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Jugend und Freizeit in der DDR - Unter besonderer Berücksichtigung des Pionierpalastes in Dresden

Examensarbeit 2007 66 Seiten

Geschichte Europa - Deutschland - Nachkriegszeit, Kalter Krieg

Leseprobe

Inhalt

1. Einführung in den Untersuchungsgegenstand

2. Jugendforschung in der DDR
2.1. Der Jugendbegriff in der DDR
2.2. Zur Geschichte der DDR-Jugendforschung und des Zentralinstituts für Jugendforschung
2.3. Aufgabenfelder der Jugendforschung

3. Jugendpolitik der SED
3.1. Gesellschaftliche Stellung der Jugend in der DDR
3.2. Die Programmatik der Jugendpolitik der SED

4. Freizeit der DDR-Jugend
4.1. Vorbetrachtungen
4.2. Ausgewählte Freizeitbereiche
4.2.1. Gesellschaftspolitische Tätigkeiten
4.2.2. Kultur- und Medienverhalten
4.2.3. Körperkultur und Sport
4.3. Herausbildung einer „Jugendkulturszene“ in der DDR

5. Der Pionierpalast “Walter Ulbricht“ als ein regionales Beispiel organisierter Freizeit für die Kinder und Jugendlichen in der DDR
5.1. Vorbetrachtungen: Die Funktion der Arbeitsgemeinschaften
5.2. Organisierte Freizeit im Pionierpalast

6. Schlussbemerkung

Anhang

Abkürzungsverzeichnis

Literatur- und Quellenverzeichnis

1. Einführung in den Untersuchungsgegenstand

Auch heute noch, 18 Jahre nach der Wende, besteht verständlicherweise ein verbreitetes Interesse an der Jugend in der ehemaligen DDR. Es wird nach den früheren Lebensformen junger Leute gefragt, nach ihrem damaligen Denken und Verhalten, ihren politischen und kulturellen Einstellungen, nach ihren intellektuellen Fähigkeiten. Ziel dieser Untersuchung soll es sein, das Freizeitverhalten der Jugendlichen in der DDR zu beschreiben und erklärende Hypothesen für ihr Verhalten aufzustellen.

Das Zentralinstitut für Jugendforschung in Leipzig (ZIJ) hatte seit seiner Gründung im Jahre 1966 zu solchen und weiteren Themen eine große Zahl sozialwissenschaftlicher Untersuchungen durchgeführt. Zunächst soll mithilfe der genaueren Untersuchung von Voraussetzungen und Bedingungen, Kenntnis über die Jugendforschung in der DDR gewonnen werden. Ebenso werde ich Stellung nehmen zu Inhalten, Aussagen, Forschungsergebnissen, methodischem Vorgehen und theoretischen Interpretationen des ZIJ. Durch die Jugendforschung in der DDR konnten umfassende Informationen und grundlegende Erkenntnisse über den Wandel der DDR-Jugend, ihren Sozialisationsbedingungen und ihrer Mentalität, vor allem in den 80er Jahren bis zur und während der Wende, geliefert werden. Dennoch nicht zu vernachlässigen ist der stets vorhandene Konflikt zwischen den Möglichkeiten zur Veröffentlichung empirischer Forschungen und den harten Tabus und Restriktionen durch das sozialistische Herrschaftssystem. Die meisten Daten und Studien gelangten nicht an die Öffentlichkeit. Erwähnen will ich daher nur einige Meilensteine der ZIJ- Jugendforschung, die zum Teil auch Verwendung in meinen Untersuchungen gefunden haben: „Jugend heute“ (Friedrich 1966), „Jugend und Jugendforschung“ (Friedrich 1976), Jugend konkret“ (Friedrich/ Gerth 1984). Ein sowohl für meine Arbeit als auch für die nach der Wende betriebene DDR-Jugendforschung bzw. Forschung über die DDR-Jugendforschung wichtiges Werk ist das von Friedrich und Griese im Jahr 1991 veröffentlichte „Jugend und Jugendforschung in der DDR“.

Um das Freizeitverhalten der DDR-Jugendlichen zu untersuchen, ist die zentrale Fragestellung, welche Werte das Freizeitverhalten der DDR-Jugend vorwiegend bestimmten, von Bedeutung. Diese Fragestellung kann nur beantwortet werden, wenn gesellschaftliche und politische Vorgegebenheiten, Normen und Zwänge, im Rahmen der Jugendpolitik der SED, beschrieben werden. Erst durch die Gegenüberstellung des empirischen jugendlichen Freizeitverhaltens zu den gesellschaftlichen und politischen Verhaltenserwartungen sind Aussagen über dominante, in der Freizeit wirksame Werte möglich. Entscheidend für die Beantwortung dieser Fragestellung ist die Einbeziehung von Zielen und Vorstellungen der Jugendpolitik der SED. Behilflich sollen dabei folgende Quellen sein: das „Jugendgesetz der DDR vom 28. Januar 1974“ sowie „Jugend- FDJ- Gesellschaft. Beiträge zur sozialistischen Persönlichkeitsentwicklung junger Arbeiter und Studenten in der DDR“ (Friedrich 1975).

