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Historische Kinder- und Jugendbücher als Medien historischen Lernens

Hausarbeit (Hauptseminar) 2007 17 Seiten

Didaktik - Geschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Medien historischen Lernens

2. Definition „historisches Kinder- und Jugendbuch“
2.1. Das „Kinder- und Jugendbuch“
2.2. Der Begriff „historisch“
2.3. Unter „historische Kinder- und Jugendbücher“ zu subsumierende Textarten

3. Die Entwicklung der historischen KJL
3.1. Von der Aufklärung bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts
3.2. Vom Kaiserreich bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges
3.3. Die Entwicklung in der BRD und der DDR
3.4. Gegenwärtige Situation

4. Das Problem der Fiktion

5. Didaktischer Wert der KJL im Geschichtsunterricht
5.1. Geschichtsbewusstsein
5.2. Historische Imagination
5.3. Alltagsgeschichte
5.4. Multiperspektivität
5.5. Personifizierung
5.6. Schülerinteressen

6. Auswahl- und Analysekriterien
6.1. Literarische Qualität
6.2. Brücke zur Freizeitlektüre
6.3. Klassiker
6.4. Vorwissen
6.5. Fachliche Qualität
6.6. Multiperspektivität
6.7. Personifizierung von Geschichte
6.8. Lesegenuss

7. Ideen für den Einsatz im Unterricht

Literatur

1. Medien historischen Lernens

Geschichte als vergangene Wirklichkeit ist aus der gegenwärtigen Position nicht direkt erfahrbar und wahrnehmbar. Historische Ereignisse sind daher nur retroperspektivisch über bestimmte Medien zugänglich. Geschichte ist folglich stets eine narrative Konstruktion, die mithilfe von Medien des historischen Erinnerns rückblickend vorgenommen wird. Bei dem hier verwendeten Medienbegriff ist darauf zu achten, die Spezifika des historischen Denkens mit zu berücksichtigen. Denn für die Geschichtsdidaktik ist weniger die Unterteilung in verbal, visuell, akustisch und audiovisuell – wie sie in der allgemeinen Didaktik und der Mediendidaktik vorgenommen wird – von Belang, sondern es wird unterschieden zwischen drei Gruppen von Medien: Monument, Dokument und Historiographie. Unter einem Monument wird ein Erinnerungszeichen verstanden, das für einen späteren Betrachter geschaffen wurde. Dokumente hingegen sind Überreste aus der Vergangenheit, die ohne diesen Zweck einer Botschaftsübermittlung entstanden sind. Die Historiographie schließlich umfasst vergangene Rezeptionen und Deutungen der Geschichte; darunter fallen beispielsweise auch alte Schulbücher und historische Sachbücher. Neben diesen drei Arten von Medien historischen Erinnerns gibt es noch historische Fiktionen. Dies sind gemäß Pandel

„[...] Darstellungen, die sehr frei mit Dokumenten und Monumenten umgehen und auch Dokumente und Monumente fingieren. Sie nehmen aus Quellen oder Darstellungen historisches Wissen, verarbeiten es dann aber in freier Weise. Sie erfinden etwas hinzu: die Fiktion.“[1]

Da historisches Lernen Authentizitätsansprüche stellt, werden die Medien historischen Lernens kategorisiert nach ihrem unterschiedlich starken Bezug zu Quellen. So differenziert man zwischen geschichtsdidaktischen Präsentationsformen, z. B. Quellenausgaben und Schulbüchern, pädagogischen Medien mit historischer Thematik, z. B. Jugendbüchern und Spielzeug sowie öffentlichen Medien mit geschichtsdidaktischer Bedeutung, z. B. Spielfilmen und Romanen. Das Kriterium der Nähe zur Quelle wird ergänzt durch die Überprüfung von Darstellungsanteil und Fiktionszusatz.[2]

Gerade bezüglich ihres Fiktionsanteils wird den historischen Kinder- und Jugendbüchern häufig vorgeworfen, nicht für den Geschichtsunterricht geeignet zu sein.[3] Im Folgenden soll daher dieses Medium des historischen Lernens genauer betrachtet werden.

