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Unterrichtsstunde: Religiöse Motive in der Werbung

Unterrichtsentwurf 2007 20 Seiten

Didaktik - Theologie, Religionspädagogik

Leseprobe

Inhalt

1. Analyse der Lerngruppe

2. Die unterrichtliche Situation der Lerngruppe

3. Umschreibung der Zielvorstellungen

4. Sachanalyse
4.1 Religion als menschliche Grunderfahrung
4.2 ‚Gelebte Religion’
4.3 Religiöse Motive in der Werbung

5. Didaktische Analyse

6. Medien- und Methodenanalyse
6.1 Begrüßung und Einstieg
6.2 Erarbeitung I
6.3 Erarbeitung II
6.4 Erarbeitung III
6.5 Ergebnissicherung
6.6 Verabschiedung

7. Unterrichtsverlauf / Skizze

8. Reflexion des Stundenverlaufs

9. Verwendete Literatur

Anhang

1. Analyse der Lerngruppe

Die Lerngruppe der Jahrgangsstufe 11 besteht aus 20 Schülern (10 männlich, 10 weiblich), die ich hinsichtlich ihrer Leistungsfähigkeit als auch ihrer Leistungsbereitschaft zunächst als recht homogen wahrnehmen konnte. Zwar war es mir im Rahmen meines Blockpraktikums nicht möglich, die Lerngruppe auch außerhalb des Religionsunterrichts näher kennen lernen und beurteilen zu können, jedoch sind das Leistungsniveau sowie das unterrichtliche Engagement gerade im Fach Religion als recht hoch einzuschätzen. Gerade bei Unterrichtsgesprächen ist bei vielen Schülern eine erhöhte Diskussionsbereitschaft wahrzunehmen, so dass ich das Interesse für religiöse, sowie philosophische, psychologische als auch politische Fragestellungen bei den meisten Schülern als sehr ausgeprägt einschätze.

Jedoch ist gerade bei Unterrichtsgesprächen in dieser Lerngruppe die kritische Reflexion im Bereich religiöser Fragestellungen noch wenig entwickelt. Viele Schüler scheinen noch nicht gelernt zu haben, sich zu einem Sachverhalt kritisch zu äußern und gegebenenfalls auch Gegenpositionen einzunehmen. An diesem Bereich der kritischen Auseinandersetzung mit Religiosität muss daher in der nächsten Zeit verstärkt angesetzt werden, um den Schülern die Entdeckung ihrer persönlichen, und damit auch religiösen Identität zu ermöglichen und sie zu eigenständigem Denken anzuregen.

Bei der Unterrichtsplanung sollten deswegen vor allem auch offene Unterrichtsphasen berücksichtigt werden, in denen die Schüler die Möglichkeit bekommen, ihre eigene Meinung zu äußern und mit anderen ins Gespräch zu kommen. Bei dieser recht kleinen Lerngruppe, in welcher auch Disziplin- und/oder Konzentrationsschwierigkeiten kaum eine Rolle spielen, ist dies auch ohne Weiteres möglich.

Schwierigkeiten hinsichtlich der Unterrichtsplanung ergeben sich dadurch, dass der Religionsunterricht in dieser Lerngruppe nur einmal wöchentlich stattfindet und daher die Anknüpfung an die vorangegangenen Unterrichtsstunden nur begrenzt möglich ist. Zudem ergibt sich für mich persönlich die Problematik, dass die Lerngruppe selbst mir nur oberflächlich bekannt ist. Durch einen möglichst offenen, schüleraktiven Unterricht soll dies ausgeglichen werden.

2. Die unterrichtliche Situation der Lerngruppe

Die im Folgenden beschriebene Unterrichtsstunde ist eingebettet in die Unterrichtseinheit „Begegnung mit Religion – Religion als menschliche Grunderfahrung“. In den vorangegangenen Stunden ging es vor allem darum, bei den Schülern ein ausgeweitetes Verständnis des Begriffs ‚Religion’ zu schaffen und anhand einer phänomenologischen sowie etymologischen Untersuchung von Religion eine Basis zu schaffen, um religiöse Phänomene im alltäglichen Leben wahrnehmen und kritisch reflektieren zu können. So wurde im Unterricht vor allem auch die Frage nach dem Sinn in den Vordergrund gestellt und erarbeitet, dass der Mensch im Alltag auf ‚Glaube’ und Vertrauen angewiesen ist. Diese Notwendigkeit sinnhafter, religiöser Erfahrungen im menschlichen Leben wurde den Schülern durch zahlreiche Beispiele dargestellt und erläutert (Fußball als Religion, Sinnkrise des 11. September, fehlender Lebenshalt durch unreflektierten, naiven Glauben, problematische Gottesbilder, autobiographische Reflexion).

Die folgende Unterrichtsstunde zum Thema „Religiöse Motive in der Werbung“ knüpft an diese Beispiele an und soll die Darstellung der Sinnsuche des Menschen im täglichen Leben durch ein weiteres Phänomen erweitern.

