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Das Freizeit- und Computerverhalten von Hauptschülern und Gymnasiasten im Vergleich - Ergebnisse einer explorativen Studie und Konsequenzen für die schulische Medienerziehung

Examensarbeit 2001 74 Seiten

Pädagogik - Schulwesen, Bildungs- u. Schulpolitik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Aktuelle Forschungsergebnisse

3. Explorative Studie
3.1 Ablauf der Erhebung
3.2 Auffälligkeiten und Probleme bei der Durchführung

4. Ergebnisse und Auswertung
4.1 Freizeitfragebogen
4.1.1 Vergleich Gymnasium – Hauptschule
4.1.2 Vergleich der Geschlechter
4.1.3 Vergleich der 5.Klassen
4.1.4 Vergleich der 7.Klassen
4.1.5 Vergleich der 9.Klassen
4.2 Computerfragebogen
4.2.1 Beschäftigung mit Computer, Gameboy und Videokonsole
4.2.1.1 Beschäftigung insgesamt
4.2.1.2 Beschäftigung weiblich – männlich
4.2.1.3 Vergleich aller Klassen
4.2.1.4 Vergleich der Klassen des Gymnasiums
4.2.1.5 Vergleich der Klassen der Hauptschule
4.2.2 Beliebtheit der Programme
4.2.2.1 Erklärung der einzelnen Programmarten
4.2.2.2 Beliebtheit insgesamt
4.2.2.3 Vergleich der Schularten
4.2.2.4 Vergleich der Geschlechter
4.2.2.5 Vergleich der Mädchen beider Schularten
4.2.2.6 Vergleich der Jungen beider Schularten
4.2.2.7 Vergleich der 5.Klassen
4.2.2.8 Vergleich der 7.Klassen
4.2.2.9 Vergleich der 9.Klassen
4.3 Rückfragen an die Lehrer

5. Konsequenzen für die schulische Medienerziehung

6. Schlussgedanke

1. Einleitung

Von 1991 bis 1996 war ich in der evangelischen Jugend Hersbruck Jugend- und Gruppenleiter. Mit einigen anderen engagierten Gruppenleitern wurde damals das „Habakuk“ gegründet. Dieser Jugendtreff wurde im Untergeschoss unseres Gemeindehauses in Hersbruck eingerichtet. Geöffnet war immer Samstags von 19.00 – 22.00 Uhr für alle Jugendliche zwischen 13 und 18. Dort konnten verschiedene Angebote kostenlos benutzt werden, wie z.B. ein Billard, Kicker, Brettspiele etc. Jede Woche wurde ein anderes „Spezialangebot“ unternommen, wie z.B. eine Dingsda-Show, Disco, „Mister Habakuk“ Wahl, Sketchshow, Toastabend, verschiedene Turniere etc.

Da in Hersbruck für die besagte Altersgruppe sehr wenig geboten war, wurde dieses Angebot gut genutzt. An normalen Wochenenden waren ca. 40-50 Jugendliche anwesend. Zu den Discos kamen teilweise bis 150 Jugendliche und zwar nicht nur aus Hersbruck, sondern auch aus allen umliegenden kleinen Dörfern. Die Gruppe der Jugendlichen war also sehr bunt durchgemischt.

Schon damals fiel mir auf, dass es einige Rivalitäten zwischen Hauptschülern und Gymnasiasten gegeben hat. Nicht nur die Mädchen konnten sich gegenseitig nicht ausstehen, sondern selbst bei den Jungen, die teilweise sogar in derselben Fußballmannschaft spielen, gab es viel Antipathie. Auf meine Anfragen an die einzelnen Gruppierungen kamen die verschiedensten Antworten, wie z.B. „Die Gymnasiasten sind alle hochnäsig“, „Die dummen Hauptschüler“, „Die meinen immer, sie sind was Besseres“ etc. Vor allem bei den Mädchen schlug dies teilweise in richtigen Hass um. Gut zu beobachten war dies besonders dann, wenn es um einen Jungen ging. Da Hersbruck eine Kleinstadt mit ca. 12000 Einwohnern ist, laufen sich die Gruppen immer wieder über den Weg und kennen sich gegenseitig. Ich wunderte mich, dass in den einzelnen Gesprächen gar nicht so viele Unterschiede herauskamen, wie die einzelnen Gruppen sich immer gegenseitig vorwarfen. So war beim Musikgeschmack fast kein Unterschied erkennbar, die Vorlieben der Jungen für Computerspiele lagen auch ziemlich nah beieinander und die Hobbys variierten nicht sonderlich voneinander.

