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Förderplan - Diagnose und Förderung einer Schülerin der einjährigen Berufsfachschule für Wirtschaft (Höhere Handelsschule)

Unterrichtsentwurf 2007 11 Seiten

Didaktik - BWL, Wirtschaftspädagogik

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1 Situationsbeschreibung

2 Das Fördergespräch
2.1 Schüler-Umfeld-Analyse: Außerschulische Lebensbedingungen
2.2 Schüler-Umfeld-Analyse: Schulische Lebensbedingungen
2.3 Selbst- Sozial- und Fachkompetenz der Schülerin

3 Konkrete Schwerpunkte und Zielvereinbarungen

4 Fazit / Ausblick

5 Fragebögen:
5.1 Außerschulische Lebensbedingungen
5.2 Schulische Lebensbedingungen
5.3 Selbst- Sozial- und Fachkompetenz

1 Situationsbeschreibung

Seit Beginn des Schuljahres 2007/2008 unterrichte ich in der einjährigen Berufsfachschule (Höhere Handelsschule) vier Unterrichtsstunden English pro Woche. Dabei ist mir besonders eine Schülerin aufgefallen, die einerseits schriftlich gute bis sehr gute Leistungen erbringt, im mündlichen jedoch mangelhafte bis ungenügende Leistungen erzielt. Diese extreme Divergenz ist mir bereits nach kurzer Zeit aufgefallen. Bereits in einer durchgeführten Unterrichtsreihe in Englisch zur Kompetenz „Listening Comprehension“ war xy immer bei den besten Lernenden der Klasse. In der ersten Klassenarbeit erzielte sie eine „zwei“ und im Vokabeltest eine „zwei plus“. Auch Arbeitsaufträge und Hausaufgaben erfüllt sie stets gewissenhaft, ordentlich und gut. Jedoch ist sie von ihrer Person eine sehr zurückhaltende, schüchterne Schülerin.

Da mir dieses Verhalten aufgefallen ist, habe ich xxxxxxx bereits vor den Herbstferien darauf angesprochen. Ich fragte sie, warum sie sich denn nie aktiv am Unterrichts- geschehen beteiligen möchte und dass ich mir ziemlich sicher wäre, dass sie positiv den Unterricht mitgestalten könnte. Darauf bekam ich nur ein Achselzucken und ein „… das weiß ich auch nicht …“. Die Schülerin ist in xxxxxxxx in xxxxxxxxx geboren und meine Vermutung in ihrem extrem passiven Verhalten liegt in einer sehr strengen Erziehung und sozialem Hintergrund begründet.

Seit unserem kurzen Gespräch im September hat sie sich lediglich ein Mal am Unterricht von sich aus beteiligt. Nur wenn ich sie gezielt im Unterricht auffordere einen aktiven Beitrag zu leisten, etwa die Hausaufgaben vorzutragen, tut sie dies auch. Danach beteiligt sie sich lediglich passiv am Unterricht. Zwar hat xxxxxxxxx noch nie den Unterricht gestört, noch nie die Hausaufgaben vergessen, lernt Vokabeln und bereitet sich auf Klassenarbeiten vor, jedoch setzt sich die Note im Zeugnis sowohl aus schriftlicher als auch mündlicher Note zusammen. Dies bereitet mir etwas Kopfzerbrechen, denn ihre guten schriftlichen Leistungen drückt sie mit ihrer negativen mündlichen Leistung immens nach unten.

Damit dies jedoch verhindert bzw. eingedämmt werden kann, habe ich ihr ein persönliches Fördergespräch angeboten. Dieses fand im gewöhnlichen Klassenraum nach Schulschluss statt. Drei Tage später führte ich eine kurze Nachbesprechung durch. Sie stimmte dem Beratungsgespräch bereitwillig zu und erschien auch pünktlich zu dem Termin. In dem nachfolgenden Fördergespräch beziehe ich mich auf drei verschiedene Fragebögen,1 die ich in dem gemeinsamen Gespräch mit der Schülerin verwendet habe.

2 Das Fördergespräch

Zu Beginn des Fördergespräches erklärte ich der Schülerin, dass dieses Gespräch ein Angebot von meiner Seite ist, um ihre mündliche Mitarbeit zu verbessern und Ursachen zu erforschen, warum sie so eine stille Schülerin ist. Ich erklärte ihr, dass ein solches Gespräch für sie auch persönlich hilfreiche Ansatzpunkte liefern kann, ihre Schwächen zu beseitigen.

