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Opernentwicklung in Dresden

Von der ersten Opernaufführung auf deutschem Boden zur deutschen Oper

Seminararbeit 2007 18 Seiten

Theaterwissenschaft, Tanz

Leseprobe

I. Geschichtlicher Abriss unter besonderer Berücksichtigung der architektonischen und kulturellen Entwicklung Dresdens

I.1. Dreißigjähriger Krieg und Nachkriegszeit

„Dresdens[1] Glück“ im Hinblick auf Zerstörung – aus heutiger Sicht im Vergleich zu anderen Städten betrachtet – war wohl, dass sich Sachsen unter Kurfürst Johann Georg I., der von 1611 bis 1656 regierte, im Dreißigjährigen Krieg von 1618 bis 1648 bis 1631 neutral verhielt. Auch muss die sehr massive Stadtfestung Dresden bis dahin vor größeren Schäden bewahrt haben.

Als Kriegsfolgen brachen allerdings 1632/33 Pest und Hungersnot aus, der ein Großteil der Stadtbevölkerung zum Oper fiel und Wirtschaft und Handel kamen folglich zum Erliegen.

Im Jahr 1639 brannten die Schweden die Vorstädte teilweise nieder, vermochten jedoch nicht die Stadtfestung zu bezwingen. Auch im Jahr 1643 gelang es ihnen nicht.

Mit dem Westfälischen Frieden 1648 stabilisierte sich Dresden rasch wieder, was sich auch in der architektonischen und kulturellen Entwicklung zeigt. Auch ist es wohl dem Geschick des Herrscherhauses zu verdanken, dass die Wirtschaft relativ bald wieder florierte.

So entstanden hier nach und nach bedeutende Manufakturen, die der Stadt einen gewissen Wohlstand bescherten, der die kulturelle Entwicklung und Förderung, gerade durch das aufkommende Bürgertum extrem begünstigte.

Kurfürst Johann Georg IV. von Sachsen (reg. 1691-1694) verstarb früh an den Pocken, so dass im Jahr 1694 sein Bruder Friedrich August I. - August der Starke - Kurfürst von Sachsen wurde, später auch die polnische Königskrone trug, was einen Konfessionswechsel der Fürstenfamilie mit sich zog, der auch für den künstlerischen Betrieb bei Hofe nicht folgenlos blieb.

I.2. Frühbarocke Bauten in Dresden

Im Dreißigjährigen Krieg ruhte das Bauschaffen in Dresden fast ganz. Aus der Zeit nach diesem Krieg, aus der Übergangsphase von der Spätrenaissance zum Frühbarock, blieben in Dresden nur wenige Bauten erhalten, von der Innenarchitektur nichts.

Unter dem gebürtigen Dresdner Wolf Caspar von Klengel (1630-1691), einem Enkel von Renaissance-Baumeister Paul Buchner, vollzog sich in der Dresdner Architektur der Übergang zum Stil des Barock, den er bei Studienreisen in Italien kennengelernt hatte. Oberlandbaumeister Klengel war außerdem Lehrer von Johann Georg IV. und Friedrich August I. (August dem Starken).

Im Auftrag von Kurfürst Johann Georg II. baute Wolf Caspar von Klengel zwischen 1664 und 1667 auf dem Taschenberg südwestlich neben dem Residenzschloss das erste feste Opern- und Komödienhaus Dresdens. In diesem Haus mit etwa 2.000 Plätzen fanden zunächst fast nur musikalische Aufführungen, also Oper und Ballett statt Von 1707 bis 1754, dem Jahr der Fertigstellung der neuen Hofkirche, diente das Haus vorübergehend als Katholische Hofkirche (August der Starke war zum katholischen Glauben gewechselt, um an die polnische Königskrone gelangen zu können), dann ab 1755 als Ballhaus.

