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Leonhard Rauwolf und Engelbert Kaempfer - Zwei Forschungsreisende verschiedener Zeiten und die Rückwirkungen ihrer Unternehmungen auf Europa

Forschungsarbeit 2008 26 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Die frühen Biographien der Entdecker
2.1. Rauwolfs frühes Leben
2.2. Kaempfers frühes Leben
2.3. Rückschlüsse

3. Reisen und Auftraggeber
3.1. Rauwolfs Reisen und Auftraggeber
3.1.1. Rauwolfs Reisen
3.1.2. Rauwolfs Auftraggeber
3.2. Kaempfers Reisen und Auftraggeber
3.2.1. Kaempfers Reisen
3.2.2. Kaempfers Auftraggeber
3.3. Rückschlüsse

4. Reiseberichte und „Rückwirkungen“ auf die Heimat
4.1. Berichte und Rückwirkungen von Rauwolfs Reisen
4.2. Berichte und Rückwirkungen von Kaempfer Reisen
4.3. Rückschlüsse

5. Schluss

Literatur

1. Einleitung

Leonhard Rauwolf und Engelbert Kaempfer: Diese beiden Namen sind unumstößlich verbunden mit den Forschungsreisen, die von diesen beiden Entdeckern unternommen wurden.

Rauwolf und Kaempfer sind dabei Repräsentanten verschiedener Zeiten: Während der Augsburger Arzt und Botaniker Rauwolf in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts in den Orient reiste, fanden die Expeditionen des Lemgoer Naturforschers Kaempfer erst über 100 Jahre später statt, im ausklingenden 17. Jahrhundert.

In vorliegender Arbeit sollen nun beide Entdeckungsreisenden, ihre Hintergründe, ihre Unternehmungen und ihre Hinterlassenschaften untersucht und, soweit möglich, verglichen werden. Im Rückgriff auf die Schriften der beiden Reisenden und die bestehende Forschungsliteratur sollen zunächst die biographischen Hintergründe Rauwolfs und Kaempfers beleuchtet werden. Im Anschluss wird ein Einblick gegeben in ihre jeweiligen Reisen, Routen und deren Besonderheiten, während zusätzlich ein Blick auf die jeweiligen Auftraggeber geworfen wird. Es folgt eine Betrachtung der entstandenen Werke, Berichte und Nachlässe, um ein abschließendes Bild über die Rückwirkungen zu erhalten, die die Unternehmungen der beiden Forschungsreisenden auf das heimatliche Europa gehabt haben.

Wo es möglich und sinnvoll war, wurde versucht, Parallelen und Unterschiede zwischen den zu verschiedenen Zeiten unter verschiedenen Voraussetzungen und Bedingungen reisenden Forschern und ihrem jeweiligen Erbe aufzuzeigen.

2. Die frühen Biographien der Entdecker

2.1. Rauwolfs frühes Leben

Leonhard Rauwolfs genaues Geburtsdatum ist nicht bekannt, gemeinhin wird jedoch „zwischen 1535 und 1540“ oder „um 1540“ als Annäherung an das wahrscheinliche Geburtsjahr angegeben.[1] Sein Geburtsort ist das bayrische Augsburg, das in der Mitte des 16. Jahrhunderts bereits als wichtige Industrie- und Handelsstadt galt. In der Forschung wird angenommen, dass Rauwolfs Vater ein wohlhabender Kaufmann war.[2] Rauwolf dürfte lutherisch erzogen worden sein, die Etabliertheit der Konfession im damaligen Augsburg wie auch seine eigenen späteren Aufzeichnungen geben entsprechende Hinweise.[3] In Rauwolfs eigenen Aufzeichnungen finden sich Hinweise darauf, dass seine Familie ihm ermöglichte, sich für seinen weiteren Bildungsgang aus allen deutschen, italienischen und französischen Universitäten jene auszuwählen, die zu dieser Zeit das angesehenste Medizinstudium anboten, und die ihm Zugriff auf die für die Medizin so wichtigen Pflanzen ermöglichen konnten.[4] Hier ist bereits ein wichtiger Faktor zu erkennen, der für Rauwolfs weiteren Lebenslauf ein entscheidendes Charakteristikum sein wird: Das Interesse an Pflanzen und Botanik.

