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Deckungsbeitragsrechnung

Rechnungsgrößen der freien Wirtschaft auch für die öffentliche Verwaltung?

Seminararbeit 2007 56 Seiten

BWL - Rechnungswesen, Bilanzierung, Steuern

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

III. Schaubildverzeichnis

IV. Tabellenverzeichnis

V. Abkürzungsverzeichnis

1 Kostenrechnung in der Verwaltung
1.1 Das Prinzip der Wirtschaftlichkeit existiert überall
1.2 Gewinnschwellen und Betriebsergebnisse – Rechnungsgrößen der freien Wirtschaft auch für die Verwaltung?

2 Die Deckungsbeitragsrechnung – vorher Entscheiden, hinterher Controllen
2.1 Entscheidungen
2.1.1 Programmoptimierung und -entscheidung
2.1.1.1 Kein Engpass – Unterbeschäftigung
2.1.1.2 Ein Engpass
2.1.1.3 Mehrere Engpässe
2.1.2 Preisuntergrenzen – Annehmen von Zusatzaufträgen
2.1.2.1 Kurzfristige Untergrenze – bei freien Kapazitäten
2.1.2.2 Kurzfristige Untergrenze – bei einem gemeinsamen Engpass
2.1.3 Verfahrenswahl
2.1.3.1 Kurzfristige Wahl – bei freien Kapazitäten
2.1.3.2 Kurzfristige Wahl – bei einem Engpass
2.1.3.3 Preisobergrenzen – Make or buy
2.1.4 Gewinnschwellenanalyse – Break-even-Point
2.2 Controlling
2.2.1 Kostenstrukturmanagement – ein Hauptauftrag der öffentlichen Hand
2.2.2 Rechnungsgrößen
2.2.2.1 Leistungs- und Erlösrechnung
2.2.2.2 Ergebnisrechnung
2.2.3 Fixkostenorientiertes Deckungsbeitragsmanagement

3 Deckungsbeiträge für die öffentliche Verwaltung – sinnvoll oder nicht

4 Zusammenfassender Ausblick

Quellenverzeichnis

III. Schaubildverzeichnis

Nr. Titel

2.1 - 1 Einsatz von Planungs- und Entscheidungsrechnungen

2.1.1 - 1 Entscheidungssituation der Programmoptimierung

2.1.2 - 1 Entscheidungssituation zur Absatzpreisuntergrenze

2.1.3 - 1 Entscheidungssituation der Verfahren swahl

2.1.3.1 - 1 Kostenverlauf dreier Produktionsverfahren

2.1.3.1 - 2 Entscheidungsrelevante variable Kosten

2.1.3.3 - 1 Entscheidungssituation zu Eigenfertigung oder Fremdbezug bezug

2.1.4 - 1 Graphische Darstellung der Break-Even-Analyse

IV. Tabellenverzeichnis

Nr. Titel

2.1.1.1 - 1 Aufgabe „Kurzfristentscheidung – Kein gemeinsamer betrieblicher Engpass“

2.1.1.2 - 1 Aufgabe „Kurzfristentscheidung – Ein gemeinsamer betrieblicher Engpass; a) Höhe des relativen DB“

2.1.1.2 - 2 Aufgabe „Kurzfristentscheidung – Ein gemeinsamer betrieblicher Engpass; b) Verteilung der begrenzten Kapazitäten auf die Produkte – Reihenfolge“

2.1.2.2 - 1 Aufgabe „Kurzfristige Untergrenze – Ein gemeinsamer Engpass“ _

2.1.3.1 - 1 Kurzfristige Wahl bei freien Kapazitäten – Aufgabe Druckerei, Lösung Maschinenbelegung bei vorgegebener Produktionsmenge

2.1.3.2 - 1 Ökonomische und technische Informationen aus der Druckerei

2.1.3.2 - 2 Ausgangssituation: Maschine 3 ist nicht voll ausgelastet_

2.1.3.2 - 3 Spezifische Mehrkosten: Minimiert bei Verlagerung von Schrift F auf Maschine 2_

2.1.3.3 - 1 Typische Betriebsbereiche für Eigenfertigungs- und Fremdbezugsentscheidungen_

