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Psalm 23 - eine Analyse

Hausarbeit 2006 25 Seiten

Theologie - Biblische Theologie

Leseprobe

Inhaltverzeichnis

1. Psalm 23
1.1 Thema des Psalms
1.2 Begründung der Psalmenauswahl

2. Exegetische Aspekte
2.1 Verfasser
2.2 Abfassungszeit
2.3 Einordnung des Psalms
2.4 Literarische Analyse
2.4.1 Gattung
2.4.2 Gliederung
2.4.3 Exegese und Erläuterungen einiger Metaphern
a) „Der Herr ist mein Hirte“
b) Vertrauen
c) „Grüne Auen“ und „frisches Wasser“
d) Das finstere Tal“
e) Der Gastgeber
f) Feinde
g) Das Haus des Herrn
2.4.4 Stilistische Elemente

3. Theologie
3.1 Gottesbild- Menschenbild
3.2 Beziehung Gott - Mensch
3.3 Verwendung des Psalmthemas in weiteren biblischen Kontexten

4. Psalm 23 im Unterricht der Grundschule
4.1 Die kontextuelle Einbindung von Ps 23 in den Religionsunterricht
4.2 Mögliche methodisch - didaktische Zugänge

5. Die Aktualität des Psalmthemas in der heutigen Zeit

1. Psalm 23

1.1 Thema des Psalms

Der Psalm ist ein Lied des Vertrauens. Sein Thema ist das persönliche Vertrauen des Beters zu Gott. Es lässt sich klar erkennen, wie der Beter zu seinem Gott steht. Gott der Herr, ist für ihn die Basis seines ganzen Lebens, für alle Situationen seines Lebensweges. Er leitet ihn, wie ein Hirte seine Schafe auf den „rechten Pfad“, schützt ihn vor „Unheil“ und versorgt ihn mit allen lebenswichtigen Gütern, so dass es ihm an nichts fehlt. Es ist Jahwe, der den Beter aus seiner Finsternis herausführt und ihm lebenslange Unterkunft in seinem Haus gewährt. Durch diese unerschöpfliche Hoffnung des Beters und dessen Glaube an Gott, verliert er die Furcht. Hinter Psalm 23 schimmert die Erfahrung der Befreiung aus Ägypten, die Führung durch die Wüste ins verheißene Land bis hin zum Einzug in den Jerusalemer Tempel durch[1].

1.2 Begründung der Psalmenauswahl

Psalm 23 ist für mich einer der schönsten Psalme, da er so viel Zuversicht, Hoffnung, Freude und Vertrauen erweckt. Der Hirte der uns stützt, hält, trägt und nicht fallen lässt, nimmt uns die Furcht in Momenten der Trauer und des Leids. Auf ihn dürfen wir bauen, auf ihn dürfen wir hoffen und zu ihm dürfen wir kommen. Während des Lesens entsteht ein Gefühl mit einbezogen zu sein, ebenfalls beschützt zu werden. Es entsteht automatisch ein Anreiz die eigene Furcht zu überwinden.

Ich bin auf Ps 23 im Rahmen meiner Unterrichtsversuche im Fach Religion, während meines Grundschulpraktikums, aufmerksam geworden. Erstaunlich war für mich, dass ich mich an meine eigene Grundschulzeit und die damalige Auseinandersetzung mit dem Hirtenbild erinnern konnte, was nach so langer Zeit für die Bedeutung des Pss spricht. Im Lehrplan der zweiten Klasse ist der „Gute Hirte“ vorgesehen. Neben dem Gleichnis vom verlorenen Schaf (Lk 15,1- 7) wird Ps 23 sogar als Hinweis erwähnt. Die leicht verständliche Sprache hat eine große Aussagekraft, deren Erarbeitung mir mit den Kindern viel Freude bereitet hat und mir meine Psalmenauswahl erheblich erleichterte.

