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Die Entdeckung der nackten Schönheit. Nacktheit, Körper und Schönheitsideal in der Zeitschrift 'Die Schönheit'

Seminararbeit 2006 30 Seiten

Kulturwissenschaften - Europa

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Schönheit im Zeichen ihrer Zeit: Anmerkungen zur Nacktkultur am Anfang des 20. Jahrhunderts

3 Aufbau, Thematik, Autor- und Leserschaft der Zeitschrift

4 Die Konstruktion des perfekten Körpers in den literarischen Beiträgen
Die wahre Nacktheit oder die nackte Wahrheit
„Die hervorragendste weil augenfälligste, persönliche Auszeichnung ist die körperliche Schönheit.“ – Weibliches und männliches Schönheitsideal in der Zeitschrift Die Schönheit

5 Aktbilder in der Schönheit oder: Die Aura des keuchen Körpers

6 Resümee

7 Quellen – und Literaturverzeichnis
7.1 Primärliteratur
7.2 Sekundärliteratur

8 Anhang

1 Einleitung

Nacktheit, Schönheit und Gesundheit – das waren Schlagwörter einer Bewegung, die sich nicht nur ideale Körperbildung zum Ziel setzte, sondern vor allem eine umfassende Reform des Lebens beanspruchte. Dieses Phänomen der Lebensreformbewegung um 1900 verstand sich als Reaktion auf soziale Konflikte und Spannungen, die aufgrund sozioökonomischer und ökologischer Veränderungen durch Industrialisierungsprozesse hervorbrachen.[1] Die Nacktkultur- und Schönheitsbewegung lässt sich als Teil dieser Bestrebungen verstehen, wenn sie auch als radikalste Strömung gilt.[2] Mit ersten Anstößen im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts erlebte sie ihre Blütezeit durch eine enorme publizistische Aufmerksamkeit im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts.[3] Die wohl bedeutendste Zeitschrift der so genannten Freikörperkulturbewegung[4] war Die Schönheit, die ab 1902 für 30 Jahre erschien. Sie verstand sich als „moderne Zeitschrift im Dienste klassischer Ideale“, die die „Schönheit des Leibes, der Kleidung, der häuslichen und öffentlichen Umgebung, Liebe und Freude, Tanz und Spiel, Kunst und schöne Bildung, Gesundheit und Natürlichkeit [und] sittliche und gesellschaftliche Verjüngung“[5] zu ihren Richtwerten bestimmte.

In der vorliegenden Hausarbeit steht vor allem die Norm der „Schönheit des Leibes“ im Blickpunkt, die in der Zeitschrift Die Schönheit unter folgenden Gesichtspunkten untersucht werden soll: Was verstand man unter Nacktheit und welche Bedeutung maß man ihr für den menschlichen Körper zu? Wie ersann man sich den perfekten Körper und welche femininen wie maskulinen Schönheitsideale predigte die Zeitung? Und darüber hinaus: Wo lässt sich die Zeitung Die Schönheit in die Nacktkulturbewegung im Speziellen und in die Gesamtheit der Lebensreformbewegungen im Allgemeinen einordnen?

Um die genannten Fragestellungen zu beantworten, möchte ich die Zeitschrift im ersten Teil der Hausarbeit in den Kontext ihrer Zeit einordnen und mich ihrem Aufbau und ihren Themenschwerpunkten widmen. Im Hauptteil steht die Frage nach der Konstruktion des idealen Körpers im Mittelpunkt, die durch eine Auswertung unterschiedlicher literarischer Beiträge beantwortet werden soll. Meine Untersuchung stützt sich dabei auf zahlreiche monatlich erschienene Ausgaben der Schönheit, die trotz größerer Bestandslücken einen guten Einblick in die Thematiken der Zeitschrift erlauben.[6],[7] In der Forschung selbst wurde Die Schönheit bisher nicht umfassend analysiert, allenfalls am Rande widmen sich Darstellungen zur Freikörperkultur oder zur Aktfotografie diesem Thema.[8] Auch im Kontext der umfangreichen Forschungsliteratur zur Lebensreformbewegung lassen sich einige Anmerkungen finden, doch bleiben diese Ansätze insgesamt betrachtet marginal.[9] Schließlich sollen unter einem gesonderten Punkt einige der in der Schönheit veröffentlichten Aktfotos untersucht werden, die in vielerlei Hinsicht an die literarischen Beiträge anknüpfen, sie aber in besonderer Weise zuspitzen und erweitern.

