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Platon und Aristoteles - Überlieferte Bildnisse der Philosophen

Seminararbeit 2005 23 Seiten

Archäologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Platon
2.1. Kurzbiographie und Werk

3. Die Bildnisse des Platon
3.1. Castellaniherme
3.2 Andere Portraits
3.3 Das griechische Original

4. Aristoteles
4.1. Kurzbiographie und Werk
4.2 Die Bildnisse des Aristoteles
4.2.1.Erhaltene Portraits des Aristoteles

5. Vergleich

6. Zusammenfassung

7. Bibliographie

1. Einleitung

Antike Portraits sind uns äußerst zahlreich überliefert. Wir finden sie nicht nur im Original in Museen oder Sammlungen, sie begegnen uns auch in Abbildungen, und das nicht nur in der archäologischen Fachliteratur. So diente als Titelbild der Aristoteles-Biographie, die ich für diese Arbeit verwendet habe, ein Foto des Aristoteleskopfes im Kunsthistorischen Museum in Wien. Oft habe ich solche Portraits einfach angesehen und mir gedacht „So hat er also ausgesehen.“, oder etwas Ähnliches. Manchmal habe ich auch versucht, sie zu datieren. Im Laufe des Seminars ist mir klar geworden, dass antike Bildnisse eine sehr komplexe Materie darstellen und uns viel erzählen können. In meiner Arbeit stelle ich einige der Portraits vor, die von Platon und Aristoteles überliefert sind. Ich möchte aber auch aufzeigen, dass es manchmal sehr schwierig ist, ein Portrait einer bestimmten Person zuzuordnen, und wie dies geschieht. Denn viele, wenn nicht die meisten, sind uns ohne Inschrift überliefert und oft sind diese Inschriften falsch. Eine andere Frage ist, ob die dargestellte Persönlichkeit wirklich so ausgesehen hat. Im Falle Homers beispielsweise haben wir es mit reinen Fantasiebildnissen zu tun. Denn zu der Zeit als sie entstanden, war der Dichter schon lange tot. Auch darf man nicht vergessen, dass sich das Individualbildnis erst ab der Klassik langsam entwickelte, wobei der Durchbruch zu einer wirklich persönlichen Darstellung wohl erst in der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts gelang. Wichtig für diese Entwicklung war die „Befreiung“ der Bildnisse aus dem religiösen Kontext und die Aufstellung im öffentlichen Raum. In der Zeit davor wurden die Abgebildeten als Typen dargestellt. Das Grabrelief eines Adeligen aus der Archaik stellt diesen als Vertreter seines Standes dar, man darf sich also nicht erwarten, dass er wirklich so ausgesehen hat. Ein weiteres Problem ist, dass es noch lange üblich war zu idealisieren.[1]

Portraits von Platon und Aristoteles sind uns nur als römische Kopien überliefert. Die Originale sind leider nicht erhalten. Ich glaube, es führt zu einem besseren Verständnis, wenn man etwas über den Hintergrund der portraitierten Persönlichkeiten weiß. (Umgekehrt führt wohl die Kenntnis eines Portraits zu einem besseren Verständnis für die Persönlichkeit.) Deshalb sind Kurzbiographien und Charakterisierungen der philosophischen Werke Bestandteil meiner Arbeit.

Die Arbeit beginnt mit Platon, da er der ältere der beiden Philosophen ist. Wichtig für die Identifizierung seiner Portraits ist die sogenannte Castellaniherme, weshalb ich diese etwas genauer behandle. Da es im Rahmen einer Seminararbeit nicht möglich ist, alle erhaltenen Repliken zu bearbeiten, musste eine Auswahl getroffen werden.

Die Identifizierung des Aristotelesportraits gelang zu Beginn des 20. Jahrhunderts dem Archäologen Studniczka. Aufbauend auf seine Forschung konnte eine Reihe von Repliken aufgefunden werden, von denen ich wiederum nur einige behandle.

