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Kreativ-produktiver Umgang mit Lyrik in der Oberstufe

"Die Stützen der Gesellschaft" als Gedicht

Hausarbeit 2008 23 Seiten

Didaktik - Deutsch - Pädagogik, Sprachwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Eingliederung der Unterrichtsstunden in den Unterricht

3. Sachanalyse
3.1 Historischer und politischer Hintergrund: Die Weimarer Republik
3.2 Literatur und Kunst in der Weimarer Republik
3.3 George Grosz (1893 – 1959)
3.4 Die Stützen der Gesellschaft – Bildbetrachtung
3.5 Die Stützen der Gesellschaft – Bildinterpretation

4. Didaktische Analyse
4.1 Förderung des Sprachbewusstseins
4.2 Förderung des politischen Bewusstseins
4.3 Warum dieser Schwerpunkt und kein anderer?

5. Bezug zu den Lehrplänen
5.1 Bezug zum Lehrplan für die gymnasiale Oberstufe Deutsch
5.2 Bezug zum Lehrplan für die gymnasiale Oberstufe Kunst

6. Lernziele

7. Methodische Analyse
7.1 Beschreibung der Stunden
7.2 Verlaufsplan

8. Fazit

9. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In der vorliegenden Arbeit werden vier Unterrichtsstunden vorgestellt, die den handlungsorientierten Teil einer größeren Unterrichtseinheit zu politischer Lyrik bilden. Inhalt der hier dargestellten Stunden ist die experimentelle Analyse des Werks Die Stützen der Gesellschaft (1926) des Malers George Grosz und das eigenständige Verfassen eines Gedichts auf der Basis dieser Ergebnisse.

Die Hausarbeit ist in drei Teile gegliedert. Zunächst erfolgt eine Analyse des Kunstwerks unter Einbezug der historischen Begebenheiten der Weimarer Republik. Anschließend stelle ich in der didaktischen Analyse dar, inwiefern die Unterrichtsstunden die Individuation, Sozialisation und der Enkulturation der SuS[1] fördern und schließlich beschreibe und begründe ich im dritten Teil die im Unterricht zu verwendenden Methoden und den Unterrichtsverlauf.

Die Arbeit entstand im Rahmen des Seminars „Politische Lyrik im fächerverbindenden Unterricht interpretieren“, das im Wintersemester 07/08 an der Universität Bremen von Petra Anders angeboten wurde. Der schriftlichen Fassung ging ein Referat voraus, welches ich am 17.12.07 zusammen mit Julia Schoderer und Stephan Werner hielt, denen ich an dieser Stelle für die sehr gute Zusammenarbeit und die vielen Hinweise bezüglich der Sach- und der Methodenanalyse danken will.

2. Eingliederung der Unterrichtsstunden in den Gesamtzusammenhang des Unterrichts

Die US[2] sind für die Oberstufe konzipiert und stellen den handlungsorientierten Teil einer längeren UE[3] zu dem Thema „Politische Lyrik“ dar. Damit die SuS ihre im theoretischen Teil gewonnenen Erkenntnisse über die politische Lyrik selbst in der Anwendung erproben können, eignen sich die US vor allem für den zweiten Teil der UE. Um das persönliche Interesse der SuS an politischer Lyrik zu wecken, könnten die Stunden in leicht abgewandelter Form jedoch auch den Vorläufer einer theoretischen Auseinandersetzung mit politischer Lyrik bilden. Allgemeine Kenntnisse über die Weimarer Republik sowie über Lyrik werden vorausgesetzt. Mit der speziellen, in diesen US angewendeten Form der Bildanalyse müssen die SuS dagegen noch nicht vertraut sein. Damit hier keine Hemmschwelle entsteht, sollten sie jedoch bereits experimentelle Herangehensweisen an Kunst kennengelernt haben. Da in den US eine schrittweise Heranführung an Methoden der Lyrikproduktion vollzogen wird, bilden sie einen idealen Rahmen für die ersten eigenen Lyrikversuche der SuS.

3. Sachanalyse

3.1 Historischer und politischer Hintergrund: Die Weimarer Republik

Die Weimarer Republik war der erste praktizierte Versuch in der deutschen Geschichte, auf dem Boden des Deutschen Reiches eine demokratische Staatsform zu errichten. Der Versuch ist gescheitert, die junge Republik ging nach knapp vierzehn Jahren in der Hitlerdiktatur unter.

