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Die Lebensgeschichte des Roboter-Menschen DATA aus der U.S.-amerikanischen Science-Fiction-Serie "Star Trek - The Next Generation" oder "Raumschiff Enterprise - Das nächste Jahrhundert"

Hausarbeit 1992 67 Seiten

Theologie - Didaktik, Religionspädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Die Zweiwege - Komponente medialer Aufarbeitung
1.1. Möglichkeiten der Rezeption
1.2. Zwei filmanalytische Mittel als Weggefährten
1.2.1. Die Einstellungsgrösse
1.2.2. Das Sequenzprotokoll

2. Quellen
2.1. Direkte Quellen
2.1.1. Hamlet
2.1.2. Kain und Abel
2.2. Indirekte Quellen
2.2.1. Das Motiv des Doppelgängers
2.2.2. Das Motiv des Homunkulus im Roboterthema

3. Die Figur Datas und deren Lebensgeschichte
3.1. Das innere Leben
3.2. Das äussere Leben
3.2.1. Der Name
3.2.2. Die Erscheinung

4. Thesen zur assoziativen Methodik

5. Resümee

6. Anlagen
Anlage 1 Der Typus des Homunkulus
Anlage 2 Datas Handlungslinie und deren biblische Relation
Anlage 3 Vorstellungsebenen der Science Fiction
Anlage 4 Synopsenversuch einzelner Genres
Anlage 5 Typologie des Unterwegsseins
Anlage 6 Episodenliste
Anlage 7 Offiziersverortung an bezeichnenden Lokalen
Anlage 8 Typologische Gesichtspunkte der Crew
Anlage 9 Drei Menschen-Typen seelischer Unausgeglichenheit
Anlage 10 Zehn Gebote für den Umgang mit Kindern
Anlage 11 Fragebogen zur Serie
Anlage 12 „Korrelatives Malen“

7. Literatur

Einleitung

In der vorliegenden Arbeit versuche ich die spezielle Eigenart eines Roboter- Menschen zu charakterisieren. Um einen etwas anderen Analyse-Weg als sonst zu gehen, wird der Serien-Part „ Das Duplikat „ als Kern und andere ausgewählte Teile des Serails als Rahmen genutzt.

Im ersten Kapitel werden Assoziationen gesammelt und mit daraus resul- tierenden Quellen konfrontiert.

Im zweiten Kapitel formuliere ich einige Thesen, die sich vom ersten Kapitel her rekrutieren. Das Ganze hat sich schlüssig über Verifikationen oder Falsifikationen abzurunden.

„ Mein Freund Data –

Sie erleben alles mit dem Erstaunen eines Kindes .

Dadurch sind Sie menschlicher als die meisten von uns „[1]

Da gerade Kinder und Jugendliche, also Mit-Menschen ab dem zehnten oder zwölften Lebensjahr diese Serie konsumieren, bleibt für mich als doch schon Erwachsenen immer das hintergründige Fragen nach dem Reiz oder der Fas- zination solcher ausserirdischer Abenteuer.

Gerade auf den Prototypen DATA habe ich mein Augenmerk gerichtet.

Ihm, dem wie vorhin zitiert, ein kindlicher Zugang zu allen Dingen der Welt innewohnt, gelingt es auch stets das Interesse der jugendlichen Rezipienten auf sich zu ziehen. Aus diesem, aber auch dem Prinzipiellen Grunde, dass „ Technik „[2] automatische Anziehung auf Männer ausübt, beobachte ich jetzt nachfolgende „ Datas Lebensgeschichte „.

1. Die Zweiwege – Komponente medialer Aufarbeitung

Nachfolgend versuche ich aus zwei Aspekten der Filmanalyse einen beschreitbar kombinierten Pfad der Erkenntnis her zu stellen.

Zum einen ist da mit der subjektiven Assoziationsmethode, sozusagen eine pragmatisch akzentuierte Linie auszumachen. Diese stellt die Frage- richtung an, welche anderen Darstellungen von Spielfilmen oder religiösen Lokalitäten z.B. Bibelstellen der Film erinnert[3].Es wird demgemäss der inverse Weg zum Faustzitat

„ Aus den Augen, aus dem Sinn „[4] angewendet.

