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Über die stoische Lehre der Affekte

Seminararbeit 2007 12 Seiten

Philosophie - Philosophie der Antike

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Der Begriff pathos

3. Die Herkunft der Affekte
3.1 Affekte als Meinungen
3.2 Das platonische Seelenmodell

4. Das Ideal des Weisen ohne Affekte
4.1 Die guten Gefühle
4.2 Die Vorstufe zu den Affekten

5. Schlussgedanke

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Lehre der Affekte ist ein zentraler Aspekt innerhalb der stoischen Schule und umstritten wie kaum ein anderer. Unter den Stoikern selbst gab es unterschiedliche Ansichten und auch in der Forschungsliteratur herrscht in der Interpretation der Lehre Dissens. Das Problem bei der Auseinandersetzung mit der stoischen Ethik ist der Mangel an Quellen. Es sind nur wenige Fragmente der Stoiker überliefert, zum Teil gibt es gar keine schriftlichen Dokumente führender Denker der Stoa und wir müssen uns auf Überlieferungen späterer Philosophen verlassen, die deren Lehre nicht immer objektiv wiedergeben. Die Frage nach den Affekten, wie sie entstehen und wie man mit ihnen umgehen soll, ist seit der Antike viel diskutiert. Im Folgenden werde ich untersuchen, was die Stoiker unter den Affekten verstehen, was deren Ursache ist und wie sie ihnen gegenüberstehen.

2. Der Begriff pathos

Ein Problem ergibt sich bereits bei der Übersetzung des griechischen Wortes pathos. In der Forschungsliteratur heißt es da oft Leidenschaft, Emotion oder Affekt, aber diese Bezeichnungen und unser umgangssprachliches Verständnis dieser treffen nicht die Bedeutung des stoischen Begriffes. Für die Stoiker ist pathos, im Gegensatz zu Gefühlen, negativ besetzt und sie verstehen unter

„den pathê einen klar umrissenen Bereich psychischer Phänomene, der Stimmungen oder Dispositionen zu spezifischen emotionalen Reaktionen, im engeren Sinn physiologische Phänomene wie Herzklopfen, Erschrecken oder Zittern sowie die sog. Guten Gefühle nicht umfasst.“[1]

Den Stoikern zufolge gibt es vier generisch erste Affekte: Begierde, Furcht, Schmerz[2] und Lust. Dabei resultieren Lust und Traurigkeit aus den anderen beiden,

„Lust dann, wenn wir das erlangen, wonach wir begehren, oder das vermeiden, was wir fürchten, und Traurigkeit dann, wenn es nicht gelingt, die Gegenstände unserer Begierde zu erlangen“[3]

Lust und Schmerz beziehen sich also auf die Gegenwart, auf das, was wir momentan empfinden, wobei Begierde und Furcht sich auf die Zukunft beziehen, auf das, was wir erwarten beziehungsweise befürchten. Diesen vier Hauptaffekten werden andere Affekte zugeteilt. Unter Begierde fallen „heftige sexuelle Liebe, Liebessehnsucht und Liebesverlangen, Vergnügungssucht, Liebe zum Reichtum, Ehrsucht und dergleichen“[4]. Zudem wird der Zorn zur Begierde gerechnet, was zunächst erstaunt, da es eher in die Kategorie Schmerz passen würde. Vogt hat dafür eine passende Erklärung: „Zorn im Sinne der Aussicht auf das zukünftige Gut der Rache kann als Form der Begierde erfasst werden“[5]. Die Affekte, die der Lust zugerechnet werden sind „Schadenfreude, Zufriedenheit, Gaukelei“[6] und die der Furcht „Zaudern, Angst, Bestürzung, Scham, Verwirrung, Aberglaube, Grauen, Entsetzen“[7]. Zur Betrübtheit schließlich gehören „Neid, Mißgunst, Eifersucht, Mitleid, Trauer, Kummer, Ärger, Plagen, Schmerzen, Ekel“[8].

3. Die Herkunft der Affekte

Um die Herkunft der Affekte zu verstehen, muss man sie vor dem Hintergrund der stoischen Lehre von den guten und schlechten, sowie den indifferenten Dingen betrachten[9]. Gesundheit und Leben sind für die Stoiker keine Güter, genau so wie Krankheit und Tod keine Übel sind, sie sind indifferent und haben nur einen relativen Wert. Affekte beziehen sich in der Regel auf indifferente Dinge. Wenn beispielsweise eine Person, die einem nahe steht, stirbt, verspürt man möglicherweise Trauer. Allerdings nicht, weil der Tod etwas Schlechtes ist, sondern weil man die Meinung hat, er sei etwas schlechtes, etwas, weswegen man trauern müsse.

3.1 Affekte als Meinungen

Dieses Beispiel führt zur These, dass Affekte in gewisser Weise mit Meinungen verbunden sind, wobei Meinung in diesem Kontext bei den Stoikern „schwache Annahme“[10] heißt, wie Stobaeus erklärt. Epiktet schreibt „Nicht die Dinge verwirren die Menschen, sondern die Auffassungen über die Dinge“[11], diese sind der Grund für Emotionen. Wenn man die generische Leidenschaft der Lust verspürt, meint man, dass etwas Gutes gegenwärtig ist, was aber eigentlich indifferent ist. Die Begierde bezieht sich auf etwas vermeintlich Gutes, das in der Zukunft liegt und dadurch angestrebt wird. Analog ist bei den anderen Hauptaffekten Traurigkeit und Furcht.

[...]


[1] Vogt, Katja Maria: Die stoische Theorie der Emotionen, in: Guckes, Barbara (Hrsg.): Zur Ethik der älteren Stoa, Göttingen 2004, S. 69 – 93, S. 69.

[2] Schmerz wird in diesem Zusammenhang auch oft mit Traurigkeit oder Betrübnis übersetzt.

[3] Stobaeus 2.88,8-90,6 (A. A. Long / D. N. Sedley: Die hellenistischen Philosophen. Texte und Kommentare. Stuttgart / Weimar 2006. Fragment 65A; im Folgenden abgekürzt mit LS 65A).

[4] Stobaeus 2.90,19-91,9 (LS 65E).

[5] Vogt, S. 76.

[6] Stobaeus 2.90,19-91,9 (LS 65E).

[7] Ebd.

[8] Ebd.

[9] Vgl. dazu in Long / Sedley das Kapitel „Gut und Schlecht“, S. 439 - 449.

[10] Stobaeus 2.88,22-89,3 (LS 65C).

[11] Epiktet, Enchiridion 5 (LS 65U).

Details

Seiten
12
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638066921
Dateigröße
362 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v92817
Institution / Hochschule
Universität Augsburg
Note
2,0
Schlagworte
Lehre Affekte Proseminar Weich Glücke Maximen Philosophie

Autor

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