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Die Rolle der zwischenmenschlichen Beziehung in der personzentrierten Kinder- und Jugendpsychotherapie

Bachelorarbeit 2008 49 Seiten

Psychologie - Beratung, Therapie

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung
1.1 Rogers und die zwischenmenschliche Beziehung in der Therapie
1.2 Welche Rolle spielt die zwischenmenschliche Beziehung in der personzentrierten Kinder- und Jugendpsychotherapie?
1.3 Aufbau der Arbeit

2. Der personzentrierte Ansatz in der Kinder- und Jugendpsychotherapie
2.1 Entwicklung und Verbreitung nach Deutschland
2.2 Humanistisches Werteverständnis
2.3.  Rogers Persönlichkeitstheorie
2.3.1 Die Aktualisierungstendenz
2.3.2 Die Selbstaktualisierungstendenz
2.3.3 Die Identität als eine Summe aus Beziehungserfahrungen
2.4. Klientzentrierte Entwicklungstheorie
2.4.1 Die Formung der kindlichen Individualität
2.4.2 Der Zusammenhang zwischen Bindungstheorie und Selbstkonzept

3.  Der therapeutische Kontakt – eine zwischenmenschliche Beziehung.
3.1 Die Förderung der Aktualisierungstendenz
3.1.1 Ziel des therapeutischen Kontaktes - ein sicheres Bindungsverhalten
3.2 Das Herstellen einer stabilen Bindungserfahrung zur Reorganisation des Selbst
3.2.1 Ein offenes Beziehungsangebot
3.2.2 Seelische Wandlungsprozesse
3.2.3 Anforderungen und mögliche Schwierigkeiten

4.Die Beziehungsgestaltung im zwischenmenschlichen Kontext
4.1 Der Klient und sein sozialökologisches Umfeld
4.2 Die Beziehungsgestaltung innerhalb möglicher Anwendungsformen
4.2.1 Einzeltherapie / Spieltherapie
4.2.2 Familienspieltherapie
4.2.3 Gruppentherapie

5. Anwendungskonzepte therapeutischer Beziehungsgestaltung.....
5.1  Die 8 Grundprinzipien der Kinderspieltherapie nach Axline (1947)
5.1.1 Warme freundliche Beziehungsaufnahme beim Erstkontakt
5.1.2 Die vollständige Annahme des Kindes
5.1.3 Herstellen eines Klimas des Gewährenlassens
5.1.4  Erkennen und Reflektieren von Gefühlen
5.1.5Die Achtung vor dem Kind
5.1.6Das Kind weist den Weg, der Therapeut folgt ihm
5.1.7Therapie kann nicht beschleunigt werden
5.1.8  Der Wert von Begrenzungen
5.2Konzept spieltherapeutischer Interaktionsresonanz (Behr ,1996)
5.2.1 Regelspiel
5.2.2 Rollenspiel
5.3  Differenzielles Interventionskonzept Prozess leitender Hilfen (Schmidtchen, 2002)
5.3.1  Ziel und theoretischer Hintergrund
5.3.2  Interventionsstrategien des multidimensionalen Ansatzes
5.3.3  ZielorientierteAnwendung

6. Was sagen Forschungsbefunde über die Rolle der zwischenmenschlichenBeziehung aus?
6.1  Befunde aus der Therapeuten- Prozessforschung
6.1.1 Beispielstudien
6.1.2 Ergebnissauswertungen in zusammenfassendem Überblick
6.2Effektivitätsstudie zum differenziellen Interventionskonzept Prozess leitender Hilfen (Schmidtchen, Hennies & Acke, 1993)

7. Fazit – Welche Rolle spielt die zwischenmenschliche Beziehung ?...
7.1  Zwischenmenschliches Beziehungsverhalten wirkt auf seelische Selbstheilung
7.1.1 Parallele zur zwischenmenschlichen Ur- Beziehung
7.1.2 Förderung kongruent geteilter Intersubjektivität
7.2 Resümee und Ausblick

Anhang 1 / Harlow Deprivationsexperimente

Literatur

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Harlow Deprivationsexperiment

Abb. 2: Harlow Deprivationsexperiment

Tabellenverzeichnis

Tab. 1: Fallstudie Rahlf und Schmidtchen (1982)

1. Einleitung

1.1 Rogers und die zwischenmenschliche Beziehung in der Therapie

Carl Ransom Rogers (1902-1987), entwickelt die personzentrierte (syn. klientzentrierte) Psychotherapie aus persönlicher Überzeugung: „Die Umstände haben mir nach und nach eingebläut, daß ich einem gestörten Menschen mittels irgend eines intellektuellen Verfahrens oder Trainings nicht behilflich sein kann Das Mißlingen eines jeden solchen intellektuellen Ansatzes hat mich zu der Erkenntnis gezwungen, daß wirkliche Veränderung durch Erfahrung in einer Beziehung zustande kommt.“ (Rogers, 2004a, S.46). Rogers ist der Ansicht, „daß die therapeutische Beziehung nur einen Fall zwischenmenschlicher Beziehung darstellt “(S. 50), da alle zwischenmenschlichen Beziehungen den gleichen sozialen Gesetzmäßigkeiten unterworfen sind.