Zum anderen werden Begriffe aus der Filmsprache zu Analysezwecken mit eingebracht und partiell genutzt. Für die synchrone Vorgehensweise wird es sinnvoll sein, von den Begriffen Sequenzprotokoll und Ein- stellungsgrösse aus zu gehen. Der filmanalytische Weg, der aus solchen Überlegungen sich herleitet, gleicht in gewisser Weise dem, der der Jugendhof Steinkimmen auf seien Weise praktiziert. Jene arbeiten mit einem „ interlinearen „ Verfahren, das „ unterschiedliche Analysemethoden und Schritte mit Filmbewertung „[5] umfasst. Dadurch wird den Sehgewohnheiten Jugendlicher Rechnung ge- tragen und Fehlern einer langweilig anmutenden im konven- tionellen Deutschunterricht sich wieder findenden Literatur und Film vergällenden Analyse entgegen wirkt.

Ich verfolge einen subjektiv – orientierten Weg, bei dem ich Assoziationen, Ideen etc. , die mir zu einzelnen Filmabschnitten oder – szenen kommen, notiere und später einer Thesenbildung unterziehe. Dieser – an Brainstorming erinnernde – Weg wird von „ Bilder(n) im Kopf „[6] gespeist.

Das bedeutet, dass im Vorgang der Aufnahmen der Fernsehbotschaft beim Encodieren eine Zuordnung und Einordnung stattfindet.

Meist reduziert sich die Sachlage auf die ur-symbolische Ebene, wo der Rolle von „ Sinnbildern „[7] tragende Funktionen innewohnt. Aus dieser Moti- vation heraus, versuche ich am Beispiel D a t a s einiges an „ Bildern in meinem Kopf „ zu verdichten.

1.1 Möglichkeiten der Rezeption

Gemeinhin wird unter Rezeption „ die Aufnahme von Medieninhalten durch ein Individuum bzw. durch das Publikum von Medien „[8] verstanden. Da ich nicht der Meinung ausgehe, die nur vom Ursache-Wirkung- Modell spricht und Betrachter – Manipulation meint, plädiere ich für eine aktive Aneignung von Medienbotschaften. Das Beschreiben des klassischen Modells ist inzwischen auch durch den zweistufigen Kommunikationsfluss abgelöst worden. Jenes besagt, dass das Medium Informationen transportiert und die jeweilige Peer Group die Meinung ( mit-)bildet .

Noch konkreter, ja geradezu therapeutisch geht es bei der themenorientierten Rezeption vonstatten. Dort werden Fernsehproduktionen in ihrer erzählenden Form vom Betrachter so ge- und be-nutzt, dass er mit den angebotenen Bot- schaften eigene Probleme sich bewusst macht.

Anscheinend konsumierte Fernsehinhalte resultieren aus dem Beziehungs- geflecht der Primärgruppe und suchen damit Artikulationsräume für eigene Probleme in besagten Medien[9] zu finden.

1.2 Zwei filmanalytische Mittel als Weggefährten

Für die genauere Bearbeitung der Seriengehalte verwende ich zwei film-ana- lytische Hilfen. Mit jenen können ein erster Überblick, die Korrelation zu Assoziationen und ein gefühlsbetonter Zugang zu den Filmcharakteren her- gestellt werden.

1.2.1. Die Einstellungsgrösse

Darunter wird die Grösse einer Einstellung, also eines „ kontinuierlich belichtete(n), ungeschnitten(en) Stück Film(es)“[10] es werden acht ver- schiedene Einstellungsgrössen[11] unterschieden wie es das Diagramm skizziert.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1.2.2. Das Sequenzprotokoll

Dieses „ basiert auf einer vorher vom Untersuchenden vorzunehmenden Segmentierung oder Sequenzeinteilung des Handlungsablaufs“ .