Was mich nun näher interessierte, war die einzelne Entwicklung in diesen Bereichen in der Hauptschule und am Gymnasium. In wieweit hat der unterschiedliche Bildungsweg Auswirkungen auf die einzelnen Hobbys, Vorlieben und Geschmäcker der Schüler? Ist der Unterschied zwischen Hauptschülern und Gymnasiasten wirklich so groß? Wenn ja, in welchen Bereichen? Wie entwickeln sich die Hobbys der Mädchen und Jungen sowohl an einer Schulart, als auch im Vergleich mit der anderen? Wie groß sind die Unterschiede am Anfang der Schulart, wie groß am Ende? All diese Fragen veranlassten mich dazu, dieses Thema in Form einer Zulassungsarbeit zu bearbeiten. Da wir im „Habakuk“ von Zeit zu Zeit auch Fragebögen über Änderungswünsche, Vorlieben etc. durchführten, wollte ich diese beiden Schularten, Hauptschule und Gymnasium, in Vergleich setzen. Außerdem in diesen Schularten noch die altersbedingte Entwicklung. So bot sich der Vergleich der beiden Schularten in der 5., 7. und 9.Klasse an.

Mit dieser Idee ging ich zu Prof. Dr. Dieter Spanhel vom Lehrstuhl Pädagogik II der Erziehungwissenschaftlichen Fakultät der Universität Erlangen-Nürnberg der auch sehr interessiert war und mir sagte, dass Herr Dr. Jürgen Bofinger vom Institut für Schulpädagogik und Bildungsforschung (ISB) in München ab Sommer eine bayernweite Untersuchung mit verschiedenen Fragebögen durchführen wolle. Darunter auch ein Computerfragebogen, der erstmals zum Einsatz käme. Da dieser Fragebogen bislang noch nicht an Schülern getestet worden sei, fragte man mich, ob ich nicht damit eine kleine Voruntersuchung machen wolle.

Deshalb wurde mir der Fragebogen von Hr. Bofinger mit einem Freizeitfragebogen schon fertig ausgearbeitet zur Verfügung gestellt. Ich sollte nun in meinen sechs Klassen die Untersuchung durchführen, die Dateneingabe vornehmen und etwaige Fehler im Computerfragebogen zur Verbesserung an das ISB weitergeben.

In der Anlage befindet sich zur Verdeutlichung ein kompletter Fragebogen.

2. Aktuelle Forschungsergebnisse

Die neuen Medien erleben seit den 90er Jahren einen bedeutungsvollen Aufschwung in unserer Gesellschaft. Am Anfang nur erschwinglich für die gehobenere Schicht, konnten sich bald auch die sozial Schwächeren Geräte wie Computer etc. kaufen. Mit diesem neuen Trend hat sich natürlich sehr viel in unserer Gesellschaft verändert. Und das nicht nur bei den Erwachsenen, sondern auch bei den Kindern und Jugendlichen. Auf sie haben die neuen Medien eine geradezu magische Anziehungskraft ausgeübt. Kein Wunder also, dass sich die verschiedensten Lebensbereiche dieser Zielgruppe radikal veränderten. Vor allem im Freizeitbereich der Kinder und Jugendlichen war dies deutlich zu merken.