2. Definition „historisches Kinder- und Jugendbuch“

2.1. Das „Kinder- und Jugendbuch“

Für die Kategorie des Kinder- und Jugendbuches gibt es verschiedene Definitionsversuche und Unterteilungen. Rox-Helmer folgend kann man dies so differenzieren:

„1. Die Gesamtheit der von Jugendlichen rezipierten fiktionalen und nichtfiktionalen Texte wird als Jugendlektüre bezeichnet.
2. Die Gesamtheit der für Jugendliche als geeignet empfundenen Literatur wird als intentionale Jugendliteratur bezeichnet. Diese Literatur muss nicht für Jugendliche geschrieben sein, wird ihnen aber zum Lesen empfohlen.
3. Die Gesamtheit der speziell für Jugendliche geschriebene fiktionalen und nicht-fiktionalen Texte gilt als spezifische Jugendliteratur. Sie sind bewusst auf jugendliche Leserinnen und Leser im Alter zwischen zehn und sechzehn Jahren hin konzipiert.“[4]

Jede Kategorie hat Einfluss auf das Geschichtsbewusstsein der jungen Leser. Aber aus pragmatischen Gründen wird im Weiteren nur auf die spezifische oder – wie sie in der Fachliteratur auch heißt – originäre Jugendliteratur eingegangen.[5]

2.2. Der Begriff „historisch“

Als „historisch“ wird in der Geschichtsdidaktik i. d. R. etwas bezeichnet, das aus der Vergangenheit stammt. Somit wären hier Bücher gemeint, die in der Vergangenheit für Kinder und Jugendliche geschrieben worden sind und nun als Quellen dienen. Aber „historisch“ bedeutet das hier nicht, sondern es meint eine Literaturgattung, die ein Thema aus der Vergangenheit mit zeitlichem Abstand behandelt.[6]

Für die weiteren Ausführungen gilt daher folgende Definition: Historische Kinder- und Jugendbücher sind solche, die ein Thema aus vergangener Zeit mit zeitlicher Distanz zum Inhalt haben und speziell für Kinder und Jugendliche konzipierte fiktionale und nicht-fiktionale Texte sind.[7]

2.3. Unter „historische Kinder- und Jugendbücher“ zu subsumierende Textarten

Unter diese Definition fallen nun verschiedene Textarten, die einem unterschiedlichen Grad an Fiktion unterliegen. In Biographien wird das Leben einer bestimmten Person umfassend dargestellt. Dadurch, dass die Person in ihren menschlichen Stärken und Schwächen und ihrer Eingebundenheit in die geschichtliche Strukturen gezeigt wird, kann die Empathiefähigkeit der jungen Leser gefördert werden. Besonders wird der Leser ins Vertrauen gezogen bei der Sonderform der Autobiographi e, bei welcher der Autor selbst Ausgewähltes über sein Leben berichtet. Des Weiteren gibt es das historische Sachbuch, in dem bestimmte historische Sachverhalte dargestellt werden. Es wendet sich an einen weiten Leserkreis interessierter Laien und gilt daher nicht als Fachbuch. Häufig wird mit Bildern zur visuellen Erschließung oder Unterstützung des Themas gearbeitet. Teilweise werden fiktive Begleitfiguren eingefügt, die dem Leser eine Identifikationsmöglichkeit bieten. Eine neuere Form ist der interaktive Abenteuerroman, bei der der Leser unter verschiedenen Alternativen wählt und so die weitere Handlung bestimmt. Dies kann ähnlich wie bei Computerspielen funktionieren mit einem Punktesystem, in dem Wissen belohnt wird und Nichtwissen mit Umwegen oder Wiederholungen verbunden ist. Wichtig ist noch das Genre Comic, das bei Kinder und Jugendlichen sehr beliebt ist und von ihnen auch in der Freizeit genutzt wird. Im Comic dominiert das visuelle Element, welches in der letzten zu nennenden Textart, dem fiktiven Roman, kaum eine Rolle spielt.[8]

Der Roman nimmt momentan am Markt der historischen Kinder- und Jugendbücher eine führende Rolle ein.[9] Deshalb gelten die weiteren Betrachtungen insbesondere dieser fiktiven Form der narrativen Beschäftigung mit Geschichte.

