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Die Themenzentrierte Interaktion nach Ruth Cohn - Anwendung in einer Elternbeiratssitzung

Hausarbeit 2007 19 Seiten

Pädagogik - Pädagogische Psychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Arbeiten in Gruppen
2.1 Begriffsbestimmung für “Gruppe“
2.2 Interaktion

3. Das Modell der Themenzentrierten Interaktion nach Ruth Cohn (TZI)
3.1 Das Prinzip der dynamischen Balance
3.2 Axiome der TZI
3.3 Postulate der TZI
3.4 Hilfsregeln der TZI

4. Problemsituation in einer Gruppenarbeit
4.1 Analyse der Problemsituation
4.2 Ansatz zur Problembearbeitung

5. Verbesserungsversuch der Arbeit in der Gruppe mit TZI
5.1 Durchführung
5.2 Interpretation

6. Zusammenfassende Bewertung und Ausblick

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Mitarbeit in ehrenamtlichen Gruppen unterstützt soziale Kontakte, hilft mir bei der Verwirklichung von Ideen und bei der Beschäftigung mit Themen, die mich interessieren und die mir wichtig sind. Das sind die Argumente mit denen ich im Bekanntenkreis für diese Tätigkeit plädiere.

Durch meine Mitarbeit in verschiedenen Gremien konnte ich Erfahrungen sammeln bezüglich der Kommunikation und Arbeit in Gruppen. Ohne theoretisches Hintergrundwissen oder berufliche Qualifikation in dieser Richtung bliebe mir nur meine subjektive Beurteilung des Miteinanders. Was durch Motivation und positives Zusammenspiel entstehen kann und die Frage, warum bei anderen Gelegenheiten eher Hürden entstanden, mit denen kein Ergebnis erzielt werden konnte und die Teilnehmer nicht zufrieden waren, hat mich immer beschäftigt.

Besonders hat mich die Arbeit im aktuellen Elternbeirat beschäftigt, bei dem die Arbeit an den Themen schwieriger erschien und von der Vorsitzenden Probleme in der Zusammenarbeit verbalisiert wurden, also ein Aspekt in der Interaktion der Mitglieder.

Als ich mich beim Seminar zu Modul 2C in Bregenz mit TZI beschäftigte, entschloss ich mich, diesen Ansatz für die Bearbeitung dieses Problems heranzuziehen. Hier fand ich verschiedene Faktoren, die in die Arbeit und Kommunikation in Gruppen einwirken.

Ausgehend von der Arbeit in Gruppen und dem Begriff der Interaktion, der kurz erläutert werden soll, werden Anfänge und Wurzeln der TZI beschrieben. Danach wird der Aufbau und die Methodik des Ansatzes erklärt. Eine Schilderung der Arbeit im Elternbeirat und der verbalisierten Probleme der Vorsitzenden möchte ich als Ausgangspunkt nehmen, um die spätere Anwendung des Ansatzes zu verdeutlichen. In einer Einführungsrunde der darauf folgenden Sitzung wird der Ansatz angewandt und diese Durchführung interpretiert. Abschließen möchte ich mit einer zusammenfassenden Bewertung und meiner Schlussfolgerung.

Anmerkung zum Datenschutz:

Es werden keine persönlichen Daten von Mitgliedern der Gruppe und keine Angaben zu inhaltlichen Themen gemacht. Die Mitglieder der Gruppe waren über die Verarbeitung der Einführungsrunde informiert und einverstanden.

2. Arbeiten in Gruppen

Um allgemeiner auf diese Gruppenarbeit einzugehen ist es zunächst wichtig, sich mit dem Begriff der „ Gruppe“ und dem der „ Interaktion“ auseinanderzusetzen.

Die verschiedenen Gruppenkonzepte sollen hier nicht aufgeführt werden, sondern ich möchte im Kapitel über die themenzentrierte Interaktion nur auf die für dieses Modell relevanten Ansätze (oder konzeptionelle Wurzeln) eingehen.

2.1 Begriffsbestimmung für “Gruppe“

Im Alltagsgebrauch wird von Gruppen gesprochen in ganz unterschiedlichen Zusammensetzungen:

- lose Verbindung über gleiche Interessen
- zweckgebundene Gemeinschaften mit einem Ziel

Mit einer Begriffsbestimmung möchte ich für die vorliegende Arbeit einen Rahmen schaffen, in dem sich die Vorstellung über Gruppen bewegen kann.

Begriffsbestimmung:

„Eine Gruppe ist ein hochorganisiertes soziales Gebilde, das aus drei oder mehreren Personen besteht, die miteinander über längere Zeit hinweg und wiederholt in Beziehung tritt und miteinander interagiert.

Weitere Merkmale von Gruppen sind: Gemeinsame Ziele; Gruppennormen und – sanktionen für das normkonforme oder normabweichende Verhalten einzelner Gruppenmitglieder; Gruppenstrukturen, d.h. im Laufe der Zeit bilden sich bestimmte Positionen mit den dazugehörigen Rollen und Aufgaben aus.“ (Keller, Josef A., Novak, Felix, 1979, S. 144)

Mit dieser Begriffsbestimmung wird der Blick geweitet für viele Konstellationen von Gruppenmitgliedern und für die Faktoren, die in eine Gruppe mit einwirken. Ob die aufgeführten Merkmale alle vorhanden sind oder ob sich in einer Gruppe nur bestimmte Merkmale feststellen lassen, wird in der Begriffsbestimmung nicht deutlich.