Dabei „ bietet es die Möglichkeit, den Film auf ein oder zwei Seiten über- schaubar darzustellen und … für formale und inhaltliche Untersuchungen

der filmischen Gesamtstruktur zugänglich zu machen“[12]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2. Quellen

Bei der ganzen Unternehmung dieser Bearbeitung erlebte ich so manchen Einbruch, wie gerade hier bei den Quellen. Denn es zeigten sich zweierlei Quellen – erstens die direkten und zweitens die indirekten. Daher folge ich zuerst dem auf dem mit Assoziationen und Erinnerungsmustern versehenen Sequenzprotokoll, um hernach die sich aus dem weiteren Hintergrund herausschälenden Quellen zu behandeln.

2.1. Direkte Quellen

2.1.1. Hamlet

Von Data wird der berühmte Monolog „ Hamlets“ angestimmt, den Riker weiter andeutet :

„ Sein oder Nicht sein, das ist hier die Frage :

Obs edler im Gemüt, die Pfeil und Schleudern

Des wütenden Geschicks erdulden, oder

Sich waffnend gegen eine See von Plagen „

Data hält den Kopf seines Duplikates in Händen und zeigt so eine analoge

Art wie es von Hamlet im 5. Akt bekannt ist :

„ Ophelias Grab wird geschaufelt von zwei Totengräbern . Während der Arbeit stellen sie grausig-humorvolle Betrachtungen an über den Selbst- mord. Nachdenklich treten Hamlet und Horatio hinzu, immer nachdenk- licher wird der Prinz, als er in der ausgeworfenen Erde den Schädel des einstigen Hofnarren Yorick findet“[13]

2.1.2. Kain und Abel

Adam erkannte Eva, seine Frau ; sie wurde schwanger und gebar Kain.

Da sagte sie : Ich habe einen Mann vom Herrn erworben.

Sie gebar ein zweites Mal, nämlich Abel, seinen Bruder.

Abel wurde Schafhirt und Kain Ackerbauer.

Nach einiger Zeit brachte Kain dem Herrn ein Opfer von den Früchten des Feldes dar; auch Abel brachte eines dar von den Erstlingen seiner Herde und von ihrem Fett. Der Herr schaute auf Abel und sein Opfer, aber auf Kain und sein Opfer schaute er nicht. Da überlief es Kain ganz heiss, und sein Blick senkte sich.

Der Herr sprach zu Kain :

Warum überläuft es dich heiss, und warum senkt sich dein Blick ?

Nicht wahr, wenn du recht tust, darfst du aufblicken; wenn du nicht recht tust, lauert an der Tür die Sünde als Dämon.

Auf dich hat er es abgesehen,

doch du werde Herr über ihn !

Hierauf sagte Kain zu seinem Bruder Abel : Gehen wir aufs Feld !

Als sie auf dem Feld waren, griff Kain seinen Bruder Abel an und erschlug ihn.

Da sprach der Herr zu Kain : Wo ist dein Bruder Abel ?

Er entgegnete : Ich weiss es nicht. Bin ich der Hüter meines Bruders ?

Der Herr sprach : Was hast du getan ?

Das Blut deines Bruders schreit zu mir vom Ackerboden.

So bist du verflucht, verbannt vom Ackerboden, der seinen Mund aufgesperrt hat, um aus deiner Hand das Blut deines Bruders aufzunehmen.

Wenn du den Ackerboden bestellst, wird er dir keine Ertrag mehr bringen. Rastlos und ruhelos wirst du auf der Erde sein.

Kain antwortete dem Herrn : Zu gross ist meine Schuld, als dass ich sie tragen könnte. Du hast mich heute vom Ackerland verjagt, und ich muss mich vor deinem Angesicht verbergen; rastlos und ruhelos werde ich auf der Erde sein, und wer mich findet, wird mich erschlagen. Der Herr aber sprach zu ihm : Darum soll jeder, der Kain erschlägt, siebenfacher Rache verfallen. Darauf machte der Herr dem Kain ein Zeichen, damit ihn keiner erschlage, der ihn finde.

