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Heinz Rühmann - Leben und Gefahren eines Filmstars im Dritten Reich

Hausarbeit (Hauptseminar) 2006 21 Seiten

Geschichte Europa - Deutschland - Nationalsozialismus, II. Weltkrieg

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Zeit vor der Machtergreifung der Nazis

3. Ein Star im dritten Reich

4. Das dritte Reich und die Komödie - Rühmanns Propaganda

5. Handlung des Films

6. Analyse des Films
6.1. Figurenanalyse:
6.2. Analyse der Frauen- und Männerrolle (Normen und Werte):

7. Kritik und eigene Meinung

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Er war „der wohl populärste deutsche Schauspieler dieses Jahrhunderts“[1] – seines Jahrhunderts: Heinz Rühmann (1902 – 1994) erlebte und überlebte zwei Weltkriege, die kargen Nachkriegsjahre und die Teilung und Wiedervereinigung Deutschlands. Während all dieser Zeit arbeitet er in seinem erwählten Beruf. In über 100 Kinofilmen und unzähligen Theater- und Fernsehproduktionen ist er zu sehen.[2] Das macht ihn zu einem Stück deutscher Geschichte. Rühmann spielt hauptsächlich in leichten Unterhaltungsfilmen und mimt dabei gerne den „kleinen Mann“. Noch heute laufen seine Filme oft im Fernsehen oder seine Schlager im Radio.

Aber liegt über seiner Karriere vielleicht ein dunkler Schatten? Schließlich feiert Heinz Rühmann seine ersten großen Erfolge während des Hitler-Regimes. Hier steigt er zum Star auf und verkehrt mit den Größen der NS-Szene. Seine Filme sollen angeblich sogar kriegsverlängernd gewirkt haben. Mit diesem Vorwurf muss er sich zumindest während seines Entnazifizierungsprozesses auseinandersetzen.

Doch wie nah stand er Hitler und seinen Helfern wirklich? Was haben sie mit seinem Karriereaufschwung zu tun? War Rühmann Opportunist des Erfolgs wegen? Und vor allen Dingen, wie viel Propaganda steckt in seinen Filmen, die er in dieser Zeit gedreht hat?

Zu diesem Zweck möchte ich im Folgenden die Person Heinz Rühmanns in seiner Zeit zwischen 1933 und 1945 näher beleuchten. Anschließend werde ich seinen Weg zum Erfolg untersuchen, sowie seine Verbindungen zu den Größen des Reichs und seine propagandistische Verwendung herausarbeiten. Um die Propaganda seiner Filme näher zu beleuchten, werde ich den Film „Quax der Bruchpilot“ von 1941 untersuchen. Dieser Film eignet sich für diese Zwecke besonders gut, da er als einer der „am eindeutigsten ideologischen Filme Rühmanns“[3] gilt.

Zunächst möchte ich jedoch einen kurzen Überblick über seine Zeit vor 1933 geben.

2. Die Zeit vor der Machtergreifung der Nazis

Heinz Rühmann wird am 7. März 1902 als zweites von drei Kindern in Essen geboren. „Sein Vater, durch seine Heirat mit Margarethe, der Tochter seines Arbeitgebers, vom Kellner zum Hotelier aufgestiegen, versucht sich zeitlebens aus der Abhängigkeit vom Schwiegervater zu befreien.“[4] Doch stattdessen wachsen die Schulden immer höher und 1916, nach einer heftigen Ehekrise begeht er Selbstmord. Die Familie siedelt nach München um, wo Sohn Heinz dadurch auffällt, dass er seine Lehrer parodiert.

Schon bald wird er Mitglied einer Laienschauspieltruppe und noch vor dem Abitur verlässt er die Schule, um Schauspielunterricht zu nehmen. Es folgen verschiedene Engagements in ganz Deutschland. Anfang der 20er lernt er die Kollegin Maria Herbst kennen und heiratet sie am 9. August 1923. Noch ahnt er nicht, dass diese Verbindung ihm wenige Jahre später große Probleme bereiten wird. Denn Maria Herbst ist Jüdin und als aufstrebender Schauspieler macht er sich somit angreifbar.

