Lade Inhalt...

Sprache und soziale Schicht

Hausarbeit 1996 11 Seiten

Pädagogik - Pädagogische Soziologie

Leseprobe

1. Einleitung

Begriffsdefinitionen: Soziolinguistik, Sprachsoziologie, Soziolekt

-Soziolinguistik, Sprachsoziologie (Brockhaus):

Wissenschaftsdisziplin im Überschneidungsbereich von Linguistik und Soziologie, die sich mit den wechselseitigen Beziehungen zwischen Sprach- und Sozialstrukturen beschäftigt. Es wer­den im wesentlichen drei Forschungsschwerpunkte in der Soziolinguistik unterschieden: 1.) eine stark soziologisch orientierte, 2.) eine vor allem linguistisch ausgerichtete und 3.) eine ethnome­thodologisch fundierte Richtung. Während die eher soziologisch orientierte Strömung in den Mittelpunkt ihrer Forschung den Einfluß sozioökonomischer, historischer, nationaler und kultu­reller Faktoren auf die reale Sprachverwendung stellt und Phänomene von Mehrsprachigkeit und Diglossie, Sprachwechsel und sozial bedingte Normabweichungen oder Sprachdefizite un­tersucht, weisen die im eigentlichen Sinne linguistisch forschenden Soziolinguisten meist an­hand quantitativer empirischer Arbeiten nach, daß soziale Rahmenbedingungen für Sprachver­änderungen und -wandelprozesse verantwortlich sind und synchrone Variationszustände dem­nach einen Ausschnitt aus einem diachron sich vollziehenden Sprachwechsel darstellen. Die ethnomethodologische fundierte Richtung der Soziolinguistik stellt die sprachliche Interaktion in den Mittelpunkt und versucht mit vom Ansatz her unterschiedlichen konversationsanalytischen Methoden aufzuzeigen, mit welchem sprachlichen Mitteln soziale Wirklichkeit erzeugt und ein soziales Regelfeld definiert wird und welche interaktiven Prozesse für die Bedeutungsprodukti­on relevant sind.

Der Terminus <<sociolinguistics>> wurde in den 1950er Jahren in den USA geprägt; an wis­senschaftlichen Einrichtungen etablierte sich die Soziolinguistik als Teil der Philologien seit den 1960er und vor allem in den 1970er und 1980er Jahren, in denen die Arbeiten von Uriel Wein­reich (*1925, +1967), Joshua Aaron Fishman (*1926) und Einar Ingvald Haugen (*1906) zu­nehmend auch in Europa Resonanz fanden.

-Soziolekt (Brockhaus):

Von der Soziolinguistik in Analogie zu den Termini Dialekt, Idiolekt und Regiolekt (Regionalsprache) geprägter Begriff, der das Sprachverhalten von gesellschaftlichen Gruppen bezeichnet. Soziolekte können geographische begründet sein, wichtigstes Merkmal ist jedoch eine vertikale Sprachschichtung, die die Ursache für die Herausbildung von Gruppensprachen darstellt. So wird Soziolekt auch als Oberbegriff für den Komplex der Fachsprachen, Sonder­sprachen und Jargons verwendet. Identifikationsmerkmal für einen Soziolekt ist, daß sich die Sprecher dieser Varietät entweder als Träger einer besonderen Sprachform empfinden oder daß sie von Außenstehenden als solche wahrgenommenen werden; dabei kann es sich um eine so­zial stigmatisierte Form (z.B. Slumsprache, Gaunersprache) oder um eine als besonders erstre­benswert erscheinende sprachliche Prestigeform (z.B. bei gewissen sprachlichen Ausdrucks­formen der Jugend- und Subkultur, Expertensprache) handeln.

Nach dieser allgemeinen Definition der Begriffe Soziolinguistik und Soziolekt folgt nun ein kur­zer Einblick in die wissenschaftliche Arbeit eines Soziolinguisten. Es wird hier der Zusammen­hang zwischen Sprache und sozialer Schicht anhand der sprachlichen bzw. sozialen Entwick­lung von Kindern und Jugendlichen aus der Unterschicht, im Vergleich zu jenen aus der Mittel­schicht, erörtert.

Das Referat soll die möglichen Folgen für die Kinder aus den verschiedenen Schichten auf­grund der auftretenden Sprachunterschiede aufzeigen.

2.1. Sprachgebrauch und Spracherwerb in Abhängigkeit von der sozialen Schicht

Ulrich Oevermann bezieht seine Untersuchungen bezüglich Sprache und sozialer Schicht auf die Ergebnisse in der Intelligenzforschung. Bei Vergleichen der verbalen und nicht verbalen In­telligenz von Kindern anhand eines Intelligenztestes. Dabei ist festzustellen, daß Kinder aus der Unterschicht im Vergleich zu jenen aus der Mittelschicht in der verbalen Intelligenz schlechter abschneiden als in der nicht-verbalen Intelligenz. Es ergibt sich außerdem, daß die Unterschiede zwischen den beiden Schichten bei Testaufgaben aus dem sprachlichen Bereich größer sind als bei Testergebnissen, die geometrischen und zeichnerischen Problemen entstammen. Somit wird deutlich, daß die Beziehung des gesellschaftlichen Status zur verbalen Intelligenz tendentiell er­kennbar höher ist, als zur nicht-verbalen Intelligenz Diese Tatsache intensiviert sich, je älter die Testpersonen im Schnitt sind. Doch diese negative Entwicklung beginnt schon im Elternhaus, denn es ist offensichtlich, daß Kleinkinder, deren "Erzieher" der Unterschicht angehören, be­züglich der Lautentwicklung erhebliche Mängel aufweisen, wie Forschungsergebnisse zeigen. Die Sprachentwicklung wird also schon recht früh negativ beeinflußt. Diese Tendenz kann man übrigens auch im Vergleich von Heimkindern zu Kindern, die einer Familie entstammen, fest­stellen. In einem Experiment wurde nachgewiesen, daß Kleinkindern aus der Unterschicht, die über einen bestimmten Zeitraum hinweg durch das regelmäßige Vorlesen der jeweiligen Mutter mehr zur Nachahmung verschiedener Laute stimuliert wurden, als dies bei einer vergleichbaren Gruppe von Kindern ohne die o.g. durchgeführte Maßnahme der Fall war. Da jedoch die Imitation bestimmter Laute der Kinder und die sekundäre Unterstützung der Eltern in Relation stehen und einen Lernprozeß darstellen, der für die Sprachentwicklung des Kindes verantwort­lich ist, kann als negative Folge eine Störung dieser Entwicklung bei fehlendem Engagement der Eltern nicht ausgeschlossen werden.

[...]

Details

Seiten
11
Jahr
1996
ISBN (eBook)
9783638160988
ISBN (Buch)
9783638746472
Dateigröße
423 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v9375
Institution / Hochschule
Universität Karlsruhe (TH) – Institut für Geistes- Sozialwissenschaften
Note
1,3
Schlagworte
Sprache Schicht Einführung Hermeneutik

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Sprache und soziale Schicht