Um auf diesen Trend richtig reagieren zu können, wurden viele verschiedene Studien in Auftrag gegeben. Sowohl die Wirtschaft, als auch die pädagogische Seite waren sehr daran interessiert, was, warum und wie oft sich die Jugendlichen den neuen Medien zuwenden. Eine der bedeutendsten, frühen Untersuchung wurde 1985 in Mittelfranken unter Leitung von Dr. D. Spanhel durchgeführt. Seine Nachfolgeuntersuchung 1987 konnte die Ergebnisse im Wandel von zwei Jahren sehr gut beobachten. So lag in einer Rangskala von 13 Freizeitbeschäftigungen das Fernsehen an 3./4. Stelle. Die neuen Bildschirmmedien fanden sich auf den Plätzen 8 (Videofilme), 10 (Telespiele) und 12 (Computer) wieder (vgl. „Jugendliche vor dem Bildschirm“; D. Spanhel; 1990). 1994/95 lagen bei den Jungen die Video-/Computerspiele immerhin schon auf Rang 7. Bei den Mädchen gehört diese Art der Beschäftigung zu den unbeliebtesten („Das Freizeit- und Medienverhalten von Hauptschülern“; Bofinger/ Lutz/ Spanhel; 1999). Diese Rangliste zeigt deutlich, dass die neueren Medien, wie z.B. die Telespiele und der Computer sich immer weiter im Aufwind befinden.

Diese Rangfolge hat sich auch dadurch geändert, da die technischen Geräte immer billiger wurden. Waren 1985 in 30% der Haushalte ein Telespiel und in 28% ein Computer vorhanden (vgl. Spanhel 1990), so hat sich diese Zahl bis Anfang 2000 auf 16 Millionen PCs in Privathaushalten (Ende 1997 waren es „nur“ 11 Millionen Computer), das entspricht etwa 54%, erhöht („Computerspiele – Spielespaß ohne Risiko“; Bundesministerium für Familie; 2000). In einigen Umfragen, wie z.B. von der Jugendzeitschrift „BRAVO“ im selben Jahr durchgeführt, haben sogar 65% aller Heranwachsenden in den eigenen vier Wänden die Möglichkeit, einen Computer zu nutzen. Auch bei den Spielekonsolen hat sich die Prozentzahl gesteigert: waren es 1985 noch 30% (vgl. Spanhel 1990), so hat jetzt schon jeder zweite eine Konsole zu Hause (www.teachersnews.net; 2000). Von diesen Geräten wird sogar der Computer als „Senkrechtstarter“ noch überholt. Durch die nahezu explosionsartige Verbreitung befinden sich mittlerweile 12,5 Millionen Videospielkonsolen und tragbare Spielgeräte in deutschen Privathaushalten (vgl. Bundesministerium für Familie; 2000).

Die Nutzung ist häufig bei den Kindern und Jugendlichen vorauszusehen. Ist mit den Videokonsolen außer „spielen“ nichts anderes anzufangen, könnten mit dem Computer auch sinnvolle Tätigkeiten unternommen werden. Hier jedoch wird der PC vordergründig nur als Spielgerät angesehen. In einer älteren Umfrage von 1992 gaben über 90% an, in erster Linie am Spielen interessiert zu sein. Die übrigen Anwendungsbereiche spielten eine völlig untergeordnete Rolle. Nur jeder sechste Computeruser benutzte häufig Anwenderprogramme und nur jeder zwanzigste beschäftigte sich intensiv damit, seinen Rechner zu programmieren („Computerspiele – bunte Welt im grauen Alltag“; Bundeszentrale für politische Bildung; 1993). Auch interessant ist die Tatsache, dass über 70% der Jugendlich wöchentlich vier oder mehr Stunden vor dem Computer anzutreffen sind (vgl. Bundesministerium für Familie; 2000).

Auch das Internet hat im Laufe der Zeit einen rasanten Zuspruch erfahren. Waren es 1998 nur 14 Prozent, die im Internet surfen und neun Prozent, die Online-Dienste in Anspruch nehmen (Quelle: mpsf 1998; in „Schulmagazin 5 bis 10“; Ausgabe 10/ 2000), so hat im Jahr 2000 schon jeder vierte Jugendliche zu Hause einen Internet-Anschluss (www.teachersnews.net). Wer von dort aus noch nicht online gehen kann, sucht die Gelegenheit zum Beispiel bei Freunden. Da die Internet-Zeit als kostspielig gilt, gehen die Jugendlichen meist sehr zielstrebig vor. Die Nutzungsdauer liegt hier im Schnitt bei weniger als drei Stunden pro Woche (www.teachersnews.net).