2.2.3 - 1 Beispiel einer Deckungsbeitragsrechnung (Formular) mit integrierten Fixkostenmanagement-Informationen_

V. Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Kostenrechnung in der Verwaltung

1.1 Das Prinzip der Wirtschaftlichkeit existiert überall…

Entscheidungen über Fremdvergabe oder Eigenleistung, Leistungsausweitung und Wirtschaftlichkeit von Kostenträgern sind in der öffentlichen Verwaltung ebenso zu treffen wie in der freien Wirtschaft. In Verbindung mit der VK-Rechnung gibt die erhöhte Kostentransparenz der DB-Rechnung aussagekräftige Informationen über die richtige Gebührenkalkulation oder eine notwendige Verfahrensänderung.[1] In der Privatwirtschaft sind zwei große Entwicklungslinien auf dem Gebiet des internen Rechnungswesens zu erkennen: Einerseits entfernt sich der Weg von der konventionellen VK- oder Nettorergebnisrechnung hin zur modernen EK- und DB-Rechnung. Dabei wird auf – stets willkürliche – Gemeinkostenschlüsselungen verzichtet. Andererseits geht der Weg von der reinen Istkostenrechnung hin zur modernen Form der Grenzplankostenrechnung.[2]

1.2 Gewinnschwellen und Betriebsergebnisse – Rechnungsgrößen der freien Wirtschaft auch für die Verwaltung?

„Pecunia nervus rerum est – Geld ist letztlich der Kern aller Dinge“[3]

Diese Tatsache stellt Wewer für die öffentlichen Verwaltungen fest. Dabei geht es aber um Geld im Sinne von Kosten, welche der öffentlichen Hand für die Bereitstellung von Dienstleistungen entstehen. In den seltensten Fällen werden dabei Gewinne erzielt. Das BVerwG hat 1961 entschieden, dass der Nutzen der Monopolleistung (der Verwaltung) den Gebühren bzw. Verrechnungswerten vergleichbar sein soll.[4] Der Rechnungszweck des öffentlichen Sektors ist zwar nicht identisch mit dem der Privatwirtschaft; Männel hat jedoch bereits 1990 vertreten, dass die konzeptionellen Entwicklungen der internen Rechnungslegung auch auf die öffentliche Verwaltung übertragen werden sollten. In den konzeptionellen Kern eines entscheidungsorientierten Rechnungswesens ist immer ein Rechnen mit EK zu stellen. Abzulehnen sind GK-Schlüsselungen analog einer VK-Kalkulation. Es genügt nicht, die Kosten nach Kostenarten, -stellen und -trägern zu strukturieren. Auch im Zuge der Kostenspaltung muss die Abhängigkeit der Kosten von der Kostenstellenleistung ermittelt werden. Das gilt sowohl für Stellen, welche Leistungen lediglich verwaltungs- bzw. unternehmensintern abgeben[5], als auch für Dienstleistungsbereiche. Diese Kostenspaltung ist für zahlreiche Kostenveränderungsprognosen von beachtlicher Wichtigkeit: Welche Kosten sind für Entscheidungen mit kurz- oder langfristiger Reichweite relevant? Welche Kosten sind im Falle einer Entscheidung bei Unter- oder Vollbeschäftigung zu beachten? Zahlreiche Entscheidungen resultieren aus einem fehlerhaften Vergleich von VK und TK: In der Annahme, die gesamten Kosten der alternativen Eigenfertigung würden bei Leistungsbezug von außen entfallen, wird die Leistung von außen eingekauft.[6] Trotz ausgeprägter Heterogenität des öffentlichen Sektors lässt sich feststellen, dass Betriebe der öffentlichen Verwaltung größtenteils äußerst FK-intensiv geworden sind. Dies ist jedoch nicht mit dem Wandel in der freien Wirtschaft vergleichbar. Dort vollzieht sich durch Automation, Integration, Flexibilisierung, Roboterisierung und Einsatz von Sensorentechnik eine enorme Entwicklung hin zu modernen Technologien. Dadurch entstehen enorme FK-Blöcke, gleichzeitig reduzieren sich die variablen leistungsabhängigen Kosten. In der öffentlichen Verwaltung existieren diese hochautomatischen und technisierten Strukturen kaum und sind dort nur in sehr begrenztem Umfang vorstellbar. Dennoch erreichen hier die FK-Anteile z.B. in den Bereichen Personal oder Anlage leicht ein Volumen in der Größenordnung von 60-80 % der Gesamtkosten. Somit ergeben sich auch in der öffentlichen Verwaltung Probleme, welche denen der Industrie entsprechen: Hohe FK-Anteile, welche auf die Kostenträger bezogen Gemeinkosten für das Vorhalten von Potenzialen menschlicher und/oder maschineller Art darstellen.[7] Insbesondere in Landesbetrieben[8] und nettoveranschlagten Einrichtungen, welche gem. § 15 II S.2 LHO einen Wirtschaftsplan aufzustellen haben, erscheint die Einführung einer DB-Rechnung sinnvoll, da die dortigen Leistungen aufgrund der erzielten Einnahmen gut bewertet werden können. Aufgrund der zunehmenden Komplexität der Leistungserstellung muss auf veränderte Rahmenbedingungen mit erhöhter Reaktionsfähigkeit, größerer Kostentransparenz und zeitnahen Produktionsentscheidungen reagiert werden.[9]

