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Rotwelsch - Die geheime Sprache sozialer Außenseiter

Seminararbeit 2004 41 Seiten

Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Rotwelsch – Die deutsche Gaunersprache
2.1. Entwicklungsgeschichte
2.1.1. Vom Entstehen eines neuen Standes
2.1.2. Vom 30-jährigen Krieg bis zum Ende des napoleonischen Zeitalters
2.1.3. Vom Beginn der Industrialisierung bis heute
2.2. Rotwelsch-Dialekte
2.2.1. Masematte
2.2.2. Henese Fleck
2.2.3. Hundeshagener Musikantensprache

3. Rotwelsch als sprachwissenschaftlicher Gegenstand
3.1. Sprachtypologische Einordnung des Rotwelsch
3.1.1. Die Geheimhaltungsabsicht
3.1.2. Das Identifikationsmittel
3.2. Wichtige Forschungsarbeiten
3.2.1. Kenntnis des Rotwelsch zum Schutz vor Betrügern
3.2.2. Kriminalistisches Interesse
3.2.3. Soziohistorisches und linguistisches Interesse
3.2.4. Schriften von Rotwelschen
3.3. Literarische Überlieferungen

4. Die Lexik
4.1. Deutsche Einflüsse
4.2. Jiddische und hebräische Einflüsse
4.3. Zigeunersprachliche Einflüsse
4.4. Einflüsse anderer Sprachen

5. Rotwelsch im Berlinischen

6. Rotwelsch heute – Fazit

7. Anhang
7.1. Literaturverzeichnis
7.2. Abbildungsnachweis
7.3. Listen gaunersprachlicher Begriffe im Berlinischen
7.3.1. Liste I: Rotwelsche Wörter im Berlinisch-Wortschatz
7.3.2 Liste II: Berlinische Wörter im Rotwelsch-Wortschatz
7.3.3. Liste III: Berlinische Wörter, die eine Verwandtschaft zum Rotwelsch nahe legen

1. Einleitung

„Legst du mal bitte noch die Flebbn raus!“ – Jeder in meiner Familie weiß dann sofort, dass es sich dabei um die Fahrzeugpapiere handelt. Woher wissen wir das? Immerhin ist eine direkte Ableitung aus dem Wort nicht möglich. Ein Blick in den Duden verrät: Flebbe, die -, -n meist Plur. (Gaunerspr. Ausweispapier)[1]. Wir bedienen uns also eines gaunersprachlichen, rotwelschen Begriffes.

Bei einer tiefergehenden Untersuchung der Etymologie dieses Wortes begibt man sich auf die Spuren von Vaganten[2], Dieben, Bettlern, Händlern und Hausierern[3], deren Geschichte sich bis ins Mittelalter zurückverfolgen lässt. Von Beginn an bildete das ‚fahrende’ Volk eine Gesellschaft in der Gesellschaft, da dessen Lebensweise nicht den Vorstellungen und Erwartungen der anderen Menschen entsprach. Die von ihm geschaffene Sprache lässt sich – trotz vieler sozialer Veränderungen – bis in die heutige Zeit nachweisen und ist zumindest punktuell auch in der Gemeinsprache wieder zu finden[4].

Eine Auseinandersetzung mit dem Rotwelschen beinhaltet somit auch die Beschäftigung mit sozialen Unterschieden und den daraus entstehenden Ab- bzw. Ausgrenzungen. Denn erst diese bieten Anlass und Möglichkeit für die Herausbildung einer solchen Sondersprache. Darüber hinaus lassen sie Rückschlüsse auf die Funktionen der Gaunersprache zu: Geheimhaltung und Identifikation.

Einige Beispiele sollen helfen, das heutige Vorkommen der Gaunersprache – in seiner „sesshaften“ Form – als Rotwelsch-Dialekte darzustellen. Des Weiteren soll diese Arbeit einen Überblick über wichtige Forschungsarbeiten liefern und Einblick in literarische Überlieferungen geben.

Aufgrund der großen Beweglichkeit der Rotwelsch-Sprecher und der damit begünstigten Interaktion innerhalb dieser heterogenen Gruppe erklärt sich eine lexikalische Besonderheit: der Einfluss verschiedener Sprachen. Auch wenn ein Großteil der Wörter dem Deutschen entstammt, lassen sich unter anderem Einflüsse aus dem Jüdisch-Hebräischen, Zigeunerischen, Lateinischen und Niederländischen nachweisen.