2 Die Schönheit im Zeichen ihrer Zeit: Anmerkungen zur Nacktkultur am Anfang des 20. Jahrhunderts

Man kann die Thematik „Nacktkultur- bzw. Körperkultur“ nur in ihrem zeitlichen Zusammenhang verstehen: Als „Reaktion der bürgerlichen Jugend, die unter den gespreizten Benimmregeln, einengenden Kleiderordnungen, der allgemeinen Körperfeindlichkeit und verlogenen Wohlanständigkeit der wilhelminischen Gesellschaft litt“[10], sollte die Veränderung der Gesellschaft und die Lösung der politischen und sozialen Probleme durch Selbstreform ermöglicht werden. Ansatzpunkt war der menschliche Körper, der unter vielerlei unbefriedigten Bedürfnissen und Schädigungen durch Industrialisierung und Urbanisierung zu leiden hatte.[11] In dieser so genannten „Wiederentdeckung des Körpers“[12] und dem Motto „zurück zur Natur!“ im Kontrast zur »Überkultur« des Kaiserreiches bestand der gemeinsame Nenner aller lebensreformerischen Tätigkeiten der Jahrhundertwende, die tatsächlich aber eine heterogene Reformbewegung war und sich in unterschiedliche Parteiungen spaltete.[13] „Das eigentliche Skandalon in den Bestrebungen der Lebensreform war [aber] die Forderung nach Nacktheit“[14], wie Wolbert konstatiert. Die Befreiung des geschundenen Körpers sollte sich demnach im speziellen Moment des Entkleidet seins realisieren. Der Nudismus fand seine Grenzen nicht nur im gesellschaftlichen Reformbestreben, sondern verstand sich – als Kind der Naturheilkunde – vor allem als gesundheitsfördernd.[15] Unter den Postulaten „Licht – Luft – Leben“[16] lassen sich am besten ihre gemeinsamen Grundvorstellungen skizzieren: Sonne und frische Luft galten als Allheilmittel für den kranken menschlichen Körper, der in Eintracht mit der Natur und in paradiesischer Nacktheit seine leibliche Einheit und Harmonie wiederherstellen konnte. Nacktheit verstand man als natürlichste Lebensform und die Gesundheit des Körpers war der Inbegriff für Schönheit – aber dazu später genauer.

Obwohl die Nacktkulturbewegung bis zu Beginn der 20er Jahre nur eine Randerscheinung mit Konzentration auf die Großstädte war, erweckte sie ein enormes öffentliches Interesse.[17] Ihren „programmatischen Schub mit anschließender literarischer Vermarktung“[18] erhielt sie unter anderem durch die von dem Schweizer Arnold Rikli begründete „Licht – Luft – Therapie“[19] und den Nudisten-Prozess um den Maler Karl Wilhelm Diefenbach, der mit seiner praktizierten Nacktheit für öffentliche Furore sorgte.[20] Bald entstand eine unübersehbare Flut von Monographien, die sich der Thematik des Körpers, der Nacktheit und der Leibesertüchtigung widmeten. Die prominentesten Autoren und Vertreter waren wohl Richard Ungewitter, Hugo Höppener (Pseudonym Fidus) und Heinrich Pudor.[21] Aber auch einschlägige Schriften von Ärzten, die als Quellenbasis für viele Publikationen dienten[22], unterstützten wie die zahlreichen Gymnastikbücher[23] die allmähliche Verbreitung der Idee der Körperkulturbewegung. Andere Orte des Diskurses waren die zahlreichen nacktkulturellen Vereinigungen, die nicht nur gemeinsame Aktivitäten wie Gymnastikstunden und Schönheitsabende veranstalteten[24], sondern auch eigene Publikationsorgane mit Breitenwirksamkeit schufen. Neben der Schönheit kristallisierte sich in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts aus den vielen kurzlebigen Zeitschriftenprojekten vor allem noch Zeitung Kraft und Schönheit[25] (1901 – 1927) heraus. In den späten Zwanzigern, als die Freikörperkultur zu einer wahren Massenbewegung angewachsen war[26], fielen die beiden bekanntesten - Kraft und Schönheit und Die Schönheit - zunehmend der gestiegenen Konkurrenz zum Opfer.[27] Zu dieser Zeit zählten die von Robert Laurer herausgegebenen Zeitungen Die Freude (1924 – 1929) und Licht – Land (1929 – 1933) und der von Bernhard Gröttrup herausgegebene Figaro. Halbmonatsschrift für Geist und Körperkultur (1924 – 1932) zu den populärsten Organen der Freikörperkultur.[28]