2. Exegetische Aspekte

2.1 Verfasser

Erster Anhaltspunkt für den Verfasser ist der Titel des Psalms „Ein Psalm Davids“. Hierfür spricht auch die „Salbung mit Öl“ (Vgl. Ps 23,5) und „Hirte“ als bildhafte Bezeichnung für Jahwes Gott-Königtum und Anspielung auf Schilfmeer- und Exodusgeschehen (Vgl. Ex 15,2 f.)[2]. Jedoch wurden Psalmtitel meist als redaktionelle Zusätze gesehen. Man brachte seine Ehrfurcht gegenüber den alten Texten zum Ausdruck, in dem man sie mit einem der anerkannten geistlichen Führer Israels verband. Andererseits findet man die Überschrift schon in frühesten Versionen vor. Die Frage nach der Verfasserschaft lässt sich also nicht eindeutig klären. Man kann den Psalm als Individualpsalm in frömmigkeitlichem Sinn interpretieren, man kann ihn jedoch auch als „Königspsalm“ - vom irdischen König an den himmlischen König - verstehen[3]. Beim Psalm 23 handelt es sich aber auf jeden Fall um das Gebet eines Menschen, der ein tiefes Gottvertrauen besitzt. Jeder Vers spiegelt eine vollständige Übergabe des Lebens an Gott. Dieser Beter weiß auch um die unentschiedene Zwiespältigkeit seines Lebens, er weiß um mögliche Gefährdungen „im Tal der Finsternis“ und um mangelhaftes Gelingen und mögliches Scheitern[4]. Er schreibt seinen Psalm und denkt ihn Menschen zu, die sich in einer ähnlichen Situation befinden. Genauer lässt sich vermuten, unter Betrachtung der angenommenen Abfassungszeit, dass es sich um das Bekenntnis eines Frommen handelt, der sich gegenüber seinen Feinden dezidiert als Glied des beim Ersten Exodus geschaffenen und im Zweiten Exodus erneuerten Gottesvolks behauptet[5]. Nach E. Zenger spricht sich im Bekenntnis „Mein Hirte ist Jahwe“ ein Selbstbewusstsein aus, das der im ersten Davidpsalter erkennbaren nachexilischen „Armenfömmigkeit“ entspricht. Ps 23 könnte folglich auch aus ihrem Milieu stammen, wodurch auch die Betonung des Glücks mitten im Leid verständlich wird.

Excurs: Bezüge zur David-Überlieferung

Die biblische Überlieferung berichtet vieles, was den König David mit diesem Psalm in Verbindung bringt. Zunächst sei David als Hirte aufgewachsen und somit mit der geschichtlichen Beziehung vertraut. Es wird berichtet, er habe oft erlebt, wie sehr das Leben der Weidetiere von der Fähigkeit des Hirten abhängt, sie zu verteidigen (1 Sam 17,34-36). Als Hirte müsste er auch gewusst haben, wie schwierig es in der langen Trockenzeit war, Wasser und Weide zu finden und dass Schafe ohne einen Hirten zum Verenden verurteilt waren.

Abgesehen davon wird er uns immer wieder als Musiker vorgestellt (1Sam 16,14ff.). Immer wieder wird berichtet, wie er seinen Empfindungen spontan, heftig und oft musikalisch Ausdruck verleiht.

Weiterhin sind Geschichten überliefert, in denen David erlebt was es heißt, auf einen Gott zu vertrauen der ihm, vor den Augen seiner Feinde, den Tisch deckt. So seine jahrelange Flucht vor Saul, dem er immer wieder nur um Haaresbreite entronnen ist. Immer wieder stärkt sich David in JHWH, seinem Gott (z. B. als seine Leute ihn steinigen wollten 1Sam 30,6). Stets versichert er sich Gottes Beistand, in dem er ihn vor wichtigen Entscheidungen befragt und ebenso sagt Gott ihm seinen Beistand zu (z. B. 2Sam 7).

In Verbindung mit vielen Psalmen, die seinen Namen tragen, lässt das überlieferte Bild David als einen Typus erscheinen, der sich trotz allen Verfehlungen immer wieder zu seinem Gott umkehrt. David kann letztendlich über sein Leben sagen, dass JHWH ihn aus jeder Not errettet hat (1Kö 1,29), während von Gottes Seite gilt: David ist ein Mann nach Gottes Herzen (1Sam 13,14). Auf Grund dieser vielfältigen Bezüge führt es sicher nicht zu einem schlechten Verständnis, wenn Ps 23 traditionell als von David verfasst ausgelegt wird.

2.2 Abfassungszeit

Der Psalm spielt auf die Erzählungen über Israels Weg durch die Wüste beim ersten Exodus bis zur Landnahme sowie auf die prophetischen Verheißungen des zweiten Exodus aus dem Exil an und individualisiert diese ebenso wie die Metapher von Jahwe als dem Hirten seiner Herde/seines Volkes. Dies spricht für eine nachexilische Entstehung des Psalms[6].

2.3 Einordnung des Psalms

PS 23 befindet sich am Anfang des Psalters, als Teil einer Sammlung von Davidspsalmen (Ps 3-41). Dieser Psalm wurde zusammen mit dem in vielfacher Weise verwandten Ps 16 von der nachexilischen Redaktion in die ihr vorgegebene Teilgruppe Ps 15 – 24 (ohne Ps 19) integriert[7]. Er steht in innerem Zusammenhang mit den beiden benachbarten Psalmen. Ps 22 schildert zuvor die Tiefe der Gottverlassenheit. Er wurde quasi im „Tal der Finsternis“ geschrieben (Ps 23,4). Auch hier kommt dem Beter die Hoffnung auf Gottes Hilfe nicht abhanden (Ps 22,26 ff). Man kann Ps 22 gut als eine Vorrede zu Ps 23 lesen. Ps 22,27 hofft sogar auf das in Ps 23,5 f geschilderte Gastmahl. Ps 23 erläutert, wie und wo die Armen zum sättigenden Mahl gelangen. In Ps 22,13 f klingt eine der gefährlichen Situationen an, vor denen sich Weidetier und Hirte schützen müssen. Auch hier passt der nachfolgende Psalm gut.