2 Die Deckungsbeitragsrechnung – vorher Entscheiden, hinterher Controllen

2.1 Entscheidungen

Die Entscheidungsträger eines Unternehmens benötigen für eine operative Planung und Kontrolle im Rahmen der Unternehmensprozesse die aufbereiteten Ergebnisse aus der Kombination von VK- und TK-Rechnung. Entscheidungsprobleme lassen sich gemäß Fristigkeit der Planung grundsätzlich in kurz-, mittel- bis langfristig einteilen.[10] Generell unveränderbar ist die Kapazität bzw. Betriebsbereitschaft des Unternehmens bei kurzfristigen Entscheidungsproblemen. Dabei sind FK im Gegensatz zu beeinflussbaren variablen (Grenz-)Kosten nicht relevant, denn von dieser Art der Entscheidungen wird die Höhe der die Betriebsbereitschaft sichernden FK nicht beeinflusst.[11] Schmidt zufolge mit derselben Aussage: Die betrieblichen Kapazitäten sind im kurzfristigen Planungszeitraum nicht veränderlich, weshalb die kapazitätsabhängigen Kosten als fix einzustufen sind.[12] Investitions- und Desinvestitionsmaßnahmen sind Möglichkeiten der Kapazitätsveränderung bei mittel- und langfristigen Entscheidungsproblemen. Diese Schritte haben unmittelbaren Einfluss auf die Höhe der nun entscheidungsrelevanten FK. Die Wahl der Planungs- und Entscheidungsrechnung ist abhängig von der Fristigkeit des betrachteten Entscheidungsproblems[13]. /[14]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Handelt es sich um kurzfristige Entscheidungen, bietet die DB-Rechnung – insbesondere im Rahmen der operativen Beschaffungs-, Produktions- und Absatzplanung – eine Möglichkeit, die entscheidungsrelevanten Kosten bereitzustellen.[15] Das wichtigste Entscheidungskriterium für kurzfristig ausgerichtete Planungsaufgaben wie Programmoptimierung, Bestimmung kurzfristiger Preisgrenzen, Beurteilung von Zusatzaufträgen, Verfahrenswahl sowie Entscheidung zwischen Eigenfertigung und Fremdbezug sind die variablen Kosten und, bei gegebenen Nettoerlösen, die Deckungsbeiträge.

2.1.1 Programmoptimierung und -entscheidung

Maximaler Gewinn bzw. maximales Betriebsergebnis ist Ziel der Programmoptimierung. Dem entsprechend wird das Absatz- und Produktionsprogramm nach Art und Menge der Erzeugnisse und Dienstleistungen zusammengestellt. Dabei ist zwischen Lang- und Kurzfristplanung zu unterscheiden. Unter Berücksichtigung der gegebenen Produktionskapazität und der externen Absatz- bzw. Beschaffungsmarktbeschränkungen bietet die TK-Rechnung bei der kurzfristigen Planung eine Möglichkeit der Durchführung.[16]

