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Das Wesen der Prostitution in Schweden und den Niederlanden

Hausarbeit (Hauptseminar) 2004 25 Seiten

Soziologie - Familie, Frauen, Männer, Sexualität, Geschlechter

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Prostitution in verschiedenen historischen Epochen
2.1 Antikes Rom
2.1.1 Rechtliche und soziale Stellung der Prostituierten 6
2.2 Frühes Byzanz
2.2.1 Rechtliche und soziale Stellung der Prostituierten 8
2.3 Prostitution im Hochmittelalter – Thomas von Aquin
2.4 Prostitution in der viktorianischen Gesellschaft

3. Prostitution heute
3.1 Das Beispiel Schweden
3.2 Das Beispiel Niederlande

4. Ursachen der Entwicklung
4.1 Schweden
4.2 Niederlande

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

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1. Einführung

Prostitution ist ein sehr medienwirksames Thema. Es ist überall und jeder Zeit präsent, nicht nur in Deutschland. Dabei ist es interessant zu sehen, wie das Thema Prostitution auch außerhalb Deutschlands behandelt wird und vor allem wie es rechtlich gehandhabt wird.

In dieser Hausarbeit interessieren vor allem die beiden Länder Schweden und die Niederlande. Schweden, weil hier die Prostitution als ein Straftatbestand behandelt wird und die Niederlande, weil hier Prostitution als Gewerbe angemeldet werden und von jedermann frei ausgeübt werden kann.

Hauptfragestellung dieser Hausarbeit wird sein: Wodurch unterscheidet sich das Wesen der Prostitution in den Niederlanden von dem in Schweden? Und wie kommt es, dass sich das „älteste Gewerbe der Welt“ in diesen beiden Ländern in Hinblick auf den heutigen Umgang damit so unterschiedlich entwickelt hat?

Zu diesem Zweck soll zunächst eine kurze Einführung in die Geschichte der Prostitution gegeben werden. Hierbei werde ich mich auf das antike Rom, das frühe Byzanz, das Hochmittelalter mit einem kurzen Ausflug zu den Ansichten von Thomas von Aquin sowie die viktorianische Gesellschaft in England beschränken.

In einem nächsten Schritt gilt es vor diesem Hintergrund die heutige Lage der Prostitution in den Niederlanden und in Schweden zu betrachten, wobei vor allem herausgearbeitet werden soll, worin genau die Unterschiede in der Handhabung bestehen und warum die beiden Länder solch differenzierte Umgangsweisen mit diesem sozialen Phänomen haben. Vor allem Schweden als eines der liberalsten Länder in sozialen Fragen ist hier von Interesse.

Unter Rückgriff auf die dargestellte Entwicklung der Prostitution in den oben angesprochenen historischen Epochen soll ferner verdeutlicht werden, warum Schweden mit seiner Handhabung einen ziemlichen Extremfall in Europa und der Welt darstellt.

Das abschließende Fazit soll zunächst zusammenfassend reflektieren sowie offene Fragen und Hinweise ansprechen.

2. Prostitution in verschiedenen historischen Epochen

Zunächst eine kurze Definition des Begriffes „Prostitution“. Das Wörterbuch von Webster aus dem Jahre 1913 legt folgendes fest:

1. The act or practice of prostituting or offering the body to an indiscriminate inter-
course with men; common lewdness of a woman.
2. The act of setting one’s self to sale, or of devoting to infamous purposes what
is in one’s power; as, the prostitution of abilities; the prostitution of the press. “Mental prostitution.” (Webster’s Dictionary).

Es wird deutlich, dass sich der Bergriff der Prostitution (von lat. prostituere, sich öffentlich hinstellen) zum einen auf den Körper direkt beziehen kann, zum anderen aber auch vom Körper unabhängig gebraucht werden kann, wie etwa in der zweiten Definition. Im Duden zum Beispiel findet sich lediglich die Definition: „gewerbsmäßiges Anbieten des eigenen Körpers für sexuelle Zwecke“ (Duden 1986: 550). Im österreichischen Recht wird unter Prostitution „die gewerbsmäßige (oder entgeltliche) Hingabe des eigenen Körpers an Personen des anderen Geschlechts zu deren sexueller Befriedigung“ verstanden (Leontsini 1989: 10).