Zunächst füllte die Schülerin mit mir gemeinsam die drei Fragebögen aus, die in Anlehnung an den im Seminar erhaltenen Förderplan strukturiert sind. Der Schülerin versicherte ich, das Gespräch vertraulich zu behandeln und die ausgefüllten Fragebögen vertraulich aufzubewahren und bei Bedarf ihr auch auszuhändigen.

Die Fragebögen betrachten schulische und außerschulische Lebensbedingungen sowie Selbst-, Sozial- und Fachkompetenzen der Schülerin. Die vollständigen Bögen sind in Kapitel 5 beigefügt. An dieser Stelle soll zusammenfassend auf die wichtigen Punkte der Fragebögen eingegangen werden.

2.1 Schüler-Umfeld-Analyse: Außerschulische Lebensbedingungen

Die Schülerin lebt nach eigenen Angaben in wirtschaftlich und sozial geordneten Verhältnissen und ist ein Einzelkind. Ihre Eltern erwarten von ihr zwar schulische Selbstständigkeit, unterstützen sie jedoch auch in schulischen Angelegenheiten. Sogar ihre Verwandtschaft, also Tanten und Onkel stehen bei Fragen und Unterstützung zur Verfügung. Dieser besondere Rückhalt aus der Familie und Verwandtschaft gab die Schülerin auch als besondere Stärke des häuslichen Milieus an. Demnach hat sich meine Vermutung im Vorfeld nicht bestätigt, sodass es andere Gründe geben muss, die ihre ruhige, zurückhaltende Art begründen.

Hausaufgabenhilfe oder Nachhilfe erhält sie nicht, da dies aufgrund der schriftlichen Leistungen auch nicht erforderlich ist. Ihre Freunde besuchen die Fachoberschule und das allgemein bildende Gymnasium, sodass sie sich privat mit Lernenden umgibt, die schulisch und beruflich schon sehr konkrete Zielvorstellungen haben.

2.2 Schüler-Umfeld-Analyse: Schulische Lebensbedingungen

Ihre besonderen schulischen Stärken liegen in Rechnen, Buchführung und Englisch. Das Unterrichtsniveau in Englisch entspricht dem Leistungsniveau der Schülerin und ist angemessen.

Probleme bereitet ihr nur Politik, da dieses Fach ihr noch nie gelegen hat und sie sich nicht für aktuelles politisches Geschehen interessiert.

Wesentlich und ganz entscheidend war für mich die Angabe der Schülerin, dass ihre ehemalige Englischlehrerin ihr schlechte mündliche Noten vergeben hat. Schriftlich war sie auch dort eine gute Schülerin, wurde jedoch bei falschen mündlichen Aussagen mit negativen mündlichen Noten „bestraft“. Dies ging sogar soweit, dass ihre Mutter in der ehemaligen Schule vorgesprochen hat und sich an den Schulleiter wenden wollte. Letztendlich hat die Schülerin anstelle einer „4“ noch eine „3“ im Abschlusszeugnis der Realschule erhalten. Diese Angelegenheit ist auch der Knackpunkt für ihre ruhige, zurückhaltende Art. Sie hat Angst, etwas Falsches zu sagen, ein Wort falsch auszusprechen oder grammatikalische Fehler zu machen.

Von ihren Mitschülern und Lehrern fühlt sich die Schülerin akzeptiert und unterstützt. Es gibt nur wenige Ausnahmen von Schülern mit denen sie sich nicht gut versteht, was auch auf Gegenseitigkeit beruht. Insgesamt fühlt sie sich im Fachbereich Wirtschaft und Verwaltung jedoch nicht optimal aufgehoben, da ihr eher kreative Tätigkeiten liegen als kaufmännische. Die Richard-Müller-Schule war für sie nur eine Alternativlösung, da sie ursprünglich die xxxxxxxxxxxxxxx, Fachrichtung Gestaltung besuchen wollte. Am liebsten würde sie gestalterische Tätigkeiten ausführen, jedoch hat sie sich nun für die Richard- Müller-Schule entschieden und möchte die Schulform „Höhere Handelsschule“ auch beenden. Ihr ist es wichtig, ein gutes Zeugnis zu erhalten und dies ist von schriftlicher Seite kein Problem, da ihr kaufmännische Fächer wie Rechnen und Buchführung liegen.

