darunter; nur 16,0% waren Senioren im Alter von 65 Jahren oder aelter.3

1.1.1. Statistik zur kanadischen Bevoelkerung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: The World Factbook - Canada, In: https://www.cia.gov/library/publications/the- world-factbook/print/ca.html

1.1.2. Zaehlung der gleichgeschlechtlichen Bevoelkerung beider Geschlechter in Kanada

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Statistics Canada, Families and Households Highlight Tables, 2006 Census: Table 3 Persons in same-sex unions by broad age groups and sex, In: http://www12.statcan.ca/english/ census06/data/highlights/households/index.cfm?Lang= E

1.2. Datenerhebung fuer gleichgeschlechtliche Verheiratete und Common-Law Paare im

Vergleich zu gegengeschlechtlich Verheirateten

Die Zaehlungen des Census 2006 fuer gleichgeschlechtliche Paare im Vergleich zu heterosexuell Verheirateten in Kanada ergab Folgendes:

- Es leben 45300 homosexuelle Paare in Kanada
- davon sind ca. 7500 (16.5%) verheiratet und 37,900 (83.5%) Common-Law;
- im Jahr 2001 wurden 34200 homosexuelle Paare gezaehlt

1. die Anzahl homosexueller Paare ist daher in der Zeit zwischen 2001 und 2006 um 32.6%gestiegen,
2. Die Wachstumsrate homosexueller Paare uebersteigt die der heterosexuellen Paare um +5.9%;

- Im Jahr 2006 lebten 50,0% aller homosexuellen Paare in Montréal, Toronto und Vancouver4 ;
- 2006 representierten homosexuelle Paare insgesamt 0.6% aller Haushalte innerhalb Kanada's;
- Ueber die Haelfte (53.7%) homosexueller Verheirateter waren Maenner, verglichen mit 46,3% homosexueller verheirateter Frauen. Ein aehnlicher Vergleich wurde mit homosexuellen Common-Law Paaren gemacht, wobei auch hier die Anzahl der Maenner, die der Frauen ueberstieg.

1.2.1. Zaehlungen fuer gegen- und gleichgeschlechtliche Paare (verheiratet, Common- Law), 2001 und 2006

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Statistics Canada, censuses of population, 2001 and 2006.

1.3. Haeufigkeit der Kinder in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften bei Maenner und Frauen in Kanada

Die Zaehlung zur Haeufigkeit der Kinder in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften bei Maenner und Frauen ergab, dass

-Bei ca. 9% homosexueller Paare sich Kinder im Haushalt befanden. Im Durchschnitt war dies bei den Frauen (16,3%) ueblicher als bei den Maennern (2.9%);
-Verglichen mit 7,5% der homosexuellen Common-law Partner, war es fuer homosexuelle Verheiratete mit 16,2% wahrscheinlicher Kinder im Haushalt zu haben; -Verglichen mit 14,6% der weiblichen homosexuellen Common-law Partner, war es fuer homosexuelle verheiratete Frauen mit 24,5% wahrscheinlicher Kinder im Haushalt zu haben; -Ganz aehnlich ist es bei den Maennern, wo verglichen mit nur 1,7% der maennlichen homosexuellen Common-law Partner es fuer homosexuelle verheiratete Maenner mit 9,0% wahrscheinlicher war Kinder im Haushalt zu haben;

1.4. Anzahl der Pflegefamilien und Pflegekinder in den kanadischen Provinzen und Territorien

1.4.1. British Columbia - Children in Care

Fuer den Zeitraum Januar 2008 zaehlt die Provinz British Columbia ca. 3200 foster families und ca. 9184 Pflegekinder, die in foster families untergebracht wurden sind.6

1.4.2. Manitoba - Children in Care

Fuer den Zeitraum August 2007 zaehlt die Provinz Manitoba ca. 2736 Pflegestellen fuer Pflegekinder. Davon sind ca. 2515 foster families in denen ungefaehr 4407 Pflegekinder untergebracht wurden sind. Momentan zaehlt Manitoba insgesamt 7241 Pflegekinder.7

1.4.3. Newfoundland and Labrador - Children in Care

Fuer den Zeitraum Januar 2008 zaehlt die Provinz Newfoundland and Labrador ca. 450 foster families und ca. 700 Pflegekinder, die in foster families untergebracht wurden sind. Es liegen bislang keine weiteren Statistischen Berichte vor.8