Wie viele später renommierte Botaniker studierte Rauwolf ab 1556 in Wittenberg. Im Herbst 1560 wechselte er zur Universität von Montpellier in Südfrankreich, die schon damals berühmt war für die hohe Qualität ihrer medizinische Schule. Einflüsse von jüdischen und arabischen Heilwissenschaften fanden in den Lehrkanon Montpelliers ebenso Eingang wie klassische Werke antiker Mediziner, Philosophen, Geographen und Historiker.[5] Rauwolf konzentrierte sich weiter auf die Botanik und die Medizin, nahm an Exkursionen zu Forschungszwecken teil und legte die ersten Grundsteine seiner später sehr umfangreichen Pflanzensammlung. Seine Prioritäten blieben stets dieselben, auch als er nach Erlangung des Doktorgrades im Jahre 1562 ausgiebige Reisen durch Italien, die Schweiz und den Schwarzwald unternahm. Nach seiner Rückkehr in die Heimatstadt Augsburg forschte er am hiesigen Collegium Medicum an einer dort wütenden Seuche, praktizierte als Arzt und widmete sich weiter der Pflanzenwelt und botanischen Forschung, in deren Rahmen er einen Garten mit seltenen Gewächsen anlegte. Seine Heirat mit der Arzttochter Regina Jung 1565 verschaffte ihm Zugang zu den Kreisen namhafter Augsburger Patrizierfamilien, 1571 erhielt er einen angestrebten Posten als Augsburger Stadtphysicus. In Augsburg, einer seinerzeit bereits aufstrebenden Stadt, in der zahlreiche Handelsrouten zusammenliefen, begegnete Rauwolf seit jeher einer Vielzahl von Fernreisenden und Händlern.[6]

2.2. Kaempfers frühes Leben

Engelbert Kaempfer wurde am 16. September 1651 in der Hansestadt Lemgo (Grafschaft Lippe) geboren. Er stammte aus einer bürgerlichen Familie der Lemgoer Oberschicht, sein Vater war studierter Theologe und Philosoph und in Lemgo als lutherischer Pfarrer tätig.[7] Dementsprechend genoss Kaempfer in seiner Kindheit eine umfassende christliche Erziehung.[8] Schon zu Schulzeiten kam Kaempfer mit einem prägenden Werk in Kontakt, den umfangreichen Reiseberichten des Russland- und Persienreisenden Adam Olearius.[9]

Von seinem Vater 1667 nach Hameln geschickt, soll der junge reiselustige Kaempfer bereits eine frühe Reise nach Holland unternommen haben, die aber nicht eindeutig nachzuweisen ist.[10]

In den folgenden Jahren lebte Kaempfer in Lüneburg, Lübeck, Danzig und Thorn und setzte jeweils seine gymnasiale und vor-universitäre akademische Ausbildung fort. Ab dem Jahr 1674 intensivierte er seine wissenschaftliche Ausbildung durch die Aufnahme eines Studiums an der Universität in Krakau. Er studierte Philosophie und Sprachen und, wie es damals offenbar „Mode“ war, Medizin. Zudem pflegte er Kontakte mit gesellschaftlich angesehenen Persönlichkeiten aus der Verwaltung, der Lehre und sogar des Adels.[11] Nach weiteren Reisen setzte er sein Studium der Medizin schließlich 1677 in Königsberg fort und spezialisierte sich auf den Schwerpunkt „Arzneikunde“. Er studierte in Königsberg, unterbrochen durch einige private Reisen, bis Mitte 1681, um dann abrupt nach Schweden zu reisen, ohne sein Medizinstudium mit dem Doktortitel abgeschlossen zu haben.[12] Es folgte ein Aufenthalt im schwedischen Upsala, wo Kaempfer möglicherweise weitere Studien in Sachen Medizin, Naturwissenschaften und Anatomie betrieben hat. 1682 fand er sich in der Residenzstadt Stockholm ein und knüpfte Kontakte zum schwedischen Hof.

