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Here's Looking At You Kid! - Zu Laura Mulveys „Visuelle Lust und narratives Kino“

Hausarbeit 2008 16 Seiten

Filmwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung: Von Torten zu Worten

2. Grundannahmen und -strukturen
2.1 Psychoanalyse als politische Waffe
2.2 Die Stellung der Frau innerhalb der phallozentrischen Ordnung
2.3 Psychoanalytische Strukturen im kinematographischen Raum
2.3.1 Skopophilie (Schaulust)
2.3.2 Narzisstische Identifikation

3. Die geschlechtlichen Differenzen im kinematographischen Raum
3.1 Die Blickstrukturen im Kino
3.3 Die heterosexuelle Arbeitsteilung
3.4 Die Kastrationsdrohung

4. Schlussfolgerung

5. Kritik und Weiterentwicklung
5.1 Der weibliche Zuschauer
5.2 Die geschlechtliche Dichotomie

Literaturverzeichnis

1. Einleitung: Von Torten zu Worten

Als 1970 die Live-Übertragung des jährlichen Miss World Schönheitswettbewerbs in der Londoner Albert Hall stattfindet, sind nicht nur Kameras und Verehrer schöner Frauen anwesend. In den vorderen Reihen sitzen zahlreiche Mitglieder der Women’s Liberation Movement, bewaffnet mit Spritzpistolen, Mehltorten und Stinkbomben.

Ihre Munition richten sie gegen die leicht bekleideten Mannequins, ihr Protest gilt jedoch der in der patriarchalischen Gesellschaft üblichen Rolle der Frau als Lust- und Schauobjekt. Eine Rolle, die sie zumindest an diesem Tag zerstören können.[1]

Viele der feministischen Aktivistinnen werden anschließend verhaftet, unter anderem auch Laura Mulvey, die fünf Jahre später in ihrem Aufsatz „Visuelle Lust und narratives Kino“ das Thema der Frau als Schauobjekt erneut aufnimmt, diesmal im klassischen Hollywoodkino. Dieser Aufsatz löst derart zahlreiche und heftige Kontroversen aus, dass ihr Werk schließlich eine theoretische Wende in der feministischen Filmanalyse der 1970er Jahre einleitet. Diese hatte vorher ausschließlich aus einem soziologischen Blickwinkel oberflächliche Analysen betrieben, um zwischen dem Abbild der Frau und der Gesellschaft direkte Bezüge herzustellen.[2]

Ziel dieser Arbeit ist es, die in Mulveys Aufsatz formulierten Theorien zusammenfassend darzustellen und dabei auf die Kritikpunkte und Weiterentwicklungen einzugehen, die Mulveys Arbeit folgen.

2. Grundannahmen und -strukturen

Mit „Visuelle Lust und narratives Kino“ erschafft Mulvey ein feministisch-politisches Manifest, welches eine komplett neue Ausrichtung der feministischen Filmtheorie begründet. Mulveys polemisch formulierte neofreudianisch-psychoanalytische Rezeptionstheorie setzt sich mit der Unausgewogenheit der Darstellung der Geschlechter im klassischen amerikanischen Erzählkino auseinander.

Die Autorin geht davon aus, dass der Film als Medium die Gesellschaft, in der er gefertigt wird, widerspiegelt und somit auch

„[…] die ungebrochene, gesellschaftlich etablierte Interpretation des Geschlechtsunterschiedes reflektiert, sogar damit spielt und die Bilder, die erotische Perspektive und Darstellung kontrolliert.[3]

Eben diese Kontrolle wird laut Mulvey im Kino durch das Steuern des Blickes gewährleistet. Ein Blick, der stets den Mann als den Beobachter und die Frau als Schauobjekt ausmacht.

2.1 Psychoanalyse als politische Waffe

Zur Unterstützung ihrer Theorie und um den Fokus von den bisher betriebenen oberflächlichen Beschreibungen der Frau (und ihres Abbildes) in der Gesellschaft auf die psychologischen Strukturen des Mannes zu lenken, der eben dieses Abbild produziert und konsumiert, zieht Mulvey in ihrem Text die Psychoanalyse[4] als Hilfskonstruktion und „politische Waffe“[5] heran.