Dass letztlich nicht nur deutsche Mundarten und andere Sprachen prägend auf die Gaunersprache wirkten, sondern auch diese wiederum Gemein- und Alltagssprache beeinflusste, soll am Beispiel des Berlinischen aufgezeigt werden.

2. Rotwelsch – Die deutsche Gaunersprache

Den Beginn der Betrachtungen soll die Klärung des Rotwelsch -Begriffes als Bezeichnung für die deutsche Gaunersprache haben. Einigkeit besteht hinsichtlich des ersten Auftretens des Wortes in der deutschen Literatur um 1250. Hier steht rotwalsch bereits in einer übertragenen Bedeutung für „Worte geheimen, arglistigen Sinnes“[5]. Dabei wird der Wortteil –walsch als ‚fremdartig, unverständlich’ interpretiert, Bedeutungen, die im übertragenen Sinn aus ‚romanisch’, besonders ‚italienisch’[6], ‚französisch’, hervorgegangen sein sollen[7].

Dagegen finden sich für rot- zwei verschiedene etymologische Erklärungen: Die erste Variante wird abgeleitet aus dem Wortbestand des Liber Vagatorum (ca. 1510), wonach rotboß (Bettlerherberge, boß – Haus, Herberge), Rottun (Bettler) und Rotten (betteln) den Schluss nahe legen, dass mit dem Wortteil rot- Bettler bezeichnet wurden. Insofern wäre Rotwelsch dann die „(schwer verständliche) Sprache der Bettler“.

Eine andere Ansicht wird zum Beispiel im Grimmschen Wörterbuch (1893) vertreten: Hier steht rōt für ‚rothaarig, falsch’. Die Farbbezeichnung enthält also Nebenbedeutungen im Sinne von ‚schlau, falsch, gerissen’. Mit diesem Ansatz kommt dem Sprachnamen die Bedeutung „betrügerische Rede“ zu.

In der Sprachwissenschaft hat sich die Bezeichnung Rotwelsch für die deutsche Gaunersprache durchgesetzt. Darüber hinaus finden sich aber auch: Argot[8], Jenisch[9], Kundensprache[10] und Kochemer loschn[11] sowie verschiedene Namen von Rotwelsch-Dialekten etwa Masematte[12], Giessener Manisch und Lingelbacher Musikantensprache.

2.1. Entwicklungsgeschichte

2.1.1. Vom Entstehen eines neuen Standes

Schon in der heidnischen germanischen Gesellschaft gab es Unfreiheit, die jedoch „als deren wesentlichste Eigentümlichkeit […] gerade die Fürsorge für die leiblichen Bedürfnisse und für das Auskommen des Knechtes und seiner Familie“[13] aufwies. Somit garantierte sie den Schutz des Einzelnen vor Heimat- und Besitzlosigkeit. Diese Situation änderte sich im Laufe des Mittelalters mit dem Wandel der „gesellschaftlichen Organisationsstrukturen, [der] Modelle des Wirtschaftens und [der] Regierungsformen“[14] erheblich.

Zwar stellte Karl d. Große die „minus potentes“ oder „pauperes“[15] noch unter seinen persönlichen Schutz „gegen die vielen kleinen Patrone, die die Rechte der Armen mit Füßen traten“[16], allerdings konnte dieser Rechtsschutz der Ausbeuterwirklichkeit wenig entgegensetzen. Auch wenn „im gesellschaftlichen Bewusstsein der Menschen des Mittelalters die Sesshaftigkeit, die Verwurzelung an einem Ort und in einer Gemeinschaft positiv bewertet“[17] wurde und „das Gefühl der Ordnung und der sozialen Sicherheit sich auf Bande des Blutes und der Nachbarschaft stützt“[18], füllten sich die Straßen mit immer mehr Menschen: Rittern, Handwerksgesellen, Scholaren, Mönchen und Pilgern, Zigeunern[19], aber auch denen, „die in Acht und Bann gerieten, sei es, dass sie durch Beschluss der Gemeinschaft, durch gesetzliches Gebot oder gerichtliches Urteil das Recht einbüßten, sich in einem bestimmten Territorium aufzuhalten“[20]. Eine große Gruppe bildeten auch die leibeigenen Bauern, die verarmt ihre Schollen verlassen hatten, ihr Heil als Landstreicher suchten und zu Hunderttausenden[21] in die aufblühenden Städte[22] kamen. Zum fahrenden Volk gesellten sich auch viele Juden, die Handel trieben oder sich gegen die Einschränkungen und Diskriminierungen in der christlichen Gesellschaft auflehnten und diesen das Leben als Gauner vorzogen.