Fortfolgend wird von historischer Kinder- und Jugendliteratur (=KJL) die Rede sein, nicht mehr von Kinder- und Jugendbüchern. Denn der Begriff des „Buches“ ist zu eng gefasst, da er lediglich ein Publikationsmedium bezeichnet, Literatur aber auch in anderen Formen (z. B. als Hörtext) rezipiert werden kann.[10]

[...]


[1] Pandel (1997), 418.

[2] Vgl. Pandel (1997), 416-419.

[3] Vgl. von Reeken (1999), 69.

[4] Rox-Helmer (2006), 12. Hierbei ist anzumerken, dass in der Fachliteratur fast ausschließlich vom „historischen Jugendbuch“ die Rede ist, nicht vom „historischen Kinder- und Jugendbuch“. Gemäß der hier getroffenen Altersbeschränkung erachtet die Verfasserin es allerdings durchaus als sinnvoll, von Kinder- und Jugendbuch zu sprechen, weil in der Psychologie bezüglich der Entwicklungsphasen des Menschen von etwa sechs bis dreizehn Jahren von später Kindheit und erst ab dann von Adoleszenz gesprochen wird; vgl. hierzu Zimbardo (2004), 439. Auch Ewers (2003), 14, verwendet sowohl den Begriff Kinderbuch als auch Jugendbuch und weist nach, dass sog. „Kinderbücher“ auch an Leser über Zwölf gerichtet sein können. Außerdem ist darauf hinzuweisen, dass sich auf dem Markt durchaus historische Kinder- und Jugendbücher für unter Zehnjährige finden lassen, auch wenn diese nur einen kleinen Prozentsatz der gesamten Produktion ausmachen. Vgl. eine entsprechende empirische Untersuchung zu zeitgeschichtlichen fiktionalen Kinder- und Jugendbüchern bei Zimmermann (2003), 45f.

[5] Vgl. Veit (1997), 440. Einen Überblick über alle weiteren gängigen Definitionen aus deutschdidaktischer Sicht findet man bei Ewers (2003), 1-5.

[6] Vgl. Rox-Helmer (2006), 12f.

[7] In dieser Definition wird aus den unter Anmerkung 4 genannten Gründen und in Anlehnung an von Reeken (1999), 69, auf eine konkrete Beschränkung des zugedachten Lesealters verzichtet.

[8] Vgl. Rox-Helmer (2006), 13-15.

[9] Zusammen mit den historischen Sachbüchern nahmen die fiktionalen historischen Titel einen Anteil von etwa fünf bis zehn Prozent der gesamten Kinder- und Jugendliteratur ein in den 1990er Jahren. Vgl. von Reeken (1999), 74. Zimmermann stellte dann 2003 fest, dass die fiktive historische Kinder- und Jugendliteratur geschätzt cirka viereinhalb Prozent am Markt einnimmt. Vgl. Zimmermann (2003), 44f.

[10] Vgl. zu diesem Terminologieproblem Zimmermann (2003), 24f. Auch Veit (1997), 440f., verzichtet auf den Ausdruck „Jugendbuch“ und ersetzt ihn mit „Jugendliteratur“, weil darin Pädagogisierungen und Trivialisierungen Vorschub geleistet sowie die literarischen Aspekte der Produktion nivelliert würden.

Details

Seiten
17
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638052252
ISBN (Buch)
9783638945004
Dateigröße
632 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v92218
Institution / Hochschule
Universität Passau
Note
1
Schlagworte
Historische Jugendbücher Kinderbücher historisches Lernen

Autor

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Titel: Historische Kinder- und Jugendbücher als Medien historischen Lernens