Die Frage, welche Produkte gefördert und welche eliminiert werden sollen, wird durch Entscheidungen hinsichtlich der Zusammensetzung des Produktionsprogramms beantwortet. Eine Berücksichtigung der Entscheidungssituation erfolgt bei Zuhilfenahme der DB-Rechnung.[17] Die kurzfristige Gewinnoptimierung wird angestrebt, sofern für die Produktionsprogrammplanung keine Restriktionen[18] vorliegen[19]. /[20] Schaubild 2.1.1 - 1 stellt die Möglichkeiten der Programmoptimierung dar und weist auf, wann die DB-Rechnung entscheidungsrelevant eingesetzt werden kann.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.1.1.1 Kein Engpass – Unterbeschäftigung

Das Unternehmen besitzt ausreichende Kapazitäten für eine umfangreichere Produktion. Alle Produkte, die einen positiven DB erwirtschaften, sollten hergestellt werden.[21]

Beispiel:[22]

In der Druckerei der HAW befindet sich eine Maschine, mit welcher Sonderaufträge für wissenschaftliche Lexika von privaten Unternehmen gedruckt werden. Dafür steht die Maschine in jeder Periode 600 Stunden (36.000 Minuten) zur Verfügung. Derzeit bestehen Druckaufträge für die drei Lexika A, B und C. Eine Veranschaulichung der Berechnung erfolgt mittels Tabelle 2.1.1.1 - 1.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2.1.1.1 - 1: Aufgabe „Kurzfristentscheidung – Kein gemeinsamer be- trieblicher Engpass“[23]

Im vorliegenden Beispiel werden insgesamt 26.700 Minuten benötigt. Aufgrund der Kapazität i.H.v. 36.000 Minuten liegt kein Engpass vor.

Ergebnis: Alle Erzeugnisse mit positivem DB (A, B und C) sind herzustellen. Zur Ausnutzung der noch verfügbaren freien Kapazität i.H.v. 9.300 Minuten können noch Zusatzaufträge angenommen werden.

Entscheidungsregel: Alle Produkte mit positivem DB sind herzustellen.[24]

2.1.1.2 Ein Engpass

Ein Engpass kann z.B. bei begrenzter Kapazität einer Maschine, beschränkter Verfügbarkeit eines Rohstoffes, von Personal oder Räumen vorliegen. Dann können nicht alle Produkte hergestellt werden. Das Produktionsprogramm, welches unter diesen Voraussetzungen den maximalen Gewinn erwirtschaftet, muss ermittelt werden. Der relative DB wird dabei als Entscheidungskriterium verwendet. Die Rechnung lautet:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Es erfolgt also eine Erwirtschaftung des relativen DB pro Zeiteinheit am Engpass.[25]

Für das Lexikon A aus Pkt. 3.4.1.1 gilt also:[26]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bei Herstellung von Produkt A wird mit der Maschine ein DB i.H.v. 1,67 € je Minute ermöglicht.

Mithilfe des relativen DB lässt sich ermitteln, in welcher Rang- und Reihenfolge die Produkte hergestellt werden sollen: Je höher der relative DB, umso eher erfolgt die Produktion.[27]

Steht die Druckereimaschine aus Pkt. 2.1.1.1 nur mit einer Periodenkapazität von 25.000 Minuten zur Verfügung, liegt ein Engpass vor, denn es werden insgesamt 26.700 Minuten benötigt. Nun ist der relative DB entscheidend. Hierfür bedarf es der Beantwortung zweier weiterer Fragen zur Ermittlung des gewinnoptimalen Produktionsprogramms:[28]

Frage 3: Wie hoch ist der relative DB?

Da die Maschine nur 25.000 Minuten zur Verfügung steht, aber 26.700 Minuten benötigt werden, sind in diesem Fall die Fertigungsminuten als Engpass zu bezeichnen. Also ist zu berechnen, welchen DB die drei Produkte pro Fertigungsminute erwirtschaften (= relativer DB).[29]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2.1.1.2 - 1: Aufgabe „Kurzfristentscheidung - Ein gemeinsamer betriebli- cher Engpass; a) Höhe des relativen DB“

Frage 4: In welcher Reihenfolge sind die begrenzten Kapazitäten auf die Produkte zu verteilen?