Dann ging Kain vom Herrn weg und liess sich im Land Nod nieder, östlich von Eden.[14]

2.2. Indirekte Quellen

Diese Formen haben sich im Verlaufe der Bearbeitung heraus kristallisiert. Das sind im wesentlichen zwei Perspektiven, die gerade im Hinblick auf Data tragende Funktionen einnehmen.

2.2.1. Das Motiv des Doppelgängers

Hier wird von einer zweifachen Glaubensvorstellung ausgegangen, die besagt, „ dass die Seele Abbild des Körpers sei … und dass sie sich jederzeit vom Körper zu lösen vermöge, um frei herum zu gehen ( Vgl. Apg 12,15 ).

Die Begegnung mit dem eigenen Doppelgänger gilt als Todeszeichen“[15].

Im Genre des Horrorfilms gilt die Doppelgänger-Problematik als „ eine ihrer bekanntesten Ausformungen“[16] in einer Reihe diverser Typen.

Hintergrund dieses Schauermotivs bildet die Persönlichkeitsspaltung, die sich „ als Verzerrung des Verhältnisses zwischen Subjekt und Welt“[17] erweist.

2.2.2. Das Motiv des Homunkulus im Roboterthema

Unter Homunkulus ( lat. Menschlein ) versteht man ein „ künstlich durch Magie erschaffenes Wesen. Dazu wurde z.B. Sperma mit einer Reihe von obskuren Zutaten in einem verschlossenen Kessel für die Dauer von vierzig Tagen in Pferdemist >> ausgebrütet <<. Nach Ablauf dieser Zeit bildete sich angeblich ein Embryo. Magier des Mittelalters glaubten, dass auf diese Weise ein Kind erzeugt werden könne, das allerdings nur 30 cm gross würde.

Es wurde für ratsam gehalten, den Homunkulus in einem Glas zu belassen, da das seine vertraute Umgebung sei“[18].

Um einen möglichen „ Entwicklungsstrang“ durch die Zeitgeschichte auf zu reissen, habe ich in der Anlage 1 eine Übersicht zusammengestellt, die diese Formen verfolgt.

In einer ersten Weise muss dabei vom Golem gesprochen werden.

Der Golem kann nämlich als Vorläufer des Roboters, des Androiden gelten. Wie ist es nun aber um jenes mythische Wesen bestellt ?

Vom Golem ( „ Erdkeim“ ) wird im Talmud und in der Kaballah gesprochen :

„ Der Lehmkoloss wird zum Leben erweckt und auch wieder zerstört durch das Wort, durch die Kraft der Buchstaben. Mit der Golem-Schöpfung verstösst der Mensch natürlich gegen das Gebot :

>> Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen, weder des, das oben im Himmel, noch des, was unten auf Erden, werde des, das im Wasser unter der Erde ist>>“[19]

Exkurs zum technisch-künstlichen Menschen :

1. Der Roboter

Hierunter versteht man den Maschinenmenschen oder auch „ die den- kende Maschine“[20], der menschliche Bewegungen oder auch einfache Hantierungen ausführen kann. Zuerst in Formen von Schreibern und Uhrwerksautomaten, dann als komplizierte Rechner bis zu heutigen Industrierobotern, zeigten diese von Menschenhand geformten „ Wesen „ beachtliche Entwicklungsstände als Arbeitsentlastungseinheiten.

Für das System der politischen Ökonomie ist der Roboter der Idealtypus des Körpers. Der Roboter ist das vollendete Modell der funktionalen > Befreiung < des Körpers als Arbeitskraft, er ist die Extrapolation der absolut rationalen , asexuellen Produktivität ( es kann auch ein geistiger Roboter sein :

Noch der Computer ist eine Extrapolation des Gehirns der Arbeitskraft[21].

2. Der Android

Aus dem griechischen Sprachgebrauch kommend, verweist er auf den „ Mannesähnlichen „ Roboter, dem „menschliches Aussehen gegeben wurde ( und dabei ) als Agent, Polizist oder Mörder eingesetzt“[22] wird sowie

„ überwiegend aus biologischen und eventuell auch elektronischen / mechanischen Teilen zusammengesetzt“[23] ist.