Abschließend folgen ein kurzer Vergleich der Portraits der beiden Philosophen und eine Zusammenfassung.

2. Platon

2.1. Kurzbiographie und Werk

Auch wenn Platon und sein Werk nach wie vor große Berühmtheit genießen, können wir sein Leben nur sehr unvollständig rekonstruieren, denn die Quellen dazu sind äußerst spärlich. Der Philosoph wurde im Sommer 428 oder 427 in Attika als Sohn einer reichen Familie geboren. Er hatte drei Geschwister. Seine Kindheit und Jugend fallen also in die Zeit des Peloponnesischen Krieges (431 – 404 v.Chr.). Athen hatte damals den Höhepunkt seiner Macht bereits überschritten, doch das kulturelle Leben in der Stadt war trotz des Krieges blühend. Damals waren beispielsweise der Tragiker Euripides und der Komödiendichter Aristophanes tätig.

Platon erhielt wahrscheinlich die übliche Ausbildung für einen Angehörigen seines Standes, d.h. er wurde in den Fächern Grammatik (Lesen, Schreiben, Rechnen), Gymnastik und „mousike“ unterrichtet. Unter letzterem können wir hauptsächlich das Auswendiglernen von Ilias und Odyssee verstehen.[2] Der Philosoph soll übrigens ausgesprochen sportlich gewesen sein und sich als Ringer betätigt haben. Diogenes Laertios berichtet uns, dass es sein Ringmeister Ariston gewesen sei, der ihn wegen seiner sportlichen Leistung Platon genannt habe. Zuvor habe er eigentlich wie sein Großvater Aristokles geheißen. Auch soll er auf dem Isthmus als Ringkämpfer aufgetreten sein.[3]

In Athen war damals noch eine weitere Persönlichkeit am Werk, die größten Einfluss auf den jungen Platon gehabt hat, nämlich Sokrates. Er dürfte schon bald in engeren Kontakt mit diesem großen Philosophen getreten sein.

Als Angehöriger einer reichen Familie hätte er eigentlich früher oder später in die Politik gehen sollen. In seinem Siebten Brief äußerst er sich selbst dazu und sagt, dass er über den Sittenverfall und die Gesetzlosigkeit entsetzt gewesen wäre und sich deshalb entschlossen habe Philosophie zu betreiben, anstatt Politiker zu werden.[4] Ausschlaggebend dafür dürften einerseits die Herrschaft der Dreißig Tyrannen und andererseits die Verurteilung des Sokrates im Jahr 399 gewesen sein. Nach Wiederherstellung der Demokratie in Athen war dieser nämlich angeklagt worden, er verderbe die Jugend und wolle neue Götter einführen. Die Anklage war fadenscheinig und nur deshalb erhoben worden, da Sokrates sich einflussreiche Leute zu Feinden gemacht hatte.

Die Verurteilung seines Lehrers hat Platon in seinem Leben entscheidend beeinflusst und in ihm eine starke Abneigung gegen die Staatsform der Demokratie entstehen lassen.

Über die nächsten zehn Jahre seines Lebens ist uns nichts Sicheres bekannt. Irgendwann zwischen 389 und 387 unternahm Platon seine erste Reise nach Sizilien und Unteritalien. Dort kam er in Kontakt mit den Lehren der Pythagoreer. Stark beeinflusst dürfte ihn deren Seelenlehre haben. Sie glaubten nämlich an die Unsterblichkeit der Seele und deren Reinkarnation. Darüber hat sich Platon später sehr viele Gedanken gemacht (Über das Wesen der Seele wird u.a. im Dialog Phaidron diskutiert). Der Philosoph lernte auf Sizilien außerdem Dion kennen, den Schwager des Tyrannen von Syrakus. Um das Ende seiner Reise rankt sich die Legende, dass Dionysios I. Platon als Sklave verkauft habe.[5]

Immerhin wird der Philosoph noch zwei weitere Reisen nach Großgriechenland unternehmen. Im Zusammenhang damit taucht auch die Behauptung auf, er habe versucht auf Sizilien seinen Philosophenstaat zu verwirklichen (vielleicht mit Dionysios II.) Hierfür gibt es aber keinerlei Beweise.