Ps 23 endet mit den Worten „Und im Haus des Herrn darf ich wohnen für lange Zeit“. Hier ist der Beter vor allen Gefahren sicher. Ps 24 besingt den Einzug in Jahwes Heiligtum.

Die Abgrenzung von Ps 23 ist durch die beiden Überschriften (Ps 23,1 und 24,1) sowie seine relative inhaltliche und metrische Geschlossenheit eindeutig.

2.4 Literarische Analyse

2.4.1 Gattung

Es liegt nahe, dass der Psalm 23 auf Grund seines Eingangsbekenntnisses in Form eines Nominalsatzes, ursprünglich nicht als Danklied bei einer Opfermahlfeier im Tempel, sondern als Vertrauensgebet verwendet wurde. Aber auch von dem, den ganzen Psalm durchziehenden Ausdruck der Geborgenheit des Beters, in der ihm von Jahwe geschenkten Lebensgemeinschaft, Kraft derer er alle Widerwärtigkeiten des Lebens auszuhalten vermag, lässt auf ein Vertrauensgebet/Vertrauenslied schließen[8].

2.4.2 Gliederung

Es gibt verschiedene Möglichkeiten den Ps 23 sinnvoll zu unterteilen. Ich stütze mich bei der Gliederung in erster Linie auf E. Zenger[9].

Dieser gliedert den Psalm, auf Grund der wechselnden Sprechrichtung, in vier Abschnitte, die spiegelbildlich (chiastisch) aufeinander bezogen sind (Einleitung: Ps 23,1 b bis 3 das Bekenntnis/Zeugnis über JHWH ( er - ich), Hauptteil: 23,4 das Vertrauensgebet zu JHWH ( ich - du), 23,5 Vertrauensgebet zu JHWH ( du - ich), Schluss: V.23,6 Bekenntnis/Zeugnis über JHWH ( ich - er)). Diese chiastische Struktur wird auch motivlich unterstrichen. Anfang und Ende des Psalms sind durch die Motive vom Lagern bzw. von der Ruhe und vom bleibenden Wohnen aufeinander hingeordnet. Analog ist den beiden mittleren Abschnitten das Motiv von der Gefährdung des Beters gemeinsam. Von der Struktur her liegt der Akzent in der Mitte des Psalms. Das Thema des ersten und des dritten Abschnittes ist JHWH, der Essen und Trinken gibt, während der Schutz durch JHWH, Thema des zweiten und vierten Abschnittes ist. Den beiden Schutzwerkzeugen „Stock und Stab“ im zweiten Abschnitt entsprechen die beiden Schutzboten „Güte und Huld“ im vierten Abschnitt. Die vier Abschnitte, die auf der Bildebene paarweise zusammen gehören (1+2: JHWH als Hirte und 3+4 JHWH als Gastgeber), bilden ebenfalls eine Parallelstruktur[10]. Auf Grund diesem Bildwechsel gliedern einige Autoren den Psalm in zwei Teile (V. 1-4: JHWH als Hirte; V. 5-6: JHWH als Gastgeber) [11].

[...]


[1] Beat Weber, Werkbuch der Psalmen, 2001, S.127

[2] Beat Weber, Werkbuch der Psalmen, 2001, S.127

[3] Beat Weber, Werkbuch der Psalmen, 2001, S.127

[4] Rudolf Mosis, Trierer Theologische Zeitschrift, 1995, S. 55

[5] E. Zenger, Die Psalmen 1-50, S. 152

[6] E. Zenger,Die Psalmen 1-50, S. 152

[7] E. Zenger, Die Psalmen 1-50, S. 152

[8] E. Zenger, Die Psalmen 1-50, 1993, S. 152

[9] E. Zenger, Die Psalmen 1-50, 1993, S. 152

[10] E. Zenger; Die Psalmen 1-50, 1993, S. 152

[11] Carmen Diller; Arbeiten zu Text und Sprache im AT; 2005, S.82

Details

Seiten
25
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638064170
ISBN (Buch)
9783656214144
Dateigröße
618 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v93165
Institution / Hochschule
Universität Koblenz-Landau – Katholische Theologie
Note
1,3
Schlagworte
Psalm Analyse

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