Die Geschichte der Weimarer Republik wird von den Historikern im Allgemeinen in drei Phasen eingeteilt. Die erste umfasst die Jahre von der Entstehung bis zum Ende des Jahres 1923. In diesen Jahren stand die Existenz der noch wenig stabilen Republik wiederholt auf dem Spiel. Mit dem Abbruch des Ruhrkampfes und der gelungenen Sanierung der Währung am Ende des Jahres 1923 beginnt die zweite Phase in der Geschichte der Republik, die eine Zeit der wirtschaftlichen Erholung und der relativen politischen Konsolidierung - auch im Bereich der Außenpolitik - war. Man hat diese Jahre von Ende 1923 bis Ende 1929 auch als die ‚Ära Stresemann’ oder die ‚Goldenen Zwanziger’ bezeichnet. Mit den Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise auf Deutschland ab Ende Oktober 1929 endet diese Phase. Es beginnt der letzte Abschnitt der Geschichte der Republik, der gekennzeichnet ist durch die zunehmende Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation und die sprunghaft ansteigenden Arbeitslosenzahlen auf der einen, die fortschreitende Auflösung der demokratischen Fundamente auf der anderen Seite. Die radikalen Parteien und Republikgegner sowohl von rechts als auch von links erhielten starken Zulauf aus den Reihen der Arbeitslosen, der Enttäuschten und Entwurzelten. Damit wurde eine Entwicklung eingeleitet, die in ihrer fortgesetzten Handhabung in den folgenden Jahren zur Ablösung des parlamentarischen Systems und zur Ausbildung eines autoritären Präsidialregimes führte.[4]

3.2 Literatur und Kunst in der Weimarer Republik

Die Weimarer Republik setzte in der kurzen Zeit ihrer Existenz in beispielloser Weise künstlerische Energie und Kreativität auf nahezu allen Gebieten frei. Kunsthistoriker zählen die Jahre zwischen 1918 und 1933 zur ‚Klassischen Moderne’, denn die Vielfalt und Modernität ihrer Kunst- und Kulturformen - zwischenzeitlich vom NS-Regime unterdrückt - wirkten nach dem Zweiten Weltkrieg und bis in die Gegenwart hinein inhaltlich und formal anregend, wenn nicht sogar prägend. Politik und Kunst entwickelten sich quasi parallel: Der krisenreiche Übergang vom Kaiserreich zur Republik 1918/19 bis 1923 war die Zeit des zu Ende gehenden Expressionismus. Im selben Maße, wie sich der Staat von Weimar zwischen 1924 und 1929 stabilisierte und ein Teil seiner Gegner zu ‚Vernunftrepublikanern’ wurde, breitete sich zudem die ‚Neue Sachlichkeit’ aus. Schließlich fanden ab 1930 die politische Polarisierung und die immer autoritäreren Regierungsformen ihre Entsprechung in proletarisch-revolutionären, vor allem aber in nationalistischen bis hin zu nationalsozialistischen Inhalten und Formen der Kunst. Die Weimarer Kultur blieb - bei fließenden Grenzen - stets mehrfach gespalten: in anspruchsvolle Kultur und Massenkultur, in avantgardistische und traditionalistische Strömungen, in proletarisch-revolutionäre, linksliberale, konservative und völkische Richtungen. Die politischen Auseinandersetzungen wurden also auch mit den Mitteln der Kunst ausgetragen. Anspruchsvolle Kultur fand ihren Ausdruck in den zwanziger Jahren hauptsächlich auf den Feuilletonseiten der angesehenen liberalen, überregionalen Tageszeitungen, in literarisch-politischen Zeitschriften, in Malerei und Architektur, im Sprech- und Musiktheater, im Konzert, in Revue und Kabarett, in Romanen und Gedichten. Dort entfalteten sich Expressionismus und Neue Sachlichkeit, dort wurden aber ebenso die klassischen Traditionen gepflegt und fand auch proletarisch-revolutionäre Kunst ihr Publikum.[5]