Dieses Verständnis von Prostitution soll auch in dieser Hausarbeit aufgegriffen werden.

Im folgenden Kapitel gehe ich also zunächst auf die Geschichte der Prostitution im antiken Rom, im frühen Byzanz, im viktorianischen Zeitalter in England und zu Zeiten Thomas von Aquin ein. Wir betrachten hier einen Zeitraum von über 2000 Jahren. Aus diesem Grund kann auch nur kurz auf die Stellung und das Wesen der Prostitution Bezug genommen werden. Hierbei interessieren weniger die Lebensumstände der Prostituierten, als vielmehr ihre rechtliche und gesellschaftliche Stellung. Für das antike Rom und das frühe Byzanz kann diese Fragestellung etwas ausführlicher bearbeitet werden.

2.1 Antikes Rom

Im Folgenden betrachten wir den Zeitraum zwischen ca. 200 v. Chr. bis ca. 300 n. Chr.

Zunächst möchte ich kurz etwas zur sozialen Herkunft der Prostituierten sagen. Der wahrscheinlich wichtigste Herkunftsort der betroffenen Mädchen und Frauen oder auch Jungen war die Sklaverei. Es muss dabei jedoch angemerkt werden, dass hierunter nicht die sexuelle Ausbeutung von Sklaven durch ihre Besitzer mit dem Ziel der sexuellen Befriedigung oder auch der Zeugung von Sklavennachkommen fällt. Von wem und zu welchem Zweck auch immer Sklaven sexuell ausgebeutet wurden, sie verfügten über keinerlei Rechtsschutz durch das römische System (Stumpp 1998: 25ff.).

Der Sklaverei muss auch die Kriegsgefangenschaft zugerechnet werden. Sie war eine wichtige Quelle, aus der die unerschöpfliche Masse von Sklaven und Sklavinnen geschöpft wurde. Besonders Sklavinnen wurden nach Eroberung ihres Wohngebietes entweder weiterverkauft, meist an Bordelle, oder an die Soldaten verteilt (Stumpp 1998: 28f.).

Dies sind aber nicht die einzigen Herkunftsorte von Prostituierten im antiken Rom. Ausgesetzte Kinder wurden unter Umständen von Zuhältern oder Zuhälterinnen aufgegriffen und von kleinauf zur Prostitution erzogen. Dies war durchaus üblich und wurde auch dementsprechend praktiziert. Es ist interessant, dass die Aussetzung vorrangig Mädchen betraf. Als Grund hierfür kann die allgemeine Geringschätzung des weiblichen Geschlechts in antiken Gesellschaften vermutet werden (Stumpp 1998: 29ff.).

Zudem ist anzumerken, dass der Arbeitsmarkt für weibliche Sklaven sehr beschränkt war. Eine in erster Linie sexuelle Ausbeutung oder auch „Beschäftigung“ lag somit nahe (Stumpp 1998: 32).

Aber auch Menschenraub war ein weiterer nicht zu unterschätzender Faktor. Es bestand eine große Gefahr für Jungen und Mädchen, in die Sklaverei und von da ins Bordell zu gelangen, vor allem auf Grund des organisierten Kidnapping durch Räuber u.ä. (Stumpp 1998: 33).

2.1.1 Rechtliche und soziale Stellung der Prostituierten

Allgemein kann man zunächst sagen, dass die meisten Prostituierten sich öffentlich dadurch kenntlich machen mussten, dass sie auffällige Kleidung oder blonde Perücken tragen mussten; die rechtschaffenen Römerinnen hatten immerhin allesamt schwarzes Haar, wodurch die Prostituierten scharf, auch auf das Aussehen bezogen, von der restlichen Bevölkerung abgegrenzt wurden (Bauer 1956: 76). Ein gewisser Grad an sozialer Stigmatisierung war hierdurch bereits geschaffen. Zudem verloren die Prostituierten alle bürgerlichen Rechte und mussten hohe Steuern auf ihre Löhne zahlen, in dieser Form wohl als erstes von Kaiser Caligula eingeführt. Der Steuersatz galt allerdings nicht nur für Rom, sondern für das ganze römische Imperium. Die Einführung dieser Steuer hatte vermutlich ausschließlich finanzielle Gründe (Stumpp 1998: 343f.).