Doch warum sollte von einer zwischenmenschlichen Beziehung eine so besondere Wirkung ausgehen können? Was meint Rogers genau mit „wirkliche Veränderung“ und „Erfahrung in einer Beziehung“ ?

Diese Fragen sollen in Bezug auf die personzentrierte Kinder- und Jugendpsychotherapie (PTKJ) durch die vorliegende Arbeit beantwortetwerden.

Die Person im Maskulin meint dabei immer beide Geschlechter.

1.2 Welche Rolle spielt die zwischenmenschliche Beziehung in der personzentrierten Kinder- und Jugendpsychotherapie?

Der Begriff „zwischenmenschliche Beziehung“ meint nicht nur die dyadische Beziehung zwischen Kind / Jugendlichen (Klient) und Therapeut, sondern auch die systemische Beziehung, bezogen auf das zentrale soziale Netzwerk des Klienten. Sie beinhaltet die Beziehungen des Klienten zu (Pflege-) Eltern und engen Verwandten (primären Bezugspersonen), sowie Pädagogen und Freunden (sekundären Bezugspersonen). Außerdem betrifft sie die jeweiligen Beziehungen dieser Menschen zum Therapeuten, sowie untereinander.

In gleicher Weise umfasst der Begriffmehrere Klienten im Gruppensetting, ihre Beziehungen untereinander, sowie diejedes einzelnen zum Therapeuten.

Ausgehend von jenen Perspektiven ist es das Ziel zu klären, welche Bedeutung der zwischenmenschlichen Beziehung innerhalb der auf den Klienten zentrierten Therapie zukommt, bzw. was genau diese Bedeutung ausmacht. Dies erfolgt bezogen aufdie allgemeine Klientel und nicht störungsspezifisch.

1.3 Aufbau der Arbeit

Teil 2 stellt zunächst die Entstehung und Entwicklung der PTKJ bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt dar. Anschließend werden die wichtigsten Grundlagen

des personzentrierten Ansatzes vorgestellt: Das Menschenbild der humanisti-

schen Psychologie, sowie RogersPersönlichkeitstheorie. Diese Grundkenntnisse individuell und interindividueller Umweltbeziehung des menschlichen Organismus sind die Basis folgender klientzentrierter Entwicklungstheorie nach Biermann- Ratjen (2006). Sie erklärt unter Einbeziehung empirisch unterstützter Theorien nach Stern (1986) und Bowlby (1969) die Selbstwerdung des Kindes in Beziehung zu primären Bezugspersonen.

In Teil 3 wird begründet, welche Bedingungen innerhalb der therapeutischen Beziehung dem Klienten zu seelischem Wohlbefinden und einer gesunden Persönlichkeitsentwicklung verhelfen können. Dabei werden mögliche Schwierigkeiten und Anforderungen an die therapeutische Beziehung aufgezeigt.

Teil 4 geht auf die Gestaltung typischer Settings, Einzel-, Gruppen- und Familientherapie ein. Hier steht die therapeutische Beziehung zum sozialen Netzwerk, sowie zu mehreren Klienten im Zentrum.

In Teil 5 werden Grundzüge konkreter Ausformulierungen und Konzepte therapeutischer Beziehungs- Arrangements (Axline 1997), (Behr, 1996) und (Schmidtchen, 2003) diskutiert. Daran anlehnende Forschungsergebnisse und Analysen werden in Teil 6 vorgestellt.

Für eine abschließende Klärung der Rolle der zwischenmenschlichen Beziehung wird In Teil 7 ein Fazit aus den empirischen Ergebnissen in Verbindung mit Erkenntnissen der diskutierten Punkte gezogen.

2.Der personzentrierte Ansatz in der Kinder- und Jugendpsychotherapie

2.1. Entwicklung und Verbreitung nach Deutschland

Rogers erste Tätigkeit als Psychologe befaßt sich mit Kindern und deren Familien an der Abteilung für Kindheitsstudien der Rochester Society for the Prävention of Cruelty to Children. Aus diesen Erfahrungen entwickelt er konkrete Vorstellungen zum Therapeutenverhalten, welche 1939 in seinem ersten Buch „The Clinical Treatment of the Problem Child“ veröffentlicht werden.

Dieses Buch kann als Geburtsstunde des personzentrierten Ansatzes angesehen werden (Reisel & Wakolbinger, 2006).

Darin fokussiert Rogers ausdrücklich auf eine nicht- symptomanalytisch, vergangenheitsorientierte Arbeit, sondern auf das emotionale Verstehen der Person im „Hier und Jetzt“ als individuelleinmaliges Wesen inmitten seines so-

zialökologischen Lebenskontextes (Reisel & Wakolbinger, 2006). Er setzt auf das Vertrauen in die Integrität des Kindes, der Förderung dessen akzeptierender Haltung sich selbst gegenüber als eigenverantwortliches Individuum. Es soll darin gestärkt werden, konstruktiv gesellschaftlichen Veränderungsprozessen zu begegnen und mit seelischem Wohlbefinden daraus hervorzugehen (Reisel & Wakolbinger, 2006). Diesem Grundsatz verschreibt sich auch die heutige PTKJ (vgl. Boeck- Singelmann, Ehlers, Hensel, Kemper & Monden-Engelhardt, 1996).