1.4.4. Nova Scotia - Children in Care

Fuer den Zeitraum Maerz 2007 zaehlt die Provinz Nova Scotia ca. 710 foster families und ca. 893 Pflegekinder, die in foster families untergebracht wurden sind.9

1.4.5. Ontario - Children in Care

Fuer den Zeitraum April 2006 bis Maerz 2007 zaehlt die Provinz Ontario ca. 9111 Pflegestellen fuer Pflegekinder. Davon sind ca. 7697 foster -und kinship homes. Insgesamt wurden 18775 Kinder in Pflege gegeben.10

1.4.6. Quebec - Children in Care

Fuer den Zeitraum Januar 2008 zaehlt die Provinz Quebec ca. 12686 Pflegestellen fuer Pflegekinder. Davon sind ca. 5523 foster homes. In diesen wurden insgesamt 9318 Pflegekinder untergebracht.11 Fuer Quebec liegen bislang keine weiteren Berichte vor als ein kurzer statistischer Ueberblick, der mir von Mrs. Hélène Nobert (Conseillère - Secteur hébergement public non institutionnel Service des activités communautaires Ministère de la Santé et des Services Sociaux) gegeben wurden ist:

1.4.7. Yukon - Children in Care

Fuer den Zeitraum Januar 2008 zaehlt das Yukon Territory ca. 33 foster families und ca. 122 Pflegekinder, die in foster families untergebracht wurden sind. Momentan gibt es im Yukon Territory 108 Pflegestellen fuer Pflegekinder.12

1.4.8. Alberta - Children in Care

Fuer den Zeitraum Januar 2008 zaehlt die Provinz Alberta ca. 2323 foster families und ca. 4597 Pflegekinder, die in diesen untergebracht wurden sind.13

1.4.9. New Brunswick - Children in Care

Fuer den Zeitraum Januar 2008 zaehlt die Provinz New Brunswick insgesamt 732 Pflegestellen, wovon ca. 530 foster families sind. Es gibt ungefaehr 1300 Pflegekinder in New Brunswick.14

1.4.10. Northwest Territories - Children in Care

Fuer den Zeitraum Januar 2008 zaehlen die Northwest Territories ca. 409 foster families und ca. 553 Pflegekinder, die in foster families untergebracht wurden sind.15

1.4.11. Nunavut - Children in Care

Fuer den Zeitraum Dezember 2007 zaehlte Territory Nunavut ca. 233 Pflegekinder, die in foster families untergebracht wurden sind. Fuer Dezember 2007 wurden insgesamt 335 Pflegekinder gezaehlt.16

1.4.12. Prince Edward Island - Children in Care

Fuer den Zeitraum Januar 2008 zaehlt die Provinz Prince Edward Island ca. 93 Pflegestellen fuer Pflegekinder, wovon 87 foster families sind. Fuer Januar 2007 wurden insgesamt 280 Pflegekinder gezaehlt.17

1.4.13. Saskatchewan - Children in Care

Fuer den Zeitraum Januar 2008 zaehlt die Provinz Saskatchewan ca. 799 foster families, in denen ca. 1900 Pflegekinder untergebracht wurden sind. Fuer Januar 2007 wurden insgesamt 3300 Pflegekinder gezaehlt.18

1.5. Bericht des Family Research Institutes (Ottawa, Canada)

Die Ottawa Children ’ s Aid Society (CAS) hat seit Anfang der 90er Jahren mit Homosexuellen Maenner und Frauen zusammen gearbeitet. Die CAS hat sogar einen Informationsstand fuer Pflegeelternschaft und Adoption Homosexueller fuer die jaehrliche Pride Parade in Ottawa gesponsort. Seit 1995 hat die CAS Pflegekinder bei sieben gleichgeschlechtlichen Pflegefamilien untergebracht. Ein lesbisches und ein schwules Paar der sieben gleichgeschlechtlichen Pflegefamilien haben ihre Pflegekinder schliesslich adoptiert. Von 278 geprueften Pflegefamilien Ottawa's sind - nach dem Stand von 2002 - nur 9 (3%) homosexuelle Paare. (Melanie Brooks, Ottawa Citizen, 10/24/02)19

Aktuellere Daten liegen bislang nicht vor.

