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Nachhaltige Wasserwirtschaft am Beispiel der Stadt Hannover

Hausarbeit (Hauptseminar) 2002 36 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Phys. Geogr., Geomorphologie, Umweltforschung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Was versteht man unter Nachhaltigkeit und Agenda 21?

3 Wie kann die Agenda 21 lokal umgesetzt werden?
3.1 Regionale Nachhaltigkeit in der Wasserversorgung
3.2 Die lokale Agenda 21 in Hannover
3.2.1 Chronologie
3.2.2 Praktische Umsetzung der lokalen Agenda 21 in Hannover
3.2.3 Leitziele/ Leitlinien nachhaltiger Wasserwirtschaft der Stadt Hannover

4 Wie sieht die nachhaltige Wasserwirtschaft der Stadt Hannover aus?
4.1 Schutz von Grund- und Trinkwasser
4.2 Abwasserentsorgung
4.3 Renaturierung der Flüsse
4.4 Regenwasserbewirtschaftung
4.4.1 Grundkonzepte
4.4.2 Einzelne Typen von Versickerungsanlagen

5 Wasserrechtliche Instrumente der Stadt Hannover
5.1 Verwaltungseinheiten und Gebührenerhebung
5.2 Durchsetzung der Regenwasserbewirtschaftung
5.2.1 Bebauungspläne
5.2.2 Städtebauliche Verträge
5.2.3 Vorhaben- und Erschließungspläne
5.2.4 Grundstückskaufverträge
5.2.5 Abwassersatzung
5.2.6 Baugenehmigungen
5.2.7 Örtliche Bauvorschrift durch Satzung
5.2.8 Förderprogramme

6 Bilanz
6.1 Trinkwasserverbrauch und Abwasserentsorgung
6.2 Regenwasserbewirtschaftung
6.3 Gewässergüte
6.4 Initiativen zur nachhaltigen Entwicklung
6.5 Übersicht über die Verwirklichung der Leitziele der lokalen Agenda 21

7 Tragweite nicht bekannt

8 Neubildungsrate nicht bekannt

9 Schlussbetrachtung

10 Begriffserklärungen und wichtige Abkürzungen

11 Quellenverzeichnis
11.1 Literatur
11.2 Internet
11.3 Weiterführende Quellen
11.4 Internet:

1 Einleitung

Wasser ist das wichtigste Gut der Erde. Ohne Wasser gäbe es kein Leben. Alle zwölf Sekunden stirbt irgendwo auf der Welt ein Mensch infolge von unreinem Wasser (ATV-DVWK 2001, S.4). Weltweit haben ca. 1,2 Milliarden Menschen keinen Zugang zu sauberem Wasser und doppelt so viele keinen Anschluss an das Abwassersystem (BUNDESREGIERUNG o.J., S.316 f.). Zunehmend entflammen Kriege wegen Nutzungskonflikten um Wasser.

Diese Bilder vor Augen, sollten sich die Menschen in den reichen Industrieländern Gedanken über sinnvollen Gebrauch von Wasser machen. Die Verbesserung der Wasserversorgung für alle Menschen und ein nachhaltiges, integriertes Management der Ressource Wasser sollte ihr Ziel sein.

Meine Arbeit widmet sich der nachhaltigen Wasserwirtschaft. Als Anschauungsbeispiel wurde die Stadt Hannover herangezogen, die schon einige Schritte zum Thema Nachhaltigkeit unternommen hat. In dieser Arbeit sollen zunächst die Begriffe „Nachhaltigkeit“ und „Agenda 21“ geklärt werden. Im darauffolgenden Kapitel wird die Notwendigkeit einer lokalen und regionalen Umsetzung der Agenda 21 erläutert und vorgestellt, was die Stadt Hannover zur Agenda 21 beiträgt. Nach Vorstellung der Leitlinien Hannovers wird in Kapitel 4 die gegenwärtige Situation in Hannover geschildert und welche Projekte die Stadt gerade durchführt bzw. in nächster Zeit durchführen will. Welcher rechtlichen Instrumente sich die Stadt zur praktischen Durchführung bedient, ist Gegenstand von Kapitel 5. Zuletzt versuche ich, eine Art Bilanz zu ziehen, was bisher in Hannover tatsächlich zum Thema Nachhaltigkeit geschehen ist und wie sich die ergriffenen Maßnahmen mit den formulierten Leitzielen Hannovers zur lokalen Agenda 21 vereinbaren lassen.