Die Denkrichtungen der Monographien und Zeitungen reichten von sozialpolitischen Entwürfen, über naturphilosophisch- und mythische Ansätze bis hin zu rassenhygienischen und völkischen Vorstellungen[29] und so nimmt es nicht wunder, dass Andritzky die gleiche Gespaltenheit der Lebensreformbewegung auch für die Freikörperkultur feststellt, in der sich „neben den mondän – liberalen Nackten aus dem Berliner Westen und den alten Jugendbewegten“, ebenfalls „Vegetarier und Abstinenzler […], Naturmystiker[n] und schwärmerische[n] Schöngeister[n]“[30] tummelten. Ihre Gemeinsamkeit bestand im Entwurf des „befreiten Körpers“ und wahrhaftig fand in den 20er Jahren eine Befreiung des Körpers statt: War der Nudismus anfänglich vor allem durch das Bürgertum oder auch elitäre Kreise vertreten[31], so bildete sich nach dem Ersten Weltkrieg ebenfalls eine proletarische Freikörperkultur heraus, wenn auch mit anderen Zielvorstellungen.[32] Zu Recht folgert Tavenrath: „Im Laufe der 1920er Jahre wuchs die allgemeine Akzeptanz für die Freikörperkultur [und] das […] Nacktbaden erfreute sich zunehmend der Beliebtheit weiterer Kreise.“[33]

3 Aufbau, Thematik, Autor- und Leserschaft der Zeitschrift Die Schönheit

Die Monatsschrift Die Schönheit war die „mit Abstand am aufwendigsten gestaltete, auf Kunstdruckpapier hergestellte nacktkulturelle Zeitschrift“[34]. Ihr Deckblatt wurde für jede Ausgabe individuell im Jugendstil gestaltet und sie verzichtete auch im Inneren nicht auf zahlreiche Dekorationen (Abb.1, 2). Sie war zudem die Erste, die es wagte, fotografische Darstellungen nackter Menschen zu publizieren[35] und war lange Zeit führend auf dem Gebiet der Aktfotografie.[36] Herausgegeben wurde die in Berlin, Leipzig und Wien erscheinende Schönheit von dem Lyriker und Publizisten Karl Vanselow.[37] Aufgrund finanzieller Schwierigkeiten ging die Herausgeberschaft für Die Schönheit 1914 in die Hände von Richard A. Giesecke, die nach Meinung Frecots „eine inhaltliche Verschiebung ins reaktionäre Spektrum der Lebensreform“[38] zur Folge hatte.