*****

Wie schon zu Anfang erwaehnt, wurde aufgrund der Gefahr von Diskriminierung Homosexueller bislang auf eine statistische Zaehlung gleichgeschlechtlicher Pflegeeltern verzichtet. Auch gibt es keine Laengsschnitt- oder Langzeitstudien ueber Pflegekindern in gleichgeschlechtlichen Pflegefamilien, die einen theoretischen und empirischen Einblick in deren Entwicklung erlauben wuerden. Darueber hinaus ist die Pflegeelternschaft kanadischer Homosexueller erst vor ungefahr 15 Jahren schrittweise gesetzlich erlassen wurden. Ueber laufende Studien diesbezueglich liegen mir, trotz intensiver Recherchen, keine weiteren Erkenntnisse vor. Kapitel 2. habe ich deshalb dem kanadischen Verfassungsgesetz gewidmet, da dieses die Aussage der Gefahr der Diskriminierung Homosexueller als solche und als Pflegeeltern unterstreicht. Es bleibt zu hoffen, dass sich die allgemeine fachliche Meinung zugunsten einer statistischen Zaehlung gleichgeschlechtlicher Pflegefamilien aendert. Dies waere zum Wohle der Pflegekinder wuenschenswert und, von einem wissenschaftlichen Standpunkt aus gesehen, durchaus gerechtfertigt.

2. Canadian Charter of Rights and Freedoms

Es ist die Canadian Charter of Rights and Freedoms, welche die Gleichheit aller Menschen vor dem Gesetz beschreibt und allen Menschen (in Kanada) den gleichen Schutz und Nutzen von diesem Gesetz zukommen laesst. Die Gleichheitsrechte sind in der Charter unter Abschnitt 15 aufgelistet:

Schedule B: Verfassungsgesetz, 198220:

„PART I: Canadian charter of rights and freedoms

Whereas Canada is founded upon principles that recognize the supremacy of God and the rule of law21:

Guarantee of Rights and Freedoms:

1. The Canadian Charter of Rights and Freedoms guarantees the rights and freedoms set out in it subject only to such reasonable limits prescribed by law as can be demonstrably justified in a free and democratic society. 22

Equality Rights:

15. (1) Every individual is equal before and under the law and has the right to the equal protection and equal benefit of the law without discrimination and, in particular, without discrimination based on race, national or ethnic origin, colour, religion, sex, age or mental or physical disability. 23

(2) Subsection (1) does not preclude any law, program or activity that has as its object the amelioration of conditions of disadvantaged individuals or groups including those that are disadvantaged because of race, national or ethnic origin, colour, religion, sex, age or mental or physical disability. “ 24 (Quelle: http://laws.justice.gc.ca/en/charter/)

*****

Vor dem Hintergrund der vorangegangenen Kapitel werde ich im nun folgenden die Begriffe Familie und (gleichgeschlechtliche) Pflegefamilie ueberblicksartig erlaeutern, um in Kapitel 4. - 4.2. auf das triadische Strukturengebilde beider Systeme einzugehen.

3. Begriffsbestimmungen: Familie und (gleichgeschlechtliche) Pflegefamilie

3.1. Familie

„Die Familie ist zwar in besonderem Maße von biologischen Faktoren beeinflußt, und sie ist auf Grund dieser naturhaften Bezüge ein relativ stabiles Gebilde, sie begegnet jedoch im Lauf der historischen Entwicklung in einer solchen Formenvielfalt, daß man von einer überzeitlich gleichbleibenden, natürlich vorgegebenen Einheit menschlichen Zusammenlebens keineswegs sprechen kann." (Mitterauer & Sieder, 1984, S. 14) Die Bedeutung des Wortes Familie im heutigen Sinn hat sich erst im 18. Jahrhundert durchgesetzt. Bis zum Beginn der Neuzeit gab es keine eigene Bezeichnung fuer die Form des Zusammenlebens von miteinander verwandten Personen - meist Eltern mit ihren noch nicht selbststaendigen Kindern - wie sie heute ueblich ist. Zum besseren Verstaendnis wird heute die Bezeichnung „Klein-“ oder „Kernfamilie“ verwendet, die inzwischen nur eine von vielen Lebensformen darstellt. Neben ihr stehen u.a. kollektive Lebensformen (z.B. Wohngemeinschaften), Alleinlebende, Alleinerziehende, dyadische Lebensweisen (Ehe), gleichgeschlechtliche Partnerschaften und Nicht-Eheliche Lebensgemeinschaften (NEL´s) (vgl. Nave-Herz, 2004). Ulrich Beck und Elisabeth Beck-Gernsheim als Vertreter der Individualisierungsthese formulieren den Familienbegriff folgendermassen: Was Familie, Ehe, Elternschaft, Sexualitaet, Erotik, Liebe ist, meint, sein sollte oder sein koennte, kann nicht mehr vorausgesetzt, abgefragt, verbindlich verkuendet werden, sondern variiert in Inhalten, Ausgrenzungen, Normen, Moral, Moeglichkeiten, am Ende eventuell von Individuum zu Individuum, Beziehung zu Beziehung, muss in allen Einzelheiten des Wie, Was, Warum, Warum-Nicht entraetselt, verhandelt, abgesprochen und begruendet werden (Beck/Beck-Gernsheim, 1990).

