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Wortanalyse / Exegese zu 1. Korinther 11, 3

Seminararbeit 2007 14 Seiten

Theologie - Biblische Theologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einführung

Kontext

Einzelexegese
Exkurs: Haupt

Systematisch-exegetische Auswertung
Wirkungsgeschichte
Wirkungsgeschichte Aktuell
Systematisch-theologische Auswertung

Anwendung/ Kontextualisierung für heute

Schlussbemerkungen

Literaturverzeichnis

Einführung

Es ist ein Vers der bis in unsere heutige Zeit einige Gemeinden und viele Ehen prägt. Ein biblischer Vers, der bis heute Streitgespräche auslöst. Er lässt die emanzipierten Frauen aufschrecken und die autoritären Männer aufhorchen. Ein Vers, große Wirkung: 1. Korinther 11, 3. In diesem Vers beschreibt Paulus der Gemeinde in Korinth die Stellung von Gott hin zu Christus, von Christus hin zum Mann und vom Mann hin zur Frau.

Die Partnerschaft ist wie damals auch heute noch brand aktuell. Außerdem ist die Emanzipation und die Rollenverteilung in unserer Gesellschaft ein Thema wie nie zu vor. Da das Wort Gottes für Christen Autorität hat, ist es auch wichtig, sich mit dieser Problematik biblisch auseinanderzusetzen.

Dazu ist relevant zu hinterfragen, warum Paulus den Korinthern diese Information zuteil werden lässt, welchen Anlass es dazu gab und ob diese Botschaft, die Paulus in diese Stiuation hineingesprochen hat, auch heute noch für uns gilt.

Außerdem stellen sich auch weitere aktuelle Fragen wie: Was heißt „Haupt“ eigentlich und welche Bedeutung hat es für einen Mann heute? Welche Folgen hat diese Rangordnung für eine Ehefrau? Und wer ist in dieser Reihenfolge das Haupt einer ledigen Frau? Wie kann man die Unterordnung von Christus unter Gott verstehen? Wird Christus dadurch benachteiligt?

In den folgenden Seiten dieser Exegese werde ich gründlich forschen und versuchen Antworten auf diese Fragen zu finden.

Kontext

Paulus bezeugt sich selbst als Verfasser des ersten Korintherbriefes in seinem Schreiben (vgl. 1, 1. 13; 3, 4-6, 15; 16,21). Zu der Zeit befindet sich der Apostel auf seiner dritten Missionsreise und ist derzeit in Ephesus (vgl. 16, 8.9.19). Von dort aus schreibt er um 55 n. Chr. der Gemeinde in Korinth seinen Brief.

Paulus selbst gründete die Gemeinde bei seiner zweiten Missionsreise. Korinth war zwar eine bedeutsame Handelsstadt und somit wirtschaftlich auf Hochkurs, jedoch verfiel sie moralisch vollkommen. Da sie eine Hafenstadt war, zählte auch die vermehrte Prostitution dazu. Die Prostitution wurde von der „Religion“ der Korinther unterstützt. Sie galt als Gottesdienst.

Auch die Gemeindemitglieder in Korinth waren von diesem Denken und Handeln ihrer Stadt noch stark geprägt. Somit praktizierten auch sie noch Sünden. Darum fordert Paulus die Korinther mehrmals in seinem Brief auf Unzucht, Götzendienst, Hurerei zu unterlassen und sich von dieser Kultur zu trennen (vgl. 3,3; 5, 1. 6. 11; 6, 9ff. 13; 10). Der Apostel korrigiert die Korinther in ihrem Verhalten und motiviert sie zu einem geistlichen und hingegebenen Leben an Christus. Er möchte, dass sie den Ungläubigen in Korinth ein Zeugnis und kein Anstoß werden (vgl. 10, 31- 11, 1). Außerdem geht er auf praktische Probleme in der Gemeinde ein und gibt der Gemeinde Ordnungen für das Gemeindeleben wie die richtige Teilnahme am Abendmahl (vgl. 11, 17-34) und die Einsetzung der Gaben der Gläubigen (vgl. 12; 14).[1]