2 Was versteht man unter Nachhaltigkeit und Agenda 21?

Die Grundregel der Nachhaltigkeit lautet folgendermaßen: „Jede Generation muss ihre Auf­gaben selbst lösen und darf sie nicht den kommenden Generationen aufbürden. Sie muss zugleich Vorsorge für absehbare zukünftige Belastungen treffen. Das gilt für die Er­haltung der natürlichen Lebensgrundlagen, für die wirtschaftliche Entwicklung sowie den sozialen Zusammenhalt und den demographischen Wandel.“ (BUNDESREGIERUNG o.J., S.50)

Der Begriff „Nachhaltigkeit“ oder „nachhaltige Entwicklung“ ist eine Lehnübersetzung des Schlüsselbegriffes „Sustainable Development“, unter dessen Motto 1992 die Konferenz für Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro stand. Nachhaltiges Handeln soll auf lange Sicht weitreichende Veränderungen auf der Welt bewirken. Ökonomie, Soziales und Ökologie sollen auf Dauer die Bedürfnisse der Menschheit befriedigen, ohne zugleich künftigen Generationen die Lebens­grund­lage zu entziehen. Nachhaltige Entwicklung meint im Großen und Ganzen einen „gesellschaft­lichen Wandlungsprozess, der zu neuen Wertvorstellungen und Konsum­gewohn­heiten führen soll“ (BRANDL 2001, S.64). Nachhaltigkeit definiert sich durch Wirken in die Zukunft, durch einen posit­i­ven Effekt auf die Wirtschaft, Umwelt und Gesellschaft. Entscheidungen werden auf einer gemeinsamen Wertebasis getroffen und die von der Entscheidung Betroffenen halten sich an die Spielregeln. Von diesen Kriterien ist das soziologische Moment, d. h., die Entscheidungen aufgrund einer gemeinsamen Wertebasis, wohl mit den meisten Schwierigkeiten behaftet, da es fast unmöglich ist, allgemeinverbindliche Ziele zu finden.

„Nachhaltigkeit“ erfordert zusammengefasst folgende Kriterien (LANDESHAUPTSTADT HANNOVER - UMWELTDEZERNAT (=HANN-U) 1997, S.97):

a. Die Nutzungsrate erneuerbarer Rohstoffe (z.B. Holz) darf nicht größer sein als ihre Neubildungsrate.
b. Die Nutzungsrate nicht erneuerbarer Rohstoffe (z.B. Erdöl) darf nicht größer sein als die Rate ihres Ersatzes durch erneuerbare Rohstoffe.
c. Die Rate der Abgabe von Stoffen darf deren Assimilationsrate nicht übersteigen (z.B. CO2).
d. Es besteht ein gleiches Nutzungsrecht aller Menschen an den weltweit zur Verfügung stehenden Ressourcen.
e. Durch die Nutzung von Ressourcen darf die Funktionsfähigkeit der Natur insgesamt nicht beeinträchtigt werden. Es besteht ein Recht auf Lebensraum auch für die außermenschliche belebte Natur.

In vorliegender Arbeit ist das Augenmerk auf eine zukunftsträchtige, nachhaltige Wasserwirtschaft gerichtet. Dazu muss auch der Begriff der nachhaltigen Wasser­wirtschaft geklärt werden.

Nachhaltige Wasserwirtschaft bezeichnet „die integrierte Bewirtschaftung aller künst­lichen und natürlichen Wasserkreisläufe“ (ATV-DVWK 2001, S.7). Dabei müssen drei Ziele beachtet werden:

- Wasser als Lebensraum schützen
- Wasser als Ressource schützen
- Wege zu einer dauerhaft naturverträglichen, wirtschaftlich effizienten und sozial gerechten Entwicklung finden

Diese Lösungen dürfen aber andere Bereiche der nachhaltigen Entwicklung nicht beeinträchtigen.

Die Agenda 21 gibt detaillierte Handlungsaufträge zur Umsetzung des Prinzips der Nachhaltigkeit. Diese Aufträge erfordern interdisziplinären Austausch und müssen in nationale und lokale Aktionspläne umgesetzt werden. Zur Umsetzung reichen politische Gremien alleine nicht aus, sondern alle gesellschaftlich relevanten Kräfte müssen miteinbezogen werden!