Dieser kleine Ausschnitt soll zeigen, dass der Computer und die Videokonsolen in der heutigen Gesellschaft zum Alltäglichen gehören. Spanhel hat 1990 aus seiner Untersuchung gefolgert, dass „mit steigendem Bildungsniveau die Zahl der Jugendlichen, die einen eigenen Computer besitzen, ansteigt“ (vgl. Spanhel 1990). Nach dieser Aussage müssten die Unterschiede zwischen den Hauptschülern und den Gymnasiasten bei meiner Befragung deutlich zu erkennen sein. Auch gibt Spanhel an, dass die Mädchen mehr Vorbehalte gegenüber dem PC haben. Sie betonen den Computer mehr als Lerninstrument. Hat sich seit 1990 auch in dieser Hinsicht etwas verändert? Wenn ja, können dann sämtliche erstellten pädagogischen Ansätze heute noch verfolgt werden oder muss ein Umdenken in einzelnen Bereichen erfolgen? Wie müssen die Erzieher, egal ob Eltern oder Lehrer, auf einen angemessenen Umgang mit den Massenmedien reagieren? Wie kann man den Kindern und Jugendlichen entsprechende Einstiegsmöglichkeiten in die Erwachsenenwelt geben?

Auf diese Fragen versuche ich im Anschluss an meine Auswertung, unter Berücksichtigung der Ergebnisse, wieder einzugehen.

3. Explorative Studie

3.1 Ablauf der Erhebung

Hier möchte ich kurz auf den Ablauf der Befragung eingehen.

Mittwoch, 24.02.99

Nach der Zusendung der fertigen Fragebögen durch Hr. Bofinger ging ich zu dem Direktor des Gymnasiums und zum Rektor der Hauptschule, um sie über mein Vorhaben zu informieren. Zwei Schreiben vom ISB und von Hr. Spanhel unterstützten mein Vorhaben offiziell.

Hr. Leibl (Direktor des Gymnasiums) war mit Hr. Pöhner, seinem Stellvertreter, anwesend. Beide waren sofort überaus interessiert an der Untersuchung. Einwände gab es nicht, weil „wenn von München aus genehmigt“. Beide wählten sofort geeignete Lehrkräfte und legten mir nahe, gleich in der ersten Pause mit ihnen zu sprechen. Alle drei Lehrkräfte hatten nichts dagegen und waren ebenfalls sehr interessiert.

Auch der Rektor der Hauptschule, Hr. Pflaumer, war sehr interessiert und begeistert. Er las sich sofort die zwei besagten Schreiben und den Fragebogen durch. Zusagen wegen der Lehrkräfte konnte er mir nicht sofort geben. Ich solle doch am nächsten Tag wiederkommen.

Donnerstag, 25.02.99

Um 7.30 fand ich mich an der Hauptschule ein, um mit den Hauptschullehrkräften zu reden. Zu meinem Erstaunen lehnten zwei ältere Lehrerinnen sofort ab, als sie den Lehrerfragebogen sahen („ist mir zuviel Arbeit“; „da braucht man ja mindestens zwei Stunden“). Die dritte Kollegin war ca. 30 Jahre alt und von meinem Anliegen begeistert, weil sie gerade eine interne Befragung zum Thema Fernsehen mit ihrer 7.Klasse durchgeführt hatte. Dort wurde erst ein eigener Fragebogen entwickelt, die Befragung durchgeführt und anschließend in einer Gesprächsrunde die Ergebnisse erläutert. Deshalb passe mein Anliegen zur Zeit genau in ihr Konzept.