2.3. Rückschlüsse

Die frühen Biographien Leonhard Rauwolfs und Engelbert Kaempfers vor ihren großen Reiseunternehmungen über die europäischen Grenzen hinaus geben Einblicke in ihre wissenschaftliche wie auch mentale Genese.

Rauwolf verfügte durch sein Elternhaus über die nötigen monetären Mittel, sich an Universitäten seiner Wahl in den Fächern seiner Wahl auszubilden. Schon früh manifestiert sich sein überaus großes Interesse an der Pflanzenkunde und den botanischen Wissenschaften. Im Studium kommt er bereits in Kontakt mit Schriften und Theorien, die nicht aus dem Abendland, sondern aus dem Nahen und Mittleren Osten stammen. Eine gewisse Reiselust dokumentieren auch seine entfernten Studienorte und seine Reisen im Studium wie auch vor der Rückkehr nach Augsburg. Zudem dürfte der fortwährende Kontakt mit Handels- und Fernreisenden, den ihm die Handelsmetropole Augsburg ermöglichte, seine Reiselust zusätzlich geschürt haben. Seine eigenen Aufzeichnungen belegen neben einer gewissen inneren Unruhe zudem seinen Wunsch, die Pflanzenwelt des Orients selbst erkunden zu wollen.[13]

Auch Engelbert Kaempfers frühe Biographie lässt bereits Anlagen seines späteren Lebenswandels erkennen: Die große Bereitschaft zur ständigen Reise und das seltenere lange Verweilen an einem Ort gehen einher mit seiner Begeisterung für die Medizin und die Naturwissenschaften, die ihm zahlreiche Empfehlungen und Stammbucheinträge verschaffen.[14] Kaempfer zeichnete sich außerdem durch einen ungemeinen Wissensdrang aus, wie seine Schul- und akademische Laufbahn zeigt. Zudem scheinen ein gewisser Wille, auch bei familiären oder ökonomischen Widrigkeiten seine Ziele weiterzuverfolgen, und seine stetigen Kontakte zur Obrigkeit ebenfalls prägend gewesen zu sein.[15] Sein früher Kontakt mit einem populären Reisebericht dürfte ebenso seine Reiselust weiter geschürt haben.

Sowohl Rauwolf als auch Kaempfer verfügen demnach zwar über verschiedene biographische Hintergründe, jeder für sich offenbar aber über entsprechende Voraussetzungen und Anlagen, die ihren Weg zum Entdeckungsreisenden begünstigten.

[...]


[1] DANNENFELDT, Karl H.: Leonhard Rauwolf. Sixteenth-century Physician, Botanist, and Traveler, Cambrigde/New York 1999,

[2] DANNENFELDT, Karl H.: Leonhard Rauwolf. Sixteenth-century Physician, Botanist, and Traveler, S. 13, JUNGINGER, Fitz: Leonhard Rauwolf – ein schwäbischer Arzt, Botaniker und Entdeckungsreisender des 16. Jahrhunderts, Heidenheim an der Brenz 1969,

[3] DANNENFELDT, Karl H.: Leonhard Rauwolf. Sixteenth-century Physician, Botanist, and Traveler, S. 13, JUNGINGER, Fitz: Leonhard Rauwolf – ein schwäbischer Arzt, Botaniker und Entdeckungsreisender des 16. Jahrhunderts, S. 14 f.

[4] DANNENFELDT, Karl H.: Leonhard Rauwolf. Sixteenth-century Physician, Botanist, and Traveler,

[5] DANNENFELDT, Karl H.: Leonhard Rauwolf. Sixteenth-century Physician, Botanist, and Traveler, S. 14 ff., JUNGINGER, Fitz: Leonhard Rauwolf – ein schwäbischer Arzt, Botaniker und Entdeckungsreisender des 16. Jahrhunderts, S. 11 f.