Ab 1940 widmet sich Rogers als Professor an der Ohio State University noch intensiver der Ausarbeitung seines Psychotherapieansatzes. Seinem Buch „Counseling and Psychotherapy“ (1942) folgen noch viele weitere Publikationen in welchen er sich jedoch zunehmend mit Erwachsenentherapie befasst. In dem von ihm 1945 gegründeten „Counseling Center“ arbeiten u.a. Axline, seine Doktorandin (Hensel, 1996),Ellinwood und Dorfman an praktischer und theoretischer Weiterentwicklung des Ansatzes (Reisel & Wakolbinger, 2006).Von ihren Ende der 40- er Jahre veröffentlichten Werken wird Axlines „Play Therapy“ 1947 am populärsten. Ihre darin aufgestellten 8 Prinzipien nondirektiver Kinderspieltherapie stellen den unentbehrlichen Grundstock heute angewandter Konzepte therapeutischer Beziehungsgestaltung dar (Fröhlich- Gildhoff, Behr, Hufnagel & Zülow, 2003).

1956 wird die klientzentrierte Spieltherapie durch die Eheleute Tausch in Deutschland bekannt, 1974 gefolgt von Werken Goetzes und Jaedes, sowie Schmidtchens. All jene sind eng an Axline orientiert, deren Werk 1972 ins Deutsche übersetzt wird (Goetze, 2002). Außerdem verbreitet das Ehepaar Tausch ab 1960 / 1963 das Anliegen Rogers nach Deutschland: Ein breiter gefasstes Therapieverständnis, transferiert auf den pädagogischen, sowie allgemein sozial helfenden Bereich (vgl. Tausch & Tausch, 1990; 1991).

Ab1989 erarbeitet Biermann- Ratjen eine klientzentrierte Entwicklungstheorie (Reisel & Wakolbinger, 2006). Auf dieser Grundlage entwickelt sich die PTKJdurch Ausformulierung einiger Konzepte weiter (Fröhlich- Gildhoff, 2003b), eng orientiert am ursprünglichen Postulat Rogers, nicht die Methode, sondern die Beziehung in den Mittelpunkt zu stellen. Ein Postulat, zeitlich geprägt durch den Hauptabgrenzungsgrund vieler Freudscher Schüler, besonders Ranks (1884- 1939) von dessen psychoanalytischer Schule (Goetze, 2002).

2. 2 Humanistisches Werteverständnis

Der personzentriert humanistische Ansatz beruht auf der Grundannahme, dassjeder Mensch, bzw. jedes Lebewesen als wertvoller Teil des Universums über ein großes Potential an ökologisch orientiertem Wachstum verfügt (Götze, 2002). Jeder Mensch ist seinem eigentlichen Wesen nach sozial, konstruktiv und vertrauenswürdig (Höger, 2006).

Dies steht im krassen Gegensatz zur Auffassung Freuds (1941, zitiert nach Höger, 2006, S.27) wonach der Menschdurch die internalisierte Gewissensinstanz des Über- Ich in Schach gehalten werden muss, seine naturgemäß asozialen, zerstörerischen und wilden Triebimpulse auszuleben.

Jedoch meint Rogers nicht, der Mensch sei von Natur aus „gut“ und werde allein durch soziale Umstände verformt oder „verdorben“, wie ein wenig autonomes Wesen, was sich wie Wachs in Form gießen lässt (Höger, 2006).

Nach Rogers (1987) resultieren aggressive, asoziale und antisoziale Handlungsweisen des Menschen aus Abwehrprozessen den Selbstwert bedrohend erlebter Erfahrungen (Höger, 2006).

In einem sozialen Klima, in dem er sich in seiner Würde nicht nach Werten und Normen bemessen fühlt, wird der Mensch frei genug, sich zu all seinen destruktiven Gefühlen und Wünschen zu bekennen. Er kann sie als Teil seiner Selbst erleben und in seine Persönlichkeit integrieren. Dies führt letztendlich zu einem autonom gesunden Balanceakt sämtlicher persönlicher Regungen, darauf ausgerichtet sich und andere zu bewahren und zu fördern (Höger, 2006).

Aus seinen Erfahrungen entwickelt Rogers folgende Persönlichkeitstheorie als Grundlage des personzentrierten Psychotherapieansatzes.

2.3 Rogers Persönlichkeitstheorie

2.3.1 Die Aktualisierungstendenz

Unter Aktualisierungstendenz versteht Rogers eine jedem lebendigen Organismus inne wohnende richtungsgebende Kraft. Ein ewiges Bestreben nach Erhaltung, Wachstum und Entfaltung all seiner Potentiale (Weinberger, 2007).Dieses tendiert dabei fort von Fremdsteuerung hin zu Autonomie und einem Reifen und Gedeihen in dieser Autonomie (Goetze, 2002).