In der darauffolgenden Woche führte ich dann die Erhebungen in den sechs Klassen durch. In allen Klassen war die Resonanz fast nur positiv. Die Meinungen reichten von „voll gut“, „super“, „Fragebogen könnten noch mal so lang sein“, „macht Spaß“, „ich will noch so einen Bogen“ bis hin zu „so ein Gschmarre“.

Anschließend fand die Dateneingabe in die von Hr. Bofinger bereitgestellte Datenmaske statt. Nach Vollendung wurden die Fragebögen in München ausgewertet. Hr. Bofinger legte mir nahe, mich auf ein paar Fragen festzulegen, die mich interessieren, da die Ergebnisse sonst viel zu umfangreich seien. Dies war für mich besonders schwierig, da mich fast alle Fragen interessierten:

Freizeitfragebogen:

- Mit wem verbringen die S ihre Freizeit (Frage 4)? Gibt es dort Unterschiede zwischen Jungs und Mädchen?
- Wie stehen die S zu den verschiedenen Arten der Freizeitbeschäftigung (Frage 5)? Unterschied zwischen Jungs und Mädchen? Haben diese Auffälligkeiten mit Frage 4?

Computerfragebogen:

- Frage 1: Wie oft spielen die S allgemein Computer, Videokonsole, Gameboy? Unterschied zwischen Jungs und Mädchen?
- Frage 2: Mit wem spielen die S diese? Unterschied zwischen Jungs und Mädchen?
- Frage 3: Besitzen die S diese Geräte? Unterschied zwischen Jungs und Mädchen?
- Frage 4: Wie sind Computer ausgestattet? Unterschied zwischen Jungs und Mädchen?
- Frage 5: Wie stehen die S zu den einzelnen Programmarten? Unterschiede zwischen Jungs und Mädchen?
- Frage 6: Wie stehen die S zu den Meinungen? Unterschied zwischen Jungs und Mädchen?

Vergleich der drei Klassen einer Schulart:

- Gibt es bei jeder Frage Veränderungen zur vorherigen Klasse?
- Wie sind die Unterschiede zwischen den Jungs der einzelnen Klassen und den Mädchen der einzelnen Klassen?

Vergleich zwischen den beiden Schularten:

- Jeweils die 5., die 7. und die 9. Klassen vergleichen. Unterschiede, Gemeinsamkeiten, Jungs – Mädchen ...
- Wie haben sich die Hauptschüler und wie die Gymnasiasten im Laufe der fünf Jahre entwickelt? Welche Unterschiede, welche Gemeinsamkeiten?

Mit Einbezug der Lehrerfragebögen:

- Lassen sich irgendwelche Auffälligkeiten zwischen den Noten und der Nutzung der Computergeräte sehen? Und dort mit welchen Programmen?
- Haben die Begabung, das Leistungsvermögen, die Selbstkontrolle oder das Sozialverhalten irgend etwas mit Computer, bestimmten Spielen etc. zu tun?

Hr. Bofinger teilte mir daraufhin mit, dass diese Fragen immer noch viel zu umfangreich seien und ich mich doch auf zwei oder drei beschränken solle. Nach reiflicher Überlegung entschied ich mich dann für folgendes Muster:

In jeder Klasse sowohl insgesamt, als auch den Unterschied männlich – weiblich:

Freizeitfragebogen

Frage 5 Kategorie 2 Note für Videospiele/Computerspiele spielen

Kategorie 5 Note für Telekommunikation mit dem Computer

Computerfragebogen

Frage 1 (wie häufig sich die Schüler mit Computer, Videokonsole oder

Gameboy beschäftigen)

Frage 5 (welche Spiele am beliebtesten sind, welche werden nicht so

bevorzugt)

Frage 6 (welche Auffälligkeiten gibt es bei Meinungen über den Computer)

Zu meinem großen Erstaunen kamen von Hr. Bofinger daraufhin 78 Seiten vollgeschrieben mit Tabellen und Zahlen. Nun stand ich wieder vor einem riesigen Problem. Ich versprach den einzelnen Klassen und ihren Lehrern, dass ich noch einmal zu ihnen komme und ihnen die Ergebnisse vorlege. Nur musste ich diesen Datenberg entsprechend auswerten und in eine übersichtliche Form umwandeln. Nach welchem Muster ich vorging, werde ich später in meiner Arbeit behandeln.