Geschlecht, Alter, geistiger oder physischer Behinderung Benachteiligungen erfahren (haben).

3.2. (Gleichgeschlechtliche) Pflegefamilie

Der Begriff Pflegefamilie wird zur Kennzeichnung des Sozialisationsortes benutzt, an dem das Pflegekind lebt. Die mit der Erziehung des Pflegekindes betrauten erwachsenen Menschen in der Pflegefamilie werden als Pflegepersonen oder Pflegeeltern bezeichnet. Unter Pflegeeltern versteht man volljaehrige Personen, die voruebergehend oder dauerhaft Kinder anderer Eltern (Pflegekinder) aufnehmen (Blandow, 1999). [Seit Ende des 20. Jahrhundert koennen auch gleichgeschlechtliche Paare die Pflegeelternschaft in Kanada und in Deutschland ausueben.]

4. Zur Triade in Herkunftsfamilien und (gleichgeschlechtlichen) Pflegefamilien

Um das strukturelle Gebilde von Familie im Vergleich zur Pflegefamilie naeher zu bringen, werde ich in Kapitel 4.1. nur in Kuerze auf die Triade beider Systeme eingehen. Da dieses Thema nicht unbedingt Gegenstand meiner Arbeit ist, verweise ich auf Gehres (2005) und Funcke (2006), die sich ausfuehrlicher damit auseinandergesetzt haben. Zum besseren Verstaendnis gebe ich kurz die wichtigsten Merkmale der Triade (gleichgeschlechtliche Pflege)Familie an:

Triade bezeichnet in der Familientherapie das Beziehungssystem zwischen drei Personen. Dieses System hat seine erste Auspraegung im Leben eines jeden Menschen in der Beziehungskonstellation Vater-Mutter-Kind, also der kleinsten Kernfamilie. Die Triade gleichgeschlechtlicher Pflegefamilien wird denmach in Pflegemutter - Pflegemutter - Pflegekind oder Pflegevater-Pflegevater-Pflegekind unterteilt . Die in der Triade strukturbedingt vorgegebenen Positionen (z.B.Vater, Ehemann, Mutter, Ehefrau, Kind) sind so auszufuellen und zu gestalten, dass eine Spannungsdynamik ins Werk gesetzt wird, die - betrachtete aus der Perspektive des Kindes - Grosswerden ermoeglicht (vgl. Funcke 2006). Es geht also um das Inszenieren einer Spannung, die das noch nicht autonome Kind in einen Auseinandersetzungsprozess hineinzwingt, durch den es aus der Familie mit dem Erwerb von Ich-Staerke und Widerstandsfaehigkeit hinausgetrieben wird, um erwachsen zu werden. Die Bedeutung triadischer Beziehungsstrukturen als Grundlage fuer die Herausbildung von Autonomie, Handlungsfaehigkeit und sozialisatorischer Kernkompetenzen 25 ist damit fuer eine positive Identitaetsentwicklung 26 des (Pflege)Kindes von groesster Wichtigkeit.