Als oberstes Ziel der Agenda 21 gilt „Gerechtigkeit zwischen Generationen, den Geschlechtern und den Völkern“. Ein Beitrag soll für die Welt geleistet werden, „in der Armutsbekämpfung, Frieden, Umweltschutz und Entwicklung nicht voneinander zu trennen sind“ (LANDESHAUPTSTADT HANNOVER – AGENDA 21-BÜRO (= HANN-AG21) 2000, Infoblätter).

3 Wie kann die Agenda 21 lokal umgesetzt werden?

3.1 Regionale Nachhaltigkeit in der Wasserversorgung

Das Prinzip der Agenda 21 ist „global denken und lokal handeln“ (ATV-DVWK 2001, S.6). Nur auf lokaler Ebene kann das Übel der Umweltzerstörung an der Wurzel gepackt werden.

Dem Prinzip Nachhaltigkeit folgend sind eine Regionalisierung der Wasserversorgung und ein demokratisch verfasster nachhaltiger Umgang mit Wasser anzustreben.

Ein verantwortungsvoller Umgang mit Wasser ist mehr nötig denn je. Wasser ist eine regionale Ressource und muss regional geschützt werden nach dem Vorsorge- und Verursacherprinzip (ATV-DVWK 2001, S. 7 ff.).

Durch die Verwendung des Wassers vor Ort können KLUGE, SCHRAMM und VACK (1995, S. 44) zufolge hochtechnische Wasseraufbereitungs­anlagen eingespart werden und durch abgerüstete Anlagen ersetzt werden, die an den Wasserkreislauf angepasst sind (z.B. Sandfiltration) und sich einfacher handhaben lassen. Die hochtechnisierte Wasserversor­gung arbeite nur durch konstantes Wachstum des Wasserverbrauchs wirtschaftlich und sei deshalb kontraproduktiv zum sparsamen Umgang mit Wasser. Die Fixkosten der Wasseraufbereitung liegen bei 90 %, weshalb sich Wassersparen finanziell gesehen nicht lohne, da die hohe Kostenpauschale an den Verbraucher weitergegeben werden müsse, um die Wasserversorgungsbetriebe überlebensfähig zu halten (KLUGE, SCHRAMM, VACK 1995, S. 150.).

Ein weiteres, aber lösbares Problem, das sich beim Wassersparen ergibt, ist ein gerin­gerer Wasserdurchfluss und somit längere Standzeiten im Wasserversorgungsnetz, da im Trinkwassernetz Feuerlöschwasser bereitstehen muss. In Bezug auf den Trinkwasser­bedarf sind die Leitungsquerschnitte überdimensioniert. Im Feuerlöschfall sollte demnach eine Pumpe zugeschaltet werden, so dass der Wasserdruck ausreicht (HANN-U 1996, S.10).

Die heute dominierende Fernwasserversorgung verlagert die Probleme der Wasser­ressourcen nur auf andere Gebiete. Durch Kontamination des Untergrundes wurden in den Verdichtungsräumen nämlich viele örtliche Wasserwerke aufgegeben und stattdes­sen Fernversorgungsleitungen gebaut, die aufwändig zu warten sind (KLUGE, SCHRAMM, VACK 1995, S. 134.). Auch die Sanierung des kontaminierten Untergrundes ist sehr umständlich und langwierig. Mengenprobleme des Wasservorrats in Mitteleuropa ergeben sich meist aus Qualitätsproblemen (ATV-DVWK 2001, S. 4).

3.2 Die lokale Agenda 21 in Hannover

3.2.1 Chronologie

1972: Umweltgipfel in Stockholm: UNEP: Umweltprogramm der Vereinten Nationen. Dieser Umweltgipfel scheiterte, weil der Schutz der Umwelt und die Befriedigung der Grundbedürfnisse der Menschen damals nicht vereinbar schienen.

1992: Konferenz für Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro; die Agenda 21 wird von 179 Staaten unterzeichnet.

1994: Bundestagsbeschluss zur lokalen Agenda 21

1995: Ratsbeschluss einer lokalen Agenda 21 für Hannover

1995: Charta von Aalborg wird unterzeichnet: „Vorschlag, wie die Städte in den Indus­trie­ländern die lokale Agenda 21 in ihrem eigenen Handlungsrahmen umsetzen können.“

April 1996: Einrichtung des Agenda 21- Büros in Hannover (HANN-AG21 2000, Infoblätter).