Der Organismus des Menschen ist innerer Kern seiner Persönlichkeit, die Gesamtheit seiner physischen und psychischen Lebensvollzüge (Rogers, 1973, zitiert nach Rechtien, 2002, S.44).

Höger (2006) kehrt die Bedeutung von Erhaltung und Entfaltung menschlicher Aktualisierungstendenz heraus. Erhaltung betrifft demnach nicht nur die physische Existenz, sondern auch ein Bewahren der Identität. Entfaltung bedeutet die Entwicklung funktionaler Differenzierung, z.B. von Organen und außerdem eine selbstverantwortlich kreativ und sozial konstruktive Weiterentwicklung innerhalb sich verändernder Umweltprozesse.

Der Organismus organisiert also als beständig flexibles System diesen lebendig sich entfaltenden Austausch mit der Umwelt (Höger, 2006). So wird die Bedeutung der Umwelt für den Menschen von Moment zu Moment durch dieses System aktualisiert ( Rogers, 1987).

Was der Mensch dabei bewusst erfahren kann ist seine Selbstaktualisierungstendenz (Biermann- Ratjen, 1996).

2.3.2 Die Selbstaktualisierungstendenz

Die Selbstaktualisierungstendenz beschreibtdas bewusste Erfahren der Aktualisierungstendenz des Organismus. Damit ist gemeint, dass Teile des bewusstseinsfähigen Lebensflusses in das Bild, was ein Mensch von sich hat, integriert werden (Biermann- Ratjen, 1996).

Das Selbst beschreibt also nicht die Person als solche, sondern das Bild, was sie von sich hat: Was ich bin, wer ich bin, wie ich bin, was mir Individuen und Dinge bedeuten, die mich umgeben (Höger, 2006).

Dieses lebenswichtige Orientierungssystem einer Person muss, damit es kontinuierlich fortbestehen kann, auf die ständigen Umweltveränderungen, bzw. von der Person erfahrenen Umweltereignisse abgestimmt (aktualisiert) werden. Diese Selbstaktualisierungstendenz schenkt der Person Sicherheit, das Vertrauen in ihre Beständigkeit, und befähigt sie zum adäquaten Handeln und Reagieren in Umweltprozessen (Jaede, 1996). Darüber hinaus verhilft sie zur Weiterentwicklung des Organismus mit seiner Persönlichkeit (Biermann- Ratjen, 1996).

Die bewusstseinsfähig erfahrenen Umweltereignisse gestalten sich häufig in Interaktion mitbedeutsamen anderen Personen. Welche Rolle diese signifikanten Anderen, sowohl bei der Aktualisierung des Selbstbildes, als auch schon bei dessen Entstehung spielen, soll im Folgenden erläutert werden.

2.3.3 Die Identität als eine Summe aus Beziehungserfahrungen

Die Selbstaktualisierungstendenz ist verbunden, bzw. abhängig von dem Bedürfnis, durch andere Anerkennung und Wertschätzung zu erfahren (Tausch & Tausch, 1990). Wenn ein Mensch in seinen von ihm gesamtorganismisch erfahrenen Umweltereignissen kein Mindestmaß an positiver Beachtung oder Konformität mit anderen spürt, d.h. wenn er sich nicht durch für ihn bedeutsame Interaktionspartner in seinem Erleben und Reagieren akzeptiert oder emphatisch verstanden fühlt,kann er sein Selbst anhand dessen nicht aktualisieren (Rogers, 1987). Er kann nur Erfahrungen seiner Umweltinteraktion als ihm zugehörig (so empfinde ich / so bin ich) ansehen von denen er spürt, dass signifikante Andere sie akzeptieren. Anderenfalls würde dies den Wert seines Selbst gefährden (vgl. Rogers, 1987).

Das Selbst stellt demnach eine organisierte, in sich geschlossene Gestalt dar, nur dem Bewusstsein der betreffenden Person zugänglich, oft unvollständig klar und nicht ständig in ihm präsent. Zusammengesetzt aus im Lebensfluss erfahrenen Selbstwahrnehmungen, Wahrnehmungen von Beziehungen zwischen sich und anderen, sowie verschiedenen Aspekten des Lebens, gekoppelt mit emotional getönten Bewertungen dieser Erfahrungen (Tausch & Tausch, 1991).

Rogers nennt speziell die Sichtweise einer Person von sich ihr Selbstkonzept, was sich auch durch den Begriff Identität beschreiben lässt (vgl. Sommer, 1994, zitiert nach Beckmann- Herfurth, 1996). Somit leuchtet es ein, dass die prozesshafte Entstehung und Entwicklung des Selbstkonzepts nur in Verbindung mit signifikanten anderen Personen erfolgen kann.

2.4 Klientzentrierte Entwicklungstheorie

2.4.1 Die Formung der kindlichen Individualität

Biermann- Ratjen (2006) stützt sich in der klientzentrierten Entwicklungstheorie neben Rogers Persönlichkeitstheorie u.a. auf die aus der Säuglingsforschung resultierende Entwicklungstheorie nach Stern (1985), auf die Bindungstheorie nach Bowlby (1969), sowie darauf bezogene Forschungsergebnisse.