Das von Klengels Nachfolger, Oberlandbaumeister Johann Georg Starcke, zwischen 1678 und 1683 als Sommerhaus gebaute Palais im Großen Garten war der erste bedeutende Barockbau Dresdens und zugleich auch der erste Bau im Stil des deutschen Barock. Die Architektur weicht etwas vom klassischen Barock ab und zeigt einen eigenständigen, strengeren deutschen Stil. Die leider verloren gegangene Innenausstattung war in einem überaus prächtigen Frühbarock gestaltet.

I.3. Architektur des Dresdner Hochbarock

Um dem Repräsentationsbedürfnis des Kurfürstlich-Königlichen Hofes Augusts des Starken (Kurfürst Friedrich August I. von Sachsen und zugleich König August II. von Polen; reg. 1694-1733) gerecht zu werden, nahm die Stadt Dresden künstlerische Einflüsse sowohl des norddeutschen wie auch des süddeutschen Barocks begierig auf, ebenso französische Vorbilder (Ludwig XIV.) und italienische Einflüsse. Am Hofe Augusts des Starken waren hervorragende Künstler - Bildhauer, Maler und Kunsthandwerker - von europäischem Ruf und bedeutende Barock-Architekten, die ihr Fach in großen Städten Europas studiert hatten, tätig. Dieses weltoffene künstlerisch-kulturelle Leben am Dresdner Hof brachte prächtige Barockbauten hervor.

Der Barockstil war zu dieser Zeit bereits im Ausklingen begriffen, so dass man vom Spätbarock sprechen muss. Zu den heute noch bestehenden Zeugnissen der barocken Baukunst in Dresden gehören zum Beispiel der Zwinger und das Taschenbergpalais, sowie die katholische Hofkirche.

Der im westfälischen Herford geborene Matthäus Daniel Pöppelmann (1662-1736), einer der bedeutendsten Barock-Baumeister seiner Zeit, war im Jahr 1680 nach Dresden gekommen. Sein Meisterwerk ist der ab 1709 errichtete Zwinger, eine der großartigsten Schöpfungen barocker Baukunst nördlicher der Alpen.

Der prächtige figurale Schmuck des Zwingers stammt von Balthasar Permoser (1651-1732),der nach seiner Ausbildung in Salzburg, Wien und Italien, wo er sich an den Werken Michelangelos und Berninis schulte, im Jahr 1689 von Kurfürst Johann Georg III. als Hofbildhauer nach Dresden berufen worden war.

Im Jahr 1705 gründete sich in Dresden die Malerakademie, auch hier zeigt sich, dass Dresden vielseitig bestrebt war, einerseits eine gewissen Repräsentationspflicht nachzukommen, andererseits wohl eine wirkliche Affinität zur Kunst und Kultur im Allgemeinen bestanden haben muss, da man Stärke, Macht und Vermögen zum Beispiel auch hätte militärisch bestens ausstrahlen können.

Interessant ist aber dennoch, dass ausgerechnet der Neubau eines Barockschlosses nicht getätigt wurde. Oftmals wird vermutet, dass finanzielle oder personelle Gründe hier vorrangig waren, was alleridngs im Gegensatz zur sonstigen Entwicklung stehen würde. Eher ist wohl aber anzunehmen, dass neben den begrenzten finanziellen Mitteln es auch die Achtung vor den Leistungen der Renaissance-Baumeister war, weshalb man auf den barocken Umbau der großartigen Anlage des Renaissance-Schlosses verzichtete. Dafür spricht, dass beispielsweise einige Teile des Schlosses wie z.B. ein vierter Treppenturm im Hof, der durch einen Brand teilzerstörte Ostbereich des Schlosses und vieles der Innenausstattung auch von den großen Barock-Baumeistern sorgfältig im Stil der Renaissance ergänzt oder restauriert wurde. Das Residenzschloss wurde also im Renaissance-Stil behalten.

Ein weiterer bemerkenswerter Punkt ist, dass in der Altstadt, anders als in der Neuen Königsstadt (der späteren Neustadt), auch die mittelalterliche Anlage der Straßen und Plätze weitgehend erhalten blieben. Es kam also nicht zur barocken Überbauung dieses Stadtteils mit großen, von Palaisbauten gesäumten Prachtstraßen.