Von den „guten Bürgern“ als Bedrohung wahrgenommen, die wie eine Pest ihre sauberen Städte überflutet, nutzten die Bettler und Vaganten eine Nische, die auch durch die Verbreitung der christlichen Lehre unterstützt wurde – die Mildtätigkeit. „Das Bewusstsein dafür, dass im Almosen die Möglichkeit enthalten ist, die Sünden zu büßen, die man begehen musste, um Reichtum zu erwerben, die man begeht, wenn man Reichtum genießt, verkleidet sich in die zwanghafte Pflicht, einem Bettler geben zu müssen. […] Im gesellschaftlichen Sinne ist Armut aussätzig. Im Sinne der persönlichen Vermittlung zwischen Sünder und Gott ist sie heilig.“[23]

Doch musste sich der Almosenerbittende als würdig, als tatsächlich bedürftig erweisen. Die Bettler, aber auch Gauner, beginnen sich zu Banden zu organisieren und in den Techniken des Bettelns und Stehlens zu unterrichten. Im Liber Vagatorum werden 28 Nahrungen – Arten des Almosenerwerbs – unterschieden. Diese Typen tragen rotwelsche Bezeichnungen, daneben finden sich in dieser ersten Phase der Sprachentwicklung hauptsächlich Wörter aus den Bereichen Nahrungsmittel, Geld, Unterkunft, Berufsbezeichnungen und Glückspiel. So taucht das Wort fleb hier erstmals mit der Bedeutung ‚Spielkarte’ auf.

2.1.2. Vom 30-jährigen Krieg bis zum Ende des napoleonischen Zeitalters

Die Kriege, die beginnend mit dem Prager Fenstersturz 1618, vor allem auf deutschem Boden wüteten, um die Machtverhältnisse in Europa neu zu ordnen, markieren den Anfangspunkt für den zweiten Abschnitt der Rotwelsch-Entwicklung. Die Verwüstungen hatten nicht nur eine verheerende Auswirkung auf die Bevölkerungszahl (nur 50% überlebten), sondern auch auf die Volkswirtschaft[24].

In erster Linie waren es die Bauern, deren Felder verwüstet und Vieh geraubt wurde. Ohne Lebensgrundlage blieb ihnen nur, durch die Lande zu ziehen. Gaunerbanden und desertierte Landsknechte raubten und mordeten mit ungezügelter Brutalität[25]. Diese Zustände führten zu einer Blütezeit der Gaunerbanden. Avé-Lallement schreibt auch der Obrigkeit eine Mitverantwortung an „Grund zur Existenz und Fortdauer jener großartigen Räuberbanden“[26] zu, „da sowohl Werbung wie auch in der Behandlung der kaiserlichen Heere durch Wallenstein und andere Heerführer in den untersten Volksschichten das Bewusstsein ihrer Gewalt als Waffe leider nur allzu sehr angeregt und erhalten wurde“[27]. Es sind aber auch Räuberbanden aus Frankreich, die diese Kriegsjahre nutzten, um ihre Verbindungen nach Deutschland, aber auch Holland, England und Spanien auszubauen.

Wurden Bettler und ähnliche Gruppen im Mittelalter noch durch bestimmte Zeichen stigmatisiert[28], ging man nun dazu über, Landfahrer, Bettler und Dirnen zu verbannen. Ortsansässige Bettler hatten gewisse Vorteile vor den vagabundierenden, da das „Heimatprinzip“ der Gemeinde eine gewisse Versorgungspflicht auferlegte[29]. So war „Maria Theresia, eine geradezu erbitterte Gegnerin von Zigeunern, Juden, Andersgläubigen, Dirnen und Vagabunden, die die wandernden Händler registrieren ließ, da ihr auch diese Leute verdächtig waren. Diejenigen Hausierer, die nicht vorbestraft waren, hatten die Chance, einen Gewerbeschein zu erhalten.“[30] Dieses Hausiererbuch hieß in der Gaunersprache Fleppn. Es stand aber auch für Wanderbuch oder bei Dirnen für die Gesundheitskarte.

