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Migration und sprachlich-kulturelle Heterogenität

Die Verantwortung der Grundschule bei der Integration von Schülern mit Migrationshintergrund

Hausarbeit 2007 14 Seiten

Pädagogik - Interkulturelle Pädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Migration in Deutschland – Status Quo
1.1. Migrationshintergrund der Bevölkerung 2005

2. Heterogenität in der Grundschule
2.1. Die Bildungssituation von SuS mit Migrationshintergrund – die Schulübergangsphasen
2.2. Anforderungen an Lehrer mit migrationsbedingter Heterogenität umzugehen
2.3. Die Rolle des Spracherwerbs von SuS mit Migrationshintergrund

3. Der Umgang mit Heterogenität an ausgewählten Grundschulen
3.1. Entwicklung von Indikatoren
3.2. Untersuchung drei ausgewählter Grundschulen

4. Abseits der wenigen Leuchttürme – Fazit und Ausblick auf die zukünftige Bildungssituation von SuS mit Migrationshintergrund

5. Literatur- und Quellenverzeichnis

6. Erklärung der Studierenden

1. Migration in Deutschland – Status Quo

Wer sich selbst und andre kennt,

Wird auch hier erkennen:

Orient und Okzident

Sind nicht mehr zu trennen. (Goethe )

Die Schulgesetzreform in Nordrhein-Westfalen (NRW) vom 27. Juni 2006 fokussiert die „individuelle Förderung“ (Ministerium für Schule und Weiterbildung in NRW) und berücksichtigt somit erstmals die in den Schulklassen vorherrschende Heterogenität – bedingt durch Schülerinnen und Schüler (SuS) verschiedener Geburtsjahrgänge, Geschlechter, sozialer Herkunft, Muttersprachen, Religionen, etc.. Die Reform des Schulgesetzes und somit die Anpassung an die tatsächlich vorfindbare Heterogenität in den (Grund-)Schulen, war überfällig. Dies zeigen die Befunde der PISA-Studien, die im „Bezug auf Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund auf ein immenses Versäumnis deutscher Bildungspolitik und Schulen“ (Edelstein et al.) hinweisen.

Deutschland ist seit Mitte der 50er Jahre eines der wichtigsten europäischen Zielländer von Migranten. Laut einer Erfassung des Statistischen Bundesamtes nach Erlass des Mikrozensusgesetzes[1] von 2005, „leben in Deutschland circa 15,3 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund (2005), was einem Bevölkerungsanteil von 19 Prozent entspricht“ (Özcan 1. November 2007). Die Anzahl und die Vielfalt von SuS mit Migrationshintergrund wächst angesichts der Zuwanderung von Bürgerkriegsflüchtlingen, der Osterweiterung der Europäischen Union und der höheren Geburtenrate der Migranten (vgl. Edelstein et al.).

1.1. Migrationshintergrund der Bevölkerung 2005

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Bevölkerungsgruppe mit Migrationshintergrund ist ebenfalls höchst heterogen, wie die obenstehende Abbildung (Statistisches Bundesamt) veranschaulicht. Ein vergleichbarer Anteil an SuS mit Migrationshintergrund lässt sich in der Grundschule als ‚einzige Gesamtschule‘ vermuten.

2. Heterogenität in der Grundschule

2.1. Die Bildungssituation von SuS mit Migrationshintergrund – die Schulübergangsphasen

Die PISA-Studien zeigen auf, dass SuS mit Migrationshintergrund im deutschen Bildungssystem weniger erfolgreich sind als ihre deutschen Mitschüler. Ein Grund dafür ist, dass sie mit anderen sprachlichen Voraussetzungen in das Bildungssystem eintreten. Die Mehrheit von ihnen spricht eine andere Familiensprache als deutsch und verfügt über mehr oder weniger ausgeprägte Formen von Zweisprachigkeit (vgl. Edelstein, et al.). Diesem Phänomen wird häufig mit der Zurückstellung von SuS mit Migrationshintergrund bei der Einschulung begegnet. Die Zurückstellung wird in der Regel mit Defiziten in der deutschen Sprache und der kulturellen Fremdheit der Eltern begründet, obwohl dies in den meisten Bundesländern laut Schulgesetzgebung kein Zugangshindernis sein darf (vgl. Edelstein et al.). Mechtild Gomolla beobachtet eine institutionelle Diskriminierung, die eintritt, „wenn mangelnde Deutschkenntnisse bereits in der schulärztlichen Untersuchung als Signal gelten, die Kinder einem gründlicheren Einschulungstest zu unterziehen, als es allgemein üblich ist“. Zurückstellungen erfolgen auch mit dem Verweis auf fehlende Kindergartenzeiten. Die Notwendigkeit einer zusätzlichen Vorbereitung auf die Grundschule wird mit mangelnden praktischen Fähigkeiten, einer ungenügend entwickelten Arbeitshaltung oder fehlender Angepasstheit im Sozialverhalten begründet (vgl. Gomolla, S. 97-109).