3.2.2 Praktische Umsetzung der lokalen Agenda 21 in Hannover

Die lokale Agenda 21 in Hannover besteht aus vier Bausteinen (HANN-AG21 2000, Infoblätter):

Der erste Baustein ist der stadtweite Dialog zwischen Verbänden, Kirchen, Gewerkschaften, der Politik und der Verwaltung. Mit den Bürgern Hannovers wurde bereits ein Konsultationsverfahren durchgeführt. Dieses entspricht Teil III, Kapitel 28 der Agenda 21 (ATV-DVWK 2001, S.6).

Der zweite Baustein ist die Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit, um die Bürger aufzuklären und sie zum Umdenken im Sinne der Nachhaltigkeit anzuregen.

Der dritte Baustein sind Projekte und der vierte die Umsetzung von konkreten Maßnahmen im Sinne der Nachhaltigkeit.

Im Oktober 1996 gründeten etwa 200 Bürger Hannovers vier Arbeitsgruppen zur lokalen Agenda 21 mit folgenden Schwerpunkten (HANN-AG21 2000, Infoblätter):

- Arbeit: Produktion, regionale/globale Zusammenarbeit, Energie und Arbeitsplätze
- Freizeit: Kultur, Reisen, Bildung, Generationen, internationale Zusammenarbeit
- Wohnen: Stadtentwicklung, Verkehr/Mobilität, Grün, Erholung, Immissionen
- Konsum: Handelsstrukturen, Verbraucherbedürfnisse, 3. Welt, lokale Produkte

Diese Arbeitsgruppen sind also an die Bereiche des täglichen Lebens angepasst; eine eigene Umweltschutzarbeitsgruppe gibt es nicht; Umweltschutz ist in den einzelnen Arbeitsgruppen jedoch integriert.

Zwischen Oktober 1996 und Dezember 1997 entwickelten diese Gruppen ehrenamtlich Leitbilder und Handlungsziele zur lokalen Agenda 21 und im März 1998 wurde sie der Öffentlichkeit präsentiert (HANN-U 2001b, S.10).

Welche Grundsätze die hannoveraner Arbeitsgruppen bezogen auf nachhaltige Wasserwirtschaft aufgestellt haben, wird im Folgenden aufgezählt.

3.2.3 Leitziele/ Leitlinien nachhaltiger Wasserwirtschaft der Stadt Hannover

1.) Minimierung des Energie- und Rohstoffverbrauchs:

1.a Möglichst Nutzung von selbstregulierenden Systemen
1.b Einsatz von energiesparenden Methoden der Wassergewinnung und -entsorgung
1.c Vorsorge statt Aufbereitung
1.d Einsatz von regenerativen Energien

2.) Minimierung des (urbanen) Wasserkreislaufs, Verlangsamung des Wasseraustauschs zwischen natürlichem und urbanem Wasserkreislauf

2.a Wasserentnahme muss unter der Wasserneubildungsrate liegen
2.b Rationelle Wassernutzung -> Sparen, Recycling, betriebliche Wasserkreisläufe
2.c Möglichst Nutzung von schnell regenerierbaren Wasserkreisläufen
2.d Förderung abwasserfreier Siedlungsformen

3.) Trennung von Schadstoffströmen und Wasserkreislauf

3.a Orientierung der Einleitungen an der Selbstreinigungsfunktion der Gewässer
3.b Verhinderung des Eintrags von toxischen und sich akkumulierenden Stoffen

4.) Naturschonende Nutzung von Wasserressourcen, Förderung der ökologischen Vielfalt und der natürlichen Funktionsfähigkeit aquatischer Ökosysteme

4.a Ökologisch orientierte Grundwassergewinnung
4.b Erhalt der natürlichen Gewässerfunktion
4.c Verbesserung der Gewässergüte
4.d Förderung der Artenvielfalt
4.e Bodenschutz, Verringerung der Bodenerosion (HANN-U 1997, S.98 ff.)

Inwieweit diese Leitsätze schon in die Wasserwirtschaft Hannovers integriert sind, soll in den folgenden Kapiteln immer wieder aufgezeigt werden.