Nach Stern (1985, zitiert nach Biermann- Ratjen, 2006, S. 79) kommt der Säuglingmit einem Selbstempfinden bereits auf die Welt, was er von seinem Empfinden der Außenwelt unterscheiden kann. Hauptkern seiner psychischen Entwicklung ist die Organisation dieser subjektiven Selbsterfahrung (sense of self) und Integration in sein sich aufbauendes Selbstkonzept. Sie gestaltet sich als ein Prozess in Interaktion mit der Pflegeperson*, also bereits vor der Fähigkeit bewusster Selbstreflexion und semantischem Erwerb (Biermann- Ratjen, 2006).

Gemäß der klientzentrierten Enzwicklungstheorie ist dabei entscheidend, inwiefern die Pflegeperson dazu in der Lage ist, das Ausdrucksverhalten des Säuglings, seiner Gefühle, die er von Geburt an differenziert wahrnehmen kann korrekt zu interpretieren und ihm dies zu vermitteln. D.h. insbesondere die feinfühlige Abstimmung des Verhaltens der Pflegeperson auf die angeborenen Affekte des Säuglings: Distress (bei Reizüberflutung), Freude, Interesse, Ekel, Überraschung, Wut, Furcht, Trauer und Scham. Jene werden gesamtorganismisch, u.a. innerhalb körperlichen Ausdrucks und seiner Handlungsbereitschaft von ihm erfahren (Biermann- Ratjen, 1996).

Nur wenn der Säugling sich in seinen Affekten verstanden fühlt, da er emphatisches Verstehen von Geburt an wahrnehmen kann, kann er sie in sein Selbstkonzept aufnehmen, als gelebte Gefühle, die ihn ausmachen (Biermann- Ratjen, 2006). Dazu reicht nur eine bedingungslose Wertschätzung und positive Beachtung seiner vokalen, mimischen und motorischen Ausdrucksformen seitens der Pflegeperson. Dies kann nur durch eine kongruente Person erfolgen, d.h. jemand, der sich seiner eigenen Affekte bewusst, keine irrealen Erwartungen oder Vorstellungen (z.B.„du mich quälender Tyrann!“) auf das Kind projiziert (Biermann- Ratjen, 1996).

Ab ca. 7. Monaten lernt das Kind laut Stern (1985, zitiert nach Biermann- Ratjen, 2006, S.80) zwischen eigenen Gefühlen, die des anderen, sowie gemeinsamen Gefühlsanteilen zu unterscheiden, und wie jene beurteilt werden. Es ist ausgesprochen motiviert Intersubjektivität herzustellen, in dem Sinne, dass die Pflegeperson um sein Fühlen weis, sowie sich ihren Gefühlen orientierend anzupassen (Biermann- Ratjen, 2006).

*gemeint sind ein oder mehrere konstanteprimäre Bezugspersonen, wie Mutter und Vater

Wird es jedoch in diesem Interesse überwiegend zurückgewiesen, kann es gemäß klientzentrierter Entwicklungstheorie jene Mitteilungsbedürfnisse, sowie Selbstwirksamkeitserfahrung nicht in sein Selbstkonzept aufnehmen. Folglich erlebt es betreffende Gefühle, z.B. Trauer oder Furcht als mit anderen nicht teilbar (Biermann- Ratjen, 2006).

In diesem höchst störanfällig wechselseitigen Anpassungsprozeß (matching) zwischen Pflegeperson und Kind entwickelt sich nach Stern (1985, zitiert nach Behr, 1996, S.50) die kindliche Individualität. Dabei werden in ähnlicher Weise wiederholt auftauchende zeitlich strukturierte Beziehungserfahrungen von Geburt an als präverbale Durchschnittserfahrungen (RIG = R epresentations of I nteractions that have been G eneralized) im Episodengedächtnis gespeichert.

Die hohe Relevanz des matching bei der Formung der kindlichen Individualität verdeutlicht das von Bowlby (1969, zitiert nach Götze, 2002, S.112)theoretisch gefasste biologisch verankerte Bindungsbedürfnis.

2.4.2 Der Zusammenhang zwischen Bindungstheorie und Selbstkonzept

Spitz weist durch Beobachtung von Säuglingen eines Frauengefängnissesnach, dass eine unzureichend liebevolle Bindung bei guter medizinischer Versorgung in den ersten Lebensmonaten zu Gewichtsverlust, Infektionsanfälligkeit und schließlich dem Tod führt (Spitz & Wolf, 1946, zitiert nach Lewegie & Ehlers, 1994, S.183).

Auch Deprivationsexperimente Harlows mit Rhesusaffensäuglingen zeigen was geschieht, wenn einem neugeborenen Individuumjegliches emotionales Bindungsband vorenthalten und es nur ernährt wird.