In zahlreichen Gesetzen und Verordnungen wurden einheitliche staatliche Zielvorstellungen für die Freizeitgestaltung der Jugend aufgestellt, angestrebt wurde dabei eine sich vielseitig betätigende sozialistische junge Generation. Der nächste Untersuchungsschwerpunkt soll diese Vielseitigkeit genauer beleuchten und den Blick auf spezielle Freizeitbereiche lenken, dazu gehören die gesellschaftspolitischen Tätigkeiten, bei denen die FDJ eine zentrale Position einnahm, die kulturell-künstlerischen Interessen (Lesen, Theater, Film, Musik) sowie die Mediennutzung (Fernsehen, Rundfunk, Presse) und der Sport. Weitere Freizeitbereiche, für die leider kein Platz zur genaueren Betrachtung sein wird, waren die Kirchenorganisation bzw. die Junge Gemeinde oder der Urlaub und das Reisen. Für die detaillierte Darstellung der einzelnen Freizeitbereiche ist es notwendig, gewisse Vorbetrachtungen, wie den Begriff Freizeit und seine Problemstellungen oder Freizeitumfang und -budget von DDR-Jugendlichen zu erläutern. Das Thema Freizeit und seine verschiedenen Bereiche bietet eine Vielzahl an Literatur und Quellen. Besonders die empirischen Forschungen des ZIJ oder aber Werke westdeutscher Autoren wie das von Micksch im Jahr 1972 erschienene „Beiträge zur soziologischen Forschung 8. Jugend und Freizeit in der DDR“ oder „Mit uns zieht die alte Zeit. Biographie und Lebenswelt junger DDR-Bürger im gesellschaftlichen Umbruch“ von von Wensierski aus dem Jahr 1994, bieten eine gute Grundlage. Meist als gesellschaftlich determiniert erweisen sich Probleme und Konflikte, die Jugendliche mit sich selbst bzw. die Gesellschaft mit der Jugend zu bewältigen haben. Bezüglich des Problemverhaltens DDR-Jugendlicher soll die Zugehörigkeit zu Gruppen bzw. die Herausbildung einer „Jugendszene“ untersucht werden.

Um die in der DDR organisierte Freizeit einmal an einem regionalem Beispiel bzw. einer regionalen Institution nachzuvollziehen, soll der zu DDR-Zeiten in Dresden befindliche Pionierpalast “Walter Ulbricht“ in seinem Freizeit- und Veranstaltungsangebot untersucht werden. Da es bis auf das Werk von Leonore Ansorg, „Kinder im Klassenkampf. Die Geschichte der Pionierorganisation von 1948 bis Ende der fünfziger Jahre“ (1997), weder zu den Pionierhäusern noch zum konkreten Fall des Pionierpalastes in Dresden einschlägige Literatur gibt, beruhen meine Untersuchungen in diesem Fall vornehmlich auf Archivalien aus dem Hauptstaatsarchiv Dresden und einigen hilfreichen Informationen der erst vor wenigen Monaten gegründeten „Geschichtswerkstatt Schloss Albrechtsberg-Pionierpalast“. Sie wird von ehemaligen Mitarbeitern der damaligen Freizeiteinrichtung Pionierpalast gemeinsam mit der „Jugend&KunstSchule“ Dresden, dem Stadtarchiv und dem Stadtmuseum Dresden geführt. Da das Archiv des Pionierpalastes während der Wende zerstört wurde, versucht die Geschichtswerkstatt Dokumente und Materialien über die Freizeiteinrichtung zusammen zu tragen.

Der Zerfall der SED-Diktatur in der DDR und die Vereinigung der beiden deutschen Staaten veränderten auch die Rahmenbedingungen der sozialgeschichtlichen Forschung über den zweiten deutschen Staat. Vor allem der weitestgehend uneingeschränkte Zugang zu den Archivalien hat der historischen Forschung hervorragende Arbeitsbedingungen eröffnet. Die Historiographie zur DDR war besonders in den frühen 90er Jahren eng mit einer breiteren gesellschaftlichen und politischen Aufarbeitung der Geschichte der ehemaligen DDR verwoben. Während in den frühen 90er Jahren politikhistorische Studien dominierten, hat sich das Interesse seit 1994 zunehmend sozial- und wirtschaftshistorischen Problemen zugewandt. Auch das Alltagsleben in der DDR ist verstärkt untersucht worden. Einige einschlägige Werke wären: „Befremdlich anders. Leben in der DDR“ von Badstübner (2000), „Sozialgeschichte der DDR“ von Kaelble/ Kocka/ Zwahr (1994) oder „Die Sozialgeschichte der DDR“ von Bauerkämper (2005) erschienen in der Reihe Enzyklopädie Deutscher Geschichte, Band 76.

2. Jugendforschung in der DDR

2.1. Der Jugendbegriff in der DDR

Die Jugendzeit lässt sich über alle Wandlungsprozesse hinaus, die sich in den letzten Jahrzehnten vollzogen haben, als eine eigenständige Phase im Lebensverlauf markieren, die sich sowohl von der Kindheit als auch vom Erwachsenenalter unterscheidet. Eintritt und Austritt aus der Jugendphase sind nicht an ein bestimmtes Datum im Lebensalter gebunden, sondern sie ist dann beendet, wenn die Entwicklungsaufgaben der Jugendphase bewältigt sind.