Es ist allerdings überraschend, dass weder Prostitution noch Zuhälterei laut römischen Rechts sexuelle Delikte waren. Hier zeigt sich deutlich die ambivalente Haltung zu diesem Gewerbe: Zum einen war die Prostitution nötig um die soziale Ordnung zu wahren, zum anderen zog sie auch nachteilige Konsequenzen nach sich. Prostituierte hatten den niedrigsten sozialen Rang in der Gesellschaft (Stumpp 1998: 297). Außerdem wurden sie gemäß ihrem personenrechtlichen Status in unterschiedliche Kategorien eingeteilt, so dass auch hier zwischen einer Sklavin, einer Freigelassenen und einer Freigeborenen unterschieden wurde. Doch dies war nicht wirklich von Bedeutung: Die Ausübung des Berufes der Prostitution nivellierte gleichermaßen den Status (Stumpp 1998: 298).

McGinn geht noch näher auf den sozialen Status von Prostituierten ein. Bei ihm heißt es:

„[There are] disabilities relating to political and social life, on the one hand, and to the operation of the courts, on the other” (McGinn 1998: 21). Er spricht weiterhin davon, dass auch die Ehe, die Steuer und das Privatrecht elementare Gebiete waren, in denen Prostituierte gemäß ihrem sozialen Stand empfindliche Einschnitte hinnehmen mussten. So durften (männliche) Prostituierte zum Beispiel kein öffentliches Amt innehaben und auch ihr Zugang zum privaten Rechtssystem war beschränkt (McGinn 1998: 23). Frauen waren ohnehin von den meisten Facetten des öffentlichen Lebens ausgeschlossen. Des Weiteren war es Prostituierten nicht erlaubt, Personen zu heiraten, die nicht zur Klasse der Sklaven gehörten (McGinn 1998: 341).

Man kann festhalten, dass die Prostitution nicht in unserem heutigen Sinne verboten war, erwünscht war sie deshalb jedoch noch lange nicht. Verschiedene Kaiser legten Wert auf deren Ausrottung und Vernichtung, auf der anderen Seite erreichten die Anstrengungen nie ein derart ernstzunehmendes Ausmaß, dass die Prostitution wirklich in Gefahr gewesen wäre.

2.2 Frühes Byzanz

In diesem Kapitel betrachten wir den Zeitraum ab der Regierungszeit Konstantins I. (324-337). Erst hier finden sich die Anfänge jener byzantinischen Kultur, die für unseren Untersuchungsgegenstand, nämlich die Prostitution, von Interesse sind.

Zu diesem Zeitpunkt wurde die Prostitution in Griechenland ähnlich verstanden, wie in dem oben angeführten österreichischen Gesetz.

Leontsini weist darauf hin, dass Prostituierte im frühen Byzanz entgegen den Prostituierten im antiken Rom zumeist selbst entschieden, ob sie dem Gewerbe nachgingen oder nicht. Sie speisten sich nicht aus den Quellen der Sklaverei. Die Diskussion über die Selbstbestimmung von Prostituierten wird auch heute noch geführt. Die Grenze zwischen freiwilliger und erzwungener Prostitution ist nicht immer leicht zu ziehen. Auch im frühen Byzanz gab es dementsprechend Prostituierte, denen auf Grund ihrer schlechten ökonomischen Stellung im Grunde genommen nichts anderes übrig blieb, als sich zu prostituieren: „(…) denn die so genannte freiwillige Prostitution kann sehr wohl mit Not verbunden sein“ (Leontsini 1989: 74). Im Unterschied zum antiken Rom spielen die Familienverhältnisse im frühen Byzanz eine wichtigere Rolle. Konnte eine Frau nicht auf die Hilfe von Eltern oder Bezugspersonen hoffen, musste sie für ihren Lebensunterhalt selbst aufkommen, indem sie sich prostituierte. In Kombination mit dem „falschen“ Umgang ebnete diese Lebenssituation oft den Weg in das einschlägige Gewerbe (Leontsini 1989: 75f).

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Details

Seiten
25
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638054539
ISBN (Buch)
9783638946483
Dateigröße
436 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v92049
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz – Institut für Soziologie
Note
1.3
Schlagworte
Wesen Prostitution Schweden Niederlanden Soziologie Sexualität

Autor

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Titel: Das Wesen der Prostitution in Schweden und den Niederlanden