Betroffene Tiere werden apathisch und autoaggressiv. Später sind sie nicht in der Lage Sozialkontakt zu Artgenossen aufzunehmen (Harlow, 1958 zitiert nach Lewegie & Ehlers, 1994, S.181) (siehe dazu Anhang 1, Abb.1, 2).

Diese Erkenntnisse über Entwicklungsschäden sucht Bowlby anhand seiner Bindungstheorie zu erklären (Weinberger, 2007). Demnach verhält sich das Neugeborene und Kleinkind intrinsisch motiviert die Nähe seiner Bindungsperson* zu regulieren: Klammern, Nachlaufen, Protest bei Verlassenwerden. Dieses Verhalten dient seinem Schutz, auch beim späteren Balanceakt zwischen Explorationsverhalten in Bezug auf die äußere, unsichere Umgebung und der Rückversicherung nach Geborgenheit (Götze, 2002).

* steht synonym für Pflegeperson (s.o)

Empirischen Untersuchungen zufolge ist entscheidend, in welchem Ausmaß das Bindungs- und Explorationsbedürfnis während der Interaktionsprozesse durch die Bindungsperson nachempfunden wird, ob überwiegend vollkommen, wechselhaft, oder gar nicht (Götze, 2002). Denn darauf abgestimmte RIG festigen bereits während der ersten Lebensmonate ein sog. Bindungsmuster des Kindes. Mit wachsendem Alter wandelt es sich in der Ausdrucksform, bleibt jedoch im Kern ein Leben lang beständig. Nach Forschungsbefunden ist es ein ziemlich getreuesAbbild der „attachment“ -Erfahrungen mit primären Bezugspersonen (Behr, 1996). Ein zugrunde liegendes Arbeitsmodell, anhand dessen der Mensch innerhalb seiner Lebenserfahrung sein Selbst „erarbeitet“, bzw. es im Sinne Rogers Persönlichkeitstheorie (vgl. 2.3) aktualisiert (vgl. Behr, 1996). Es beinhaltet ein Ausmaß an Erwartung (Urvertrauen / Urmisstrauen) in zwischenmenschlichen Beziehungen als akzeptabel / inakzeptabel zu gelten oder des Schutzes und Trostes würdig zu sein (Biermann- Ratjen, 2006).

Behr (1996) erwähnt drei aus der klassischen Bindungsforschung(u.a. Ainsworth1978) stammende Grundmuster späteren Bindungsverhaltens. Sie stehen analog zur 1.) überwiegend vollkommen feinfühlig, 2.) überwiegend unvorhersehbar feinfühlig (mal feinfühlig / mal nicht feinfühlig) und3.) überwiegend nicht feinfühlig erfahrenen Säuglings- und Kleinkindspflege:

1.) das sichere Bindungsverhalten, 2.) das unsicher ambivalente Bindungsverhalten, und 3.) das ängstlich vermeidende Bindungsverhalten.

Ersteres zeichnet sich durch mehr Selbst- Bewusstheit, Eigenständigkeit, höhere Sozialkompetenz / Empathiefähigkeit, sowie mehr Ambiguität bezüglich Problem- und Konfliktsituationen aus.

Letzteren beiden neigen zu weniger psychischer Flexibilität zugunsten von mehr Vulnerabilität (u.a. Angst vor Chaos) und Egozentriertheit (unbewegliche Selbstsicht) (Biermann- Ratjen, 2006).

Anlehnend an Rogers (1959) kommt das o.g. heute nachweislich angeborene, alle anderen Bedürfnisse übersteigende (Bindungs-)Bedürfnis nach Liebe seitens primärer Bezugspersonen dem Bedürfnis nach Selbst(be)achtung gleich (vgl. Höger, 2006, S.26). Es dominiert oft das gesunde Unterscheiden der Aktualisierungstendenz zwischen Stimuli, die der Erhaltung und Förderung (Bedürfnisbefriedigung) des Organismus dienen und solchen die bedrohlich und hinderlich sind. So formt sich das Selbstkonzept des Kindes mit der Zeit überwiegend anhand wiederkehrender Bewertungsbedingungen (introjected values), d.h. emotional gefärbter Regeln und Normen primären Bezugspersonen oder diesbezüglicher Stimmungserfahrungen (vgl. Rogers, 1987).

Beispiele meist unbewusster Selbstkonzeptannahmen sind: ich bin sauber und ordentlich / tapfer und keine Heulsuse /stets überdurchschnittlich in Schule und Sport. Oder: ich bin ungeschickt / hilflos / feige / verlogen / dumm.

(vgl. Fröhlich- Gildhoff & Hanne,1996; Mrochen, 1997; Weinberger, 2007).

Die Selbstkonzeptannahmen prägen auch zu späterer Zeit die Selbstaktualisierung. Alle mit jenen nicht zu vereinbarenden Erfahrungen werden dann von ihr tendenziell ausgeschlossen oder in ihrer Wahrnehmung entsprechend angepasst (Rogers, 1987; vgl. Weinberger, 2007).