Das Jugendgerichtsgesetz der DDR aus dem Jahr 1952 definierte Jugendliche als die Personen, die über 14 Jahre aber noch nicht 18 Jahre alt sind.[1] Den Jugendlichen wurde in diesem Altersbereich eine verminderte Schuldfähigkeit zugestanden, in der die Einsichts-, Erkenntnis- und Steuerungsfähigkeit noch nicht voll entwickelt ist. Juristisch war die Jugend damit eine Übergangsstufe vom nicht verantwortungsfähigen Kind zum voll verantwortlichen und gesellschaftsreifen Erwachsenen ab 18 Jahren.

In der Jugendsoziologie, besonders aber in der Jugendpsychologie der DDR, herrschten große Unklarheiten über die Definition des Jugendalters vor. Der Jugendbegriff und das Jugendalter wurden hier biologisiert bzw. psychologisiert, d.h. die Jugend wurde vorwiegend noch unter dem Aspekt der individuellen Reifung biologischer und psychologischer Merkmale betrachtet. Die Angaben schwankten zwischen 10 und 16 Jahren bei der unteren Grenze und zwischen 18 und 30 Jahren bei der oberen Grenze. Jedoch entfernte man sich von unterschiedlichen Angaben zu Grenzen und Teiletappen des Jugendalters und ging von der Strategie der Jugendentwicklung der Gesellschaft, also von objektiven gesellschaftlichen Bedingungen aus, womit beispielsweise die frühe Institutionalisierung der Kindes- und Jugendphase zunächst durch die Pionierorganisation und später durch die FDJ gemeint ist. Schließlich definierte sich das Jugendalter in der DDR über das „System der Forderungen und Förderungen der Jugend“ laut dem Jugendgesetz aus dem Jahr 1974 vom 14. bis zum 25. Lebensjahr.[2] Demnach waren alle anderen Festsetzungen, etwa psychologische Phaseneinteilungen, für die marxistisch- leninistische Jugendforschung nicht fruchtbar.

Die Jugend begann mit dem Erhalt des Personalausweises und der Jugendweihe, was die offizielle Anrede mit „Sie“ einschloss, und sie endete damit, dass die überwiegende Mehrheit der jungen Menschen die wirtschaftliche Selbstständigkeit erreicht hatte und damit eine besondere Förderung durch die FDJ, die das Jugendgesetz vorsah, nicht mehr notwendig war. Die Jugendlichen, die eine Berufsausbildung aufnahmen, erreichten die wirtschaftliche Selbständigkeit bereits mit 18 Jahren, andere dagegen, die beispielsweise ein Fachsschulstudium absolvierten, erst mit etwa 19 Jahren.[3]

Bestimmt man das soziale Wesen der Jugend, so wurde davon ausgegangen, dass die Jugend der DDR eine „spezifische Gruppe der Gesellschaft“ ist.[4] Sie bildete eine Teilpopulation der Bevölkerung, die nach sozialdemographischen Kriterien bestimmt war. Die Jugend stellte keine eigenständige soziale Klasse oder Schicht dar. Sie war Teil der Sozialstruktur ihrer Gesellschaft und entsprechend deren sozialen Klassen und Schichten differenziert. Im Gegensatz zur Stellung und Bewertung der Jugend in bürgerlichen Gesellschaften sollte die Jugend in der sozialistischen Gesellschaft eine grundsätzlich neue Stellung haben. Soziologisch gesehen, war die entscheidende Erklärungsvariable für die Jugend, die Tatsache, dass sie den Nachwuchs für die verschiedenen Klassen und Schichten der DDR darstellte und dadurch eine spezielle Position in der Sozialstruktur einnahm. Sie wurde zielstrebig zur aktiven und schöpferischen Mitgestaltung der Gesellschaft herangezogen. Um sie dazu zu befähigen, wurden Systeme der Anforderungen und der Förderungen für die Jugend geschaffen, deren Inhalte und Formen im Jugendgesetz sowie in anderen jugendpolitischen Dokumenten fixiert wurden.

2.2. Zur Geschichte der DDR-Jugendforschung und des Zentralinstituts für Jugendforschung

Erst verhältnismäßig spät rückte die Jugend der DDR in das Blickfeld der Sozialforscher. Richtiger wäre es, zu sagen, dass sie von der Politik nicht eher für die wissenschaftliche Analyse frei gegeben wurde. Nach 1945 war die empirische Sozialforschung politisch suspekt. Man sah Meinungsbefragungen und andere Tests als „pseudowissenschaftliche bürgerliche Erkenntnismethoden“, die verschleiern, entstellen und eine Gefahr für den Aufbau der neuen Gesellschaft darstellen.[5] Am Anfang standen vielmehr politische Programme, Proklamationen, allgemeine Erziehungsziele sowie meist sehr pauschale und idealisierte, von den Sollwerten der Führungspartei abgeleitete Einschätzungen des Bewusstseins und Verhaltens der jungen Generation. Ziel war es, die sozialistische Jugendpolitik durchzusetzen und nicht die Befindlichkeiten und das Verhalten der Jugendlichen näher zu erforschen.