3. Umschreibung der Zielvorstellungen

Die Schüler sollen anhand des Beispiels ‚Werbung’ ihre Erkenntnis vertiefen, dass Religion zu den Grunderfahrungen des Menschen gehört, die sich an vielen Stellen des Lebensvollzugs zeigt. Das Verständnis von religiösem Leben soll auf diese Weise erweitert und auf verschiedenen Ebenen betrachtet werden. Die Schüler sollen erkennen, dass Religion und Religiosität unser ganzes Leben beeinflusst und sich die historischen, sozialen und psychologischen Hintergründe bewusst machen, die diese Art der ‚neuen Religiosität’ begründet haben. Die Lernziele, die im Laufe der Unterrichtseinheit „Begegnung mit Religion – Religion als menschliche Grunderfahrung“ im Einzelnen angestrebt werden, sind:

Die Schüler sollen

- erfahren, dass religiöse Motive überall in unserer oft scheinbar a-religiösen Umwelt vorhanden sind.
- religiöse Motive und deren Wirkung in verschiedenen Lebensbereichen erkennen.
- lernen, kritisch mit der missbräuchlichen Verwendung von Religion umzugehen.
- fundiert zum Thema „Religion als menschliche Grunderfahrung“ zu argumentieren.
- den Absolutheitsanspruch religiöser Gedanken gegenüber der Vergänglichkeit materieller Werte erkennen.

4. Sachanalyse

4.1 Religion als menschliche Grunderfahrung

Da Religion zu den Grunderfahrungen des Menschen gehört, zeigt sie sich an vielen Stellen des Lebensvollzugs und kann von ihren Erscheinungsformen her (phänomenologisch) erschlossen werden. Bevor man aber nach dem Wesen von Religion und nach Definitionen fragt, sollte man sich dem religiösen Leben zuwenden. Die gelebte Religion ist allerdings sehr vielschichtig, weshalb es sehr schwierig ist, die Spreu vom Weizen zu trennen.[1]

Die geschichtliche Entwicklung zeigt, dass in der früheren Zeit die ‚unsichtbare Welt’ wichtiger und wirklicher war als die sichtbare. Die einzelnen Lebensbereiche hatten für den Menschen vor allem religiöse, sinnhafte Bedeutung. Der so genannte moderne Mensch dagegen neigt dazu, nur das Sichtbare für wirklich zu halten und das Unsichtbare zu vernachlässigen. Was soll man nun rückständig, was hoch und was niedrig nennen?

Eines ist klar: Da der Mensch leibhaft lebt und Sinne hat, entspricht ein religiöses, sinnhaftes Leben durchaus der menschlichen Wirklichkeit. So wie Menschen auch sonst ihr Leben recht verschieden gestalten, wird es auch immer unterschiedliche Formen von Religiosität geben. In aller Vielfalt religiöser Erscheinungsformen erkennen wir jedoch, was immer vorhanden ist. Es ist die Konfrontation mit der Frage nach dem Sinn des menschlichen Lebens, die Notwendigkeit von Hoffnung und das Angewiesensein auf ein festes Vertrauen, auf einen Glauben, der dem Menschen im alltäglichen Leben Halt geben und ihn bei seiner Lebensbewältigung unterstützen kann.

Alle religiösen Akte dienen dieser Konfrontation. Religion kann damit ein Versuch sein, eine Brücke zu schlagen zwischen dem Menschen in seiner vergänglichen, leiblichen Welt und dem Ewigen, dem Unfassbaren, das wir ‚Gott’ nennen.[2]

4.2 ‚Gelebte Religion’

Unsere Gegenwart, also „die westliche Industriekultur in der hochentwickelten Phase, die durch die Automation und durch eine enge Verzahnung der Wirtschaft bestimmt wird“[3], ist durch ein ‚neues Bewusstsein’ geprägt: ein Denken, Empfinden und Handeln, das sich von den Trends der Industriekultur nicht einfach mitreißen und vereinnahmen lässt, sondern diese im Gegenteil noch stark mit beeinflusst. Dieses ‚neue Bewusstsein’ fragt nach bewusstem Leben, nach dessen Sinn und Zielen. Konkret geht es um die Wiederentdeckung des Religiösen in unserer Gesellschaft, wie es sich in unterschiedlichsten Äußerungsformen zeigt. Religion zeigt sich demnach nicht nur in der Kirchengemeinde, sondern ist in unserer scheinbar oft a-religiösen Umwelt ständig präsent. Aus diesem Grund müssen wir lernen, unser Verständnis von Religion und Religiosität auszuweiten und mit der Frage nach dem Sinn, nach dem Absoluten, das dem Leben Halt, Vertrauen und Hoffnung schenkt, in Verbindung zu setzen.

[...]


[1] Vgl. Religion am Gymnasium 11. Unterrichtswerk für katholische Religionslehre. Erarbeitet von Walter Lang. München 1982. S. 59.

[2] Vgl. ebd.

[3] Neues Bewusstsein – neue Religiosität. Ausgewählt und bearbeitet von Bernhard Grom und Manfred Zmy. In: Theologisches Forum. Texte für den Religionsunterricht. Heft 14. Hrsg. von Werner Trutwin. Düsseldorf 1973. S. 7.

Details

Seiten
20
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638064088
ISBN (Buch)
9783638952101
Dateigröße
766 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v93133
Institution / Hochschule
Universität Kassel
Note
Schlagworte
Unterrichtsstunde Religiöse Motive Werbung Unterrichtsentwurf Glauben Religion Heilige Schriften

Autor

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