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Der Teufelskreis in der Kommunikation nach Friedemann Schulz von Thun

Hausarbeit 2007 21 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltverzeichnis

1. Einleitung

2. Zur Person Friedmann Schulz von Thun

3. Kommunikationsmodell
3.1 Kommunikationsquadrat
3.2 Vier-Ohren-Modell

4. Botschaft einer Nachricht
4.1 Botschaftsgeflecht
4.2 Explizite und implizite Botschaften
4.3 Nonverbale Nachrichtenanteile
4.4 „Man kann nicht nicht kommunizieren“
4.5 Kongruente und inkongruente Nachrichten

5. Teufelskreislauf

6. Coaching
6.1 Begrifferklärung: Coaching
6.2 Werkzeuge und die Anwendung in der Beratung

7. Fazit

8. Literaturverzeichnis

9. Internetquellen

10. Bildnachweis

1. Einleitung

Das Thema meiner Hausarbeit ist die Kommunikation nach Friedmann Schulz von Thun.

Ich habe mir dieses Thema ausgesucht, da jeder von uns täglich an zwischenmenschlicher Kommunikation teil­nimmt, sei es in der Familie, Partnerschaft oder öffentli­chen Leben. Dabei verständigen wir uns, um miteinander umgehen zu können.

„Erika, da ist etwas Grünes in der Suppe.“ So kann die „Aussage“ eines Ehemannes zur Mittagszeit ein Einstieg in einen Dialog sein, der entweder gründlich danebengeht oder zu einem gelungenen Tag beiträgt. Wie ist die Aussage des Mannes zu verstehen? Wie meint er das Gesagte und wie kommt es bei seiner Frau an?

Hierbei treten häufig Missverständnisse auf und man versteht etwas ganz anderes als das, was der Kommunikationspartner ausdrücken will. Die Botschaft des Anderen wird missverstanden. Man sagt „Man redet aneinander vorbei“. Dabei entwickelt sich häufig ein Teufelskreislauf, den ich erläutern werde. Ich möchte Möglichkeiten aufzeigen, wie man diesem Teufelskreislauf entkommen kann.

Einen wichtigen Beitrag leistet dazu Friedmann Schulz von Thun durch sein Kommunikationsmodell.

Dabei entwickelt er das Kommunikationsquadrat mit der Selbstkundgabe, Sachebene, Beziehungsseite und der Appellseite. Hier stellt sich heraus, dass es bei einem Gespräch immer mehrere Seiten gibt, die für die Kommunikation wichtig sind.

Das Kommunikationmodell nach Schulz von Thun ist für die Beratungspraxis von großer Bedeutung, hier vor allen im Konzept des Coaching, das von Schulz von Thun eingeleitet wird. Werkzeuge und Anwendung des Coaching sollen in dieser Hausarbeit erläutert werden. Botschaften können so leichter analysiert und Irrtümer, Missverständnisse vermieden werden.

Des Weiteren werde ich Werkzeuge und die Anwendung des Coaching erläutern, wobei die Kommunikation als Werkzeug anhand Schulz von Thuns Kommunikations­modell thematisiert wird.

2. Zur Person Friedmann Schulz von Thun

„Friedmann Schulz von Thun, Jahrgang 1944, ist Hoch­schullehrer am Fachbereich Psychologie der Universität Hamburg mit dem Schwerpunkt Beratung und Training. Als Leiter des Arbeitskreises „Kommunikation und Klärungshilfe im beruflichen Bereich“ entwickelt er in der Verbindung von Forschung, Lehre und Praxis neue Kon­zepte für die Weiterentwicklung. Zusammen mit Christoph Thomann (Bern) ist er Autor des Ratgebers „Klärungshilfe. Handbuch für Therapeuten, Gesprächshelfer und Modera­toren in schwierigen Gesprächen“. Neben der Erforschung kommunikationspsychologischer Zusammenhänge liegt sein Schwerpunkt in der Erprobung moderner Trainings­methoden zur Entwicklung sozialer Kompetenz.“[1]

3. Kommunikationsmodell

3.1 Kommunikationsquadrat

Zu einer zwischenmenschlichen Kommunikation gehören immer ein Sender, der eine Nachricht mitteilen möchte und ein Empfänger, der diese Nachricht zu entschlüsseln versucht. In der Regel stimmen gesendete und empfangene Nachrichten überein, sodass eine Verständigung stattfindet. Hierbei kann der Sender oder der Empfänger die Verständigung teilweise überprüfen. Er kann herausfinden, ob eine Sende-Absicht mit dem Empfangsresultat übereinstimmt. So eine Rückmeldung nennt man auch „Feedback“.