Ende der 20er nimmt er seine erste Filmrolle in dem Stummfilm „Das Deutsche Mutterherz“ an. 1927 folgt seine erste komische Stummfilmrolle in „Das Mädchen mit fünf Nullen“. 1930 schließlich feiert er seinen Durchbruch als Filmschauspieler in „Die Drei von der Tankstelle“. Er erhält einen Jahresvertrag bei der „Ufa“ und finanziert sich somit seine ersten Flugstunden.

Doch noch ist er weit entfernt davon, ein Star zu sein. Rühmann ist Anfang der 30er zwar durchaus gern gesehen, er spielt jedoch noch Nebenrollen und wird nicht von jedem akzeptiert. Bei den Dreharbeiten zu „Ich und die Kaiserin“ etwa stellt seine Kollegin Lilian Harvey bei Durchsicht des Drehbuchs voller Entsetzen fest, dass sie am Ende des Films Heinz Rühmann ehelichen soll. „Was?? Ich krieg’ den Rühmann? – Der ist ja noch ein ganz junger Schauspieler! Mit dem kann eine Harvey plänkeln, aber den heiratet sie doch nicht! Ich bin der Star – ich muss doch selbstverständlich den Star kriegen! Na so was!!“[5] Die Diva tritt in den Streik, denn Regisseurs Friedrich Hollaender beharrt auf der ursprünglichen Fassung des Films. Die Fronten verhärten sich und schließlich wird „Ufa“-Direktor Erich Pommer eingeschaltet. Dieser gibt Lilian Harvey Recht. „Ein Blick in die getippten Kassenberichte des letzten Harvey-Films hatte genügt.“[6] Sie bekommt ihren Star Conrad Veidt am Ende des Films und sowohl Regisseur Hollaender, als auch Heinz Rühmann müssen diese Niederlage verkraften.

Diese Anekdote zeigt den Stellenwert Rühmanns Anfang der 30er deutlich. Doch in den nächsten Jahren sollte sich das ändern. Mittlerweile hatten die Nazis die Macht ergriffen und zeitgleich zu deren Aufstieg, startet auch Rühmanns Karriere durch.

3. Ein Star im dritten Reich

Schon kurz nach der Machtergreifung verändert sich das politische Bild Deutschlands merklich. Immer mehr jüdische Kollegen Rühmanns bekommen dies zu spüren. Friedrich Hollaender flieht bereits kurz nach der Premiere von „Ich und die Kaiserin“. Rühmann muss zusehen, „wie seine Freunde und Förderer, wie Schauspielerkollegen und Regisseure, mit denen er zusammengearbeitet hatte, Deutschland“[7] verlassen. Der Druck auf die spielende Zunft nimmt zusätzlich dadurch zu, dass sich der neue Propaganda-Minister Goebbels sehr für die Sparte Film zu interessieren beginnt. (Mehr dazu später).

Rühmann jedoch bleibt von dieser Entwicklung zunächst unbeeindruckt. Er spielt Theater und dreht eine Komödie nach der anderen. Im Gegensatz zu vielen Kollegen spielt er allerdings in keinem der frühen Propagandafilme mit.[8] Seine propagandistische Verwendung ist ein schleichender und (bis auf wenige Ausnahmen) nie eindeutiger Prozess. Auch diesen Aspekt, werde ich später untersuchen.

Rühmann tritt nicht in die Partei ein. Doch spätestens als ihm Mitte 1933 ein Fragebogen der „Reichsfachschaft Film“ zugesendet wird, muss ihm bewusst geworden sein, dass er sich in Zukunft einigen Problemen ausgesetzt sehen wird. Auf die Frage, ob er der NSDAP angehöre, antwortet er ausweichend mit: „Mitgl. d. Kampfbundes“[9]. „Der ‚Kampfbund für deutsche Kultur’ war 1927 von dem NSDAP-Chefideologen Alfred Rosenberg gegründet worden. (…) Die Mitglieder bekannten sich zu den Zielen der NSDAP und waren in der Regel für sie propagandistisch tätig.“[10] Ob Rühmann allerdings tatsächlich dieser Organisation angehört, oder er sich mit diesem Eintrag lediglich schützen will, ist nicht mehr zu rekonstruieren. Denn in diesem Bund kann man auch Mitglied sein, ohne in irgendwelchen Listen geführt zu werden. Nach dem Krieg behauptet Rühmann zumindest, bei diesem Punkt geflunkert zu haben.

