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Über Kants Beitrag zur Aufklärung

Essay 2007 10 Seiten

Philosophie - Philosophie des 17. und 18. Jahrhunderts

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Die Aufklärung in Deutschland

3. Kulturgeschichtliche Relevanz

4. Kants Beitrag zur Aufklärung

5. Kritik an Kants Aufklärungsbegriff

6. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Immanuel Kant, 1724 in Königsberg geboren und 1804 dort gestorben, ist einer der bedeutendsten Philosophen des 18. Jahrhunderts, dem Jahrhundert der Aufklärung. Doch ist er ein typischer Philosoph der Aufklärung? Darüber ist man sich nicht ganz einig. Ich werde im Folgenden untersuchen, was Kant zur Aufklärung beigetragen hat und inwiefern seine Ideen von denen der anderen Aufklärer abweichen.

2. Die Aufklärung in Deutschland

Das 18. Jahrhundert wird als Jahrhundert der Aufklärung bezeichnet. Diese Strömung ging von England und Frankreich aus und erreichte etwas später auch Deutschland. Bekannte Vertreter der Aufklärung in Frankreich sind unter anderem Condorcet, Diderot, Montesquieu, Voltaire und Rousseau. Im englischsprachigen Bereich wurden vor allem John Lock und David Hume als Aufklärer bekannt. Anders als in England und Frankreich war die Aufklärung in Deutschland nicht so sehr politisch ausgerichtet. In England war der Ausgangspunkt der Aufklärung eine Revolution, die glorious revolution, in der erfolgreich gegen den Absolutismus gekämpft wurde und die Grundlage für ein parlamentarisches Regierungssystem geschaffen wurde. In Frankreich mündete die Aufklärung in die Französischen Revolution, wo gewaltsam die Monarchie gestürzt wurde. In Deutschland gab es keine Revolution. Das mag daran liegen, dass in Deutschland, anders als in Frankreich und England, der Adel sich nicht sonderlich für die neue Kultur interessierte, „das hatte zur Folge, daß die deutsche Aufklärungskultur eine apolitische wurde, die Kultur derjenigen, die in den Regierungen keinen Einfluss hatten, noch ihn zu gewinnen hoffen konnten.“[1] Die Aufklärung war in Deutschland also eine mehr oder weniger rein philosophische Bewegung. Zu den deutschen Philosophen der Aufklärung sind neben Kant unter anderem Herder, Lessing, Moses Mendessohn und Christian Wolff zu nennen. In Deutschland war außerdem die Bewegung der Aufklärung nicht in einem Zentrum konzentriert, wie in London und Paris, sondern verteilte sich auf viele kleinere Städte. Überdies war die Bewegung nicht homogen, sondern in verschiedene Strömungen gespalten.[2]

Die Ideale der Aufklärung waren jedoch die gleichen. Man appellierte an den Verstand und die Vernunft, eigenständiges und kritisches Denken aller Menschen wurde gefordert. Man war kritisch gegenüber der Religion und gegenüber dem Absolutismus. Man forderte Freiheit statt Unterwerfung an einen absolutistischen Herrscher, Gleichheit vor dem Gesetzt statt der damals besehenden Ständeordnung, in der der Adel zahlreiche Privilegien genoss. Jedes Individuum soll die gleichen Rechte haben und sich stark fühlen, daher nicht von anderen abhängig sein. Die Voraussetzung dafür ist, selbst zu denken und autonom zu sein. Die Philosophen der Aufklärung traten für Toleranz und Humanität ein. Tolerant sollte vor allem die Kirche sein, anstatt Dogmen zu verbreiten. Die gesicherte, vernünftige, wissenschaftliche Erkenntnis sollte den Glauben und Aberglauben ablösen. Der Einfluss der Kirche sollte verringert werden, die Menschen sollten ihr Leben nicht nach Erwartungen nach dem Jenseits ausrichten, sondern optimistisch den Sinn des Lebens im Diesseits sehen. Der ideale Mensch der Aufklärung ist also autonom und selbstbewusst, bedient sich seines eigenen Verstandes und denkt selbst, vertraut auf die Vernunft und das Wissen, anstatt auf den bloßen Glauben.

3. Kulturgeschichtliche Relevanz

Im Zuge der Aufklärung wurde nicht nur das selbstständige Denken propagiert, auch das historische Denken überhaupt, das Verständnis der Geschichte als Ganzes, wurde erst in dieser Epoche entdeckt. Währen man davor nur von Geschichten im Plural gesprochen wurde, entstand nun der „Kollektivsingular“[3] Geschichte, und eine Geschichtsschreibung im heutigen Sinne wurde ermöglicht. Der französische Aufklärer Voltaire gilt als der Begründer der Kulturgeschichte. Der Glaube und die Kirche wurden stark kritisiert und die christliche Lehre der Vorsehung und des Schicksals wurde hinterfragt. Das Selbstbewusstsein des Menschen erwachte, das Bewusstsein, selbst die Zukunft steuern zu können. Diese Erkenntnis führte zum Fortschrittsdenken. Die Hoffnung der Menschheit wurde nicht mehr auf ein künftiges, jenseitiges Heil durch Gott gerichtet, sondern auf einen innerweltlichen, empirisch erfahrbaren Fortschritt. Kant war der erste, der den Begriff Fortschritt überhaupt verwendete und zwar 1754.[4] Den Begriff fand man derzeit noch nicht einmal in Diderots und D’Alemberts Encyclopédie. Erst gegen Ende der 18. Jahrhunderts fand er häufig Verwendung und wurde zum Schlagwort für eine neue Zukunftsperspektive.[5]

Auch wenn Kant von vielen für seinen Aufklärungsbegriff kritisiert wurde und immer noch wird, auch wenn oftmals behauptet wird, Kant sei kein Aufklärer, so hat er doch einige Gedanken zu dieser Strömung beigetragen.

[...]


[1] Saine, Thomas P.: Was ist Aufklärung? Kulturgeschichtliche Überlegungen zu neuer Beschäftigung mit der deutschen Aufklärung. In: Franklin Kopitzsch (Hg.): Aufklärung, Absolutismus und Bürgertum in Deutschland. München 1976. S. 319-344. Hier S. 320.

[2] Vgl. Rattner, Joseph / Danzer, Gerhard: Aufklärung und Fortschrittsdenken in Deutschland 1750 – 1850. Würzburg 2004. S. 22.

[3] Koselleck, Reinhart: Art. Geschichte. In: Geschichtliche Grundbegriffe. Hg. Otto Brunner, Werner Conze, Reinhart Koselleck. Bd. 2. Stuttgart 1979. S. 593-717.

[4] Koselleck, Reinhart: Art. Fortschritt. In: Geschichtliche Grundbegriffe. Hg. Otto Brunner, Werner Conze, Reinhart Koselleck. Bd. 2. Stuttgart 1979. S. 351-423. S. 381.

[5] Vgl. ebd. und Stockhorst, Stefanie / Landwehr, Achim: Einführung in die Europäische Kulturgeschichte. Paderborn 2004. S. 25 f.

Details

Seiten
10
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638066914
Dateigröße
353 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v92815
Institution / Hochschule
Universität Augsburg
Note
1,7
Schlagworte
Kants Beitrag Aufklärung Proseminar Immanuel Kant Kritik Vernunft

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