Zwischenmenschliche Kommunikation ist oft kompliziert und störanfällig, da eine Nachricht vier Botschaften gleichzeitig enthält. Aus diesen Teil-Botschaften entwickelt Friedmann Schulz von Thun das Kommunikationsquadrat, welches auch unter der Bezeichnung „Vier Ohren Modell“ bekannt ist.[2]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(1.Abbildung des Kommunikationsquadrats[3] )

Jede Äußerung enthält gleichzeitig vier Botschaften, ob man will oder nicht[4]:

- eine Sachinformation (worüber ich informiere),
- eine Selbstkundgabe (was ich von mir zu erkennen gebe),
- einen Beziehungshinweis (was ich von dir halte und wie ich zu dir stehe),
- einen Appell (was ich bei dir erreichen möchte)

„Schulz von Thun hat daher 1981 die vier Seiten einer Äußerung als Quadrat dargestellt und dementsprechend dem Sender "vier Schnäbel" und dem Empfänger "vier Ohren" zugeordnet.“[5]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(2.Abbildung Vier Ohren - Vier Schnäbel Modell[6] )

Auf der Sachebene wird der Sachinhalt meist explizit ausgesprochen und es handelt sich um Fakten, Daten und Sachverhalte, die anhand von drei Kriterien in Frage gestellt werden. Das Wahrheitskriterium (Ist die Aussage wahr oder falsch?), das Kriterium der Relevanz (Ist der dargelegte Sachverhalt von Belang oder ist er nicht von Belang?) und das Kriterium der Hinlänglichkeit (Reicht das, was angeführt wurde, oder muss vieles andere auch noch beachtet werden?)

Jede Äußerung enthält eine Selbstkundgabe, bei der ich immer etwas von mir preisgebe, meine persönliche Einstellung, Gefühle, Emotionen und mein Befinden. Dies kann explizit geschehen („Ich-Botschaften“) oder implizit.

Die Beziehungsseite zeigt automatisch (durch Formulierung, Tonfall, Begleitmimik), wenn ich jemanden anspreche, wie ich zum anderen stehe und was ich von ihm halte. In jeder Äußerung steckt somit auch ein Beziehungshinweis, für welchen der Empfänger oft ein besonderes sensibles, (über)empfindliches Ohr besitzt.

Der Appellaspekt drückt aus, was der Sender vom Empfänger erwartet, wünscht oder verlangt. Die Appellseite muss trainiert werden, damit man sich klar ausdrücken kann und die geforderten Appelle verstehen kann.

3.2 Vier-Ohren-Modell

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(3.Abbildung: Vier Ohren Modell)[7]

Auf den Empfänger bezogen werden vier Seiten einer Nachricht aufgenommen.

- Sach-Ohr (Wie ist der Sachverhalt zu verstehen?)
- Selbstkundgabe-Ohr (Was ist das für ein Mitarbeiter? Was geht aktuell in ihm vor?)
- Beziehungsohr (Wie steht er zu mir? Und was hält er von mir?)
- Appellohr (Was will er bei mir erreichen?)[8]

Beispiel aus einer Alltagssituation:

Mann sagt zu der Frau: „Das Bier ist alle.“

Nachricht: „Es ist kein Bier mehr da.“

Sachinhalt: Das Bier ist ausgetrunken.

Selbstoffenbahrung: Der Mann benötigt Hilfe.

Beziehungsebene: Vorwurf, fühlt sich als Dienstmädchen behandelt.

Appell: Sofort Bier holen!

- Oft ist das Beziehungsohr (über)empfindlich ausgeprägt. Wenn die Beziehungsebene defekt ist werden Äußerungen als verletzend oder herabsetzend empfunden.