Beispiele: „Ich liebe es Klassenbester zu sein, auch wenn ich kaum Zeit habe mit den anderen zu spielen, denn die sind mir sowieso zu kindisch.“ Oder: „Mich mag dochkeiner, du tust nur so nett, um mich ausnutzen zu können.“

Diese Abwehr-, Selbsterhaltungs- oder Selbstbehauptungstendenz, dient der Verleugnung von Inkongruenz zwischen vom Selbstkonzept gefilterten Erfahrungen und durch die Aktualisierungstendenz gemachten Erfahrungen. Denn Inkongruenz wird als Unwohlsein, Spannung, bzw. nicht immer bewusste Angst vor einem bröckelnden Selbst, und somit Sicherheitsverlust gespürt (Rogers, 1987). So kann das zur Ralitätswahrnehmung notwendige Herstellen von Kongruenzzu dem Preis, erfolgen, dass das Selbst nicht anhand wirklich neuer sondern fortlaufend entsprechend verzerrter Erfahrung aktualisiert wird.

Dann stagniert es in seiner natürlich gesunden Entwicklung (Rechtien, 2002).

Die Ausführungen der vorigen Abschnitte zeigen, wie stark das naturgemäß gesunde Aktualisieren gesamtorganismischer Erfahrung im Selbstkonzept von der Anerkennung in einer zwischenmenschlichen Beziehung abhängig ist, besonders der Urbeziehung aus Säuglingszeit und früher Kindheit.

Wie die zwischenmenschliche Beziehung der Therapie eine bedürfnisorientierte unverzerrt gesamtorganismische Erfahrung unterstützen kann, wird im Folgenden erwähnt.

3. Der therapeutische Kontakt, eine zwischenmenschliche Beziehung

3.1  Die Förderung der Aktualisierungstendenz

Rogers (2004d) verdeutlicht, dass der Zustand chronischer Inkongruenzen letztendlich durch unzählige psychische und physische Umweltfaktoren hervorgerufen werden kann, die die Aktualisierungstendenz behindern oder blockieren. Dann drückt sie sich destruktiv verändert oder symptomatisch aus, als Bewältigungsversuch innerseelische Stabilität zu erlangen. Ein unbewusst inszeniertes Signal für das soziale Umfeld, was es zu verstehen gilt (Fröhlich- Gildhoff, 2006). Beispiele hierfür sind Entwicklungsverzögerungen,

Selbst- und Fremdschädigungen, starke Zurückgezogenheit oder Delinquenz (vgl. Reisel & Wakolbinger, 2006).

Umgebungsbedingungen, die bisher beim Klienten ein natürliches Ansammeln gesamtorganismischer Erfahrung im Selbstkonzept einschränkten sollen deshalb in der therapeutischen Beziehung völlig umgekehrt werden. Dann kann

die Aktualisierungstendenz zur konstruktiven Nutzung allen verfügbaren Potentials einer gesunden Persönlichkeitsentwicklung ungehemmt hervortreten(Schlippe- Weinberger, 2004).

Rogers (1987) schreibt zur Aktualisierung u.a.: „Diese Tendenz beinhaltet nicht nur das, was Maslows Begriff "deficiency needs“ umfaßt, nämlich die Grundbedürfnisse nach Luft, Nahrung, Wasser o.ä., sondern darüber hinausgehend auch allgemeinere Aktivitäten.“(S.23). Hierauf lassen sich von Schmidtchen (1996) erwähnte Eigenkompetenzen zur gesunden Persönlichkeitsentwicklung beziehen. Sie stehen in Bezug zu angeborenen Bedürfnissen nach Maslow (1981) und Erikson (1966), untermauert durch Befunde aus der Entwicklungspsychologie. Zentrale Eigenkompetenzen sind u.a.:

-die Regelung physiologischer Bedürfnisse, z.B. Schlafen, Essen, Ausschei- dung und entwicklungsgemäße Sexualität,
-das Erleben einer hohen, stabilen seelisch- und körperlichen Selbstwertschätzung, Ganzheitlichkeit und individuellen Abgrenzung zu anderen,
-das Herstellen einer sicheren Bindung an Eltern und Freunde,
-die Regelung von Sicherheits- und Ordnungsbedürfnissen,
-das Erleben von Ich- Wirksamkeit, z.B. als Problemlösungsfähigkeit,
-die Bildung, Verwirklichung und Modifikation von Selbstkonzeptannahmen,
-die Entwicklung eines sicheren Glaubenssystems bezüglich Weltgesche- hen und moralischer Orientierung (Schmidtchen, 1996).

Gemäß dem klientzentrierten Entwicklungskonzept richtet sich dieses in jedem Individuum schlummernde Verwirklichungspotential neben Intelligenz, sowie körperlicher und physiologisch geistiger Verfassung aus nach dem sozialen Klima, welches das Individuum umgibt (vgl. Rogers, 2004b). In der therapeutischen Beziehung sollen fälschlich gelernte Annahmen des Selbst korrigiert werden, um jene Kompetenzen zu verwirklichen ( Schmidtchen, 1996).