Sie umfasste pro Ausgabe „etwa 80 Seiten mit ca. 30 ausgewählt schönen Illustrationen und zahlreichen wertvollen Textbeiträgen“[39], die von (populär-) wissenschaftlichen Aufsätzen und kurzen Essays über Novellen und Erzählungen bis hin zu Gedichten reichten, die häufig von namhaften Vertretern der Lebensreform wie Wilhelm Bode, Henry van de Velde, Paul Schultze – Naumburg, Isadora Duncan und Hermann Bahr stammten. Auffallend ist, dass viele Schreiber ihre wahre Identität verschwiegen. Auch Möhring stellt fest, dass es für die Nacktkulturbewegung symptomatisch war, aus Furcht vor beruflichen Nachteilen auf ein Pseudonym zurückzugreifen.[40]

Die Thematik der literarischen Beiträge scheint auf dem ersten Blick sehr vielseitig zu sein: Neben Aufsätzen zur Körperhygiene, Leibesertüchtigung und Nacktheit, erscheinen viele Abhandlungen zu einstigen und zeitgenössischen Schönheitskulturen. Unter der Rubrik „Propheten der Schönheit“ wurden Künstler, Literaten und Philosophen – von Goethe und Feuerbach bis zu Rodin – als Vorreiter und Verfechter der Schönheit zur ideologischen Untermauerung vorgestellt.[41] Außerdem widmete sich die Zeitung der Reformkleidung, dem schönen Wohnen und der Tanzkultur, die hin und wieder durch Beschreibungen zu diversen Kunstwerken ergänzt wurden. Mit der Serie Die Schönheit der Erde, die später durch Auslandshefte (Abb. 3) mit Reiseberichten und Aktfotografien Einheimischer ausgebaut werden, begab sich Die Schönheit auch auf internationales Terrain.[42] Vermutlich war dies m. E. auch die Folge gestiegener Nachfrage nach fremden Kulturen – in einer Zeit, in der fremdländische Menschen zum Zwecke von „Völkerschauen“ importiert wurden, um „den Sehnsüchten der europäischen ZuschauerInnen nach Erotik und Exotik“[43] Rechnung zu tragen.

Auf dem zweiten Blick aber zeigt sich doch der eng begrenzte Themenbereich der Zeitung, die als Reformerin und Propagandistin der eigenen Sache – Schönheit in allen Lebenslagen - aktuelle politische oder wirtschaftliche Fragen außen vor ließ. Eine Ausnahme bildete lediglich das Beiblatt zur Schönheit, das hin und wieder Bezug auf aktuelle Ereignisse nahm.[44] Diese Beilage enthielt neben einer großen Anzahl von Anzeigen für verschiedenste lebensreformerische Produkte, einem „Büchermarkt“ und Regionalinformationen Aus unserer Bewegung, auch Kontaktanzeigen, die über die Leserschaft der Schönheit nähere Auskunft geben. Aus ihnen geht hervor, dass sich die Leserschaft fast ausschließlich aus dem mittelständigen, bürgerlichen Milieu rekrutierte und Die Schönheit keine Vertreter aus der Arbeiterschicht ansprach. Dies wird sicherlich auch dem eigenen Anspruch der Zeitung gerecht, die sich für „freie und vornehme Frauen und Männer“ bestimmt sah, die das „gesunde und sinnliche Denken veredeln und verfeinern“[45] sollten. Weiterhin ist es auffällig, dass nur ausgesprochen selten Männer und Frauen über vierzig Jahren in den Anzeigen zu entdecken waren, obwohl dies sicherlich auch auf andere Gründe zurückführbar wäre. Man kann die Zeitschrift Die Schönheit also als ein in erster Linie an die bürgerliche Schicht gerichtetes Organ verstehen, das sich der Jugend, der Kunst und der Literatur thematisch und programmatisch verschrieb. Ihr Themenspektrum orientierte sich eng an ihrem Selbstverständnis als Schönheitsstifterin, wobei sich, wie im Folgenden gezeigt werden wird, ideologisch häufig mythisch – überhöhende Utopien mit rassenhygienischen Ansichten paarten, deren gemeinsame Brenn- und Argumentationspunkte Nacktheit und Schönheit waren, aus denen sich wiederum der perfekte Körper modellierte.

[...]