Nach der Höhe ihres relativen DB können die Lexika nun in eine Reihenfolge gebracht werden. Die begrenzten Kapazitäten sind in dieser Reihenfolge auf die Zeitschriften zu verteilen: Zuerst wird die maximale Menge des Lexikons mit dem höchsten relativen DB produziert, zuletzt – sofern noch Kapazitäten verfügbar sind – das Lexikon mit dem niedrigsten relativen DB.[30]

Ergebnis: Aufgrund der begrenzten Kapazität werden von Produkt C nur 251 der möglichen 300 Lexika gedruckt. Es wird der höchstmögliche DB i.H.v. 44.399 € erwirtschaftet.

Entscheidungsregel: Die Herstellung erfolgt in der Reihenfolge entsprechend den relativen DB[31].[32]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2.1.1.2 - 2: Aufgabe „Kurzfristentscheidung – Ein gemeinsamer betrieblicher Engpass; b) Verteilung der begrenzten Kapazitäten auf die Pro- dukte – Reihenfolge“

2.1.1.3 Mehrere Engpässe

Die betriebliche Praxis ist häufig durch das Vorliegen mehrerer Engpässe gekennzeichnet.[33] Je nach Art des Hindernisses kann die Prioritätenfolge bei zwei oder mehr gemeinsamen Engpässen wechseln. Daher können die relativen DB hier keine Lösungshilfe geben. Diese Fälle werden mit mathematischen Ansätzen aus dem Bereich des Operations Research[34] zweckmäßig gelöst.[35] Mithilfe von Gewinnmaximierungsmodellen kann dann das optimale Produktionsprogramm ermittelt werden. Dabei werden sämtliche Kapazitätsbeschränkungen in die Entscheidung einbezogen.[36] Es erfolgt eine Differenzierung zwischen Zwei- und Mehrgüterfällen. Bei Vorliegen der Zwei-Produkt-Unternehmung kann die Problemlösung zuerst durch grafische Veranschaulichung skizziert werden. Der sich daran anschließende rein arithmetische Lösungsweg dient dazu, den für die Praxis typischen Fall der Mehrproduktunternehmung zu bewältigen.[37] Der Mehrgüterfall unterscheidet drei Arten der Produktion: 1. Die unabhängige (unverbundene) Produktion, in der kein einziger dauerhafter Produktionsfaktor gemeinsam genutzt wird. 2. Die gemeinsame Produktion, in welcher die Produkte um die Kapazität eines dauerhaften Produktionsfaktors konkurrieren. Dabei kann die Mehrproduktion eines Gutes die Minderproduktion eines anderen erfordern. 3. Die Kuppelproduktion, welche mit technischer Notwendigkeit ein Bündel von mindestens zwei Produkten entstehen lässt. Bei Mehrproduktion des einen muss auch eine Mehrproduktion des anderen Produktes erfolgen.[38]

Entscheidungsregel: Die Herstellung erfolgt nach Anwendung von Gewinnmaximierungsmodellen.[39]

2.1.2 Preisuntergrenzen – Annehmen von Zusatzaufträgen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Als PUG wird der Preis bezeichnet, welcher mindestens erzielt werden muss, um keinen Verlust zu machen. Bei der Berechnung kostendeckender Gebühren ist dieser Preis von hoher Bedeutung. Es ist zwischen der langfristigen und der kurzfristigen PUG zu unterscheiden. Das Ziel der langfristigen PUG ist die 100%ige Deckung der variablen und der fixen Kosten[40]. Im Bereich des öffentlichen Haushalts stehen dem i.d.R. jedoch übergeordnete politische Gründe gegenüber. Kurzfristig sollten die variablen Kosten mindestens durch den Erlös einer Leistung gedeckt werden[41]. Ein Verzicht auf die Erstellung einer Leistung, welche die kurzfristige PUG nicht erreicht, ist geboten, da anderenfalls die Verluste durch jede zusätzliche Leistungseinheit erhöht werden. Solange sich die Gebühr für eine Leistung zwischen der kurzfristigen und der langfristigen PUG bewegt, erfolgt eine Minderung des Verlustes dahingehend, dass wenigstens ein Teil der fixen Kosten erwirtschaftet werden kann.[42] Schaubild 2.1.2 - 1 stellt die Entscheidungssituation zur Absatzpreisuntergrenze dar. Diese ist mit derjenigen der Programmoptimierung vergleichbar.[43]