Mit den ausgewerteten Ergebnissen ging ich dann in die einzelnen Klassen und stellte die Ergebnisse vor. Leider hat die 9.Klasse Hauptschule schon ihren Abschluss hinter sich gebracht, so dass hier eine Vorstellung der Ergebnisse nicht mehr möglich war.

Nach ein zwei – drei Wochen ging ich noch einmal zu den einzelnen Lehrkräften, um sie über die Ergebnisse der Auswertung zu befragen. Hier war auch nur die Befragung der beiden Lehrkräfte der 5. und der 7.Klasse möglich, da Hr. Blassl, der Lehrer der 9.Klasse Gymnasium, bei der Auswertung nicht anwesend sein konnte.

3.2 Auffälligkeiten und Probleme bei der Durchführung

Ich sprach schon unter 3.1 das Problem an, dass bei der Hauptschule zwei ältere Kolleginnen sofort ablehnten, als sie den Lehrerfragebogen sahen. Hr. Pflaumer versuchte mir von sich aus zu erklären, warum die beiden älteren Kolleginnen mein Anliegen sofort abgelehnt hatten. Er begründete das mit dem sog. „Generationenproblem“. Bei „jüngeren Kolleginnen ist das kein Problem, bei älteren schon.“ Er kenne dieses Problem auch auf anderen Gebieten, könne aber nichts machen, wenn sich die Kolleginnen gegen mein Anliegen sträubten. Er fand daraufhin zwei andere Lehrkräfte, die ebenfalls sehr interessiert waren. „Typischerweise“ waren dies wieder jüngere Kollegen.

Bei der Durchführung der Fragebögen in den Klassen gab es keine wesentlichen Probleme. Auch waren die Unterschiede bei aufgetretenen Verständnisschwierigkeiten zwischen Hauptschülern und Gymnasiasten nicht besonders groß.

Einzig und allein beim Computerfragebogen hatten die Hauptschüler etwas mehr Probleme. Überraschend war, dass Spezialbegriffe aus dem High-Tech-Bereich, wie z.B. Videokonsole, Modemkarte, Desk-Top-Publishing, sowohl bei Hauptschülern, als auch bei Gymnasiasten fast gleich unbekannt waren.

Auffällig war noch die gebrauchte Zeit der Durchführung:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Was mich hier besonders verwunderte war die Tatsache, dass die Bearbeitungszeiten nicht so deutlich voneinander abwichen. Wie man erkennen kann, lagen diese beim Freizeitfragebogen fast gleich. Nur beim Computerfragebogen zeigte sich, dass jede Klassenstufe der Hauptschule ca. 5 – 10 min. hinter der des Gymnasiums zurücklag, was wohl mehr am Umfang des Fragebogens, als an der Formulierung lag. Dies wurde mir besonders deutlich, weil in den Hauptschulklassen eigentlich die selben begrifflichen Verständnisschwierigkeiten auftraten, wie auch am Gymnasium. Deshalb schließe ich darauf, dass die Hauptschüler nur langsamer mit dem Lesen und Bearbeiten der Aufgaben sind. Die technischen Begriffe sind bei ihnen genauso bekannt, wie bei den Gymnasiasten.

Ein weiteres Problem trat am Gymnasium auf. Hier hatten alle drei Lehrkräfte unabhängig voneinander den Lehrerfragebogen bemängelt. Vor allem die Kategorie „Familie“ (mit der Familiensituation, Familienerwerbstätigkeit, Geschwister, Elterninteresse an der Schule) sei meistens unbekannt. Die Lehrkräfte begründeten dies damit, dass sie nur in einem Fach in der Klasse seien und deswegen die Schüler nicht so genau kennen können. Auch sei es hier schwierig bei der Kategorie „Begabung“ die Intelligenz auszudrücken, da sie nur immer ein Fach zur Beurteilung zur Verfügung hätten.

