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Die Europäische Union als Vorbild für ASEAN

Ein Vergleich ökonomischer Integrationsprozesse in Europa und Asien

Seminararbeit 2007 24 Seiten

VWL - Fallstudien, Länderstudien

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

Abkürzungsverzeichnis

Einleitung

2.Theoretischer Hintergrund
2.1. Ökonomische Integration und das Freihandelsziel
2.2 Regionalismus
2.2.1. Rechtliche Grundlage des Regionalismus
2.2.2. Entwicklung des Regionalismus
2.2.3. Alter und Neuer Regionalismus
2.2.4. Erscheinungsformen des Regionalismus

3. Analyse
3.1. Wirtschaftliche Integration in Europa als Paradebeispiel
a. Gründungs- und Aufbauphase:
b. Rückschläge und Stagnation
c. 3.Phase
d. Phase der Revitalisierung der Gemeinschaft
3.2. Wirtschaftliche Integration in Asien
3.3. Vergleich EU- ASEAN
3.3.1. ASEANs Verhältnis zu China
3.3.2. ASEANs Verhältnis zu Japan

4. Fazit

Literaturverzeichnis

Internetquellen

Abkürzungsverzeichnis:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Einleitung

Seit Ende des 2. Weltkrieges und im Zuge der Globalisierung erfreuen sich regionale, wie auch multilaterale Abkommen einer beispiellosen Beliebtheit. Wie auf folgender Abbildung 1 deutlich wird, finden auf jedem Kontinent Integrationsprozesse statt und gestalten internationale Wirtschaftsbeziehungen. Doch woher kommt dieser Trend und wie finden regionale Integrationsprozesse statt? Welche Vorteile haben Nationen von regionalen Abkommen? Diesen Fragen wird im theoretischen Teil nachgegangen. Die Nachteile des Regionalismus sind die Argumente für Protektionismus und werden in dieser Arbeit nicht betrachtet. Auch auf die historische Entwicklung, der Impulsgabe durch die Gründung der Europäischen Wirtschaftsunion (EWG) und der verschiedenen Formen und Integrationstiefen des Regionalismus wird eingegangen.

Wie man auch auf Abb.1 sieht, fielen 50.4%, also mehr als die Hälfte des Welthandels 2005 auf EU (38.4%), ASEAN (6.3%) und Japan (5.7%). Deren Integrationsbestrebungen werden im 3. Teil analysiert. Anhand der Analyse der Europäischen Union wird versucht, die Theorie mit dem erfolgreichen Beispiel regionaler Integrationsbestrebungen, der EU, zu belegen, bevor im zweiten Teil der Analyse auf den Integrationsprozess der ASEAN (Association of the Southeast Asian Nations) eingegangen wird.

Abb.1: Weltweiter Warenhandel, Quelle übernommen von: www.statistik.baden-wuerttemberg.de, letzter Zugriff 23.06.2007

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abschließend werden im dritten Teil EU und ASEAN miteinander verglichen und Unterschiede der regionalen Integrationsräume dargestellt um die Frage ob eine Wirtschafts- und Währungsunion nach europäischem Vorbild auch in Asien (ASEAN mit China und Japan) möglich ist, beantworten zu können.

2.Theoretischer Hintergrund

2.1. Ökonomische Integration und das Freihandelsziel

Unter ökonomischer Integration versteht man:

1. den Prozess, indem zwei oder mehrere Länder, beruhend auf Abkommen ( bi- oder multilateral), zu einer größeren Einheit, dem Integrationsraum zusammengeführt werden; und
2. dessen Ausmaß, den Integrationszustand.[1]

In einem wirtschaftlichen Integrationsraum wird das Ziel des Freihandels verfolgt.