3. Der Cyborg

Das englische Grundwort „ CYBernetic ORGanism“ versteht darunter, „ … Menschen, von denen nur noch das Gehirn übrig ist. Das wird, ordentlich verpackt, an einem Roboter- oder Androidenkörper angeschlossen. Das Gehirn kann nun auf die Reise gegen und gefährliche Aufträge ausführen, für die ein menschlicher Körper zu schwach und ein maschinelles Gehirn zu starr ist“[24]

Die zweite Weise artikuliert sich im Roboter.

Im Science-Fiction-Bereich finden sich im Beziehungsgefüge Mensch- Maschine vier Interpretationsmöglichkeiten, die den Roboter ausweisen :

Erstens

„ Der Roboter erscheint … als Diener und Helfer des Menschen.

Auf eine Dämonisierung wird in diesem Fall verzichtet“[25]

Die Identität solcher maschineller Gestalten bleibt im Sektor der Maschinen angesiedelt.

Zweitens

„ Der Roboter als gleichberechtigter Partner und teilweise auch als Wächter des Menschen “ Isaak Asimov hat in dem Kontext drei „Gesetze für Roboter“ entworfen, die einen status quo besiegeln sollen :

`“ 1. Ein Roboter darf kein menschliches Wesen verwunden oder, durch Unterlassen von Hilfe, dulden, dass ein Mensch zu Schaden kommt.
2. Ein Roboter hat dem ihm erteilten Befehl zu gehorchen, es sei denn, dieser verstösst gegen das erste Gesetz.
3. Ein Roboter muss sich selbst schützen, jedoch nur so lange, wie dies nicht in Konflikt mit dem ersten und zweiten Gesetz geschieht“[26].

Drittens

Der Roboter herrscht als Maschine über dem Menschen.

„ Diese gegenutopische Interpretation geht von der Möglichkeit aus, dass der Automat den Menschen an Intelligenz übertreffen kann“[27]. Solche Dominanz weitete sich auch auf eine reproduktive Perspektive der Maschinen aus ( d.h. die Maschine baut sich selber neu und besser oder produziert mit einer anderen Maschine eine Tochtereinheit usw.)

Viertens

Die Automaten betreiben die ( planmässige ) Ausrottung der Menschheit

Aus der hier beschriebenen Sachlage bliebt die menschliche Anfrage bestehen, inwiefern hier ein Menschheitstraum pervertiert ( ist ).

Sind Roboter nicht in Wirklichkeit

gewollt willenlose Maschinen

oder

ungewollte Macht-Maschinen ?

Stellen jene vielleicht ein sich stets erneuerndes Gedankengut dar, das Friedrich Nietzsche unter der Begrifflichkeit „ Der Wille zur Macht „ zu beschreiben versuchte ?

Mit den Fragen sind wir hier alleine gelassen –

Nicht aber um uns zu ängstigen oder zu resignieren, sondern um nachzusinnen und mit anderen Menschen daran weiter zu arbeiten.

3. Die Figur Datas und deren Lebensgeschichte

Um sich dieser Gestalt besser anzunähern, wird die Lebensgeschichte

und der Charakter klar zu stellen sein. Dabei kann es jedoch nicht zu einer eindeutigen Trennung kommen, sondern das Ganze wird erst über einen Lebensplan transparent.

Eigentlich kann und darf diese Filmfigur gar nicht mit menschlichen Mass- stäben beurteilt werden. Trotzdem – insbesondere weil diese Kreatur von einem Menschen konstruiert ( Gene Roddenberry ) und „ konstruiert „

( Dr. Noonian Soong ) wurde – versuche ich, den Verlauf der Lebens- geschichte Datas mit mir zugänglichen Formen der Analyse zu enträtseln.

Folge ich nun der Lebensgeschichte, so werden drei Grobbereiche wichtig :

Der erste stellt die Geburt dar,

der zweite ist im gelebten und ungelebten Leben aus zu machen ,

und

der dritte informiert über das Ende des Lebens, den Tod.