Gravierend hierzu die Aussagen der Hauptschullehrkräfte. Fr. Haase (9.Klasse) hatte hier überhaupt keine Probleme, da sie die Klasse bereits das dritte Jahr hintereinander hatte und so die Schüler ziemlich gut kennt. Was mich erstaunte war allerdings die Aussage von Fr. Schuster (7.Klasse). Sie habe die Klasse zwar erst seit einem halben Jahr, doch wisse sie bereits schon jetzt fast alles über jeden Schüler und jede Schülerin. Hieran kann man sehr deutlich erkennen, was es doch ausmacht, wenn die Lehrkraft länger als die üblichen 45 min., wie am Gymnasium, in der Klasse verbringt.

4. Ergebnisse und Auswertung

Wie bereits erwähnt, war es hier besonders schwierig, aus der Fülle der Datentabellen die wichtigen Informationen in eine übersichtliche Form zu bringen. Da ich beim Freizeitfragebogen ein anderes Auswertungsmuster verwende als beim Computerfragenbogen, möchte ich hier bei der Auswertung trennen.

4.1 Freizeitfragebogen

Hier haben sich die von Hr. Bofinger zugesandten Tabellen auf die Frage 5 des Freizeitbogens bezogen:

„Du siehst hier eine Auswahl verschiedener Freizeitbeschäftigungen. Das sind sicher nicht alle. Was sind davon deine Lieblingsbeschäftigungen und welche magst du weniger gerne?“

Die Schüler mussten den insgesamt 23 Kategorien (z.B. ins Kino gehen, Musik hören) Schulnoten von 1 (=mag ich besonders gerne) bis 6 (=mag ich überhaupt nicht) zuordnen. Die Auswertungstabellen bestanden nun aus verschiedenen Rangfolgen, aus welcher die Beliebtheit der einzelnen Arten von Freizeitbeschäftigungen der einzelnen Schülergruppen abzulesen waren. Diese Rangfolgen habe ich miteinander verglichen. Ich stellte die beliebtesten acht jeder Zielgruppe gegenüber, ferner die gravierendsten Unterschiede zwischen beiden verglichenen Gruppen.

4.1.1 Vergleich Gymnasium - Hauptschule

Kategorien (Immer 23) Insgesamt Gym:HS

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Sehr auffällig war hier für mich, dass es fast keine großen Unterschiede zwischen den Hauptschülern und den Gymnasiasten gab. Wenn ich bedenke, dass diese Frage eigentlich der Anstoß für meine Zulassungsarbeit war, so ist das doch sehr verwunderlich. Natürlich ist dieser Vergleich hier noch sehr allgemein gehalten. Im laufenden Text werde ich die einzelnen Untergruppen miteinander vergleichen, um noch Genaueres darzustellen.

Verwunderlich ist allerdings, dass bei beiden Schularten das „Musik hören“ an erster Stelle steht. Dies hätte ich eher um Platz 5 herum erwartet. Der zweite Platz des „Freizeitsport“ hingegen war für mich kein Erstaunen. Ebenso nicht, dass „Videofilme“ und „Kinobesuche“ in der Gunst weit oben stehen. Auf mein gezieltes Nachfragen bei der anschließenden Präsentation in den Klassen allerdings kam heraus, dass unter „Kinobesuche“ nur das Cinecitta (riesiges Multiplexkino an der Wörther Wiese in Nürnberg) als Antwort kam. Trotz über 30 km Entfernung ist dieses Kino der Anziehungspunkt in Sachen Kinoerlebnis. Das Hersbrucker Kino wurde hingegen von allen verspottet, weil es doch sehr klein und wirklich kein Vergleich zu dem großen bietet. Hier liegen dann doch Welten auseinander.