Das lag wohl auch daran, dass sich in Dresden das (protestantische) Stadtbürgertum, der Rat und die Zünfte, die durch Handel und Gewerbe einen beträchtlichen Wohlstand erlangt hatten, eine große Eigenständigkeit gegenüber dem nun katholischen Hof bewahrten und es sich leisten konnten, einen solchen Stadtumbau im Barockstil, der aus der römisch-katholischen Architekturtradition erwuchs, nicht zuzulassen.

Diese Parität zwischen Hof und Bürgertum wirkt sich auch äußerst interessant gerade auf die Opernentwicklung aus, da zum Beispiel das kulturell engagierte Bürgertum eine immer stärkeren Einfluss auf die Opernentwicklung nimmt, in dem es sich Hofmusiker privat engagiert, sich unterrichten lässt oder zum Beispiel auch teilweise direkt versucht, auf den Spielplan und personelle Entscheidungen Einfluss zu nehmen.

Kunst und Kultur waren ergo nicht ausschließlich auf den Kurfürstlich-Königlichen Hof beschränkt. Auch bedeutende Kunst- und Bauwerke wie die Frauenkirche entstanden in bürgerlichem Auftrag und in einem vom Bürgertum vorgegebenen oder akzeptierten Stil. Somit zeigt sich die Frauenkirche auch ganz anders als die etwa zur selben Zeit, auf Bestellung des Hofes, gebaute Katholische Hofkirche.

Der Bau des Zwingers war wegen des drängenden Termins der Hochzeit des Kurprinzen im Jahr 1719 enorm beschleunigt worden. Anlässlich dieses Festes wurde auch Pöppelmanns neues Opernhaus südlich des Zwingers eröffnet. Mit 2000 Plätzen war es damals eines der größten Opernhäuser Deutschlands (es brannte beim Maiaufstand 1849 ab und wurde danach abgerissen).

Ein Teil der Kurfürstlichen Kunstsammlungen zog schon im Jahr 1728 in den Zwinger ein. Dieser Teil der Sammlung gehört heute zum, dem Museum der Instrumentenkunst, das aus der im Jahr 1560 von Kurfürst August gegründeten Kurfürstlichen Kunstkammer hervorging.

Der Zwinger war durch das direkt im Süden angebaute Opernhaus mit dem Taschenbergpalais verbunden. Somit war der höfische Bereich Dresdens nun auch nach Westen mit großen herrschaftlichen Bauten geschlossen.

I.4. Hoffeste Augusts des Starken

Dresden erlebte unter August dem Starken jährlich etwa 60 Tage mit höfischen Festen. Sie wurden als die glanzvollsten ihrer Zeit gerühmt. Dafür und für die Kunstsammlungen brauchte der Kurfürst und König einen großen Teil der Staatsfinanzen auf. Viele der kostbaren Stücke in den heutigen Staatlichen Kunstsammlungen waren damals von bedeutenden Künstlern und Handwerkern speziell für diese Feierlichkeiten des Hofes angefertigt worden. August der Starke meinte jedoch, dass jeder für Handwerk, Architektur und Kunst ausgegebene Taler dreifach zurückkäme und allemal besser als für Kriegsausgaben angelegt sei.

Im Jahr 1694 fanden anlässlich des Amtsantritts von August dem Starken wochenlange Feste und Maskeraden statt. Auch im Jahr 1709 erlebte Dresden während des Besuches des Dänenkönigs Christian lange andauernde Festlichkeiten.

Die Hochzeit des Kurprinzen Friedrich August mit der habsburgischen Kaisertochter Maria Josepha im September 1719 (die eigentliche Vermählung hatte schon im August in Wien stattgefunden) wurde vier Wochen lang gefeiert und kostete etwa 4 Millionen Taler.

Für die Hochzeitsfeierlichkeiten mussten die Barockbaumeister unter anderem den Zwinger, Pöppelmanns Opernhaus und den Riesensaal im Residenzschloss in größter Eile fertig stellen.