386 gründet er, zurückgekehrt nach Athen, seine eigene Schule, die Akademie. Sie wurde zu einer bedeutenden Lehr- und Forschungsstätte Platon starb im Jahr 347.

Bei ihm sind wir in der glücklichen Lage, dass uns wohl sein Gesamtwerk überliefert ist. Er ist bekannt für seine Dialoge und tatsächlich sind auch fast alle Schriften in Dialogform abgefasst. Eine Ausnahme bilden seine Briefe und die „Apologie des Sokrates“( die Verteidigungsrede vor dem Areopag) .

Von Platons Philosophie sind das Höhlengleichnis und seine Staatstheorie (Die Politeia) am bekanntesten. Liebhaber der Atlantis-Theorie wissen auch, dass er die wichtigste (antike) Quelle zu jenem sagenhaften Inselstaat ist (Erwähnung in den Dialogen Kritias und Timaios).

Sein Gesamtwerk in wenigen Worten zusammenzufassen war mir nicht möglich. Beispielhaft soll kurz die Ideenlehre angesprochen werden.

Im Prinzip besagt diese, dass die Welt in der wir leben eine Art verzerrte Wirklichkeit, oder besser ein Abbild der Wirklichkeit ist. Dieser Gedanke wird im Höhlengleichnis erklärt. Es ist im Buch VII der Politeia zu finden. Dort zeichnet Platon folgendes Bild: Man solle sich Menschen vorstellen, die gefesselt in einer Höhle sind. Sie können sich nicht bewegen und müssen zur Wand blicken. Hinter ihnen ist die Höhle offen. Danach kommt eine Mauer und nach der Mauer ein Feuer. Zwischen der Mauer und dem Feuer gehen andere Menschen, die verschiedene Dinge tragen. Durch den Schein des Feuers werfen die Dinge Schatten auf die Höhlenwand. Diese Schatten sehen die Menschen in der Höhle, sie hören auch Stimmen. Nun halten sie die Schatten für die wirklichen Dinge und ordnen ihnen auch die Stimmen zu, da sie die Träger nicht sehen (deren Schatten wird von der Mauer aufgefangen). Wenn es einem Menschen nun gelingt sich von den Fesseln zu befreien und aus der Höhle zu kommen, wird er zuerst vom Schein des Feuers geblendet sein, danach aber die wirkliche Welt in ihrer Schönheit erblicken. Kehrt er in die Höhle zurück und erzählt den anderen davon werden sie ihm keinen Glauben schenken. Die Menschen in der Höhle sind nach Platon wir, die wir nur die Schatten der Wirklichkeit kennen. Der Philosoph habe aber die Möglichkeit durch Hinterfragen und Nachdenken die Fesseln abzuwerfen und ans Licht der Erkenntnis zu gelangen.

Platons Ideenlehre hat sich langsam entwickelt. Sie wird nämlich nicht geschlossen in einem Werk vorgestellt. Der Begriff der Idee wird erstmals in einem der frühen Dialoge, nämlich dem Euthyphron, eingeführt. Dort will Sokrates nämlich die Definition der Frömmigkeit wissen. Ihm werden stattdessen aber Beispiele für fromme Handlungen aufgezählt. Deshalb meint er schließlich er wolle keine Beispiele wissen, sondern jene Idee des Frommen, jenes paradeigma, das man erkennen kann und an dem man messen erkennen kann, was fromm ist und was nicht.[6]

Platons enorme Bedeutung für das abendländische Denken liegt wohl daran, dass er die Philosophie in eine bestimmte Richtung lenkte und Fragen aufwarf, über die man heute noch nachdenkt, beispielsweise eben die Frage nach der Wirklichkeit und ihrer Erkenntnis. Auch seine Staatstheorie hat über die Jahrhunderte immer wieder Anlass zu Diskussionen gegeben. Unter anderem hat sich im 20. Jh. Karl Popper eingehend mit ihr beschäftigt.