Diese Grobeinteilung wird zusammengehalten durch die Aspekte Ent- wicklung, Liebe und Leid(en). Doch um der Lebensgeschichte überhaupt folgen zu können, wird es wichtig sein, sich Gedanken zur inneren und äusseren Form von Lebensgeschichte zu machen.

Unter innerer Lebensgesichte verstehen sich die inneren Vorgänge eines Individuums, das – einem Rezipienten entgegengebracht – über das bisherige Leben informiert. Solche inneren Vorgänge werden im Erinnern und Erzählen sichtbar. Mit der äusseren Lebensgeschichte ist das kontinuierliche Leben an der erlebten Handlung des Individuums durch Rezeption gemeint.

Das heisst z.B., dass die Aktionen des Helden / der Heldin über den näheren Lebensweg erlebbar, direkt nachvollziehbar orientieren. Auch können Träume Möglichkeiten von Zukunft anzeigen, die dann als Ziel angestrebt oder negiert werden. Am Beispiel der Lebensgeschichte wird aber final auch deren Frag- mentarität offenbar, kann sie doch nichts über die persönliche Todes- erfahrung im Vorgriff aussagen.

Am Beispiel der Lebensgeschichte wird aber final auch deren Fragmen- tarität offenbar, kann sie doch nichts über die persönliche Todeserfahrung im Vorgriff aussagen. Der Charakter ( griech. Das „ Eingegrabene „ oder „ Einge- prägte „[28] weist in seinem äusseren Leben auf den Bereich „ des Filmanfangs bis ( zum ) Filmende „ hin und bringt so einen enthüllenden Aspekt zum tragen.

Unter seinem inneren Leben versteht sich der Zeitpunkt wo eine Figur agiert – quasi „ von der Geburt bis zu dem Augenblick, wo der Film anfängt ( Charak- terformung )[29].

Bei Data wird es sicherlich schwierig sein von Charakter und Lebensge- schichte auszugehen, da in ihm als Maschinen-Menschen eine etwas andere, eben eigentümliche Lebensform inne wohnt. Insofern gehe ich bei seiner Lebensgeschichte von einer geplanten Lebensform aus, die in menschliche Lebensgeschichten verwoben ist. Aussagen über sein biographisches Muster können indes durch Verhaltensbeobachtung in den einzelnen Episoden abge- leitet werden.

3.1. Das innere Leben

Datas Vorleben bleibt bis auf einige Episoden in einem Schleier des Geheimen gefangen. Im konkreten Fall gehe ich auf seine ( Haupt-)Episode

„ Data/Lore / Das Duplikat „ ein, um den Lebensweg dieses Robot-Golems zu markieren.

Das Motiv, dass Data und Lore existieren, liegt eindeutig im damit selbst gesetzten Denkmal ihres geistigen Vaters Dr. Noonian Soong. Data besitzt keine Erinnerungen an Dr. Soong oder die Kolonisten, aber in ihm sind die Erkenntnisse jener 411 Menschen abgespeichert.

Wohin der Weg Data führt, ist offenbar ganz klar. Er dient in der Sternenflotte als einzigartiger Offiziersandroid, ein von allen Armeen der Welt geträumter Traum.

Damit unterstützt er die Menschen und anderen menschenähnlichen Rassen

im Kampf gegenüber Feinden oder untersucht fremde Lebensformen, ohne dass Menschen in Gefahr kommen.

Sein persönliches Ziel liegt darin, menschlicher zu werden.

Er hat nämlich z.B. mit dem menschlichen Humor grosse Schwierigkeiten.