Die Korinther interessierte auch das Thema der Ehe, Ehelosigkeit und Scheidung (vgl. Kapitel 7). Sie gaben ihre Fragen dies bezüglich an Paulus weiter. Daraufhin antwortet Paulus ausführlich. Im Kapitel 11 geht er außerdem im gemeindlichen Zusammenhang auf das Verhältnis zwischen Mann und Frau und auch auf „die gottgemäße Rolle der Frauen“[2] ein.

1. Korinther 11, 3 steht zwischen den Gemeindeordnungen, Anweisungen für das Miteinander und den Gottesdienst in der Gemeinde in Korinth (vgl. 10, 1 – 11, 1) und den Richtlinien für das Abendmahl (vgl. 11, 17 – 11, 34).

Auch die Beschreibung das Verhältnis (vgl. vgl. 11, 2 – 11, 16) zwischen Gott, Christus, Mann und Frau fließen mit in die Gemeindeordnung ein. Außerdem gibt Paulus in diesem engeren Kontext auch einen gut gemeinten Rat an die Gemeinde weiter: Die verheiratete Frau soll ihren Kopf im Gottesdienst bedecken.

Auch in den indirekten Parallelstellen finden sich „Gliederungen“ wieder und bestätigen die Aussage von 1. Korinther 11, 3. Christus ist das Haupt der Gemeinde (vgl. Eph 5) und da er der Ursprung ist, hat er Vorrang in allem (vgl. Kol 1, 18).

Außerdem spricht Gott schon im Alten Testament unter anderem folgende Worte zu Eva nach dem Sündenfall: „Dein Verlangen soll nach deinem Mann sein, aber er soll dein Herr sein!“ (Gen 3, 16). Auch in Epheser betont Paulus diesen Aspekt, dass sich die Frauen ihren Männern unterordnen sollen, genau so wie sich die Gemeinde Christus unterordnet (vgl. Eph 5, 24). Petrus bezeichnet diese Unterordnung sogar als „Schmuck“ einer Frau (vgl. 1. Petrus 3, 5) oder sogar als „ein Mittel“, um die ungläubigen Männer zum Glauben zu führen.

Die Unterordnung Christus unter Gott bestätigt Jesus selbst in Johannes 14, 28, indem er sagt: „Ihr habt gehört, dass ich zu euch sagte: Ich gehe fort und komme wieder zu euch zurück. Wenn ihr mich lieb hättet, würdet ihr euch freuen, dass ich zum Vater gehe; denn der Vater ist größer als ich.“

Im selben Brief an die Korinther schreibt Paulus auch, dass Christus Gott gehört (vgl. 1. Kor 3, 23) und Christus sich selbst im Ablauf des Auferstehungsgeschehens Gott unterwerfen wird (1. Kor 15, 27-28).

Die Einzelexegese

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Zuvor lobt der Apostel die Gemeinde dafür, dass sie an Paulus denkt und an dem Wort Gottes festhält, was er sie gelehrt hatte. Ja, zuerst lobt er sie und danach gibt er ihnen neue Anweisungen für den Gottesdienst. Sicherlich gebraucht Paulus diese psychologische Methode, um die Gemeinde bereit und empfänglich für seine nachfolgenden Worte zu machen.

Mit „ich will“ betont Paulus seine Dringlichkeit, den Korinthern etwas mitzuteilen, jedoch stellt er nicht seine eigene Meinung oder die bestehende Lebensform als Maßstab dar, sondern informiert die Gemeinde lediglich.[3] Somit überlässt er der Gemeinde die freie Entscheidung ein eigenes Verständnis und eigenes Urteil zu finden.[4]

Die Konjunktion „aber“ bezieht sich auf das Lob zuvor, drückt jedoch aus, dass Paulus mit seinen Anweisungen und Ordnungen, die er der Gemeinde schon zuvor zuteil werden ließ, noch nicht fertig ist.