Es wirkt erstaunlich, dass sie sich der Psychoanalyse bedient, scheint diese doch aufgrund des ihr innewohnenden Phallozentrismus auf den ersten Blick eine ungewöhnliche Wahl zur Bearbeitung eines feministischen Themas zu sein. Doch Mulvey begründet ihren Ansatz damit, dass das Patriarchat mit den Mitteln untersucht werden müsse, die es selbst zur Verfügung stellt.[6]

Da die Psychoanalyse die geschlechtlichen Verschiedenheiten als ihr wichtigstes Unterscheidungsmerkmal betrachte, sei sie auch das ideale Mittel zur Untersuchung der Gründe und Mechanismen der Unterdrückung des weiblichen Geschlechts in der phallozentrischen Gesellschaft.

2.2 Die Stellung der Frau innerhalb der phallozentrischen Ordnung

Nach Mulvey steht die Frau

…“in der patriarchalischen Kultur als Signifikant für das männliche Andere, gefesselt von der symbolischen Ordnung, in der Männer ihre Phantasien und Obsessionen durch die Herrschaft der Sprache ausleben können, indem sie sie dem schweigenden Bild der Frau aufzwängen, der die Stelle des Sinnträgers zugewiesen ist, nicht des Sinnproduzenten.[7]

Ausgeschlossen aus der Lacanschen symbolischen Ordnung[8] bleibt sie das Symbol für das Andere, für die Abgrenzung zum Mann, für den Mangel, für die Kastration. Die Frau wird zum Schauobjekt und erfüllt auf diese Weise ihre Funktion zur Bildung des patriarchalischen Unbewussten.

2.3 Psychoanalytische Strukturen im kinematographischen Raum

Für Mulvey nimmt das Kino als Institution und Mechanismus eine besondere Stellung innerhalb des patriarchalischen Systems ein. Zum Einen wird es von dieser Ordnung geschaffen und unterwirft sich seinen Regeln, zum Anderen spiegelt es diese Ordnung gleichsam wider.

Vor allem das klassische Hollywood-Erzählkino transportiert fortwährend das patriarchalische Unbewusste. Dabei gelingt es ihm, die Lust am Schauen und den Blick sowohl zu strukturieren als auch zu lenken.

Nach Mulvey kommen bei der Kinorezeption zwei „Lust bringende Strukturen des Schauens“ zum Einsatz: die Skopophilie und die narzisstische Identifikation.[9]

[...]


[1] Mulvey, Laura und Jimenez, Margarita The Spectacle is Vulnerable: Miss World 1970 In: Visual and Other Pleasures. Basingstoke: Macmillan, 1989, S. 5 ff.

[2] Chaudhuri, Shohini Feminist Film Theorists: Laura Mulvey, Kaja Silverman, Teresa de Lauretis, Barbara Creed. New York: Routledge, 2006, S. 29

[3] Mulvey, Laura Visual Pleasure and Narrative Cinema In: Visual and Other Pleasures. Basingstoke: Macmillan, 1989, S. 48

[4] Mulvey benutzt sowohl Freudsche als auch Lacansche Konstrukte aus der Psychoanalyse.

[5] Ebenda

[6] Ebenda, S. 49

[7] Ebenda

[8] Neben dem Imaginären und dem Realen ist das Symbolische die dritte Ordnung, die Lacan als grundlegendes Klassifizierungssystem seiner Theorie definiert.

Siehe auch Lacan, Jacques Seminar XI. Die vier Grundbegriffe der Psychoanalyse. Berlin/Weinheim: Quadriga, 1996

[9] Mulvey, Laura Visual Pleasure and Narrative Cinema In: Visual and Other Pleasures. Basingstoke: Macmillan, 1989, S. 54

Details

Seiten
16
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783638053846
ISBN (Buch)
9783638946094
Dateigröße
469 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v92036
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin – Filmwissenschaft
Note
1,7
Schlagworte
Here Looking Laura Mulveys Lust Kino“ Filmanalyse

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