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Körperbilder und Körperwelten

Seminararbeit 2005 15 Seiten

Soziologie - Familie, Frauen, Männer, Sexualität, Geschlechter

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Hauptteil
1. Definitionen Körperbild und Körperschema
2. Geschichte und Entwicklung des Körperbildes
2.1 Das Körperbild der Antike
2.2 Körperbilder im Mittelalter
2.3 Die Körperbilder der Neuzeit
2.4 Körperbilder in der heutigen Gesellschaft
3. Das kindliche Körperbild
3.1 Die Phasen der Kastration
3.2 Essstörung bei Kindern und Jugendlichen
3.3 Fettsucht bei Kindern

III. Fazit

IV. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

In dieser Arbeit möchte ich zunächst klären, was man unter Körperbildern versteht. In der Psychologie wird häufig der Begriff „Körperschema“ gebraucht. So ist weiter der Unterschied zwischen Körperbild und Körperschema zu klären.

Im Laufe der Menschheitsgeschichte hat es verschiedene Körperbilder, unterschiedliche Auffassungen von Körper und Körperlichkeit gegeben. Diese unterschiedlichen Umgänge mit dem Körper möchte ich beschreiben um anschließend die unserer heutigen Gesellschaft zu nennen.

Des Weiteren werde ich mich mit dem kindlichen Körperbild beschäftigen. Es ist zu fragen, wie sich ein solches Bild entwickelt, und wie es erkranken kann. Gerade in den letzten zehn Jahren haben die Zahlen der gestörten Körperbilder zugenommen. Besonders bemerkbar macht sich diese Tatsache durch die Zahl der Essgestörten. Nun sind nicht nur viele Jugendliche essgestört, sondern, mittlerweile auch Kinder. Ich werde ergründen, warum Menschen bereits in so jungen Jahren erkranken und in diesem Zusammenhang eine dieser, unter dem Begriff „Essstörung“ gefassten Krankheiten genauer untersuchen.

II. Hauptteil

1. Definitionen Körperbild und Körperschema

Das Körperschema eines jeden ähnelt den anderen seines Alters auf dem gleichen Teil der Welt in hohem Maße. So spezifiziert das Körperschema eine Person als Vertreter seiner Gattung. Das Körperbild hingegen ist bei jedem Menschen individuell. Das Körperbild ist völlig unbewusst, wohingegen das Körperschema durchaus teils bewusst sein kann. Das Körperbild ist durch die Geschichte des einzelnen geprägt. Erlebte Empfindungen, Eindrücke und Gefühle schreiben sich in den Körper ein und prägen das Körperbild, werden vom Körperbild getragen. Kleine Kinder entwickeln ihr Körperbild, noch bevor sie ihren Narzissmus entwickelt haben, noch bevor sie „ich“ sagen können. Auch gelähmte Kinder, also physisch eingeschränkte Kinder, entwickeln ein eigenes Körperbild, nehmen sich in ihrem Körper durch Bewegung war, obwohl ihr Körperschema stark beschädigt ist. So wird die Unabhängigkeit zwischen beiden deutlich. Ein Mensch mit einem verletzten Körperschema muss nicht ein beschädigtes Körperbild haben. Umgekehrt hat ein verletztes Körperbild nicht zwangsläufig die Schädigung des Körperschemas zur Folge.[1]

2. Geschichte und Entwicklung des Körperbildes

2.1. Das Körperbild der Antike

Um den Umgang mit dem Körper in der Antike beschreiben zu können, muss man einen Einblick in die gesellschaftlichen Geflogenheiten vornehmen. Schon im Umgang der Römer mit ihren Neugeborenen spiegelt sich eine gewisse Geringschätzung des menschlichen Körpers wieder. Nach der Geburt eines Kindes sollte der Vater entscheiden, ob er dieses als sein Kind akzeptiert oder nicht. Wenn der Vater das Kind nicht wünschte, es nicht anerkannte, erhielt es nicht die römischen Grundrechte eines Menschen und wurde ausgesetzt.

„Vor allem Mädchen wurden derart oft ausgesetzt, daß eine dem Romulus zugeschriebene, jedenfalls sehr alte Bestimmung gebot, wenigstens die älteste Tochter aufzuziehen.“[2]

Die ärmeren Schichten sahen sich nicht im Stande die vielen Kinder zu ernähren, die reicheren Schichten wollten ihr Erbe nicht unter zu vielen Nachkommen aufteilen müssen, wobei männliche Nachkommen in allen Schichten die beliebtesten waren. Innerhalb einer Familie waren alle dem Vater, dem Familienoberhaupt unterworfen, dieser hatte das Recht sie bei Vorliegen triftiger Gründe zu züchtigen, zu verstümmeln, zu verkaufen, oder gar zu töten. Das geringste Menschenrecht in der römischen Gesellschaft hatten die Sklaven. Die Ehefrauen wurden durch ihre elterliche Familie geschützt, jedoch genossen ihre Kinder nicht diese Rechte und waren somit der Gewalt des Vaters ausgesetzt.