3. Die Bildnisse des Platon

Von Platon kannte man lange Zeit kein gesichertes Portrait. Die Gelehrten hatten allerdings bestimmte Vorstellungen von dessen Aussehen. Gemeinhin stellte man ihn sich als Mann mit hoher Stirn und vergeistigtem Gesichtsausdruck vor, eben als Inbegriff des Denkers. Tatsächlich drängt sich dieser Eindruck auch auf, wenn man sich mit Platons Leben und vor allem seinem Werk beschäftigt. Der Schöpfer der Ideenlehre kann einfach nicht aussehen wie ein realitätsnaher Mensch.

Schließlich tauchte Ende des 19.Jh.s eine Herme mit der Inschrift Platon ( in griechischen Buchstaben) auf. Es ist dies die Herme aus der Sammlung Castellani, die im Jahr 1884[7] verkauft wurde; diese befindet sich heute in Berlin in der Antikensammlung. In der Welt der Forschung machte sich sofort Enttäuschung und Ernüchterung breit. Denn dieses Bild entsprach überhaupt nicht den Vorstellungen, die man sich vom Aussehen dieses großen Philosophen gemacht hatte. Wie sieht diese sogenannte Castellaniherme nun aus?

[...]


[1] Zur Entwicklung des griechischen Bildnisses: Vgl. A. Hekler, Bildnisse berühmter Griechen³ (1962) 11f. Und: G. Hafner, Bildlexikon berühmter Personen der Antike² (1993) 10f.

[2] Vgl. M. Bordt, Platon, Herder Spektrum 4761: Meisterdenker der abendländischen Geschichte II (1999) 15f.

[3] Diogenes Laertios, Leben und Meinungen berühmter Philosophen. Buch I – X, Philosoph Bibliothek Band 53/54, ed.: Klaus Reich, übersetzt von o. Appelt (1967) 3, Kap. 1, 4-5, S. 150.

[4] Vgl. M. Bordt, Platon, Herder Spektrum 4761: Meisterdenker der abendländischen Geschichte II (1999) 17.

[5] Diese Nachricht findet sich bei Diogenes Laertios. Er berichtet davon, dass Platon bei Dionysios eingeladen war und es dann zum Streit zwischen den beiden gekommen wäre: „Doch stieß er [Platon] bei ihm [Dionysios II.] hart an, als er bei einem Gespräch über die Tyrannenherrschaft die Äußerung tat, nicht dem sei der Vorzug zu geben, was ihm bloßen Nutzen bringe, sondern es müsse etwas sein, dass sich auch durch seinen inneren Tugendwert vor anderem empfehle. [...] Darüber entrüstet war der Tyrann zuerst gesonnen, ihm das Leben zu nehmen; dann aber durch Dion und Aristomanes milder gestimmt, stand er zwar davon ab, übergab ihn aber dem zufällig angelangtem spartanischen Gesandten, um ihn als Sklaven zu verkaufen.“ Diogenes Laertios, a.O. III, Kap. 1, 18-20, S. 157.

[6] Auf Altgriechisch heißt Idee to eidos oder he ideia, was im Englischen – passender als im Deutschen – mit form übersetzt wird. Eidos leitet sich von horao ab, was sehen bedeutet. Platon hatte also offensichtlich eine sehr konkrete Vorstellung von den Ideen , als etwas, das man sehen (erkennen) kann.

Vgl. Bordt, a.O., 35.

[7] Jahrbuch des Deutschen Archäologischen Instituts 1, 1886, 71.

Details

Seiten
23
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638070584
ISBN (Buch)
9783656212034
Dateigröße
749 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v93638
Institution / Hochschule
Karl-Franzens-Universität Graz – Archäologie
Note
1,0
Schlagworte
Platon Aristoteles Bildnisse Philosophen Seminar

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