Waehrend Strukturmerkmale, wie unbedingte, affektive und erotische Solidaritaet, die Solidaritaet des gemeinsamen Lebensweges und die Nicht-Austauschbarkeit von Personen fuer das Beziehungsgefuege Vater-Mutter-Kind typisch sind, wird deutlich, dass in (gleichgeschlechtlichen) Pflegefamilien: eine Austauschbarkeit von Personen vorhanden ist, da die soziale Elternschaft durch einen Pflegevertrag begruendet wird. Auch gibt es keine Solidarit ä t des gemeinsamen Lebensweges; weil das Betreuungsverhaeltnis rechtlich fixiert und befristet ist. Darueber hinaus existiert keine erotische Solidarit ä t auf der Generationenachse; eine Vermischung von diffusen und spezifischen Sozialbeziehungen findet nicht statt; es besteht eine potentielle Konkurrenz der Pflegeeltern gegenueber den Herkunftseltern sowie ggf. gegenueber der Jugendhilfebehoerde; und das Pflegekind wird mit unterschiedlichsten Modellen familialer Sozialisation konfrontiert.

Im Vergleich zur Herkunftsfamilie besteht die Pflegefamilie also aus einem widerspruechlichen strukturellen Gebilde, da hier ein Milieu diffuser27 Sozialbeziehungen auf Zeit unter vertragsmaessigen Bedingungen konstituiert wird. Im Gegensatz zur Herkunftsfamilie ist es die Aufgabe der Pflegefamilie ihre alltaeglichen konkreten Beziehungsaufgaben gegenueber dem Pflegekind so zu gestalten, dass sie einen typisch familiaeren Beziehungscharakter annehmen. Die Pflegeeltern muessen sich demnach mit allen 251. „Ambiguitätstoleranz: Die Fertigkeit, Belastungen, widersprüchliche Erwartungen, Erfahrungen, belastende biographische Ereignisse zu ertragen und trotzdem die eigene Handlungsfähigkeit zu erhalten.“ (Gehres, 2005, S. 253)

2. „Identitätsdarstellung: Das Geschick, sich in Interaktionssituationen im Sinne der eigenen Bedürfnisse, Motive und Erwartungen aktiv zu beteiligen, Initiative zu ergreifen und in vielfältigen Formen der verbalen und nonverbalen Kommunikation seine „Identität“ zu präsentieren.“ (Gehres, 2005, S. 254)

3. Rollendistanz (E. Goffman): „Die Fähigkeit, sich Rollenerwartungen gegenüber „reflektierend und interpretierend“ zu verhalten. Damit kann es gelingen, eine Balance zwischen der weitgehenden Anpassung an die an die Rollenerwartungen der anderen und der fast vollständigen Abgrenzung gegenüber diesen Ansprüchen herzustellen.“ (Gehres, 2005, S. 253)

4. „Role-taking“ (G. H. Mead)/ „ Perspektivenübernahmefähigkeit: Die Kompetenz, die Situation der anderen Interaktionspartner, deren Motive, Situationsdeutungen und Handlungsmöglichkeiten zu verstehen und im Vorfeld des eigenen Handelns prospektiv zu berücksichtigen. Diese Fähigkeit erfordert ein hohes Mass an Deutungstoleranz und Flexibilität, weil immer wieder im Laufe eines Interaktionsprozesses das fremde und eigene Deuten und Handeln aufeinander abgestimmt werden müssen, ohne dass eine umfassende Deckungsgleichheit erzielt werden kann.“ (Gehres, 2005, S. 253)

Themen, affektiven Erwartungen und Anspruechen der Entwicklung des Pflegekindes

auseinandersezten. (Hildenbrand & Gehres, 2002)

*****

Im naechsten Kapitel werde ich mich, wie schon zu Anfang erwaehnt, mit der Entstehungsgeschichte der Pflegefamilie in Kanada befassen, um diesbezueglich das Hintergrundwissen zu staerken. Da Kanada erst seit ca. 200 Jahren Geschichte schreibt und u.a. von Stroemungen des Philantropismus Europa's beeinflusst wurde - bspw. hat der Philanthropismus u.a. die Entstehung der Child Welfare Kanada's im spaeten 19. Jahrhundert unterstuetzt28 - empfehle ich, zur Geschichte der Pflegefamilie in Europa folgende Literatur zu lesen: (Nienstedt & Westermann, 1990; Mitterauer & Sieder, 1984; Troje, 1990; Friedlmayer, 1992; Masur & Tiesler & Schiel, 1982; Kumer & Friedlmayer & Braun, 1988; Heitkamp, 1989; Beck, 1986; Kötter, 1994; ).