Doch was ist Freihandel und warum ist er erstrebenswert? Unter Freihandel versteht man den Zustand des internationalen Waren- und Dienstleistungsverkehrs ohne Beschränkungen[2], und das Freihandelsziel ist der freie globale Handel. Freier Welthandel wiederum ist das Leitbild der internationalen Ordnungspolitik, da es nachhaltige positive Wirkungen auf das Wohlstandswachstum hat. Durch das Zusammenwachsen der Gütermärkte können Produktions- und Beschäftigungsstrukturen effizienter genutzt werden.[3] Die Theorie des Außenhandels nach den Prinzipien der absoluten (Adam Smith) und komparativen Kostenvorteile (David Ricardo) erklärt Freihandel wie folgt:

Nach Adam Smith sollte sich jedes Land auf die Produktion von Gütern spezialisieren, bei denen es den geringsten Faktoreinsatz benötigt, also die geringsten Produktionskosten hat. Durch Außenhandel können diese Güter zwischen den verschiedenen Ländern getauscht werden. David Ricardo hat dieses Prinzip der absoluten Kostenvorteile erweitert. Seine Theorie besagt, dass internationaler Handel auch vorteilhaft ist, wenn ein Land die Fähigkeit besitzt alle Produkte kostengünstiger als das Ausland herzustellen, also einen absoluten Kostenvorteil hat. Solange in der Herstellung der Güter komparative Kostendifferenzen, d.h. Unterschiede bei den Produktionskosten existieren, sollte jedes Land seine Produktion auf die Güter konzentrieren, bei denen es einen komparativen Kostenvorteil gegenüber der Produktion des gleichen Gutes im Ausland hat. In beiden Fällen kommt es zu Spezialisierung,[4]

welche wiederum zur Maximierung des Wohlfahrtsgewinns führt. Weiterhin wird die Allokationseffizienz verbessert, da es anders als beim Protektionismus nicht zu Konsum- und Produktionsverzerrungen kommt[5] ; Skaleneffekte (economies of scale) werden durch größere Absatzmärkte und den damit verbundenen größenabhängigen Kostenersparnissen, der Senkung der Stückkosten, realisiert; der verstärkte Wettbewerb wirkt Monopolbildungen entgegen und fördert die Produktdifferenzierung, zur Verbesserung der Konsumentenbefriedigung , sowie die Beseitigung ineffizienter Produktionsstrukturen der Unternehmen. Zuletzt wird das Wachstum im Allgemeinen durch schnellere, kostengünstigere und umfangreicher zu erhaltene Lern- und Innovationsmöglichkeiten gefördert.[6]

Doch wie kann der wohlfahrtsmaximierende Freihandel realisiert werden? Eine Form der Realisierung ist der Regionalismus.

Abb.2: Wohlfahrtswirkung des Regionalismus, Quelle: Blank/Clausen/ Wacker (1998):“Internationale ökonomische Integration“, S. 38

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.2 Regionalismus

Regionalismus bezeichnet den Zusammenschluss zwei oder mehrerer Länder auf regionaler Ebene mit dem Ziel des Freihandels. Jedoch ist globaler Freihandel nicht das Ziel des Regionalismus. Während zwischen den beteiligten Staaten grenzübergreifende, sowohl tarifäre wie auch nicht- tarifäre Handelshemmnisse abgebaut werden, bleiben restriktive und diskriminierende Außenzölle gegenüber Drittstaaten bestehen.[7] Regionalismus stellt daher eine Kombination von Freihandel und Protektionismus dar, von der handelsschaffende und handelsumlenkende Wirkungen ausgehen.

Viner erklärt dies in seiner Zollunionstheorie, wie folgt[8]:

Durch regionale Handelsliberalisierung kommt es, wie im Freihandel, zu einer Arbeitsteilung, welche wiederum zu einer verbesserten Allokationseffizienz führt. International nicht wettbewerbsfähige Produkte eines Landes, die durch Handelshemmnissen geschützt wurden, werden durch das Wegfallen dieser vom Markt verdrängt. Konsumenten können nun qualitativ bessere Güter zu einem geringeren Preis kaufen, und vorher ineffizient genutzte Produktionsfaktoren werden nun freigesetzt und können effizient genutzt werden. Der daraus resultierende Wohlfahrtsgewinn wird als „Handelsschaffung“ bezeichnet. Während Handelsschaffung das Handelsvolumen zwischen den Partnerländern ohne negativen Einfluss auf die Mitgliedsländer und den Rest der Welt erhöht, stellt „Handelsumlenkung“ einen negativen Effekt regionaler Handelsabkommen dar. Unter Handelsumlenkung kommt es zu einer Umlenkung bestehender Handelsströme. Durch die diskriminierenden Außenzölle gegenüber Drittländern werden die effizienten Produkte dieser verdrängt, da sie im Gegensatz zu den ineffizienten Produkten der Mitgliedsstaaten mit Zöllen belastet und somit teurer werden. Es kommt zu einer verzerrten Wiedergabe der internationalen Wettbewerbsfähigkeit mit negativem Einfluss auf den Rest der Welt. Neben geographischer Nähe, historische, kulturell- ethnische Verwandtschaft und enge wirtschaftliche Beziehungen hängt der Abschluss regionaler Abkommen entscheidend davon ab, ob Handelsschaffung Handelsumlenkung überwiegt oder nicht.[9]

