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Licht- und Schatteneffekte bei Caravaggio - Analyse und Zuschreibung des Bildes 'David und Goliath' aus dem Kunsthistorischen Museum in Wien

Seminararbeit 2002 8 Seiten

Kunst - Malerei

Leseprobe

Das Bild „David und Goliath“ von Michalengelo Merisi, da Caravaggio ist mit Öl auf Leinwand gemalt. Für sein Gemälde wählte Caravaggio ein Querformat mit den Maße 95 cm x 165 cm[1]. Höchstwahrscheinlich entstand es zwischen 1598-1599 in Rom. Heute befindet sich dieses Gemälde in der Gemäldesammlung des Kunsthistorischen Museums in Wien. Geht man allerdings von den Informationen des Kunsthistorischen Museums aus, scheinen die Informationen sehr zu variieren. So gehen hier die Experten von einer Entstehungszeit von 1606 bis 1607 aus. Das Material besteht hier aus Holz mit den Maßen von 90,5 cm x 116 cm[2].

Im Mittelpunkt dieses Bildes steht ein junger Mann, der einen abgeschlagenen Kopf an den Haaren gepackt hat und einer imaginären Person entgegen hält. Dieser Jüngling trägt eine kamelfarbenen Lederhose, die durch ein locker geschnürtes Band gehalten wird. Während die linke Seite seines Oberkörpers mit einem weißen Hemd bekleidet ist, ist dagegen die rechte Seite komplett nackt. Möglicherweise wurde der rechte Ärmel im Kampf abgerissen. Allerdings sind soweit keine sichtbaren Risse im Gewebe erkennbar.

Mit der linken Hand hält er den abgeschlagenen Kopf eines bärtigen älteren Mannes an den Haaren hoch. Die Waffe, mit der diese Tat höchstwahrscheinlich begannen wurde, ist geschultert. Wie der Titel schon aussagt, handelt es sich bei den Personen um David und Goliath. David hat den Philister im Zweikampf mit einer Steinschleuder getötet. Er nahm das Schwert des Gegners und schlug ihm damit den Kopf ab, um ihn nach Jerusalem zu bringen.[3]

Geht man von dem Ausgang der biblischen Geschichte aus, müßte der Held als triumphierend und souverän wirken. Statt dessen erscheint er nachdenklich und melancholisch. Sein Blick ist fast anklagend auf eine unsichtbare dritte Person gerichtet, die sich links außerhalb des Bildes befindet.

Ein Markenzeichen von Caravaggio ist, wie Schmerz in einem Werk aufgenommen werden kann. Dies wird auch an der Mimik des Philisters deutlich. Dieser Mensch hat nichts mit den klassisch-idealisierten Figuren des Barock gemeinsam, sondern ist vom wirklichen Leben gezeichnet. Das Gesicht des Philisters ist verzerrt. Der Mund ist zu einem stummen Schrei aufgerissen. Seine Augen sind weit geöffnet und auf den Betrachter des Bildes gerichtet. Auf diese Weise wird der Zuschauer in das Geschehen mit einbezogen. Sein Blick wird von der Fratze weiter über den ausgestreckten Arm Davids zu dessen Gesicht gelenkt.

Unter Berücksichtigung von Caravaggios biographischer Daten, kann sogar in Betracht gezogen werden, daß dieser Maler sich mit dem Philister identifizierte und dem abgeschlagenen Kopf seine Gesichtszüge verlieh. Selbsterniedrigung, Hoffnungslosigkeit und Verdammnis sprechen aus diesem Bild und deuten auf Caravaggios düstere Seelenlage. Nach einem Besuch der Osteria del Cerriglioin Palermo wurde er überfallen und im Gesicht so schwer verletzt, daß selbst seine Freunde ihn nicht wiedererkannten. Schwer verwundet und entstellt, hörte er jedoch nicht auf zu malen, sondern thematisierte sein Leiden in verschiedenen Bildern. Im Juli 1610 reist er per Schiff nach Rom. Trotz inoffizieller Begnadigung durch den Papst wird Caravaggio bei seiner Ankunft, wahrscheinlich nur aufgrund einer Verwechslung, festgenommen[4]. Diese eben aufgestellte These wird von H. Röttgen untermauert. "Den abgeschlagenen, aber mit brechenden Augen lebend weiterschreiende Haupt des Versündigers gegen Gott, eben des Riesen Goliath, ist zugleich der Kopf Caravaggios, des Gottversuchers, der seine Strafe antizipiert und dem David als letztes narzißtisches Glück für das Opfer einen Blick voller Mitleid zusendet, ..."[5].

Ungewöhnlich für dieses Bild ist die Gestaltung des Hintergrundes. Der Maler verzichtet auf eine architektonische Darstellung, sondern widmet sich voll und ganz seinen Hauptpersonen. Der Hintergrund ist lediglich in einem Schwarzbraun gehalten. Dadurch entsteht ein starker Kontrast zur hellen Kleidung und zum hellen Inkarnat des jungen Mannes. Durch diesen Einsatz von Hell und Dunkel und den Verzicht eines gegenständlichen Hintergrundes erhält die Szene einen Bühnencharakter. Das Bild wird somit auf die beiden Figuren minimiert. Es gibt keinen zeitlichen oder räumlichen Bezug. Der Betrachter wird schonungslos mit dem Resultat des Zweikampfes konfrontiert. Verstärkt wird der Eindruck einer Bühnenszene noch durch den Einsatz eines Fremdlichtes, das von links Oben den „biblischen Helden“ bestrahlt. Die Szene wird somit nicht einheitlich beleuchtet, sondern nur partiell. Wichtige Elemente der Komposition werden so durch helles Licht hervorgehoben oder in Gegensatz zu dunklen Partien gebracht. Dieser starke Kontrast läßt die Gestalt plastisch und körperhaft erscheinen.

[...]


[1] Lionello Venturi, Caravaggio, München 1955, S. 67

[2] Homepage des Kunsthistorischen Museums in Wien: http://www.khm.at/system2.html?/static/page232.html

[3] Die Bibel : Altes und Neues Testament, AT, 1 Samuel 17, 50 - 55

[4] http://www.bautz.de/bbkl/c/caravaggio_m.shtml

[5] H. Röttgen: Caravaggio - Der irdische Amor oder: Der Sieg der fleischlichen Liebe, Frankfurt am Main 1992, S. 79-80

Details

Seiten
8
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638159975
Dateigröße
649 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v9236
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum – Kunstgeschichte
Note
2
Schlagworte
Problematik der Zuordnung

Autor

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Titel: Licht- und Schatteneffekte bei Caravaggio - Analyse und Zuschreibung des Bildes 'David und Goliath'  aus dem Kunsthistorischen Museum in Wien