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Interkulturelle Elternarbeit in der Grundschule

Warum ist sie sinnvoll? Was kann sie leisten?

von Melanie Seyfert (Autor) Monika Neunert (Autor)

Hausarbeit 2007 16 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Warum bleiben Eltern der Schule fern?
2.1 Schlechte oder fehlende Verständigungsmöglichkeiten
2.2 Der Problemfokus führt zu Distanzierung
2.3 Angst vor kultureller Entfremdung der Kinder
2.4 Fehlende internale Kontrollüberzeugung
2.5 Schule ist Lehrersache
2.6 Individuelle Gründe

3 Was bringt die interkulturelle Elternarbeit den Beteiligten?
3.1 Chancen die sich für Eltern eröffnen
3.2 Der Nutzen für die Kinder
3.3 Was gewinnen LehrerInnen und die Schule?

4 „Schule der Eltern“ - ein Beispiel aus der Praxis

5 Grenzen

6 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

In dieser Hausarbeit möchten wir darstellen, warum interkulturelle Elternarbeit so sinnvoll ist und was sie bestenfalls bewirken kann, aber auch andeuten wo ihre Grenzen liegen.

Als erstes werden wir auf die Problematik eingehen, die diese Form der Elternarbeit überhaupt nötig macht. Dann soll verdeutlicht werden wie alle Beteiligten, also die Kinder, Eltern, LehrerInnen und auch die Institution Schule an sich, von dieser Arbeit profitieren können. Abschließend wird an einem Beispiel gezeigt, wie die interkulturelle Elternarbeit in der Praxis aussehen kann, welches die Wirkfaktoren sind und worin die Grenzen bestehen.

Wir werden uns auf die interkulturelle Elternarbeit im Primarbereich beschränken um den Rahmen dieser Hausarbeit nicht zu sprengen und da wir denken, dass die Eltern von Kindern in dieser Altersgruppe (und darunter) noch am ehesten zu erreichen und zur Mitarbeit bereit sind.

Die Grenzen zwischen Elternarbeit und Elternbildung sehen wir hier fließend, weil sie unserer Meinung nach nicht klar voneinander abzutrennen sind. Es findet bei jedem Austausch auch ein voneinander lernen statt und einige Projekte/ Programme, die sich dieser Thematik gewidmet haben, versuchen über die Elternbildung (z. B. thematische Elternabende) die Eltern zu erreichen mit dem Ziel eines positiven Beziehungsaufbaues, der weiterhin gute Kontakte und Zusammenarbeit ermöglicht.

Zuletzt möchten wir noch darauf hinweisen, dass wir insbesondere auf die schwer erreichbaren Eltern mit Migrationshintergrund eingehen wollen. Das heißt, Eltern die nicht auf eine einfache schriftliche Einladung hin zum Elternabend oder sonstigen Gesprächen (aus welchen Gründen auch immer- auf diese wird an einer anderen Stelle genauer eingegangen) erscheinen und auch sonst kein offenkundiges Interesse am schulischen Leben ihrer Kinder zeigen. Außer Frage steht jedoch, dass Elternarbeit auch für alle anderen Eltern wichtig und sinnvoll ist und dass es natürlich auch schwer erreichbare Eltern ohne Migrationshintergrund (z. B. aus bildungsfernen und sozial benachteiligten Bevölkerungsschichten) gibt, die aber nicht Gegenstand dieser Hausarbeit sein sollen, da bei ihnen teilweise andere Gründe für die schwere Erreichbarkeit zu Grunde liegen.

2 Warum bleiben Eltern der Schule fern?

Dass diese Problematik besteht, wie beispielsweise die sehr geringe Beteiligung an Elternabenden, können wir zwar nicht durch wissenschaftliche Quellen belegen, jedoch ist uns an verschiedenen Stellen[1] davon berichtet worden, und auch in den Tageszeitungen liest man immer wieder davon. Besonders ausgeprägt ist sie demnach in den sozialen Brennpunkten, die gekennzeichnet sind durch hohe Arbeitslosenzahlen, einen hohen Anteil der Bevölkerung mit Migrationshintergrund und ein niedriges Bildungsniveau.

Die Gründe, die Eltern zu schwer erreichbaren Eltern machen, sind sehr vielfältig und individuell verschieden. Wir möchten an dieser Stelle in Form von Hypothesen auf einige eingehen, von denen manche besonders im Zusammenhang mit dem Migrationskontext einleuchtend erscheinen, andere allerdings eher in Verbindung mit der sozialen Stellung zu sehen sind und somit durchaus auch in Bezug auf Eltern ohne Migrationshintergrund zutreffen können. Diese beiden Aspekte konnten und wollten wir nicht komplett trennen, da dies der Realität, in der Familien mit Migrationshintergrund überdurchschnittlich häufig auch zu den sozial Benachteiligten gehören, nicht entsprechen würde. Dies zeigt sich beispielsweise darin, dass die Armutsrisikorate bei Migranten (Türken, Ex- Jugoslawen, Italiener, Griechen, Spanier) bei 22% liegt. Die der deutschen Wohnbevölkerung liegt im Vergleich dazu im Durchschnitt bei 7%.[2]