Eine genaue Erläuterung ist für die vorliegende Hausarbeit nicht relevant. Statt dessen soll der Aspekt der „Interaktion“ geklärt werden.

2.2 Interaktion

Die Begriffe Interaktion und Kommunikation können nur schwer ganz voneinander abgegrenzt werden, da es sich in beiden Fällen um zwischenmenschliche Prozesse handelt. Für diese Arbeit möchte ich den Schwerpunkt auf die Interaktion legen, die für das Zusammentreffen von zwei und mehr Personen verschiedene Aspekte berücksichtigt. Wobei auch hier nach dem Axiom von Watzlawick abgeleitet werden kann:

Man kann nicht nicht interagieren.

Ich möchte mich nochmals auf eine Begriffsbestimmung von Keller und Novak (1979, S. 168-169) beziehen:

„Mit dem Ausdruck soziale Interaktion werden alle Vorgänge zusammengefasst, die im zwischenmenschlichen Kontakt ablaufen. Es ist das Verhalten von Mensch zu Mensch gemeint, das Wechselspiel von Aktionen und Reaktionen. Es handelt sich dabei um wechselseitige Beeinflussung, um das Geschehen zwischen zwei oder mehreren Personen, um wechselseitiges Einander- Wahrnehmen und Aufeinander- Reagieren.“

3. Das Modell der Themenzentrierten Interaktion nach Ruth Cohn (TZI)

Dieses Modell wird angewandt in der humanistischen Psychologie und Pädagogik hat Eingang gefunden in Industrie, Wirtschaft, Organisationsberatung, Schule, Hochschule, Erwachsenenbildung, Supervision und in der kirchlichen Arbeit.

Das von Ruth Cohn entwickelte Modell wird heute noch stark mit ihrer Person verbunden. Deshalb erscheint es mir wichtig, das Konzept mit ihrem beruflichen und persönlichen Werdegang zu verbinden.

Ruth Cohn wurde 1912 in Deutschland geboren und emigrierte 1941 in die USA, wo sie als Psychotherapeutin arbeitete. Durch Situationen und Probleme in ihrem Beruf suchte sie nach einem Konzept, das überall funktioniert und Menschen uneingeschränkter leben lässt und therapeutische Betreuung nur in Ausnahmefällen nötig macht (Langmaack, 2001, S. 17). Mit ihrem Bewusstsein, das durch die humanistische Psychologie und die Gestalttherapie geprägt war, entstand TZI als Notwendigkeit „Individualität und Gemeinschaftlichkeit dem Werte nach als ebenbürtig zu sehen, das heißt, aus individualistisch und kollektivistisch keine Gegensätzlichkeiten zu machen, weil Persönlichkeit und Gemeinschaftlichkeit untrennbar miteinander verbunden sind.“(Cohn 1987, S. 351).

Als Geburtsstunde der TZI wird bei Langmaack (2001, S. 22) von einem Gegenübertragungsseminar erzählt, bei dem Ruth Cohn als Leiterin ihre eigenen Schwierigkeiten mit einer Patientin einbrachte. Mit diesem Sprung zu mehr Transparenz und menschlich-partnerschaftlicher Verhaltensweise einer Therapeutin verließ sie den bestimmenden neutralen Weg der klassischen Psychoanalyse. In weiteren Seminaren entwickelte sie dann eine Arbeitsstruktur für andere Gruppenleiterinnen aller Berufe und Tätigkeiten.

3.1 Das Prinzip der dynamischen Balance

Jede Gruppe ist durch vier Faktoren, welche die Interaktion konstituieren, bestimmt:

- die Person (Ich)
- die Gruppeninteraktion (Wir)
- das Thema oder die Aufgabe (Es)
- das Umfeld im engsten und weitesten Sinn (Globe)

TZI beruht auf der Arbeitshypothese, dass diese Faktoren als gleichgewichtig angesehen werden sollen und die gegenseitige Beeinflussung von Gruppe und Umfeld beachtet werden muss.

Symbolisch kann dies als gleichseitiges Dreieck in einer vielschichtigen Kugel dargestellt werden:

Ich, Wir und Es sind gleich wichtig, ebenso wie unsere nahe und ferne Umgebung, der Globe.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Langmaack, 2001, S. 49)

„Die Anerkennung und Förderung der Gleichgewichtigkeit der Ich-Wir-Es-Faktoren im Globe ist die Basis der TZI-Gruppenarbeit und -leitung.“ (Cohn 1987, S. 352)

Zum Ich:

Es sind die einzelnen Personen mit ihren Anliegen und Befindlichkeiten gemeint.

[...]

Details

Seiten
19
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638067324
ISBN (Buch)
9783638953948
Dateigröße
481 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v93296
Institution / Hochschule
FernUniversität Hagen
Note
1,0
Schlagworte
Themenzentrierte Interaktion Ruth Cohn Anwendung Elternbeiratssitzung Modul Studiengang Bildungswissenschaft

Autor

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Titel: Die Themenzentrierte Interaktion nach Ruth Cohn - Anwendung in einer Elternbeiratssitzung