Erst Ende der 50er/ Anfang der 60er Jahre gab es vereinzelte Untersuchungen zu verschiedenen Problemen der Jugendentwicklung. Schon damals meist von Psychologen und Pädagogen organisiert, wurden 1962 und 1964 erstmalig vom Institut für Psychologie der Karl-Marx-Universität Leipzig jeweils mehrere tausend Schüler und Lehrlinge per Fragebogen zu politischen, schulischen und weiteren sozialen Themen befragt.[6] Die Forschungsberichte wurden sogar von den zentralen Leitungen der Jugendpolitik zur Kenntnis genommen und teilweise veröffentlicht, was einen bedeutenden Fortschritt darstellte. Im Jahr 1964 hatte sich bereits ein Wissenschaftlicher Beirat für Jugendforschung konstituiert, dem bekannte Wissenschaftler der Psychologie, Pädagogik sowie Jugendfunktionäre und Vertreter einiger Ministerien angehörten. Er hatte eine wichtige koordinierende und stimulierende Funktion und setzte sich energisch für die Gründung eines selbständigen Instituts ein, zu dessen Gründung es schließlich im Jahr 1966 kam. Auf Beschluss des Ministerrates der DDR wurde das Zentralinstitut für Jugendforschung (ZIJ) mit Sitz in Leipzig gegründet. Damit wurde die Jugendforschung in der DDR institutionalisiert. Die politische Entscheidung für ein solches Institut fiel in einer Zeit relativer wirtschaftlicher Stabilisierung und großspuriger Projektionen für die weitere Gestaltung der entwickelten sozialistischen Gesellschaft in der DDR. So wurden mehr Mittel als bisher auch für gesellschaftswissenschaftliche Forschungszwecke bereitgestellt. “Großforschungszentren“ sollten die angeblich sich schon in Sichtweite befindende Systemüberlegenheit belegen und weiter begründen helfen.[7] Deshalb mussten es schon “Zentralinstitute“ sein. Hier wurden die Forschungskapazitäten konzentriert, was ihnen bald eine Art Monopolstellung einbrachte. Vor allem jedoch konnten diese Einrichtungen leicht, weil der Zentrale direkt unterstellt, von oben dirigiert und kontrolliert werden. Da man in Sachen Jugend, der Zukunft der Nation, nicht hinter dem “Klassengegner“ zurückbleiben wollte, wurde also nach einigem Hin und Her die Gründung des ZIJ beschlossen. Denn für die zuständigen Politiker spielte es ebenso eine Rolle, dass mit dem Leipziger ZIJ ein Gegenstück zum kurz vorher gegründeten Münchner Deutschen Jugendinstitut (DJI) geschaffen werden sollte.

Die relativ kleine Gruppe der MitarbeiterInnen des Instituts, die den Aufbau mit viel Engagement in Angriff nahm, war von Beginn an eine verschworene Gemeinschaft, die sich ihrer wissenschaftlichen Arbeit verpflichtet fühlte und risikobewusst für ihre Ziele kämpfte. Sie wollte eine auf die Probleme, Bedürfnisse, Interessen und objektiven Lebensbedingungen der Jugend gerichtete, interdisziplinär orientierte und zusammengesetzte, empirisch fundierte, moderne sozialwissenschaftliche Jugendforschung entwickeln. An diesen Zielvorstellungen wurde beharrlich festgehalten. So erarbeitete sich das ZIJ nach und nach, trotz zahlreicher Anfeindungen, Repressionen und Zurechtweisungen, einen für DDR-Verhältnisse bemerkenswerten Spielraum und gewann ein zunehmendes Eigengewicht. Obwohl es anfangs weder von Politikern noch von konkurrierenden Wissenschaftlern ernst genommen wurde, fand es schon nach wenigen Jahren unter eben diesen sowie Künstlern und anderen Vertretern der Öffentlichkeit zunehmend Anerkennung und Förderung.

Es wurden vor allem größere empirische Untersuchungen zu den verschiedensten Jugendthemen durchgeführt, vorwiegend bei Schülern und Lehrlingen. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen wurden kurzfristig zentralen Stellen zur Verfügung gestellt. Der Fakt, dass sie häufig im Widerspruch zu den geschönten Routine-Einschätzungen verschiedener Ministerien bzw. anderer zentraler Leitungen standen, löste Diskussionen aus, die gelegentlich sogar das Politbüro der SED bewegten. Bereits 1969/70 kam es zu einer gefährdenden politischen Konfrontation mit der damaligen Ministerin für Volksbildung, Margot Honecker, die sich eine solche Einmischung in ihre Ressortangelegenheiten nicht bieten lassen wollte. Sie wies die Forschungsergebnisse des ZIJ zu „politisch- ideologischen Einstellungen der Schüler“ als unzutreffend, oberflächlich, den Informationen ihres Apparates widersprechend zurück und verbot weitere Forschungen an ihren Schulen.[8] Dem ZIJ wurde daraufhin eine Lektion erteilt, es wurde ein- und ausgegrenzt. In der Folgezeit kam es aus diesem Schussfeld nie mehr heraus. Meist vom Volksministerium initiiert, hat es bis Ende 1989 mindestens noch sechs bis acht weitere Male im Politbüro der SED zur Disposition gestanden.[9] Wissenschaftliche Daten über die reale politische Situation, über das politische Denken, Urteilen, Verhalten der Jugend, der Bevölkerung waren eben bei den Herrschern nicht gefragt, durften keinesfalls an die Öffentlichkeit gelangen. Dies wurde mit allen Mitteln unterbunden. Publikationen mit empirischen Daten zu Themen des politischen Bewusstseins und Verhaltens der Jugend waren seit dem Zusammenstoß mit Margot Honecker nahezu ausgeschlossen. Nur allgemeine Einschätzungen und möglichst wenig Problembeschreibung wurden zugelassen. Dafür sorgten politische Zensoren/ Funktionäre sowie nicht wenige politisch- konformistische Fachleute als “Gutachter“.