Zu den Gruppen, die mit den Vaganten sympathisierten, gehörten neben intellektuellen Bürgern, Dichtern und Literaten vor allem die Studenten. Waren sie ursprünglich selbst ein Teil der bunten Gruppe, die auf den Straßen unterwegs war, ist es im 18. und 19. Jahrhundert – im Zuge einer allgemeinen Kritik an den gesellschaftlichen Verhältnissen[31] und damit am „guten Bürger“ – vor allem die Andersartigkeit des fahrenden Volkes, die sie für sie einnnahm. Von diesem Gemeinschaftsgefühl zeugen auch heute noch viele Studentenlieder[32]. So kann man vermuten, dass es Studenten und vagabundierenden Klerikern zu verdanken ist, dass auch Latein seine Spuren im Rotwelschen hinterlassen hat. Die Gaunersprache wird in dieser Zeit schließlich vor allem durch die Übernahme vieler jiddischer Vokabeln erweitert. „Auch beginnen sich die Eigenheiten des in niederdeutsche Idiome eingefügten Rotwelsch schärfer abzuzeichnen, während im oberdeutschen Jenisch die Reception zigeunersprachlichen Wortguts stärker hervortritt.“[33]

Am Ende der zweiten Sprachentwicklungsphase stand die Französische Revolution mit dem sich anschließenden napoleonischen Zeitalter. Dieser gesamte Abschnitt wurde dominiert von Kriegen und Verwüstung, Verunsicherung und Unzufriedenheit mit den bestehenden Verhältnissen. Unter diesen Bedingungen konnte sich nicht nur das Vagantenwesen blühend entwickeln, sondern von ihm wurden auch entscheidende Impulse für Veränderungen gegeben. Bei dem Kriminalisten Avé-Lallement heißt es dazu: „Wie durch einen Zauberschlag [Anm.: gemeint ist die französische Revolution] stand über das in seinen Grundfesten erschütterte Frankreich, über ganz Holland und Deutschland […], eine freche verbrecherische Verbrüderung da, wie sie die Geschichte nicht weiter aufzuweisen hat. In einem großen Ganzen und in einer fast zahllosen Verteilung […], in sich geschlossen und beweglich, hartnäckig und flüchtig, handelte sie mit roher Gewalt und mit der feinsten Kunst der Berechnung.“[34]

2.1.3. Vom Beginn der Industrialisierung bis heute

Die industrielle Revolution und die mit ihr einhergehenden Veränderungen der wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse prägten das 19. bis hinein ins 20. Jahrhundert. Bevölkerungs-explosion und so genannte agrarische Revolution (Intensivierung der Anbaumethoden, Befreiung der Bauern von herrschaftlichen Abhängigkeitsverhältnissen, Entstehung eines ländlichen Proletariats) führten zu einer neuerlichen Landflucht und damit zu einem extremen Zustrom in die Industriestädte.[35] Das sich in den Städten entwickelnde „Lumpenproletariat“ bewirkte eine Erweiterung des Rotwelsch-Wortschatzes. So findet hier nun das Wort Flebbe seinen Platz auch als Bezeichnung der Taxifahrer für ‚Führerschein’ u.ä..[36]

Daneben gab es viele kleinere, lose Gruppen, die zum Beispiel als Scherenschleifer, Uhrmacher und Korbmacher ihr Brot verdienten und ihre Waren als fahrende Händler unter die Menschen brachten. Der Bericht eines Mannes endet mit den Sätzen: „Es war ein wunderbares Leben, das wir, die wandernden Jenischen, geführt haben. Durch Hitler aber wurde es 1938 beendet.“[37]

Wie bereits erwähnt, war die Geschichte der Vaganten von Beginn an geprägt von dem Bemühen der in die Gesellschaft integrierten und akzeptierten Bevölkerung und den Machthabenden, sie entweder durch Reintegration zu limitieren, oder sie zu bestrafen und aus den gewohnten Lebensräumen zu vertreiben. In der Neuzeit und ganz besonders nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland erlebten diese Bemühungen einen beispiellosen Höhepunkt. Ihre Legitimation entnahmen sie dabei verschiedenen Bestrebungen, welche arbeitsunwillige Vaganten als psychisch abnorm darzustellen suchten. Man definierte „Vagabunden als abartig, gefährlich und asozial“[38], sprach ihnen ihr Menschsein ab und deportierte sie schließlich in KZs und andere Anstalten, um sie dort als „lebensunwert“ zu vernichten.