Fakt ist: Rühmann lügt bei der Frage nach rassischer Abstammung und Religion seiner Ehefrau. Wie bereits erwähnt, ist Maria Rühmann Jüdin. Ihr Gatte gibt jedoch an, sie gehöre seit 1917 keiner Glaubensgemeinschaft mehr an.

Dieser Fragebogen belegt vielerlei. Zum einen zeigt er, dass Rühmann sich durchaus der latenten Gefahr durch die neuen Machthaber bewusst ist. Zumindest befürchtet er, nicht der Fachschaft Film angehören zu dürfen, sollte er sich nicht als Regimetreu genug erweisen (siehe Eintrag „Mitgl. D. Kampfbundes). Dies wäre einem Berufsverbot gleichgekommen.

Zum anderen aber beweist der Fragebogen auch Rühmanns politische Naivität. Schließlich wäre es für einen engagierten Beamten ein leichtes gewesen, sämtliche Angaben des Filmstars genauer zu prüfen und somit den Schwindel aufzudecken.

Doch noch ist Rühmann ein Schauspieler unter vielen. Nummer 1357 um es genauer zu sagen. Unter dieser Zahl (zeigt keine Rangfolge an) wird er nämlich ab dem 7. Oktober 1933 in der Reichsfachschaft Film geführt.

Rühmann dreht fleißig Filme. Allein 1934 sind es sechs Stück („Die Finanzen des Großherzogs“, „So ein Flegel“, „Pipin, der Kurze“, „Ich heiße Benjamin“, „Heinz im Mond“ und „Frasquita“). Sein Bekanntheitsgrad steigt immer weiter und die Fans lieben „seine ‚bezaubernde Natürlichkeit’, die ihn von ‚jeder Übertreibung, von allen Abgleitungen in die Groteske, von unwahren Übersteigerungen billiger Reißer erfreulich’“[11] abhält.

Zunehmend gewinnt er auch die Zuneigung von Joseph Goebbels. Der Film „Der Außenseiter“ von 1935, in dem Rühmann einen wandernden Handwerksburschen spielt, der Freundschaft mit einem entlaufenen Rennpferd schließt, findet Gefallen beim Propagandaminister. Einen „entzückenden Lustspielfilm“[12] nennt er ihn in seinem Tagebuch. Rühmanns erste Erwähnung –etliche weitere werden Folgen.

[...]


[1] http://www.ruehmann-heinz.de/Medienecho.html, 19.07.2006, 21:06.

[2] Vgl.: http://www.ruehmann-heinz.de/Film.html, 19.07.2006, 21:10.

[3] Korte, Helmut; Lowry, Stephan (Hrsg.): Heinz Rühmann – Ein deutscher Filmstar, Materialien und Analysen, IMF-Schriften, Heft 1, Braunschweig, 1995, S. 34. [Im Folgenden als „IMF“ abgekürzt]

[4] Ebd., S. 7.

[5] Görtz, Franz Josef; Sarkowicz, Hans: Heinz Rühmann 1902 – 1994 – Der Schauspieler und sein Jahrhundert, Verlag C.H. Beck oHG, München 2001, S. 129. [Im Folgenden als „Beck“ abgekürzt]

[6] Beck, S. 131.

[7] Ebd., S. 133.

[8] Vgl.: Ebd., S. 137.

[9] Ebd., S. 142, aus: Fragebogen Heinz Rühmann der Reichsfachschaft Film vom 3.10.1933 (Bundesarchiv Berlin).

[10] Beck, S. 142.

[11] Ebd., S. 157, aus: Klein, A.: Heinz Rühmann. In: Mein Magazin vom 15.6.1935.

[12] Beck, S. 158, aus: Die Tagebücher von Joseph Goebbels, Band 2, S. 561 (Eintrag vom 3.1.1936). [Im Folgenden als „Goebbels“ abgekürzt]

Details

Seiten
21
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638060363
Dateigröße
385 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v92168
Institution / Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main – Fachbereich 03: Gesellschaftswissenschaften
Note
2
Schlagworte
Heinz Rühmann Leben Gefahren Filmstars Dritten Reich Frau Mann Film
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