Beim Übergang zur Sekundarstufe I zeigt sich, dass SuS mit Migrationshintergrund besonders von der selektiven Wirkung des deutschen Schulsystems betroffen sind. Sie werden doppelt benachteiligt aufgrund ihres häufig bildungsfernen sozio-ökonomischen Hintergrunds und der Sprachproblematik. Bildungsforscher wiesen in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die SuS im deutschen dreigliedrigen Schulsystem meistens nach der vierten Klasse zu früh voneinander getrennt werden. SuS mit Migrationshintergrund werden überdurchschnittlich häufig auf die Hauptschule entsendet, ebenso wie Kinder aus den unteren sozialen Schichten. Diese frühe Trennung erschwert soziale Kontakte zwischen SuS verschiedener Schichten und trägt, über die frühzeitige Einschränkung beruflicher Perspektiven hinaus, zur sozialen Ausgrenzung der SuS mit Migrationshintergrund bei (vgl. Özcan 1. November 2007).

SuS mit Migrationshintergrund sind auf Sonder- und Hauptschulen deutlich überrepräsentiert, so dass in der Literatur von einer ‚sozialen Entmischung‘ dieser Schultypen gesprochen wird. Im Jahr 2006 erreichten lediglich 58 Prozent aller SuS mit Migrationshintergrund einen Hauptschulabschluss – im Vergleich zu 27 Prozent aller SuS ohne Migrationshintergrund, die nur einen Hauptschulabschluss erreichten (vgl. Schneider). Die Hamburger LAU-Untersuchungen von 1996 und 1998[2] stellten eine Ungleichbehandlung von Kindern bildungsferner Familien bei der Zuweisungspraxis auf weiterführende Schulen fest: SuS mit Migrationshintergrund oder anderen bildungsfernen Familien mussten deutlich bessere Schulleistungen zeigen als Kinder aus bildungsstarken Familien, um nach der Grundschule eine Gymnasialempfehlung zu erhalten (vgl. Edelstein et al.).

Als Lösung wird die Abschaffung des dreigliedrigen Schulsystems diskutiert, aber auch die Notwendigkeit frühkindlicher Sprachförderung im Kindergarten und in der Grundschule. Das zusätzliche Angebot von Ganztagsgrundschulen, e.g. die Betreuung von Hausaufgaben durch Lehrpersonal bedeutet für SuS mit Migrationshintergrund eine besondere Chance, da diese seltener Unterstützung von ihren Eltern bekommen, da Bildung in einigen anderen Kulturen einen anderen Stellenwert einnimmt, oder die Eltern nicht in der Lage sind ihren Kindern kompetent zu helfen (vgl. Dittrich und Günkel , S. 300).

[...]


[1] Mikrozensusgesetz: Gesetz zur Durchführung einer Repräsentativstatistik über die Bevölkerung und den Arbeitsmarkt sowie die Wohnsituation der Haushalte.

[2] LAU dokumentiert in zweijährigen Abständen die jeweils erreichten Lernstände, Lernentwicklungen und schulbezogenen Einstellungen vom Ende der Grundschulzeit bis in die Klassenstufe 11 der gymnasialen Oberstufe.

Details

Seiten
14
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638068321
ISBN (Buch)
9783638953818
Dateigröße
507 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v93530
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
1,3
Schlagworte
Migration Heterogenität Bildungsungleichheit sprache kultur

Autor

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Titel: Migration und sprachlich-kulturelle Heterogenität