3.1.1 Ziel des therapeutischen Kontaktes - ein sicheres Bindungsverhalten

Rogers und Kollegen machen in den 30 /40- er Jahren wiederkehrende Erfahrungen, dass eine genaue Wahrnehmung seitens des Therapeuten und das Kommunizieren dieser einen großen Einfluss auf Stimmung, Selbstöffnung, sowie Selbstverständnis des Klienten haben (Rogers, 2004e). Dies kann anschließend günstige Veränderungen sozialer Prozesse und situativer Bedingungen im sozialen Umfeld des Klienten in Gang setzen (Dorfman, 2004).

Anhand zahlreicher akribisch genauer, kontinuierlicher Analysen therapeutischer Sitzungen arbeiten Rogers und Kollegen über die Zeit eine wesentliche Grundhaltung in Wahrnehmung und Handeln des Therapeuten heraus, welche diese günstigen Veränderungsprozesse bei Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern bewirken (Rogers, 1960; 1976). Bereits 1942 stellt man bei schwer Verhaltens- und persönlichkeitsgestörten jugendlichen Mädchen diesbezüglich konstruktive Veränderungen fest (vgl. Rogers, 2004b).

Jene Therapeutenhaltung beschreibt Rogers (1960) als echten Wunsch, dem Klienten ein soziales Klima zu vermitteln, in dem er großes Vertrauen in und eine hohe Wertschätzung für sein individuelles Entfaltungspotential erlangen kann. Als Hinübertransport der Therapeutenperson, so genuin wie möglich, interessiert, in sorgvoller Anteilnahme, sowie ihres Verständnissesdes momentzentriert subjektiven Erlebens des Klienten. Dies zeichnet sich bis heute durch das Würdigen der persönlichen Einzigartigkeit des Klienten, Achten jedweden Fühlens und nicht- Dirigierung aus (Tausch & Tausch, 1991).

Nach Rogers (2004d) ist dies durch drei bezüglich positiver Klientenentwicklung empirisch abgesicherte Variablen des Therapeutenverhaltens zu erreichen (u.a.Truax & Carkhuff 1967; Tausch 1976, zitiert nach Tausch & Tausch,1990, S. 25): 1.) Empathie, als präzise Einfühlung in Wahrnehmen, Verstehen und Mitteilen2.) Wertschätzung des Klienten, einfach so wie er ist, als bedingungslose Akzeptanz seiner Person - 3.) „Echt“ oder „Kongruent- Sein“, dazu verhelfend, erstere Haltungen in Übereinstimmung mit sich selbst zu leben: „Es ist unmöglich, die Empfindungswelt eines anderen richtig zu erspüren, wenn sie diese Person und seine Welt nicht wertschätzen“ (Rogers, 1976, S.43). Denn erst wenn der Klient die Variablen zumindest in einem gewissen Ausmaß als glaubhafte innere Haltung wahrnehmen kann, kann er ein Gefühl von Sicherheit erfahren, zu wissen woran er mit dem Therapeuten ist und Vertrauen entwickeln (Rechtien, 2002). Wobei das Ausmaß an „Echtheit“ ganz unwillkürlich durch nonverbale Verhaltensweisen (Mimik, Gestik, Tonfall und Sprachsequenz) markiert ist. Jene definieren für den Klienten die Qualität der Beziehung, die er seitens des Therapeuten erfährt (Rechtien, 2002).

Der Therapeut ist also wichtigstes Instrument zum Herstellen einer glaubhaft vertauenswürdigen Beziehung (Rogers, 1960).

Tausch und Tausch (1991, S.221) beschreiben Kongruenz als: „Selbstöffnung und Durchsichtigkeit einer Person Offensein für das eigene gefühlsmäßige Erleben, enger Kontakt mit dem eigenen Fühlen und Auseinandersetzen damit.“. D.h. der Therapeut begegnet dem Klienten sich seiner gewahr und mit Selbstachtung (Rechtien, 2004). So kann er Gefühle und Ansichten des Klienten, sowie die eigenen -auch negative wie Ärger oder Langeweile- separat voneinander wahrnehmen, respektieren und verstehen (Weinberger, 2007). Sofern es Situation undAchtung des Klienten zulassen, vermag er die seinen zu äußern (Eckert,2006) was die Beziehung lebendig werden lässt.

Das Gegenteil gelebter Kongruenz wäre z.B.:“Verhalten und Äußerungen einer Person entsprechen einer Rolle, einem Berufsbild oder den Erwartungen anderer und nicht ihrem Fühlen, Denken und inneren Haltungen. Die Person hat etwa ein dienstliches, berufsmäßiges, routinemäßiges Gehabe oder sie zeigt ein übertriebenes Wohlverhalten.“ (Tausch & Tausch, 1991, S. 217).

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Details

Seiten
49
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783638068949
ISBN (Buch)
9783638954471
Dateigröße
739 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v93795
Institution / Hochschule
University of Sheffield
Note
1,7
Schlagworte
Rolle Beziehung Kinder- Jugendpsychotherapie

Autor

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Titel: Die Rolle der zwischenmenschlichen Beziehung in der personzentrierten Kinder- und Jugendpsychotherapie