Ähnliche Ansichten herrschten auch in Österreich und der Schweiz. So wurden zum Beispiel in Österreich „Arbeitshäuser errichtet, in die man straffällige oder sonst wie als „abnorm“ eingestufte Vagabunden steckte“[39]. In der Schweiz gab es bis 1973 ein Programm mit dem Namen „Hilfswerk Kinder der Landstraße“. Hier wurden jenische Kinder ihren Familien entrissen und in Heime gesteckt, um aus ihnen „ordentliche Menschen“ zu machen.[40]

[...]


[1] Für die Schreibung dieses Wortes finden sich verschiedene Schreibweisen: Flebbe/-n, Flebbn, Fleppe, Flepn. Duden – Die deutsche Rechtschreibung (2000), S. 380; Girtler, R.: Rotwelsch – Die alte Sprache der Gauner, S. 156

[2] Vaganten, von vagari, lat.: wandern, umherschweifen

[3] u.a., Wolf unterscheidet insgesamt 9 Sprechergruppen (siehe S. 13 dieser Arbeit), aus: S. Wolf: Rotwelsch, die Sprache sozialer Randgruppen, S. 75

[4] „Das deutsche Universalwörterbuch [Duden] listet in seiner […] fünften Auflage aus dem Jahre 2003 77 als gaunersprachlich gekennzeichnete Eintragungen auf.“ aus: Hochhaus, Stephan: Rotwelsch – die deutsche Gaunersprache, Eine künstliche Sprachbarriere (Hauptseminarsarbeit)

[5] Kluge, F.: Rotwelsch, S. 1

[6] der Wahle, der Walisch: italienischer Krämer, fremder Händler, vgl.: Wolf, S.A.: Wörterbuch des Rotwelschen, S. 9

[7] nach: Lühr, R.: Zum Sprachnamen Rotwelsch, S. 16

[8] „Argot: Bez. für verschiedene spezielle Varietäten sozialer Randgruppen, Sondersprachen, im Dt. als Rotwelsch, im Engl. als Cant bekannt.“ aus: Glück, H.: Metzlers Lexikon Sprache, S. 59

[9] Das Wort enthält die zigeunerische Wurzel „dsian“, was so viel wie „wissen“ bedeutet. Jenisch ist also die „kluge Sprache“. Nachweisbar ist diese Bezeichnung seit 1714. vgl.: Wolf, S.A.: Wörterbuch des Rotwelschen, S. 10

[10] Kunden bezeichnet „stromernde Handwerksburschen, Walzbrüder“; Vgl.: Wolf, S.A.: Wörterbuch des Rotwelschen, S. 10

[11] Diese Bezeichnung leitet sich aus dem Jiddischen ab: chochem >klug<, lošn >Sprache<; Aus: Glück, H.: Metzlers Lexikon Sprache, S. 587

[12] Masematte ist ein in Münster beheimateter Dialekt. Das Wort bedeutet in der ursprünglichen Form „Verhandlung, Geschäft“, erhielt in der Gaunersprache jedoch eine neue Bedeutung: „Diebstahl“.

[13] Avé-Lallement: Das deutsche Gaunertum, S. 35

[14] Geremek, B.: Der Außenseiter, S. 374

[15] die Schwachen oder Armen, vgl.: Boehncke, H./Johannsmeier, R.: Das Buch der Vaganten, S. 9

[16] Boehncke, H./Johannsmeier, R.: Das Buch der Vaganten, S. 9

[17] Geremek, B.: Der Außenseiter, S. 375

[18] ebd.