[1] Zum Thema Lebensreform vgl. u.a.: Buchholz, K. u.a. (Hrsg.): Die Lebensreform. Entwürfe zur Neugestaltung von Leben und Kunst um 1900, 2 Bde., Darmstadt 2001 [im Folgenden zitiert als: Buchholz: Lebensreform]; Frecot, J.: Die Lebensreformbewegung, in: K. Vondung (Hrsg.): Das wilhelminische Bildungsbürgertum. Zur Sozialgeschichte seiner Ideen, Göttingen 1976, S.138 – 152 [im Folgenden zitiert als: Frecot: Lebensreformbewegung]; Krabbe, W. R.: Gesellschaftsveränderung durch Lebensreform. Strukturmerkmale einer sozialreformerischen Bewegung im Deutschland der Industrialisierungsperiode (= Studien zum Wandel von Gesellschaft und Bildung im Neunzehnten Jahrhundert, Bd.9), Göttingen 1974. [im Folgenden zitiert als Krabbe: Gesellschaftsveränderung]

[2] Vgl. Möhring, M.: Marmorleiber. Körperbildung in der deutschen Nacktkultur (1890-1930), Köln/Weimar/Wien 2004, S. 13, 19 [im Folgenden zitiert als: Möhring: Marmorleiber]; dies.: Ideale Nacktheit. Inszenierungen in der deutschen Nacktkultur 1893 – 1925, in: K. Gernig (Hrsg.): Nacktheit: Ästhetische Inszenierungen im Kulturvergleich, Köln/Weimar/Wien 2002, S. 91 – 110, hier: S.94 [im Folgenden zitiert als: Möhring: Ideale Nacktheit]

[3] Möhring: Marmorleiber, S.11f.

[4] Der Begriff „Freikörperkultur“ als Synonym der Nacktkulturbewegung (Begriff Nacktkultur wurde von Heinrich Pudor geprägt) wurde allerdings erst 1925 offiziell eingeführt, vgl. Möhring: Marmorleiber, S.11.

[5] Die Schönheit 1902/1, S.3, zit. n. Frecot, J.: Die Schönheit. Mit Bildern beschmückte Zeitschrift für Kunst und Leben, in: Buchholz: Lebensreform, Bd. 2, S.297 – 302, hier: S. 297. [im Folgenden zitiert als: Frecot: Schönheit]. In der Forschungsliteratur werden keine Angaben über die Auflagenzahl der Zeitschrift gemacht. Auch mit Hilfe andere Quellen konnte dies nicht geklärt werden.

[6] Zum benutzten Bestand: Jahrgang 3/ Heft 4; 4/4-5; 5/10; 6/11; 9/1-12; 10/1-3; 16/8; 18/10,12; 19/1-3, 6-8; 20/1,2,4,9,11; 21/2,10: außerdem: Vanselow, K (Hrsg.): Die Schönheit. Erster Luxusband. Auswahl aus den ersten drei Bänden der Schönheit, Berlin/Leipzig/Wien 1909. [im Folgenden zitiert als: Luxusband] Da keine Bestände für die späten 20er und frühen 30er Jahre vorhanden waren, beziehen sich die Ausführungen nur auf die Anfänge der Zeitschrift bis zu Beginn der Zwanziger.

[7] In der nachfolgenden Erörterung können die verschiedenen Beiträge (vgl. zum Aufbau der Schönheit Kap. 3), die nicht als Leitthema den Bereich Körper, Nacktheit oder Schönheitsideal behandeln, nicht berücksichtigt werden, da dies aufgrund der Fülle an Material einen längeren und intensiveren Arbeitsprozess erfordern und den Rahmen der vorliegenden Hausarbeit sprengen würde. Außerdem werden Novellen und Gedichte kaum zu Wort kommen können, da sie meist einer spezielleren Interpretation bedürfen. Ich konzentriere mich folglich hauptsächlich auf Aufsätze, die meiner Meinung in repräsentativer Weise die Ansichten der Zeitung zu dem Thema die „Schönheit des Leibes“ wiedergeben.