2.3 Selbst- Sozial- und Fachkompetenz der Schülerin

Der zuverlässige Eindruck der Schülerin bestätigte sich in ihrer Selbstwahrnehmung wie Pünktlichkeit, Einhaltung von Absprachen oder Erledigen von Hausaufgaben. Diese bearbeitet die Schülerin nach eigenen Angaben selbständig und fragt Mitschüler nur um Rat, wenn sie nicht weiter kommt. Dies entspricht auch meiner Wahrnehmung, da die Schülerin zu erledigende Aufgaben sehr engagiert bearbeitet.

Von den Lehrern an der Richard-Müller-Schule fühlt sie sich besser akzeptiert, insbesondere im Vergleich zu ihrer alten Englischlehrerin. An diese erinnert sie sich nur ungern. Sie fühlte sich von ihr „diskriminiert“ und ging eher mit einem Angstgefühl in die Schule bzw. den Englischunterricht. Aus diesem Grund stellt sie auch keine Fragen und beteiligt sich am Unterricht lieber passiv als aktiv. Zuerst fragt sie Mitschüler, wenn sie etwas nicht verstanden hat und dann erst den Lehrer.

Nach eigener Wahrnehmung ist die Schülerin teamfähig und kann gut mit anderen zusammenarbeiten. Besondere Stärken der Schülerin sind die Fächer Kunst und Geschichte, die jedoch an einer kaufmännischen Schule kaum von Bedeutung sind. Als sonstige Belastungen/Schwächen gab die Schülerin an, dass sie bei Stresssituationen Panik bekommt, Angst hat, zittert etc.

Die Schülerin gab an, dass sie mit mir gemeinsam einen Weg finden möchte, um eine mündliche Mitarbeit zu zeigen. Denn zum aktuellen Zeitpunkt gibt es keine mündliche Beteiligung. Diese Einstellung bildet den Ausgangspunkt für die gemeinsamen Zielvereinbarungen des Förderplans. Wir suchen im ersten und ergänzend im zweiten Gespräch gemeinsam nach geeigneten Maßnahmen zur Lösung des Problems. Da wir die Ursachen bereits im ersten Gespräch ausführlich besprochen hatten, können wir nun gezielt darauf eingehen.

3 Konkrete Schwerpunkte und Zielvereinbarungen

… im Rahmen eines Förderplans für xxxxxxx xxxxxxxxx, Klasse HH 2 für das Schuljahr 2007/2008

Problem: Ich beteilige mich nicht aktiv am Unterricht.

Ursache: Angst vor Fehlern im Englischunterricht sowie vor dem Lehrer zu „versagen“.

Mein Zielschwerpunkt für das weitere Schuljahr 2007/2008:

Ich möchte mich aktiv am Unterrichtsgeschehen beteiligen.

1) Hierzu nehme ich mir vor, unaufgefordert Hausaufgaben vorzutragen.

2) Im täglichen Unterrichtsgeschehen nehme ich mir vor, mich unaufgefordert zu melden, um einen aktiven Beitrag im Unterricht beizusteuern.

Warum habe ich bisher keine positive mündliche Leistung in dem Fach „Englisch“ erzielt und was will ich ändern, um dies im restlichen Schuljahr zu vermeiden?

1. Ich erhalte eine bessere mündliche Note, wenn ich freiwillig Hausaufgaben vortrage.

Bis zum aktuellen Zeitpunkt habe ich noch nie Hausaufgaben vorgetragen. Das lag daran, dass ich Angst hatte, einen Fehler zu machen. Ich dachte, wenn die Hausaufgaben falsch sind, bekomme ich eine negative mündliche Beteiligung und habe mich deshalb zurückgehalten.

Für das restliche Schuljahr werde ich meine Hausaufgaben freiwillig vortragen, denn anfertigen werde ich sie immer. In der Vergangenheit habe ich sie nie vergessen.

[...]


1 Vgl. Kretschmann, R., 2004

Details

Seiten
11
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640124237
ISBN (Buch)
9783640259168
Dateigröße
444 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v93212
Institution / Hochschule
Studienseminar für Gymnasien in Kassel
Note
14 Punkte
Schlagworte
Förderplan Diagnose Förderung Schülerin Berufsfachschule Wirtschaft Handelsschule)

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Titel: Förderplan - Diagnose und Förderung einer Schülerin der einjährigen Berufsfachschule für Wirtschaft (Höhere Handelsschule)