Für die MitarbeiterInnen des Instituts war das verständlicherweise eine entwürdigende, dem Wissenschaftsethos widersprechende, psychisch kaum zu ertragende, teilweise arbeitsdemotivierende Situation. Den Sinn ihrer Arbeit sahen sie darin, die Lebenslage und Lebensperspektiven der Jugendlichen verbessern zu helfen. Aber sie konnten keine öffentlichen Debatten über die von ihnen analysierten und erkannten realen Jugendprobleme führen. Doch trotz des vorhandenen Schattendaseins wurde am ZIJ produktiv weitergearbeitet, was wohl überwiegend dem guten Sozialklima sowie der kritisch politischen Einstellung zu verdanken war. So wurden in den 70er und 80er Jahren jährlich zehn bis fünfzehn größere Studien zu den verschiedensten Themen des Lebens Jugendlicher organisiert, darunter größere Längsschnitt-Untersuchungen über fünf bis zwölf Jahre hinweg.[10] Eine ganze Reihe von wissenschaftlichen sowie populärwissenschaftlichen Büchern und Broschüren wurde damals veröffentlicht, wenn auch fast immer erst nach langwierigen “gut-achterlichen“ Prozeduren mit engstirnigen und oft demütigenden Vorgaben, Einschränkungen und politischen Präzisierungen. Da diese Eingriffe der Zensur immer unerträglicher wurden, wich man auf allgemeinere Themen aus wie Persönlichkeit und Leistung, Einführung in die Sozialpsychologie oder auf Titel zur Zwillingsforschung, Begabungsentwicklung, Sexuologie oder Geschlechterpsychologie.[11]

Insgesamt betrachtet ist die Arbeit des ZIJ wenig politisch akzeptiert und genutzt worden. Dass es überhaupt bis 1989 geduldet und nicht schon viel früher liquidiert worden ist, gehört eigentlich zu den Merkwürdigkeiten des Systems in der DDR. Trotzdem sollte nicht übersehen werden, dass Ergebnisse/ Erkenntnisse/ Empfehlungen der Jugendforschung auch von nicht wenigen Institutionen sowie von Wissenschaftlern und Politikern gut genutzt worden sind, z.B. von verschiedenen Ministerien zur Ausarbeitung von Jugendförderungsprogrammen.

Seit Oktober 1989 hatte sich die politische Lage für das ZIJ grundlegend geändert. Das Institut wurde seitdem nicht mehr „von oben“ regiert und bevormundet. Publikations- und Forschungstabus, politische Zensur, Vorschriften über Forschungsthemen, internationale Kontakte und Kooperationsprojekte sowie andere Willkürentscheidungen gab es, bis zur Auflösung im Jahr 1991, nicht mehr.

2.3. Aufgabenfelder der Jugendforschung

Im Zuge der Institutsgeschichte des ZIJ hat es einige bedeutende Verschiebungen der vorherrschenden theoretischen Perspektiven gegeben. Unmittelbar nach der Institutsgründung dominierte ein entwicklungs-, sozial-, pädagogisch-psychologisches Denken. Anfang der 70er Jahre erfolgte dann, unter dem Einfluss der politischen Kritiken von Seiten der Volksbildung und der beginnenden Soziologieentwicklung in der DDR, ein Perspektivenwechsel hin zu soziologischen Denkweisen. Seit Anfang der 80er Jahre wurden wiederum verstärkt sozial-psychologische Positionen zur Ausgangsbasis der theoretischen Arbeit. Die politischen Prozesse dieser Zeit haben verständlicherweise zeitgeschichtliche und politologische Betrachtungsweisen mit Nachdruck gefordert und in den Mittelpunkt gerückt. Dieser Wandel der theoretischen Perspektiven kommt nicht nur in Publikationen und Qualifizierungsarbeiten der ZIJ- Mitarbeiter, sondern natürlich auch in zahlreichen Forschungen zum Ausdruck.

Der Forschungsgegenstand „Jugend“ wird als konkret-historische Erscheinung aufgefasst und untersucht, d.h. Jugend wird als soziale Gruppe, als Teilpopulation der Bevölkerung verstanden, die immer nur aus dem konkreten geschichtlichen Entwicklungsstand einer bestimmten Gesellschaft heraus definiert und beschrieben werden kann. Auch dem Prinzip der Differenziertheit der Jugend hat die Forschung von Anfang an große Bedeutung beigemessen. Die Jugend als homogene Massenerscheinung gibt es nicht. Die Jugend als einheitliche soziale Gruppe oder als ungegliederte Altersphase etwa von 12 bis 25 Jahren interessiert wenig. Globale Aussagen standen nicht im Mittelpunkt der Arbeit. Theoretisch wie praktisch relevanter waren Forschungen zu den differenzierten Lebenslagen, Biografien und Mentalitäten der Jugendschichten. Außerdem wurden stets auch die Kriterien Alter, Geschlecht, Bildungsabschluss, Familienstand u.a. berücksichtigt. Dementsprechend wurden Anfang der 70er Jahre folgende Abteilungen am Institut gegründet:

- Jugend und Studium ( Studentenforschung )
- Jugend und Arbeit ( Arbeiterjugend/ Lehrlinge)
- Jugend auf dem Lande ( Landjugendforschung )
- Jugend und Familie ( Verhältnis zur Herkunftsfamilie, Partnerorientierung, junge Ehe, und andere Formen des Zusammenlebens )
- Jugend und Freizeit ( Kultur- und Medienforschung )
- Jugend und Politik
- Jugend und Recht ( Jugendkriminologie )
- Jugend und Bildung.[12]

Durch das unmissverständlich ausgesprochene ministerielle Verbot, in Schulen weitere Untersuchungen durchzuführen, befasste sich die zuletzt genannte Abteilung mit einer verdeckten, weil ja nicht erlaubten Schülerforschung. Trotz des Schulverbots, konnte man in einigen, sehr wesentlichen Studien, Schüler weiter einbeziehen (überwiegend aus der Stadt Leipzig). Das war natürlich ein sehr riskantes illegales Unterfangen, bei dem man auf die Unterstützung und Verschwiegenheit des Bezirksschulreferates und mehrerer Schuldirektoren, angewiesen war. Doch solche Risiken wurden bewusst eingegangen, weil sonst auf wichtige und interessante Probleme des Überganges vom Kinder- zum Jugendalter, auf die Schülerpopulation hätte verzichtet werden müssen. Erst Ende der 70er Jahre durften bei bestimmten Untersuchungen nach langwierigen bürokratischen Kontrollprozeduren und Einschränkungen (oft von Margot Honecker persönlich vorgenommen) Schüler offiziell vom ZIJ wieder befragt werden.

Vor allem aber hat man sich neben Lehrlingen, für die Frau Honecker nicht zuständig war, verstärkt Studenten, jungen Arbeitern sowie der Landjugend zugewandt, also den älteren Jahrgängen, vorwiegend den 17- bis 25jährigen “jungen Erwachsenen“. Deren spezielle Lebensbedingungen und Probleme in der beruflichen Ausbildung und Arbeit, im Studium, besonders aber auch die Wert- und Lebensorientierungen, die speziellen Kommunikationsformen in der Partnerschaft, Familie, Freizeit wurden mit größeren Studien detailliert untersucht.

Zeitgeschichtliche Sozialisationsforschung und ontogenetische (von Ontogenese = Entwicklung des Einzelwesens) Personalisationsforschung stellten die prinzipiellen Herangehensweisen des ZIJ dar.[13] Bei der zuerst genannten Strategie spielen die sich im Laufe der Zeit verändernden Merkmale der Persönlichkeitsentwicklung/ Mentalität oder Lebensweise junger Generationen eine Rolle. Auf diese Fragen geben Kohorten- / Generationsvergleiche eine Antwort. Schon seit den Anfangsjahren des Instituts hat man diesem Herangehen Beachtung geschenkt und sowohl bei den Untersuchungen der Schüler, Lehrlinge, jungen Arbeiter, Studenten auf vergleichbare Populationen und Methoden großen Wert gelegt. So war es möglich, historische Veränderungstrends, Wandlungsprozesse bei Wert- und Lebensorientierungen der verschiedenen Jugendschichten, in ihrem weltanschaulich-politischen Denken und Verhalten, aber auch in ihrer intellektuellen Leistungsfähigkeit und in vielen anderen Lebensbereichen nachzuweisen. Da es in den 80er Jahren immer häufiger zu massiven Wandlungsprozessen der Mentalität und Lebensweise unserer Jugend kam und diese sich 1989/90 noch intensiver und tiefreichender gestalteten, stehen zeitgeschichtliche Vergleiche bis heute im Vordergrund der Forschungen.

Im Zentrum der Forschungsstrategie der ontogenetischen Entwicklung stehen die Prozesse der Persönlichkeitsentwicklung junger Menschen. Hier geht es um die biografische Entwicklung, um individuelle Lebensläufe, um die Integration des Einzelnen in die Gesellschaft bzw. die Herausbildung seiner Identitäten, Fähigkeiten, sozialen Verhaltensweisen. Die der ontogenetischen Personalisationsforschung am besten entsprechende Untersuchungsstrategie ist die Längsschnittmethode, also in bestimmten Zeitintervallen wiederholte Messungen bei identischen Populationen/Personen.[14] Solche Intervallstudien wurden mehrfach bei Schülern, Lehrlingen, jungen Arbeitern und Studenten durchgeführt. Bereits 1968 begann man mit einer Längsschnittstudie bei über 1200 Leipziger Schülern aus 6. Klassen ( 12-/13jährigen), die in Jahresintervallen, ab 1970 illegal in ihren Schulen, mit einem umfangreichen methodischen Programm auf Merkmale ihrer körperlichen, intellektuellen, sozialen, kulturellen, politischen Entwicklung untersucht wurden.[15] Nach Verlassen der Schule wurde der biografische Weg eines großen Teils von diesen Schülern als Lehrlinge, junge Berufstätige, Studenten bis zum 25. Lebensjahr weiterbegleitet. Ähnlich großangelegte Intervallstudien wurden ebenfalls schon seit 1970 bei Studenten verschiedener Hochschulen und Fakultäten organisiert, die später teilweise auch wieder als Absolventen zur Mitarbeit gewonnen werden konnten. In den 80er Jahren wurden erneut über 3000 Studenten von 1. Studienjahr an in einer wiederum sehr komplex angelegten Längsschnittstudie begleitet. So waren die Schwerpunkte dieser Studien z.B.:

- Leistungs- und Persönlichkeitsentwicklung vor dem Studium
- Soziale Herkunftsbedingungen
- Studien-, Berufsmotivation
- Wert- und Lebensorientierungen
- Politische Einstellungen und Aktivitäten
- Freizeitverhalten, kulturelle Interessen
- Partnerschafts-, Familienbeziehungen
- Berufliche Probleme und Karrieren nach dem Studium.[16]

Eingesetzte Methoden waren Fragebogen und Tests. In Teilgruppen auch Wochenprotokolle und biografische Angaben über Interviews und Aufsätze.

Große Bedeutung maß man auch den historischen Vergleichen der Lebenslagen und Mentalitäten junger Leute bei. Die Veränderungen der politischen, sozialen, kulturellen Einstellungen und Verhaltensweisen, des Denkens, der Motive und Lebensansprüche haben stets stark interessiert. Teilweise wurden komplexe Vergleichsstudien über größere Zeitabstände durchgeführt, z.B. bei Studenten 1969, 1979, 1989 und infolge der stürmischen Zeiten bereits 1990 wiederholt. Auch die Studien zum Partner- und Sexualverhalten der 70er, Anfang der 80er und schließlich Ende der 80er Jahre besitzen eine hohe Vergleichsfähigkeit und historische Aussagekraft.[17]

Solche Vergleichsforschungen spiegelten in den 80er Jahren die bedeutenden Wandlungen in den politischen Anschauungen, Werten und Identifikationen aller Schichten der damaligen DDR-Jugend sehr anschaulich wieder. In den Jahren 1988/89 dokumentierten sie die kapitalen Verfallserscheinungen der politischen Einstellungen so eindringlich, dass am nahe bevorstehenden Zusammenbruch des Systems kein Zweifel mehr bestehen konnte.

Tatsächlich hatte sich auch schon Ende Oktober 1989 die Situation für das Institut völlig verändert. Die zentralen Machtstrukturen funktionierten nicht mehr, verloren von Tag zu Tag mehr ihren Kontrolleinfluss. Die Jugendforschung stand plötzlich auf eigenen Füßen, konnte über sich selbst unabhängig verfügen, ein seit Jahren herbeigewünschter Zustand.

3. Jugendpolitik der SED

3.1. Gesellschaftliche Stellung der Jugend in der DDR

In der DDR ist eine junge Generation herangewachsen, die eine grundlegend neue gesellschaftliche Stellung sowie sehr günstige Entwicklungsbedingungen vorfinden sollte. Die von Erich Honecker auf dem I. Parlament der FDJ 1946 verkündeten Grundrechte der jungen Generation, die politischen Rechte, das Recht auf Arbeit und Erholung, das Recht auf Bildung, das Recht auf Freude und Frohsinn, sollten durch die Schaffung entsprechender Voraussetzungen in der gesellschaftlichen Praxis verwirklicht und seit der Gründung der DDR staatsrechtlich verankert werden.[18] Diese Jugend kannte angeblich „keine Ausbeutung, soziale Unterdrückung und Benachteiligung“.[19] Gefordert waren eine aktive und verantwortungsbewusste Teilnahme am gesellschaftlichen Leben, bei der Verwirklichung von Schwerpunktaufgaben in der Volkswirtschaft, aber auch in anderen gesellschaftlichen Bereichen. Ziel der „entwickelten sozialistischen Gesellschaft“ war es, der Jugend umfassend die Existenzbedingungen, die die Entwicklung allseitiger, schöpferischer, sozialistischer Persönlichkeiten förderten, zu sichern. Systematisch erfolgte die Aneignung einer hohen Allgemein-, beruflichen und weltanschaulichen Bildung und die Erziehung der Jugend entsprechend der sozialistischen Ziele und Werte.[20]

Es gehörte zu den grundsätzlich kommunistischen Zielsetzungen, einen neuen Menschentyp hervorzubringen, den „neuen Menschen“.[21] Dieser Mensch sollte einmal das Produkt umgestalteter sozialer Verhältnisse und Lebensumstände werden, zum anderen das Ergebnis einer bewussten sozialistisch-kommunistischen Erziehung. Diese Erziehung betraf die ganze Gesellschaft, besonders aber die junge Generation. Der damalige Entwicklungsstand in der DDR wurde von der SED selbst als „entwickelte sozialistische Gesellschaft“ bezeichnet, in der sich die Menschen schrittweise zu „sozialistischen Persönlichkeiten“ entwickeln sollten.[22] Was eine sozialistische Persönlichkeit ist, wurde verbindlich im „Jugendgesetz der DDR“ definiert. Im Kapitel I, das die Überschrift „ Die Entwicklung der Jugend zu sozialistischen Persönlichkeiten“ trägt, wird im § 1 dazu folgendes ausgeführt:

„ (1) Vorrangige Aufgabe bei der Gestaltung der entwickelten sozialistischen Gesellschaft ist es, alle jungen Menschen zu Staatsbürgern zu erziehen, die den Ideen des Sozialismus treu ergeben sind, als Patrioten und Internationalisten denken und handeln, den Sozialismus stärken und gegen alle Feinde zuverlässig schützen. Die Jugend trägt selbst hohe Verantwortung für ihre Entwicklung zu sozialistischen Persönlichkeiten.