2.1.2.1 Kurzfristige Untergrenze – bei freien Kapazitäten

Anwendungsbeispiel zur Leistungsausweitung aus dem Bereich der HAW[44]:

Die HAW hat bisher ungenutzte Räume zur Verfügung und plant, im Bereich Design einen zusätzlichen Kurs ‚Schneidern von Accessoires“ anzubieten. Es ist zu berechnen, bei welcher Mindestkursgebühr die variablen Kosten gedeckt werden. Bei den Raumkosten handelt es sich um FK. Das Vorhaben erfordert, mindestens die variablen Kosten in Form von Honorar des Kursleiters, Materialkosten (Garn, Schnittmuster, Stoffproben) und die variablen Raumkosten i.H.v. 130 € (Heizung, Strom) zu decken. die HAW kalkuliert mit maximal 18 TN. Der Kurs soll zehnmal für jeweils 5 Stunden stattfinden.

Kalkulation (Honorar Kursleiter 22 €/Std.) = 1.100,00 €

variable Raumkosten = 130,00 €

Materialkosten (4 €/TN) = 72,00 €

Gesamtkosten = 1.302,00 €

Mindestgebühr pro TN (1.302,00 € ./. 18 TN) = 72,34 €

Lösung: Die variablen Kosten wären bei einer Mindestkursgebühr i.H.v. 72,34 € gedeckt.

Erweiterung des Beispiels:

Eine private Firma verlangt für die gleiche Leistung 115 €/TN. In diesem Fall könnte die HAW ihre Gebühr z.B. auf 90 € anheben. Mit der Differenz zur Mindestgebühr von 17,66 € wäre die Deckung eines Teils der Gesamt-FK möglich.

2.1.2.2 Kurzfristige Untergrenze – bei einem gemeinsamen Engpass

Beanspruchen mehrere Produkte gleichzeitig eine Maschine oder einen Produktionsfaktor, und reicht dessen Kapazität nicht aus, alle Produkte mit positivem Stück-DB in den jeweiligen Höchstmengen herzustellen, dann muss sich die kurzfristige Absatz-PUG der Produkte am relativen DB orientieren. Besteht ein gemeinsamer Engpass, wird die Absatz-PUG des zu analysierenden Produktes durch Vergleich des relativen DB mit den anderen Produkten bestimmt. Dasjenige andere Produkt, dessen Menge bei Preisänderungen des zu analysierenden Produktes als erstes verdrängt wird bzw. dessen Menge als erstes ansteigt, dient als Vergleichsobjekt. Für die PUG des zu analysierenden Produktes gilt:[45] /[46]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Hier gilt: drelA = drelV. Das Ergebnis ist somit die kurzfristige Absatz-PUG als Summe zweier Bestandteile:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der Preis des zu analysierenden Produktes A muss so angesetzt werden, dass sowohl die eigenen variablen Stückkosten, als auch der verdrängte DB des Vergleichsproduktes V[47] erreicht werden. Verdrängung des DB bedeutet, dass auf der Engpasskapazität das zu analysierende Produkt A anstelle des Vergleichsproduktes V zum Einsatz kommt. Der verdrängte DB stellt folglich Kosten einer entgangenen Möglichkeit – auch Opportunitätskosten genannt – dar.[48]

Fortgeführtes Beispiel aus Pkt. 2.1.1.1 „Kein Engpass – Unterbeschäftigung“[49]

Die HAW hat inzwischen vier feststehende Druckaufträge für die Herstellung wissenschaftlicher Lexika.[50] Es bestehen vertragliche Vereinbarungen über monatliche Druckmindestmengen: A 400 Stück, B 600 Stück, C 100 Stück, D 200 Stück. Die Fertigungszeit für Lexikon D beträgt 20 Minuten je Stück. Für das vierte Quartal des Jahres wurden Produktions- und Absatzmenge bei gleich bleibender Maschinenzeit von 25.000 Minuten so festgelegt, dass die Druckereimaschine zum Engpass wird.[51]

Das Lexikon C wird nur in Höhe der vorgegebenen Mindestmenge produziert. Erst wenn dessen Preis so weit ansteigt, dass er jeweils die eigenen variablen Stückkosten und die Opportunitätskosten durch Verdrängung des in der Rangfolge nächst höheren Lexikons A von der Engpassmaschine deckt, lohnt es sich, die Produktionsmenge des Lexikons C anzuheben.