[6] DANNENFELDT, Karl H.: Leonhard Rauwolf. Sixteenth-century Physician, Botanist, and Traveler, S. 29 f., JUNGINGER, Fitz: Leonhard Rauwolf – ein schwäbischer Arzt, Botaniker und Entdeckungsreisender des 16. Jahrhunderts, S. 12 ff.

[7] BONN, Gerhard: Engelbert Kaempfer (1651-1716). Der Reisende und sein Einfluß auf die europäische Bewußtseinsbildung über Asien, Frankfurt am Main 2003, S. 3 ff., KAPITZA, Peter: Engelbert Kaempfer und die Europäische Aufklärung. Dem Gedenken des Lemgoer Reisenden aus Anlaß seines 350. Geburtstags am 16. September 2001, München 2001,

[8] BONN, Gerhard: Engelbert Kaempfer (1651-1716). Der Reisende und sein Einfluß auf die europäische Bewußtseinsbildung über Asien, S. 2, HABERLAND, Detlef: Von Lemgo nach Japan. Das ungewöhnliche Leben des Engelbert Kaempfer. 1651-1716, Bielefeld 1990, S. 13 ff.

[9] BONN, Gerhard: Engelbert Kaempfer (1651-1716). Der Reisende und sein Einfluß auf die europäische Bewußtseinsbildung über Asien, S. 11, vgl. auch HINZ, Walther (Hrsg.), KAEMPFER, Engelbert: Am Hofe des persischen Großkönigs. 1684-1685, Stuttgart 1984, S. 10 f.

[10] BONN, Gerhard: Engelbert Kaempfer (1651-1716). Der Reisende und sein Einfluß auf die europäische Bewußtseinsbildung über Asien,

[11] BONN, Gerhard: Engelbert Kaempfer (1651-1716). Der Reisende und sein Einfluß auf die europäische Bewußtseinsbildung über Asien, S. 14 f.

[12] BONN, Gerhard: Engelbert Kaempfer (1651-1716). Der Reisende und sein Einfluß auf die europäische Bewußtseinsbildung über Asien, S. 17, HABERLAND, Detlef: Von Lemgo nach Japan. Das ungewöhnliche Leben des Engelbert Kaempfer, S. 17 ff.

[13] JUNGINGER, Fitz: Leonhard Rauwolf – ein schwäbischer Arzt, Botaniker und Entdeckungsreisender des 16. Jahrhunderts, S. 22, RATZEL, Friedrich: Artikel Rauwolf, Leonhard R., in: Allgemeine Deutsche Biographie, hrsg. von der Historischen Kommission bei der bayrischen Akademie der Wissenschaften, Band 27 (1888), ab S. 462, Digitale Volltext-Ausgabe in: Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Rauwolf%2C_Leonhard&oldid=134542 (aufgerufen am 24.02.2008, 12:40h)

[14] vgl. z.B. BONN, Gerhard: Engelbert Kaempfer (1651-1716). Der Reisende und sein Einfluß auf die europäische Bewußtseinsbildung über Asien, S. 14, 17, 19

[15] vgl. BONN, Gerhard: Engelbert Kaempfer (1651-1716). Der Reisende und sein Einfluß auf die europäische Bewußtseinsbildung über Asien, S. 11 f., 16, HABERLAND, Detlef: Von Lemgo nach Japan. Das ungewöhnliche Leben des Engelbert Kaempfer, S. 17 ff.

Details

Seiten
26
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783638054904
ISBN (Buch)
9783638946506
Dateigröße
522 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v92769
Institution / Hochschule
FernUniversität Hagen
Note
Schlagworte
Leonhard Rauwolf Engelbert Kaempfer Zwei Forschungsreisende Zeiten Rückwirkungen Unternehmungen Europa

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