Vermutlich waren den Korinthern diese folgenden Informationen noch nicht bekannt. Denn Paulus schreibt eindringlich „dass ihr wisst“. Sogar das Personalpronomen „ihr“ betont er, in dem er anstatt nur eidenai zusätzlich noch umaj schreibt. Es scheint, dass die die moralisch verfallene Stadt auch dies bezüglich verkehrt gelebt und somit auch das Gemeindeleben geprägt hatte. Paulus wollte sie nicht im Unwissen lassen. Somit schreibt er den Korinthern:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Es fallen die Aufzählungen in diesem Vers auf. Die Konjunktion „aber“, die zweimal vertreten ist, macht jedoch auch auf die Unterscheidung zwischen den Aufzählungen aufmerksam. Der Vers ist in der Ist-Form und im Indikativ geschrieben und drückt damit die Aktualität und die Wirklichkeitsbedeutung des Gesagten aus. „Dass jedes Mannes…“ ist ein Finalsatz, in dem Paulus seine Absicht seiner Information deutlich macht. Es fällt auf, dass der Mann im zweiten Satz durch das Wörtchen „jeder“ betont wird: „jedes Mannes“. Dagegen wird die Frau nicht betont. Sie wird nur mit „einer Frau“ benannt.

Für die Textkritik ist zu wissen, dass in der griechischen Bibel ein hochgestellter Kringel vor dem o vor „Cristoj“ steht. Dieser Kringel bedeutet, dass es eine Auslassung für dieses Wort gibt. Im Apparat findet man dazu eine Anmerkung. Sie besagt, dass in den „jüngeren“ Schriften das o ausgelassen wurde, jedoch in den älteren Schriften vorhanden ist.

Ich denke, aufgrund des richtigen Sprachschatzes und der theologischen Vorstellung, dass es nur „den einen“ Christus gibt, wurde die ältere Form übernommen. Das o blieb.

Das Wort kefalh bedarf einer genaueren Untersuchung, daher füge ich hier einen Exkurs darüber ein.

Exkurs: Haupt

Worthäufigkeit nach Bible Workshop[5]

In der Bibel: 264 mal

AT: 214 mal

NT: 50 mal nach Luther 1912

1. 1. Kor: 11 mal (am häufigsten im NT)
2. Matthäus: 8 mal
3. Offenbarung, Markus: 6 mal
4. Johannes, Apg., Epheser: 4 mal
5. Lukas, Kolosser: 3 mal

Worthäufigkeit nach Theologisches Begriffslexikon zum neuen Testament[6]

gr. kefalh (Haupt) im NT: 75 mal

Offenbarung: 19-mal (am häufigsten)

[...]


[1] Vgl. Genfer Bibelgesellschaft, John MacArthur Studienbibel, Der Brief des Apostel Paulus an die Korinther, Bielefeld ³2004, 1636-1637.

[2] Ebd., 1637.

[3] Vgl. Werner de Boor u. Fritz Rienecker (Hg.), Wuppertaler Studienbibel, Der erste Brief des Paulus an die Korinther, Wuppertal 1968. 178-180. 180.

[4] Vgl. Ebd., 180.

[5] Vgl. Christliche Verlagsgesellschaft, Bible Workshop Pro f. Windows, Version 4.0, Haupt, in: Konkordanz/ Luther 1912.

[6] Vgl. Lothar Coenen (Hg.), kefalh, in: Theologisches Begriffslexikon zum Neues Testament, Bd. 2, Wuppertal 1969, 634-636.

Details

Seiten
14
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638062145
ISBN (Buch)
9783640122875
Dateigröße
500 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v92596
Note
Schlagworte
Wortanalyse Exegese Korinther Seminar

Autor

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