3.2. Das äussere Leben

Data lebt in einem äusseren Rahmen innerhalb der Brücken-Crew wie in einer Familie. In jener erfährt er Freude und Leid. Er bewegt sich auf sein Ziel – immer menschlicher zu werden – nur schrittweise langsam zu. Dafür hat er aber die ganze Sympathie der Besatzung, die ihm hilft sich seinem Idealbild anzunähern. Sein Zerrbild – wie es das Duplikat Lore darstellt – kommt aufgrund gutmütigen Verfasstheit ( ausgeglichenes Wesen ) nicht zum Einsatz, so dass er auch nicht un-menschlich, barbarisch entfremdet wie es das Schaubild eröffnet[30]:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3.2.1 Der Name

Data ist kein eindeutiger Vorname eines Menschen, sondern die Benennung des gleichnamigen Androiden. Die Endsilbe deutet auf eine feminine Ein- ordnung hin. Data ist eine Abkürzung für das Datum, also für eine zeitliche Gegebenheit.

Die Sinngebung von Daten richtet sich auf die Datenverarbeitung aus, einer Tätigkeit, die Data intern und extern meisterlich beherrscht. Das „ Sammeln, Sichten, Speichern und Auswerten von Informationen „[31] ist die Externa- lisierung des Namens Data.

Lore, das Gegenstück Datas, der „ technische Doppelgänger oder Bruder „ , besitzt einen ähnlichen kurzen Namen. In ihm manifestiert sich das

„ (Volks-)Wissen, ( der ) Sagenschatz „[32]

3.2.2. Die Erscheinung

Data ist ein Maschinenheld, „ der äusserlich einem Menschen Mitte Dreissig

( gleicht ), tatsächlich aber ein so hoch entwickelter Android ( ist ), dass ein Starfleet – Test ihn als Lebensform anerkannt hatte „[33].

Sein Gesicht wirkt äusserst maskenhaft und ist durch die weissliche Tönung der Haut fahler Natur. In der Episode N11 : The Big Goodbye / Der grosse Abschied „ betont Captain Picard auf dem Holdeck, dass Data „ nicht von dieser Welt „[34] sei.

Im braunen Enterprise-Overall wird Datas Gleichstellung mit Lt. Worf und Lt. LaForge deutlich.

Vor langer Zeit ( 26 Jahre ) wurde er von Dr. Noonian Soong entwickelt.

Das „ Herzstück „ seiner Anwesenheit liegt im positronischen Gehirn ver- ankert. Dieses gewährleistet, dass „seine Gedächtniskapazität … die eines Menschen bei weitem ( übertrifft ) … Ausserdem ( kann ) er mit extrem hoher Geschwindigkeit lesen und ( ist ) auch körperlich allen Brückenbesatzungs- mitgliedern der Enterprise überlegen“[35]. Seine hervorstehende Nase und sein komischer Gang, aber auch sein Wunsch menschlicher zu werden, könnten den Vergleich mit der Holzpuppe Pinocchio herausfordern. Aus dem Erzähl- strang der Episode „Data - Lore / Das Duplikat“ und anderen Episoden, die hier in Auszügen gestreift werden, entsteht folgendes Bild, das an drei Sätzen sich stabilisiert :

1. Data ist das Gegenteil von Lore

Vielleicht habe ich gerade deshalb die Kain-Abel-Geschichte assoziiert.

Bei näherer Betrachtung ist diese jedoch nicht weiter haltbar. Den Abel - Data wird von Kain - Lore nicht getötet oder mehr als abgeschaltet.

Vielmehr reagiert Data, indem er seinen Bruder in den Weiten des Welt- raums entsorgt. Lore, den ich zuerst falsch identifizierte und mit dem Namen Law versah, versinnbildlichte ein hartes Menschsein. Das veranlasste mich – immer noch unter falscher Voraussetzung stehend – ihm mit dem nord- amerikanischen Prinzip „law and order„ gleichzusetzen.

Auch kam mir ein chinesisches Zitat wieder in den Sinn, nachdem ich mich auf Data und seinen Bruder eingelassen hatte :

„ Wenn der Mensch

geboren wird,

ist er weich und schwach;

Wenn er stirbt

ist er fest und stark

Wahrlich :

Das Feste, Starke ist

des Todes Begleiter;

Das Weiche, Schwache

des Lebens Begleiter“

[...]