2.2.1. Rechtliche Grundlage des Regionalismus

Bemerkenswert ist, dass fast alle WTO- Mitglieder auch Handelspartner in regionalen Abkommen sind.[10]

WTO- Staaten müssen die regionalen Abkommen, bei denen sie beteiligt sind dem GATT (General Agreement on Trade and Tariffs) melden, da das Meistbegünstigungsprinzip (Art.1 Abs.1 GATT) verletzt wird. Es gibt jedoch zwei Klauseln, die diese Verletzung erlauben:

1. Artikel XXIV, welches die rechtliche Grundlage der regionalen Integrationsabkommen darstellt und besagt, dass der gemeinsame Außenzoll einer Zollunion nicht höher als der Durchschnittszoll vor Integration sein soll.[11]
2. Die „Ermächtigungsklausel“, welche eine Bevorzugung im Umgang mit Entwicklungsländern darstellt. Hierunter fallen z.B. ASEAN und AFTA (ASEAN Free Trade Area).

2.2.2. Entwicklung des Regionalismus

Der Regionalismus kann in zwei Phasen unterteilt werden. Die erste Phase hatte ihren Höhepunkt in den 1970er Jahren als Folge der Gründung der EG (Europäische Gemeinschaft). Industriestaaten gingen in dieser Periode hauptsächlich Bündnisse mit Staaten derselben Entwicklungsstufe ein; die ökonomische Integration von Entwicklungsländern blieb aufgrund fehlenden Interesses seitens der Entwicklungsländer weitgehend aus. Auch die Haltung der USA gegenüber bi- und multilateraler Handelsabkommen war abweisend. Nach einer Stagnationsphase in den 1980ern fing Anfang der 1990er die zweite Periode des Regionalismus an, die bis heute andauert. Als Unterschied zur ersten Periode ist zu betonen, dass nun auch Entwicklungsländer untereinander regionale Abkommen abschließen und sich um Mitgliedschaften in bereits bestehenden Handelsblöcken bemühen. Auch die Haltung der USA veränderte sich vom Verfechter zur treibenden Kraft regionaler Handelsabkommen.[12] Diesen zwei Phasen kann man die Begriffe „Alter Regionalismus“ und „Neuer Regionalismus“ zuordnen.

[...]


[1] Blank, J.E./Clausen H./Wacker H.(1998): Internationale ökonomische Integration. München: Franz Vahlen Verlag, S. 31

[2] Blank, u.a. (1998), S.1

[3] Bender, Dieter (1999): „Außenhandel“. In: Vahlens Kompendium der Wirtschafstheorie und Wirtschaftspolitik.Band 1. 7. Auflage. München: Franz Vahlen Verlag

[4] Rose, K./Sauernheimer K.(2006): Theorie der Außenwirtschaft.14. Auflage. München: Franz Vahlen Verlag, S.388

[5] Krugmann, P./Obstfeld M.(2006): Internationale Wirtschaft. 7. Auflage. München: Pearson Studium

[6] Blank, u.a. (1998), S. 38

[7] Kaiser, Corinne (2003): Regionale Integration und das globale Handelssystem. In: Duisburger Volkswirtschaftliche Schriften. Band 38. Berlin: Duncker und Humblot, S.25

[8] Vgl. Kaiser, C.(2003) S. 72 ff

[9] Kaiser, C.(2003), S. 25

[10] Kaiser, C.(2003), S.29

[11] Blank, u.a. (1998), S.22

[12] Kaiser, C.(2003), S. 29 ff

Details

Seiten
24
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638060530
Dateigröße
821 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v92200
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Note
1,3
Schlagworte
Europäische Union Vorbild ASEAN

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