[8] Vgl. Andritzky, M./Rautenberg, Th. (Hrsg.): „Wir sind nackt und nennen und Du.“ Von Lichtfreunden und Sonnenkämpfern. Eine Geschichte der Freikörperkultur, Giessen 1989 [im Folgenden zitiert als: Andritzky/Rautenberg: Freikörperkultur]; Ziegler, U. H.: Nackt unter Nackten. Utopien der Nacktkultur 1906 – 1942, Berlin 1990; Köhler, M.: Lebensreform durch Körperkultur. „Wir sind nackt und nennen uns du“, in: ders./G. Barche, (Hrsg.): Das Aktfoto. Ansichten vom Körper im fotografischen Zeitalter. Ästhetik – Geschichte – Ideologie, München 1985, S. 341 – 355. [im Folgenden zitiert als: Köhler: Lebensreform]; eine Ausnahme ist Möhring: Marmorleiber, die sich zwar nicht spezifisch der Zeitschrift Die Schönheit widmet, aber mit einigen Rückgriffen auf erschienene Artikel den idealen Körper in der Nacktkulturbewegung untersucht, weshalb ihre Arbeit wichtige Interpretationsstützen für die vorliegende Arbeit liefert.

[9] Vgl. Anm. 1 und Frecot: Schönheit.

[10] Andritzky, M.: Einleitung, in: ders./Rautenberg: Freikörperkultur, S. 4 – 9, hier: S. 4. [im Folgenden zitiert als: Andritzky: Einleitung]

[11] Linse, U.: Zeitbild Jahrhundertwende, in: Andritzky/Rautenberg: Freikörperkultur, S.10 – 50, hier: S.16. [im Folgenden zitiert als: Linse: Zeitbild]

[12] So lautet beispielsweise eine Kapitelüberschrift bei: Mosse, G. L.: Nationalismus und Sexualität. Bürgerliche Moral und sexuelle Normen, übers. v. Jörg Trobitius, München/Wien 1985, S.63 – 83.

[13] In der Lebensreformbewegung fanden sich neben Vegetariern, Antialkoholbewegten, der Gartenstadt- und der Bodenreformbewegung auch die Naturheilkundler, Kleidungsreformer usw.; vgl. Krabbe: Gesellschaftsveränderung, S.48; Möhring: Marmorleiber, S.14. Zum Zeitschriftenwesen der Lebensreform vgl. den kurzen Überblick v. Bucholz, K.: Lebensreformerisches Zeitschriftenwesen, in: Bucholz: Lebensreform, Bd. 1, S.45 – 51.

[14] Wolbert, K.: >Unbekeidet< oder >ausgezogen<? Die befreite Nacktheit in der Kunst, in: Buchholz: Lebensreform, Bd.2, S.369 -385, hier: S.369.

[15] Vgl. Köhler: Körperkultur, S.342.

[16] S. Anm. 45.

[17] Möhring: Marmorleiber, S. 11.

[18] Schneider,U.: Nacktkultur im Kaiserreich, in: U.Puschner/W. Schmitz/J.H.Ulbricht (Hrsg.): Handbuch zur „völkischen Bewegung“ 1871 – 1918, München 1996, S. 411 – 433, hier: S.411. [im Folgenden zitiert als: Schneider: Kaiserreich]

[19] Die „Licht – Luft – Therapie“ galt in der Naturheilkunde als Allheilmittel zur Behandlung von Lungen-, Nieren- und Herzleiden, Hautkrankheiten, Blutarmut, neurasthenischer Leiden (Nervosität und Hysterie). Vgl. Tavenrath, S.: So wundervoll sonnengebräunt. Kleine Kulturgeschichte des Sonnenbadens, Marburg 2000, S.23ff. [im Folgenden zitiert als: Tavenrath: Sonnengebräunt]

[20] Schneider: Kaiserreich, S.413; Krabbe: Gesellschaftsveränderung, S.97.

[21] Heinrich Pudor: Nackende Menschen. Jauchzen der Zukunft (1893); Richard Ungewitter, dessen Gesamtwerk auf 300000 Auflagen seiner Exemplare geschätzt wird (vgl. Krabbe: Gesellschaftsveränderung, S. 146), u.a.: Die Nacktheit in entwicklungsgeschichtlicher, gesundheitlicher, moralischer und künstlerischer Beleuchtung (1906); eine ausführliche Bibliograhpie der Werke beider Autoren bei Schneider: Kaiserreich, S.432ff.