5. Child Welfare in Kanada

Durch die provinziellen und territoriellen Regierungen Kanada's und deren Partnerschaften mit privaten Organisationen der „Children's Aid Societies“ (CAS) wurde die Child Welfare im spaeten 19. Jahrhundert als ein etabliertes Hilfessystem entwickelt, um (Waisen)Kindern in Not und Armut mit elterlicher Fuersorge und Pflege sowie fachlicher Erziehungshilfe eine bessere Entwicklung zu ermoeglichen. Heute steht jeder Provinz/ jedem Territorium ein hoch etabliertes Child Welfare System zur Verfuegung, welches beispielsweise verwahrlosten und/ oder missbrauchten Kindern Hilfe und eine bessere Zukunft bieten kann. Diese Kinder werden in out-of-home care gegeben (z.B. foster families, group home care, residential care and adoption services). Darueber hinaus wird Familien mit Erziehungsschwierigkeiten ihrer Kinder Hilfe zur Bewaeltigung dieser und zum Aufbau einer besseren Eltern-Kind-Beziehung geboten. Doch auch soziale Aspekte und Umstaende des familiaeren Milieus der Klientel spielen in der modernen Child Welfare eine zentrale Rolle. Armut ist darueberhinaus in Kanada und der weltweiten Zivilisation als soziales Hauptproblem anerkannt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Quelle: Historica Foundation of Canada (2008): The Canadian Encyclopedia, In: http://www.thecanadianencyclopedia.com/index.cfm?PgNm=TCE&Params=A1ARTA0001578)

5.1 Historische Hintergruende

Vergleichbar mit Europa wurden auch auf dem amerikanischen Kontinent Kinder allgemein als Arbeitskraft und als geldeinbringend angesehen. Sie wurden gekauft, verkauft und waren absolutes Eigentum ihres Familienvaters. Die Bemuehungen des kanadischen Staates, in die Entwicklung dieser Kinder helfend einzugreifen, ist verglichen mit Europa noch relativ jung. Der Beginn der Child Welfare in Kanada laesst sich zurueckverfolgen in das 19. und 20. Jahrhundert. Private philantrophische religioese Wohltaetigkeitsorganisationen waren die ersten, die damit begannen, sowohl ungewollten und verwahrlosten Kindern als auch Waisen zu helfen. Sie eroeffneten Waisenhaeuser, Trainingsschulen und Armenhaeuser, um sicher zu stellen, allen Kindern eine Erziehung zu disziplinierten, industriellen und gebildeten Staatsbuergern zu gewaehrleisten. In der Zeit vor der Konfoerderation Kanada's (Beginn: Juli 1867) war primaer die Familie fuer ihr Kind verantwortlich. Sekundaer kamen Hilfeleistungen von der Kirche und der oertlichen Gemeinde. Institutionen wie Gefaengnis, Reformatorien und industrielle Schulen sowie Unterstuetzung fuer Waisenhaeuser wurden von der Kirche und Privatorganisationen geleitet, wobei diese von der jeweiligen provinzellen Regierung Hilfeleistungen erhielten. Gemeinsam etablierten Staat, Kirche und Privatorganisationen ein Vertragssystem (system of indenture), wobei ein Kind einem Arbeitgeber auf Zeit uebergeben wurden konnte, um fuer geleistete Arbeit Unterkunft und Nahrung, manchmal sogar Geld zu erhalten. Zu dieser Zeit lebten die meisten Kanadier auf Farmen. Das Ueberleben der Farmen war oft von der Anzahl der Kinder und deren Arbeitskraft abhaengig. Kinderarbeit als soziales Problem in Kanada ist eng mit dem Beginn der Industrialisierung und des Kapitalismus verbunden. Sie tauchte zuerst im haeuslichen System der Grossfamilien auf und wurde vom Fabrik- und Industriewesen abgeloest. Verglichen mit England und Europa ist Kinderarbeit in Kanada jedoch nicht zu einem solch ernsten Problem geworden, da das Land bis ins 20. Jahrhundert primaer von Landwirtschaft gepraegt war. Doch auch hier gingen mit Industrialisierung und Urbanisierung sowohl Armut und Beduerftigkeit als auch eine erhoehte Krankheitsrate und geringe Heilungsmoeglichkeiten der Kranken einher. Vor allem in den Staedtzentren wurden immer mehr Kinder heimatlos und beduerftig, die Kriminalitaetsraten stiegen an und Kinderarbeit wurde zunehmd schwieriger. Aufgrund dieser Tatsachen sah sich die provinzielle Regierung gezwungen gegen

[...]