2.1 Schlechte oder fehlende Verständigungsmöglichkeiten

Eine große Schwierigkeit stellen die schlechten oder fehlenden Verständigungsmöglichkeiten dar. Dass Eltern, die nicht gut deutsch sprechen und somit im Gespräch mit den LehrerInnen kaum etwas verstehen, keinen Sinn darin sehen zu Elternabenden oder anderen Gesprächen zu erscheinen und sich dadurch auch ausgeschlossen fühlen können ist nachvollziehbar. Auch Verständigungsprobleme, die nicht unbedingt aus sprachlichen Defiziten, sondern aus verschiedenen Sprachniveaus resultieren sind hier zu erwähnen. Den Eltern könnte es schwer fallen das Gesagte zu verstehen, da sie häufig aus völlig anderen sozialen Milieus kommen als die LehrerInnen und eine andere Alltagssprache verwenden. Im schlimmsten Fall kann dies zu Ressentiments gegen die LehrerInnen führen, da die Eltern sich selbst als inkompetent und abgewertet fühlen. Eine Folge können Distanzierung oder sogar Abwehr gegenüber der Schule sein.

Im Rahmen einer Erkundungsstudie in Tiergarten- Süd wurden in Elterninterviews u. a. folgende Zitate geäußert, die das oben Beschriebene widerspiegeln:

„Ich verstehe nicht, was gesagt wird…“[3]

„Wir lassen uns von euch nicht sagen, wie wir unsere Kinder zu erziehen haben. Ihr könnt zufrieden sein, wenn wir euch machen lassen.“[4]

2.2 Der Problemfokus führt zu Distanzierung

Werden Eltern nur zur Schule bestellt wenn etwas Negatives (Lern- und/ oder Verhaltensschwierigkeiten) vorgefallen ist, kann dies ebenfalls zu einem Rückzug aus der Eltern- LehrerInnen- Beziehung führen und eine skeptische Haltung gegenüber der Schule fördern. Hier wird eine Negativspirale angestoßen, die Eltern sehen sich als Problemträger und -verursacher.[5] Ist keine positiv geprägte Beziehung vorhanden, die entstehen kann durch nicht auf Probleme fixierte Kontakte, werden (gut gemeinte) Ratschläge nur schwer angenommen und eher als Kritik verstanden.

2.3 Angst vor kultureller Entfremdung der Kinder

Eine weitere Hypothese ist, dass Eltern aus Angst vor kultureller Entfremdung der Kinder eine ambivalente Haltung gegenüber der Schule und dem Erziehungseinfluss den sie hat, entwickeln.[6] Auf der einen Seite erwarten und wollen die Eltern, dass ihre Kinder qualifiziert werden, befürchten aber auf der anderen Seite, dass der Erziehungseinfluss die unbedingte Loyalität, die in bestimmten Kulturen innerhalb der Familie üblich ist, brüchig wird und die Kinder eines Tages andere Wege gehen könnten, als von ihnen erwartet wird. Diese Annahme könnte erklären, warum Eltern, obwohl sie hohe Bildungsziele für ihre Kinder anvisieren, diese nicht ausreichend unterstützen und Beteiligungsangebote in der Schule nicht annehmen.[7]

2.4 Fehlende internale Kontrollüberzeugung

„Ich kann doch sowieso nichts machen…“.[8] So lautet ein weiteres Zitat aus den oben erwähnten Elterninterviews. Haben Eltern nur eine geringe internale Kontrollüberzeugung, also die Überzeugung, dass sie selbst etwas bewirken und verändern können, so schlägt auch dies sich in der mangelnden Beteiligung am Schulleben der Kinder nieder.

2.5 Schule ist Lehrersache

Auch die Annahme, dass in anderen Kulturen Schule und Familie eher voneinander getrennt bleiben ist ein Erklärungsansatz. Sind Eltern selbst mit der Erfahrung aufgewachsen, dass in der Schule ausschließlich die LehrerInnen zuständig sind, verhalten sie sich dementsprechend. Es könnte sogar zu Inkompetenzunterstellungen gegenüber den LehrerInnen führen, wenn sie von diesen um Mithilfe gebeten werden, da sie sozialisationsbedingt ganz andere Erwartungen an die Schule haben.

[...]


[1] Z. B. bei einem Besuch in der Schulstation der Neumark-Grundschule in Schöneberg am 05.06.2007 und dem Gespräch mit den dortigen MitarbeitInnen, aber auch auf der Fachtagung „Gemeinsam macht Schule- Schulbezogene Jugendhilfe in Berlin“, die am 16. und 17. Februar 2007 in der ev. Fachhochschule stattfand.

[2] Vgl. Informationen zur politischen Bildung Nr. 269/ 2004, S.30.

[3] Thimm, 2007, S. 12.

[4] Thimm, 2007, S. 10.

[5] Vgl. Thimm, 2007, S. 12.

[6] Vgl. Geogheganes, 2006, S. 63.

[7] Vgl. Thimm, 2007, S. 13.

[8] Thimm, 2007, S. 12.

Details

Seiten
16
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638053686
ISBN (Buch)
9783656676485
Dateigröße
379 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v92002
Institution / Hochschule
Evangelische Hochschule Berlin
Note
1,0
Schlagworte
Interkulturelle Elternarbeit Grundschule Kultur

Autoren

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Titel: Interkulturelle Elternarbeit in der Grundschule