Was mich hier überhaupt nicht überraschte war die Tatsache, dass das „Bücher lesen“ bei den Hauptschülern nicht sehr beliebt ist. Ferner legen die Gymnasiasten noch nicht so viel Wert auf das „Jobben/ Geld verdienen“ und „Disco besuchen“. Auch das „Telefonieren“ liegt bei den Hauptschülern höher im Kurs. Dieses Ergebnis denke ich täuscht etwas, denn mittlerweile hat diese Kategorie durch den Handyboom in beiden Schularten bestimmt eine neue Stellung eingenommen, die nicht sonderlich voneinander abweichen dürfte. Diese steigende Beliebtheit zeigt sich auch schon darin, dass das „Telefonieren“ bei allen Schülern mit dem Alter teilweise rapide ansteigt. Dieser enorme Beliebtheitszuwachs wird einem besonders beim Gymnasium deutlich: Hier steigt es von Platz 19 (5.Klasse) über Platz 13 (7.Klasse) bis auf Platz 7 (9.Klasse) an.

Wenn man nun die einzelnen Klassenstufen einer Schulart vergleicht (Tabelle 3), was sich im Laufe der Jahre innerhalb einer Zielgruppe verändert, so hat mich am meisten verwundert, dass die „Video-, Computerspiele“ in beiden Schularten gesunken ist. Was mich hingegen nicht erstaunt hat war die Tatsache, dass „Familienwandern, -ausflüge“ bei allen abnehmen. Dies ist wohl ein ganz natürlicher Vorgang, denn mit steigendem Alter will man doch selbständiger sein und diese Art von Freizeitgestaltung mehr oder minder ablegen. Dies kann ich aus eigener Erfahrung sehr gut nachvollziehen.

4.1.2 Vergleich der Geschlechter

Kategorien Insgesamt Weiblich:Männlich

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Hier wird besonders deutlich, dass das „Bücher lesen“ und das „Telefonieren“ bei den Schülerinnen beider Schularten besonders beliebt ist. Dieses Ergebnis war für mich nicht sonderlich überraschend, genauso wie die Tatsache, dass bei den Jungs die „Video-, Computerspiele “ auf Platz 1 zu finden sind und sie mehr Wert auf „Jobben, Geld verdienen“ legen, als ihre Mitschülerinnen.

Bei den Jungen ist der „Vereinssport“ auf Platz 7 zu finden, was im ländlichen Raum nicht weiter verwundert, weil sehr viele Schüler in verschiedenen Fußballmannschaften anzutreffen sind. Vor allem dadurch, dass der Einzugsbereich von Hersbruck sich über viele kleinere Dörfer herum erstreckt, in denen es immer einen Fußballclub gibt.

Wenn man nun die Mädchen der beiden Schularten miteinander vergleicht, fällt doch der gravierende Unterschied in der Kategorie „Bücher lesen“ auf. Dachte ich noch beim Betrachten der oberen Tabelle „na ja, eben typisch Mädchen“, so ist dieser Unterschied von Platz 2 (Gymnasium) und Platz 15 (Hauptschule) doch sehr überraschend. Ansonsten gibt es bei den Mädchen keine weiteren gravierenden Unterschiede.

Vergleichstabellen der Jungen der Hauptschule und des Gymnasiums waren bei der Auswertung leider nicht dabei.

Im weiteren Verlauf möchte ich nun auf den gezielten Vergleich der jeweiligen Klassenstufen untereinander eingehen. Ferner unterschied ich auch hier noch zur genaueren Betrachtung zwischen weiblich und männlich.

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Details

Seiten
74
Jahr
2001
ISBN (eBook)
9783638160438
ISBN (Buch)
9783638715355
Dateigröße
1.4 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v9309
Institution / Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg – Erziehungswissenschaftliche Fakultät
Note
2
Schlagworte
Freizeit- Computerverhalten Hauptschülern Gymnasiasten Vergleich Ergebnisse Studie Konsequenzen Medienerziehung

Autor

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Titel: Das Freizeit- und Computerverhalten von Hauptschülern und Gymnasiasten im Vergleich - Ergebnisse einer explorativen Studie und Konsequenzen für die schulische Medienerziehung