3.3 George Grosz (1893 – 1959)

George Grosz war ein deutscher Maler und Grafiker, der 1918 die Berliner Dadagruppe mitbegründete. In Gemälden und krassen Karikaturen entlarvte er während der Weimarer Republik die sozialen Missstände dieser Zeit, insbesondere verspottete er Bourgeoisie, Kirche, Kapitalismus und Militarismus. Neben Otto Dix war er der Hauptvertreter der veristischen Richtung der Neuen Sachlichkeit. 1932 erhielt er einen Lehrauftrag in den USA wo er sich infolge hauptsächlich aufhielt. 1938 wurde er in Deutschland als ‚entartet’ verfemt und ausgebürgert.[6]

3.4 Die Stützen der Gesellschaft – Bildbetrachtung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten[7]

1926

200 x 108 cm

Öl auf Leinwand

Nationalgalerie Berlin – Preußischer Kulturbesitz

In George Grosz’ Werk Die Stützen der Gesellschaft befinden sich auf verschiedenen räumlichen Ebenen fünf Personen, die ohne Bezug zueinander stehen. Im Hintergrund sind andeutungsweise weitere Menschen zu sehen.

(a) Unten rechts steht ein Mann mit aggressivem und kaltherzigem Gesichtsausdruck, welcher durch kleine rote Narben („Schmisse“) auf der Wange verstärkt wird, an einem Tisch. In der linken Hand hält er ein Bierglas in der rechten einen Säbel. An seinem linken Auge ist ein Monokel zu sehen, außerdem trägt er ein graues Jackett und darunter ein weißes Hemd mit einer blauen Krawatte, auf dessen Knoten ein Hakenkreuz zu erkennen ist. Seine Schädeldecke ist abgeschnitten und aus dem geöffneten Kopf springt ein Soldat auf einem Pferd heraus. Außerdem quellen vereinzelte Gesetzesparagraphen und nicht erkennbares Gewirr hervor.
(b) Vom Betrachter links gesehen steht schräg hinter ihm eine weitere Person. Diese hat einen braunen Mantel und ebenfalls ein weißes Hemd mit einer dunklen Krawatte an. Sie hält einen langen mit Blut verschmierten Palmzweig in der linken sowie einen Bleistift in der rechten Hand. Außerdem hält der mutmaßliche Journalist mehrere Zeitungen unter dem linken angewinkelten Arm. Auf seinem Kopf befindet sich ein umgestülpter Nachttopf.
(c) Wieder etwas weiter nach hinten versetzt auf der rechten Seite ist ein korpulenter Mann mit einer Fahne in den Farben des ehemaligen Kaiserreichs (schwarz, weiß, rot) in der linken Hand zu sehen. An der dunklen Jacke des vermutlichen Politikers befindet sich ein Schild mit der Aufschrift „Sozialismus ist Arbeit“. Seinem Kopf fehlt ebenfalls die Schädeldecke, an ihrer Stelle ist ein dampfender Kothaufen zu sehen.
(d) Eine weitere Stufe dahinter steht mittig ein Geistlicher mit gerötetem Gesicht und schwarzem Gewand. Er beißt sich auf seine Zunge und schaut mit ausgebreiteten Armen aus einem geöffneten Fenster hinaus, aus dem Flammen hervorkommen.
(e) Rechts oben im Bild marschieren schließlich einige Soldaten, von denen nur der erste detailliert erkennbar ist. Er hat eine strenge und kämpferische Mimik, die durch den nach vorne verschobenen Unterkiefer intensiviert wird. Er hat einen langen blutverschmierten Degen in seiner rechten Hand und einen Stahlhelm auf dem Kopf.

[...]


[1] SuS = Schüler und Schülerinnen

[2] US = Unterrichtsstunden

[3] UE = Unterrichtseinheit

[4] Vgl. www.deutschegeschichten.tv.

[5] Vgl. www.deutschegeschichten.tv.

[6] Meyers großes Taschenlexikon, S. 36.

[7] www.stud.fernuni-hagen.de/q6369928/Images/grosz.jpg.

Details

Seiten
23
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783638066488
ISBN (Buch)
9783638952842
Dateigröße
542 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v92803
Institution / Hochschule
Universität Bremen – Literaturwissenschaft
Note
1
Schlagworte
Kreativ-produktiver Umgang Lyrik Oberstufe Politische Unterricht

Autor

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