Die Hochzeit des Kurprinzen - die großen politischen Perspektiven, die sich mit dieser Heirat für Sachsen ergaben, erfüllten sich später nicht - fand übrigens in einem Hungerjahr statt, in dem das Volk unter einer großen Teuerung zu leiden hatte und besonders viele Bettler und Räuber durch Sachsen zogen.

I.5. Dresden unter Kurfürst Friedrich August II.

Nach dem Tod von August dem Starken im Jahr 1733 übernahm dessen Sohn die Regierung als Kurfürst Friedrich August II. von Sachsen (reg. 1733-1763). Als König August III. von Polen trug er ab 1734 auch die polnische Königskrone.

Friedrich August II. war recht fromm und sittenstreng und soll ein glückliches Familienleben geführt haben. Der oben beschriebene recht sinnesfrohe Lebensstil des sächsisch-polnischen Hofes wandelte sich unter seiner Herrschaft in ein eher stilles Hofleben. Statt pompöser Feste unter Beteiligung ganz Dresdens gab es nun sehr intime Festlichkeiten des Adels unter Ausschluss der Öffentlichkeit, was sich auch auf die Architektur dieser Zeit auswirkte. Der Zwinger wurde kaum noch genutzt. Die Bautätigkeit verlagerte sich stärker in das Dresdner Umland.

Während August der Starke die Porzellansammlung und das "Grüne Gewölbe" zu den reichsten Sammlungen Europas gemacht hatte, erfuhr unter Friedrich August II. die Gemäldegalerie ihre wichtigste Erweiterung zu einer der bedeutendsten Gemäldesammlungen Europas.

In der Zeit Friedrich Augusts II. erreichte auch das sächsische Musikleben eine führende Stellung in Deutschland. In Dresden entwickelten der Komponist und Hofkapellmeister Johann Adolph Hasse (1699-1783) und seine Frau, die Mezzo-Sopranistin Faustina Bordoni, die italienische Oper zu höchster Blüte. Der in Freiberg tätige Orgelbauer Gottfried Silbermann (1683-1753) führte die Orgelbaukunst zur Vollkommenheit.

Der Kurfürst und König berief Graf Heinrich von Brühl im Jahr 1733 zum Generaldirektor der Kunstsammlungen, im Jahr 1738 zum Außenminister und im Jahr 1746 zum Premierminister. Als Günstling des Kurfürsten und Königs nahm Graf Brühl nun eine Schlüsselrolle am sächsischen Hof ein.

Um 1755 lebten etwa 63.000 Einwohner in Dresden und den Vorstädten (darunter etwa 22.300 in der Altstadt).

Im Siebenjährigen Krieg (1756-1763) verheerten die Preußen das sächsische Territorium. In den Jahren 1758/59 brannten sie die Dresdner Vorstädte nieder. Am 19./20. September 1760 ließ Friedrich der Große die Stadt von seiner Artillerie zerschießen. Ein Drittel aller Dresdner Bauwerke fiel in Trümmer - 226 Häuser und damit fast der ganze Osten der Altstadt wurden zerstört, auch die Kreuzkirche, die Annenkirche und das Brühlsche Palais. Der Belagerung durch die preußischen Truppen konnte die Stadtfestung zu dieser Zeit aber noch standhalten.

[...]


[1] Teil I. größtenteils unter Verwendung und Bezug auf: Herzog zu Sachsen, Albert: Die Wettiner in Lebensbildern. Graz u. a., 1995 Aurig, Rainer, Steffen Herzog und Simone Lässig (Hrsg.): Landesgeschichte in Sachsen. Tradition und Innovation. Bielefeld, 1997

Details

Seiten
18
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640100590
Dateigröße
482 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v93698
Institution / Hochschule
Universität Bayreuth
Note
gut
Schlagworte
Opernentwicklung Dresden Produktionsbedingungen Musiktheaters Jahrhundert

Autor

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Titel: Opernentwicklung in Dresden