1 Definition Homosexualitaet: Homosexualitaet bezeichnet eine sexuelle Orientierung, bei der das sexuelle Verlangen ueberwiegend auf Personen des gleichen Geschlechts gerichtet ist. Warum manche Menschen eine sexuelle Vorliebe fuer das gleiche Geschlecht haben, ist unklar. Viele Homosexuelle werden sich im Jugendalter ihrer Neigungen bewusst. Haeufig versuchen sie zunaechst, die Homosexualitaet vor anderen, aber auch vor sich selbst zu verleugnen, bevor sie ihre sexuelle Orientierung eingestehen (sog. Coming-Out). Der Begriff Homosexualitaet (griech. homo = gleich; sexus = Geschlecht) stammt aus dem 19. Jahrhundert und wurde von dem Schriftsteller Karl Maria Kertbeny gepraegt. Menschen, die sowohl mit dem gleichen als auch mit dem anderen Geschlecht sexuellen Kontakt haben, werden als bisexuell (lat. bi = zweifach) bezeichnet.

2 Laut Gesetz tritt man in eine Common-Law Beziehung ein, wenn man zusammen mit seinem Partner in einem Haus/ einer Wohnung fuer mindestens 1 Jahr taeglich zusammengelebt hat

3 Quelle: Statistics Canada, Family portrait: Continuity and change in Canadian families and households in 2006: National portrait: Census families: Same-sex married couples counted for the first time, In: http://www12.statcan.ca/english/census06/analysis/famhouse/cenfam2.cfm

4 Quelle: The Daily, September 12, 2007: 2006 Census: Families, marital status, households and dwelling characteristics, In: http://www.statcan.ca/cgi-bin/DAILY/daily.cgi?m=09&y=2007&s=monthly

5 Nicht verguegbar: 2001gab es noch keine Zaehlung ueber homosexuelleVerheiratete

6 Quelle: Wayne Matheson, Project Manager, Regional Council Support Team, Ministry Children and Family Development, Tel.: 250-953-3118

7 Quelle: J. Brian Ridd, Manager, Community Support and Service Accountability, Child Protection Branch, (204) 945-0348 (tel), @:Brian.Ridd@gov.mb.ca

8 Quelle: Ethel Dempsey, Caregiver and Adoption Consultant, Tel.: (709)-729-513, @: edempsey@mail.gov.nl.ca

9 Quelle: Marion Fraser, (Jill A. Wilson Kingston, Co-ordinator of Foster Care), Tel: (902)-424-118810 CAS Facts, April 1, 2006 - March 31, 2007

11 Quelle: Hélène Nobert Research Officer, Service des activités communautaires MSSS, Phone: (418)-266-6869, @: helene.nobert@msss.gouv.qc.ca

12 Quelle: Patricia Fortier, Manager, Child Placement Services, Tel.: (867)-667-3473, @:patricia.fortier@gov.yk.ca

13 Quelle: David Ray, Manager, Permanency Planning, Tel.: (780)-427-3936, @: David.ray@gov.ab.ca

14 Quelle: Gina Atkinson, Program Consultant, Children's Residential Services Tel.: (506) 453-8777, @: gina.atkinson@gnb.ca

15 Quelle: Robert Hopkins, Manager, Children and Family Services, Children and Family Services Unit, Children and Family Services Division, 6th Floor, Centre Square Office Tower, Department of Health and Social Services, GNWT, P.O. Box 1320, YELLOWKNIFE NT XIA 2L9, Phone: (867)-873-7055

16 Quelle: Norm Murray, Director Child and Family Services, Department of Health and Social Services Tel: (867)-975-5750, @: nmurray@gov.nu.ca

17 Quelle: Barry Chandler, High Risk Child/Youth Services Coordinator/Foster Care Program, Consultant, Social Service & Seniors, PO Box, 2000, 161 St. Peter's Road, Charlottetown, PEI, Canada, C1A-7N8, Phone: (902)-368-6180