„Noch Augustus konnte einen Familienvater, der seinen beiden Söhnen die Daumen abgeschnitten hatte, um sie für den Militärdienst zu disqualifizieren, nur wegen übertreten eigentlich obsoleter Census-Vorschriften bestrafen, nicht wegen Körperverletzung.“[3]

Dem Thema „Körperpflege“ wurde bei den Römern ein großer Stellenwert eingeräumt. Nach den täglichen ein bis zwei Stunden Sport, nahm man für gewöhnlich ein ausgedehntes Bad. Später wurden ergänzend zu den Herrenbädern auch Damenbäder eingerichtet. Dennoch stritt man sich um die Stellung von Geist und Körper. Seneca war der Meinung, dass die Ausprägung und Formung des Körpers keine Aussage über den geistigen Zustand des Menschen mache. Es sei somit vor allem wichtig, den Geist zu prägen, anstatt den Körper zu trainieren und einem Schönheitsideal nach zu eifern.[4]

Mit dem Einzug der christlichen Religion, nahm dieses Körperverständnis zu. Die Tötung der eigenen Familienmitglieder wurde bald als Mord verurteilt und das Schönheitsstreben verlor seine letzte Bedeutung. Das Mönchtum begann das gesellschaftliche Bild des Körpers zu prägen. Zwar war das nackte römische Bad nicht untersagt, jedoch lediglich aus gesundheitlichen Gründen empfohlen. Man begann den Leib als Sitz der Begierde zu betrachten und sah sich gezwungen, diesen unter strenger Kontrolle zu halten. So entstand langsam das Köperverständnis des Mittelalters.[5]

2.2. Körperbilder im Mittelalter

Für das Mittelalter kann man kein allgemeingültiges Körperbild formulieren. Während der rund 1000 Jahre, welche das Mittelalter umfasst, entwickelten sich in den verschiedenen Regionen ganz unterschiedliche Auffassungen von Körper und Geist, welche sich außerdem je nach Schicht unterschieden. Hier sind dennoch einige Grundstrukturen zu nennen, die in den Veränderungen der Körperauffassungen zu erkennen sind.

Ein Mittelalterlicher Mann war für volljährig zu erklären, wenn er seiner Waffen Herr war. Wenn ein Mann also einen gewissen körperlichen Reifegrad erreicht und genügend Erfahrung an der Waffe gesammelt hatte, wurde ihm sogleich die geistige Reife zugeschrieben, die er für das Dasein als rechtsfähiger Mensch benötigte.[6]

Wie oben erwähnt, prägte das Mönchtum die Einstellung zum eigenen Körper besonders mit. Vor allem während des Mittelalters waren die Menschen sehr gläubig und richteten sich nach den Rechten und Regeln der Kirche. Die Mönche selbst strebten nach Enthaltsamkeit. In einigen Orden war es gestattet, zu heiraten, jedoch wurde die Jungfräulichkeit gewahrt, so dass die Verhältnisse der Eheleute brüderlich bzw. schwesterlich gestaltet waren. Die Ernährung wurde sehr einseitig und vegetarisch gehalten. Das Nacheifern nach Jesus Christus Lebensform versprach vielen Menschen die Garantie für die Erlösung und den Schutz vor Satan und Fegefeuer. So lebte man eine ablehnende Haltung zum eigenen Körper.[7]

Unter den Rittern des Mittelalters fand man häufig die gegenteilige Position vor. Die Körperpflege wurde in diesen Kreisen umfangreicher betrieben und das äußere Erscheinungsbild hatte große Bedeutung. Besonders auf die Kräftigung des Körpers kam es an, da das gesellschaftliche Leben eines Ritters mit Krieg, Jagd, Kampf und Turnier einen starken Körper verlangte. Man nahm sich Zeit Muskeln zu trainieren, wobei Pflege und Ästhetik fast gleichsam ins Gewicht fielen.[8]

[...]


[1] Francoise Dolto: Das unbewusste Bild des Körpers, Weinheim und Berlin 1987, S. 20 ff.

[2] Arthur E. Imhof: Der Mensch und sein Körper. Von der Antike bis heute., München, 1983, S. 32

[3] Arthur E. Imhof: Der Mensch und sein Körper. Von der Antike bis heute., München, 1983, S. 34

[4] Arthur E. Imhof: Der Mensch und sein Körper. Von der Antike bis heute., München, 1983, S. 43

[5] Arthur E. Imhof: Der Mensch und sein Körper. Von der Antike bis heute., München, 1983, S. 45

[6] Arthur E. Imhof: Der Mensch und sein Körper. Von der Antike bis heute., München, 1983, S. 49

[7] Arthur E. Imhof: Der Mensch und sein Körper. Von der Antike bis heute., München, 1983, S. 60

[8] Arthur E. Imhof: Der Mensch und sein Körper. Von der Antike bis heute., München, 1983, S. 54-55

Details

Seiten
15
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783640099849
Dateigröße
406 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v93626
Institution / Hochschule
Universität Duisburg-Essen
Note
1,7
Schlagworte
Körperbilder Körperwelten Soziologie Körpers
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Titel: Körperbilder und Körperwelten