(2) Aufgabe jedes jungen Bürgers ist es, auf sozialistische Art zu arbeiten, zu lernen und zu leben, selbstlos und beharrlich zum Wohle seines sozialistischen Vaterlandes - der Deutschen Demokratischen Republik – zu handeln, den Freundschaftsbund mit der Sowjetunion und den anderen sozialistischen Bruderländern zu stärken und für die allseitige Zusammenarbeit der sozialistischen Staatengemeinschaft zu wirken. Es ist ehrenvolle Pflicht der Jugend, die revolutionären Traditionen der Arbeiterklasse und die Errungenschaften des Sozialismus zu achten und zu verteidigen, sich für Frieden und Völkerfreundschaft einzusetzen und antiimperialistische Solidarität zu üben.

Alle jungen Menschen sollen sich durch sozialistische Arbeitseinstellung und solides Wissen und Können auszeichnen, hohe moralische und kulturelle Werte ihr eigen nennen und aktiv am gesellschaftlichen und politischen Leben, an der Leitung von Staat und Gesellschaft teilnehmen. Ihr Streben, sich den Marxismus- Leninismus, die wissenschaftliche Weltanschauung der Arbeiterklasse, anzueignen und sich offensiv mit der imperialistischen Ideologie auseinanderzusetzen, wird allseitig gefördert.

Die jungen Menschen sollen sich durch Eigenschaften wie Verantwortungsgefühl für sich und andere, Kollektivbewusstsein und Hilfsbereitschaft, Beharrlichkeit und Zielstrebigkeit, Ehrlichkeit und Bescheidenheit, Mut und Standhaftigkeit, Ausdauer und Disziplin, Achtung vor den Älteren, ihren Leistungen und Verdiensten sowie Verantwortungsbewusstes Verhalten zum anderen Geschlecht auszeichnen. Sie sollen sich gesund und leistungsfähig halten.“[23]

[...]


[1] Vgl.: Micksch, Jürgen: Jugend und Freizeit in der DDR, Opladen 1972, S. 19.

[2] Vgl.: Autorenkollektiv unter Leitung von Prof. Dr. Walter Friedrich: Jugend- FDJ- Gesellschaft. Beiträge zur sozialistischen Persönlichkeitsentwicklung junger Arbeiter und Studenten in der DDR, Berlin 1975, S. 15.

[3] Vgl.: Merkens, Hans (Hrsg.): Übereinstimmung und Differenz – Jugend in der DDR (= Jugendforschung aktuell, Bd. 6), Hohengehren 2000, S. 135.

[4] Vgl.: Friedrich: Berlin 1975, S. 13.

[5] Vgl.: Friedrich, Walter/ Griese, Hartmut (Hrsg.): Jugend und Jugendforschung in der DDR. Gesellschaftspolitische Situationen, Sozialisation und Mentalitätsentwicklung in den achtziger Jahren, Opladen 1991, S. 11.

[6] Ebenda.

[7] Vgl.: Hennig, Werner/ Friedrich, Walter (Hrsg.): Jugend in der DDR. Daten und Ergebnisse der Jugendforschung vor der Wende (im Auftr. des Zentrums für Kindheits- und Jugendforschung der Fakultät für Pädagogik der Universität Bielefeld), Weinheim, München 1991, S. 11.

[8] Ebenda, S. 12.

[9] Ebenda.

[10] Vgl.: Friedrich / Griese: Opladen 1991, S. 14.

[11] Ebenda, S. 15.

[12] Vgl.: Hennig / Friedrich: München 1991, S. 14f.

[13] Vgl.: Friedrich / Griese: Opladen 1991, S. 17.

[14] Ebenda, S. 18.

[15] Vgl.: Hennig / Friedrich: München 1991, S. 16.

[16] Ebenda.

[17] Ebenda, S. 17.

[18] Vgl.: Friedrich: Berlin 1975, S. 21.

[19] Ebenda, S. 5.

[20] Vgl.: Amt für Jugendfragen beim Ministerrat der Deutschen Demokratischen Republik: Gesetz über die Teilnahme der Jugend an der Gestaltung der entwickelten sozialistischen Gesellschaft und über ihre allseitige Förderung in der Deutschen Demokratischen Republik- Jugendgesetz der DDR- vom 28. Januar 1974, Berlin 1974, S. 5.

[21] Vgl.: Friedrich- Ebert- Stiftung (Hrsg.): Freie Deutsche Jugend und Pionierorganisation Ernst Thälmann in der DDR (= Die DDR- Realitäten Argumente, 56), Bonn 1984, S. 8.

[22] Vgl.: Jugendgesetz der DDR, Berlin 1974, S. 5.

[23] Ebenda, S. 11f.

Details

Seiten
66
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638054898
Dateigröße
656 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v92767
Institution / Hochschule
Technische Universität Dresden – Institut für Geschichte
Note
1,5
Schlagworte
Jugend Freizeit Unter Berücksichtigung Pionierpalastes Dresden

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Titel: Jugend und Freizeit in der DDR - Unter besonderer Berücksichtigung des Pionierpalastes in Dresden