[19] Avé-Lallement zeigt auf, dass sich die ersten Spuren von Zigeunern in Deutschland erst um 1417 (Nordsee) finden. Vgl.: Avé-Lallement: Das deutsche Gaunertum, S. 27

[20] ebd., S. 376

[21] Um der riesigen Bettlerheere Herr zu werden, wurde ihnen der Zugang zur Stadt verwehrt. Es entstehen Vorstädte, das Milieu – ursprünglich Orte, an denen Exkremente gesammelt wurden. Auf dem Kohlenberg – seit dem 14. Jh. Teil der Stadt Basel – sollen bis zu 40.000 Bettler neben Kloakenreinigern, Totengräbern und Henkern gelebt haben. Bettlerordnungen wie die der Stadt Augsburg von 1461 untersagten das Betreten der Stadt. Nur Kranken, Verdächtigen und Pilgern war das Betteln für wenige Tage erlaubt. vgl.: Boehncke, H./Johannsmeier, R.: Das Buch der Vaganten, S. 15 und 53; : Girtler, R.: Rotwelsch – Die alte Sprache der Gauner, Dirnen und Vagabunden, S. 69

[22] Der prozentuale Anteil der Gesamtbevölkerung, der in den Städten lebt, stieg im Zeitraum von 1100 bis 1340 von 3% auf 10%. vgl.: Bertelsmann Lexikothek – Panorama der Weltgeschichte, Bd. 2, S. 192

[23] Boehncke, H./Johannsmeier, R.: Das Buch der Vaganten, S. 16

[24] vgl.: Brockhaus Enzyklopädie, Bd. 4, S. 100

[25] Es wurden weder die pekuniären, noch logistischen Mittel zur Verfügung gestellt, um die Bauern vor Übergriffen zu schützen. Diese wurden sogar noch dazu verpflichtet, Abgaben zu leisten, um Pferdegespanne zu finanzieren, mit denen dann Jagt auf Gauner gemacht wurde.

[26] Avé-Lallement: Das deutsche Gaunertum, S. 63

[27] ebd.

[28] Dirnen mussten einen Schleier mit grünem Rand tragen, Juden einen Spitzhut oder Stern und Kriminelle erhielten Brandmale, während an Bedürftige Almosenzeichen mit dem jeweiligen Stadtwappen vergeben wurden. vgl.: Girtler, R.: Rotwelsch – Die alte Sprache der Gauner, Dirnen und Vagabunden, S. 69

[29] vgl.: Girtler, R.: Rotwelsch – Die alte Sprache der Gauner, S. 70

[30] ebd., S. 107 f

[31] Dass die Vaganten auch an der Verbreitung revolutionären Gedankenguts maßgeblich beteiligt waren, belegt die Aussage von Perthes (1849): „Die wandernde Handwerksbevölkerung war zugleich der Herd, auf welchem mancher politische Gifttrank gebraut ward, der von hier aus schnell in weite Kreise des Volkslebens verbreitet wurde …“, aus: Girtler, R.: Rotwelsch – Die alte Sprache der Gauner, S. 101

[32] vgl.: Girtler, R.: Rotwelsch – Die alte Sprache der Gauner; Die Bewunderung des fahrenden Volkes in Liedern der Studenten, S. 48ff [z.B. Uns geht die Sonne nicht unter: „Wilde Gesellen vom Sturmwind umweht, Fürsten in Lumpen und Loden, zieh’n wir dahin bis das herz uns steht, ehrlos bis unter den Boden…“]

[33] Wolf, S. A.: Rotwelsch – Die Sprache sozialer Randgruppen, S. 77

[34] Avé-Lallement: Das deutsche Gaunertum, S. 88

[35] vgl.: Bertelsmann Lexikothek, Bd. 7, S. 166

[36] vgl.: Girtler, R.: Rotwelsch – Die alte Sprache der Gauner, S. 156

[37] Girtler, R.: Rotwelsch – Die alte Sprache der Gauner, S. 112

[38] ebd., S. 130

[39] ebd., Diese Einrichtungen gab es noch bis in die 1970er Jahre hinein.

[40] vgl.: ebd., S. 131

Details

Seiten
41
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638069533
ISBN (Buch)
9783656210092
Dateigröße
1.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v92864
Institution / Hochschule
Universität Potsdam – Institut für Germanistik
Note
1,0
Schlagworte
Rotwelsch Sprache Außenseiter Einführung Sprachgeschichte Sprachgeschichtsforschung

Autor

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Titel: Rotwelsch - Die geheime Sprache sozialer Außenseiter