[22] U.a. Richard von Krafft – Ebing: Psychopathia Sexualis (1886); Heinrich Ploss: Das Weib in der Natur- und Völkerkunde. Anthropologische Studien, 2 Bde., Leipzig 1885; Carl Heinz Stratz: Die Schönheit des weiblichen Körpers, Stuttgart 1898.

[23] U.a. Bess Mensendieck: Körperkultur der Frau, München 1906. zur Gymnastikliteratur allg. vgl. Möhring: Marmorleiber, S. 61 – 76.

[24] Möhring: Marmorleiber, S. 38f.

[25] Kraft und Schönheit. Monatsschrift für moderne Körperkultur, hrsg. v. Gustav Möckel.

[26] Köhler, M. (Hrsg.): Ansichten vom Körper: 150 Jahre Aktfotografie, Kilchberg/Zürich 1995, S.67.

[27] Frecot: Schönheit, S. 301; Möhring: Marmorleiber, S. 41f.

[28] vgl. Möhring: Marmorleiber, S.42f.

[29] Reinert, K: Frauen und Sexualreform 1897 – 1933 (= Forum Frauengeschichte, Bd. 22), Herbolzheim 2002, S.76. [im Folgenden zitiert als: Reinert: Frauen]

[30] Andritzky: Einleitung, S.6; vgl. auch Reinert: Frauen, S. 76.; Schneider: Kaiserreich, S.430.

[31] Vgl. Schneider: Kaiserreich, S. 429 – 432.

[32] Vgl. zu diesem Thema: Georgieff, A.: Nacktheit und Kultur: Adolf Koch und die proletarische Körperkultur, Wien 2005.

[33] Tavenrath: Sonnengebräunt, S.27. Vgl. auch Schneider: Kaiserreich, S. 423f; Möhring: Marmorleiber, S.14.

[34] Möhring: Marmorleiber, S.40.

[35] Linse: Zeitbild, S.33.

[36] Möhring: Marmorbilder, S.40.

[37] Frecot: Schönheit, S.299.

[38] Frecot: Schönheit, S.300. Für den Themenbereich und den Aufbau der Zeitschrift sowie für die Art der Aktfotografien hatte dies aber kaum nennbare Folgen.

[39] Anzeige des Verlags der Schönheit, in: Luxusband, S.510; aus dieser Anzeige geht weiterhin hervor, dass Die Schönheit den Leser 1909 halbjährlich fünf Mark und als Einzelheft neunzig Pfennig kostete.

[40] Möhring: Marmorleiber, S.47.

[41] Vgl. u.a. Unus, W.: Propheten der Schönheit. XXXIX. Anselm Feuerbach, in: Die Schönheit 9/7, S.360 – 365, ders.: Propheten der Schönheit XXXX Rodin, in: Die Schönheit 9/11, S. 499 – 504; außerdem erschienen auch Themenhefte wie zum Beispiel „Mutter und Kind“ (18/2), „Körper – Seele“ (20/11) oder „Necken und Lachen“ (21/2).

[42] Mir lagen leider nur zwei (20/4 und 21/10) solcher Hefte vor. Sie wurden höchstwahrscheinlich einmal pro Jahr herausgegeben.

[43] Zanella, I. C.: Kolonialismus in Bildern. Bilder als herrschaftssicherndes Instrument mit Beispielen aus den Welt- und Kolonialausstellungen (= Beiträge zur Dissidenz, Bd. 17), Frankfurt am Main 2004, S. 24.

[44] Ab 1914 hieß die Beilage dann: Licht – Luft – Leben. Vereinigt mit ‚Der Mensch’. Monatsschrift für Schönheit/

Gesundheit/ Geist/ Körperbildung.

[45] Die Schönheit 1/1, S.3, zit. n. Frecot: Schönheit, S. 297.

Details

Seiten
30
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783640131662
ISBN (Buch)
9783668105706
Dateigröße
8.7 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v93265
Institution / Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena – Bereich Volkskunde
Note
1,0
Schlagworte
Entdeckung Schönheit Lebensreform

Autor

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