[...]


[1] Vgl. Peiner, S. 66.

[2] Vgl. Männel, S. 363.

[3] Göttrik Wewer (geb. 1954); Senator für Bildung und Wissenschaft, Staatsrat im Bundesministerium des Innern.

[4] Vgl. Müller, S. 126 f.

[5] z.B. Hausdruckerei.

[6] Vgl. Männel, S. 363 f.

[7] Vgl. Männel, S. 364.

[8] Betriebe der FHH gem. § 26 LHO.

[9] Vgl. Peiner, S. 61.

[10] Diese Arbeit befasst sich explizit lediglich mit der kurzfristigen Planung, da langfristige Programme auf anderen Verfahren als der DB-Rechnung aufgebaut sind. An geeigneter Stelle wird die langfristige Planung neben der kurzfristigen aus Gründen der vollständigen Übersicht als gegeben erwähnt.

[11] Vgl. Kalenberg, S. 247.

[12] Vgl. Schmidt, Andreas, S. 176.

[13] Siehe Schaubild 2.1 - 1.

[14] Vgl. Kalenberg, S. 247.

[15] Vgl. Kalenberg, S. 247.

[16] Vgl. Schmidt, Andreas, S. 176.

[17] Vgl. Plinke u. Rese, S. 208.

[18] Siehe Meyers Lexikon online: „(lat.) Einschränkung, Beschränkung (von Rechten)“.

[19] z.B. bei Produkten in der Einführungsphase oder als Imageträger, bei bestehenden Verpflichtungen zur Produktion von Ersatzteilen.

[20] Vgl. Fischbach, S. 158.

[21] Vgl. Fischbach, S. 158.

[22] Beispiel in Anlehnung an Bsp. zur Unterbeschäftigung aus: Fischbach, S. 158 f.

[23] Gewinn minus Kv.

[24] Vgl. Fischbach, S. 161.

[25] Vgl. Fischbach, S. 159.

[26] In Anlehnung an Bsp. zur Unterbeschäftigung aus: Fischbach, S. 158 f., Fortführung S. 160.

[27] Vgl. Fischbach, S. 160.

[28] In Anlehnung an Bsp. zur Unterbeschäftigung aus: Fischbach, S. 158 f., Fortführung S. 160 f.

[29] Siehe Tabelle 2.1.1.2 - 1.

[30] Siehe Tabelle 2.1.1.2 - 2.

[31] DB je Engpasseinheit.

[32] Vgl. Fischbach, S. 161.

[33] Vgl. Däumler u. Grabe, S. 82.

[34] z.B. mit der linearen Programmierung und unter Einsatz von EDV.

[35] Vgl. Schmidt, Andreas, S. 181.

[36] Vgl. Fischbach, S. 161.

[37] Vgl. Däumler u. Grabe, S. 82.

[38] Vgl. Däumler u. Grabe, S. 111.

[39] Vgl. Fischbach, S. 161.

[40] Langfristige PUG = Kv + Kf.

[41] Kurzfristige PUG = Kv.

[42] Vgl. Peiner, S. 62.

[43] Vgl. Schmidt, Andreas, S. 181.

[44] In Anlehnung an Bsp. in: Peiner, S. 62 f.

[45] Vgl. Schmidt, Andreas, S. 183.

[46] Die Zwischenschritte der Rechnung werden nachfolgend ergänzend aufgeführt.

[47] EngpassbelastungA * drelV.

[48] Vgl. Schmidt, Andreas, S. 183.

[49] Angelehnt an das Beispiel zur kurzfristigen Absatz-PUG aus: Schmidt, Andreas, S. 184 f.

[50] Lexika A, B und C aus dem Beispiel Pkt. 3.4.1 sowie ein weiteres Lexikon D.

[51] Siehe Tabelle 2.1.2.2 - 1.

Details

Seiten
56
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640102402
ISBN (Buch)
9783640119189
Dateigröße
640 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v93845
Institution / Hochschule
Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg
Note
13 von 15 Punkten
Schlagworte
Deckungsbeitragsrechnung

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Titel: Deckungsbeitragsrechnung