4 Wie sieht die nachhaltige Wasserwirtschaft der Stadt Hannover aus?

Nachhaltige Wasserwirtschaft der Stadt Hannover hat den Schutz von Grund- und Trinkwasser zum obersten Ziel. Alle Maßnahmen der Regenwasserbewirtschaftung, der Abwasserentsorgung und der Renaturierung von Gewässern zielen letztendlich auf die Wiederherstellung und den Schutz von natürlichen Grundwasservorkommen und auf die Reinhaltung der Gewässer. Somit soll auch in Zukunft eine ausreichende und hygienische Versorgung mit Trinkwasser sichergestellt werden.

4.1 Schutz von Grund- und Trinkwasser

Seit Jahren ist in Deutschland eine Absenkung des Grundwasserspiegels zu beobachten, wodurch die Reserven für die Wasserversorgung gefährdet werden und oftmals auch Schädigungen an Gebäuden durch Grundabsenkung zu befürchten sind.

Der Grundwasserspiegel senkt sich ab, weil mehr Wasser aus dem Grundwasserkörper entnommen wird als ihm wieder zukommt. Grundwasser ist in Deutschland die Basis der Trinkwasserversorgung; etwa 82 % der öffentlichen Wasserversorgung stammen aus dem Grundwasser (siehe Abbildung 1, gepunktete Flächen). Nur 18 % stammen aus anderen Wasservorkommen (gestreifte Flächen).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Anteile der Wasservorkommen an der öffentlichen Wasserversorgung in der Bundesrepublik Deutschland 1990 (nach: Hamann, S.57).

Der Hauptgrund für das Rückflussdefizit in den Grundwasserkörper ist, dass infolge der hohen Flächenversiegelung das Niederschlagswasser nicht mehr in den Boden sickern kann, sondern ungenutzt in die Kanalisation oder in den nächsten Fluss geleitet wird.

Die Regenerationszeit des Grundwassers dauert im allgemeinen einige Jahre bis zu hin zu Jahrtausenden (ATV-DVWK 2001, S.4.). Je länger die Regenerationszeit eines Grund­wasser­­vorkommens dauert, desto mehr gilt es die Entnahme im Sinne der Nachhaltigkeit zu vermeiden!

Damit der Grundwasserhaushalt durch Flächenversiegelung nicht nachteilig beeinflusst wird, bieten sich folgende Maßnahmen an:

- Vermeidung einer Absenkung des Grundwasserspiegels bzw. Wiederauffüllung des Grundwasserkörpers durch die Minimierung der Bebauung, indem Grünfestsetzungen, freizuhaltende Schutzflächen und Dachbegrünung vorgeschrieben werden. Durch direkte Versickerung oder Zwischenspeicherung mit anschließender Versickerung von Regenwasser wird versucht, den Grundwasserspiegel wieder aufzufüllen. Im Jahr 2000 gab es 45 Regenwasserrückhaltebecken in Hannover in Form von offenen Erdbecken, Nass- und Trockenbecken. Sie dienen als Lebensraum und zum Abfangen von Abfluss-Spitzen (HANN-U 2000, S.17).
- Schonung des Grundwasservorkommens durch Ausweichen auf andere, leichter regenerierbare Wasservorkommen: Da viele Tätigkeiten wie Wäschewaschen, Blumengießen oder Putzen kein hochwertiges Trinkwasser erfordern, ist auch die Trennung von Wasserkreisläufen sinnvoll, um aufwändige Wasseraufbereitung zu sparen: Statt Trinkwasser kann man Betriebswasser wie Regenwasser oder Grauwasser benutzen. Die Kosten für eine Betriebswassernutzungsanlage belaufen sich auf etwa 1.500 bis 4.000 Euro pro Haushalt. Ein Filtersammler, ein Speicher oder Brunnen, eine Pumpanlage und ein eigenes Leitungsnetz sind erforderlich. Die Amorti­sationszeit dauert etwa sieben bis zehn Jahre (HANN-U 2000, S.19 ff.). Bei der Nutzung von Betriebswasser und somit Schonung der Grundwasserreserven spielt in Hannover die Regenwasserbewirtschaftung eine tragende Rolle, auf die später noch eingegangen wird.

- Maßnahmen wie die Renaturierung von Flüssen schaffen die Basis für ein funktionie­ren­des Ökosystem.

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Details

Seiten
36
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638063814
Dateigröße
993 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v92552
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München – Institut für Geographie
Note
1,7
Schlagworte
Nachhaltige Wasserwirtschaft Beispiel Stadt Hannover Hydrologie

Autor

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