18 Quelle: Natalie Huber, A/ Director, Children's Services, Tel.: (306)-787-2245, @: nhuber@dcre.gov.sk.ca

19 http://www.familyresearchinst.org/FRR_02_11.html

20 Enacted as Schedule B to the Canada Act 1982 (U.K.) 1982, c. 11, which came into force on April 17, 1982 (Die British North America Acts (frz. Actes de l'Amérique du Nord britannique), in Kanada bekannt als Constitution Acts sind Gesetze, die das Britische Parlament zwischen 1867 und 1982 beschloss, um das Regierungssystem Kanadas zu regeln. Sie bilden den wichtigsten Bestandteil der kanadischen Verfassung.) 21 Kanada's Gesetzgebung basiert auf der Anerkennung der Vorrherrschaft Gottes und der Richtlinien der Gesetze

22 The Canadian Charter of Rights and Freedoms garantiert, dass die vom Gesetz erlassenen Rechte und Freiheiten mitsamt ihren Einschraenkungen eindeutig fuer die Gesellschaft als demokratisch gerechtfertig gilt.

23 Vor dem Gestez gilt jedes Individuum als gleich anzusehen und hat das gleiche Recht auf Schutz und Nutzen vom Gesetz, und das ohne Diskriminierung, vor allem ohne Diskriminierung bezueglich seiner Rasse, nationalen oder ethnischen Herkunft, Hautfarbe, Religion, Geschlecht, Alter, geistiger oder physischer Behinderung.

24 Abschnitt (1) bezieht Gesetze, Programme und Aktivitaeten mit ein, die ihren Schwerpunkt auf die Verbesserung der Konditionen von benachteiligten Individuen oder Gruppen legen, einschliesslich jene (Individuen und Gruppen), die wegen ihrer Rasse, nationalen oder ethnischen Herkunft, Hautfarbe, Religion,

26 Gehres (2004) zufolge handelt es sich bei der Pflegefamilie im Vergleich zur Herkunftsfamilie um einen widerspruechlichen sozialisatorischen Ort fuer Identitaetsbildungsprozesse, da hier ein Milieu diffuser Sozialbeziehungen unter vertragsmaessigen Bedingungen begruendet wird. „Unter einer gelungenen Identitätsentwicklung verstehen wir (...) die Fähigkeit von Pflegekindern, ihre eigene Lebensgeschichte zu verstehen, sowie über Ressourcen zu verfügen, die ihnen im Kontakt und in der Beziehung mit anderen Menschen zu selbstständigem und kreativem Denken und Handeln verhelfen.“ (Hildenbrand & Gehres, 2002, S. 28). Literaturverweis: Der Identitaetsbegriff wurde von Hildenbrand & Gehres (2002) ausfuehrlicher erlaeutert. Da er nicht unbedingt Schwerpunkt meiner Arbeit ist, werde ich nicht naeher darauf eingehen.

27 Eine diffuse Sozialbeziehung bedeuted, dass die Beziehung zum Pflegekind auf einem offenen interaktionellen Austausch beruht, der prinzipiell alle Facetten menschlicher Interaktion beinhalten kann (Gehres, 2002).

28 Der Philanthropismus kommt vom griechischen φιλος (Freund) und ανθροπος (Mensch) und ist die Lehre von der Erziehung zur Natürlichkeit, Vernunft und Menschenfreundschaft. Johann Bernhard Basedow gründete 1774 in Dessau die erste Erziehungs- und Unterrichtsanstalt, die nach den Grundsätzen der Philanthropie eingerichtet wurde. Noch heute gibt es Einrichtungen, die sich „Philanthropin“ nennen. Ziel der basedowschen Philanthropie war es, Jugendliche durch freundliche, liebevolle Unterweisung in allem für das Leben Notwendigen, verbunden mit planmäßiger sportlicher Betätigung, zu tüchtigen lebensfrohen Menschen zu erziehen. Dabei ging es Basedow anders als seinem Mitarbeiter Joachim Heinrich Campe nicht um eine Veränderung der gesellschaftlichen Verhältnisse, sondern um eine Vorbereitung auf die bestehenden Verhältnisse.

Details

Seiten
79
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640102655
ISBN (Buch)
9783668272361
Dateigröße
953 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v93919
Institution / Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena – Institut fuer Erziehungswissenschaft
Note
1,0
Schlagworte
Gleichgeschlechtliche Pflegeeltern Kanada Sozialisatorische

Autor

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Titel: Gleichgeschlechtliche Pflegeeltern in Kanada