[1] Lt. Tasha Yars Vermächtnis in Form einer Hologrammbotschaft in der U.S. – Serie

„ STAR TREK – The Next Generation „ , in Part : „ Die schwarze Seele „

[2] Technik wird hier einmal wertfrei als Begriff verwendet.

[3] Albrecht, G./ Allwardt, V./ Uhlig, P./ Weinreuter, E. ( Hrsg. ), Handbuch Medienarbeit, 2. Auflage, Opladen – 1981, 36

[4] Peltzer, K., Das treffende Zitat, 3. Auflage, Thun/ München- 1957, 48

[5] Jugendheim Steinkimmen ( Hrsg. ), Themenheft „ Medienarbeit im Jugendheim Stein- kimmen „ , Gandekesee – 1988, 10

[6] Tremel, H., Bilder im Kopf, in : GEP ( Hrsg. ), Die Kirche des Wortes und die Bilder der Kirche, Frankfurt am Main – 1989, 9ff.

[7] Albrecht, G. / Allwardt, V. / Uhlig, P. / Weinreuther, E. ( Hrsg. ), Handbuch Medienarbeit, Opladen – 1981, 2. Auflage, 112

[8] Auszugsweise aus einer Zusammenfassung zu „ Wirkungen der Medien „ Eckhard Biegers entnommen ( Katholische Fernseharbeit beim ZDF )

[9] Monaco, J, Film verstehen, Hamburg – 1980, 2. Auflage, 390

[10] Faulstich, W., Einführung in die Filmanalyse, Tübingen – 1980, 3. Auflage, 58

[11] Vgl. Korte, H. ( Hrsg. ), Systematische Filmanalyse in der Praxis, Braunschweig – 1987, 2. Auflage, 191f.

[12] a.a.O., 29

[13] Schücking, L.L. ( Hrsg. ), Shakespeares Werke, Band 7, Darmstadt – 1970, 122

[14] Im Auftrag der Bischöfe Deutschlands, Österreichs, der Schweiz, des Bischofs von Luxemburg, des Bischofs von Lüttich, des Bischofs von Bozen - Brixen ( Hrsg. ), Das Alte Testament ( Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift ), 2. Auflage, Stuttgart – 1983,23f.

[15] Vgl. Bertholet, A., Wörterbuch der Religionen, Stuttgart- 1984, 4. Auflage, 146

[16] Baumann, H.D., Horror – Die Lust am Grauen, Weinheim/Basel – 1989, 166

[17] a.a.O., 248

[18] Drury, N., Lexikon esoterischen Wissens, München – 1988, 275

[19] Giesen, R., Sagenhafte Welten, München – 1990, 20

[20] Hahn, R.M. / Jansen, U., Lexikon des Science-Fiction-Films, München – 1987, 20

[21] Hartwig, H., Die Grausamkeit der Bilder, Weinheim/Basel-1986, 81

[22] Ballinger, E., ABC für Monsterfans, Wien – 1989, 113

[23] Hahn, R.M. / Jansen, U., Lexikon des Science-Fiction-Films, München – 1987, 20

[24] Ballinger, E., ABC für Monsterfans, Wien – 1989, 77 und 113

[25] Graaf, V., Homo futurus, Hamburg – 1971, 144

[26] a.a.O., 145

[27] a.a.O., 149

[28] Brockhaus Enzyklopädie, Band 4, Mannheim -1987, 19. Auflage, 420

[29] Field, S. / Märthesheimer, R. / Längsfeld, W. u.a, Drehbuchschreiben für Fernsehen und Film, München – 1988, 2. Auflage, 22f.

[30] Baur, A. / Kögel, H. ( Hrsg. ), Religionsbuch unterwegs 9/10, 5. Auflage, Donauwörth – 1976, 35

[31] Wahrig Fremdwörterlexikon, München – 1983, 144

[32] Friedrich, W., Bertelsmann Wörterbuch für Englisch-Deutsch und Deutsch-Englisch, Gütersloh – 1974, 178

[33] Sander, R., Das STAR TREK - Universum, München – 1990, 255f.

[34] a. a. O, 281

[35] a.a.O., 256

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