Daher ist es genauso wichtig, wie der Sender die zu vermittelnde Nachricht aussendet und der Empfänger die Nachricht versteht, also auf welchem Ohr man die Nachricht hört.

4. Botschaft einer Nachricht

4.1 Botschaftsgeflecht

Auch eine Nachricht kann somit viele Botschaften haben.[9] Diese Nachricht kann einen sprachlichen Anteil, aber auch einen nicht - sprachlichen Anteil haben. Hierbei kann es sich um ein einziges Wort z.B. „Raus!“ handeln oder aber auch um einen „vielsagenden“ Blick. In diesem Kapitel wird das „Drumherum“ genauer betrachtet und dabei ergibt sich, dass das Botschaftsgeflecht erheblich verschieden sein kann.

4.2 Explizite und implizite Botschaften

Botschaften können in der Nachricht explizit oder implizit enthalten sein.

Explizit heißt: ausdrücklich formuliert

Implizit heißt: ohne dass es direkt gesagt wird, steckt es doch drin oder kann zumindest „hineingelegt“ werden.

Auf allen vier Seiten einer Nachricht können sich explizite und implizite Botschaften befinden.

Beispiel 1: Ich kann (explizit) sagen: „Ich bin aus Ham­burg.“ oder auch (implizit) durch meinen sprachlichen Dialekt den Hamburger verraten.

Beispiel 2: Ich kann (explizit) sagen: „Ich mag dich!“, oder auch (implizit) Zuneigung zeigen.

Hauptbotschaften werden hierbei meist implizit gesendet. Dadurch besteht die Möglichkeit, dass der Sender seine Aussage dementieren kann.

4.3 Nonverbale Nachrichtenanteile

Implizite Nachrichten werden oft nicht - sprachlich gesendet. Sie werden über die Stimme, über Betonung und Aussprache, über begleitende Mimik und Gestik und teils „qualifizierende“ Botschaften vermittelt. „Qualifizierende“ Botschaften weisen daraufhin, wie die sprachlichen Anteile der Nachricht „gemeint“ sind.

Das Kommunikationsmodell lässt sich auch auf nicht – sprachliche Nachrichten anwenden. Dabei bleibt allerdings die Sach-Seite leer.

Beispiel: Ein Kind fängt im Supermarkt an zu weinen, weil es keinen Lutscher bekommt.

Selbstoffenbarung: „Ich bin traurig, dass ich keinen Lutscher bekomme.“

Beziehung: „Da siehst du, was du davon hast, wenn ich jetzt keinen Lutscher bekomme.“

Appell: Vielleicht handelt es sich hier beim Weinen um eine bestimmte Strategie den Lutscher zu bekommen.

[...]


[1] Zitat: Friedmann Schulz von Thun, Miteinander Reden 1u.2, Verlag: Rowohlt, Dezember 1999

[2] Vgl. Friedmann Schulz von Thun, Miteinander Reden 1u.2, Verlag: Rowohlt, Dezember 1999, S.25,26

[3] http://claus-gieseke.de/texte/svtquadrat.gif

[4] Vgl. Schulz von Thun/ Ruppel/ Stratmann, Miteinander Reden: Kommuniktationspsychologie für Führungskräfte, Verlag: Rowohlt, Oktober 2000, S.33

[5] Zitat: http://www.schulz-von-thun.de/mod-komquad.html

[6] http://www.michaelkrueger.de/images/Schulz5.jpg

[7] http://www.dr-mueck.de/HM_Images/Vier_Ohren.jpg

[8] Vgl. Schulz von Thun/ Ruppel/ Stratmann, Miteinander Reden: Kommunikationspsychologie für Führungskräfte, Verlag: Rowohlt, Oktober 2000, S.68

[9] Vgl. Friedmann Schulz von Thun, Miteinander Reden 1u.2, Verlag: Rowohlt, Dezember 1999, S.31-36

Details

Seiten
21
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783668707863
Dateigröße
660 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v93041
Institution / Hochschule
Universität Vechta; früher Hochschule Vechta
Note
1,7
Schlagworte
Kommunikation Friedemann Schulz Thun

Autor

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Titel: Der Teufelskreis in der Kommunikation nach Friedemann Schulz von Thun