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Sprachentwicklungsstörung (SES)

Verbale Entwicklungsdyspraxie aus heilpädagogischer Sicht

Hausarbeit 2008 16 Seiten

Pädagogik - Heilpädagogik, Sonderpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Systematik und Definitionen

3. Formen und Häufigkeit
3. 1 Formen
3. 2 Häufigkeit

4. Ursachen

5. Charakteristik der verbalen Entwicklungsdyspraxie

6. Diagnostik

7 Folgen
7.1 Folgen für das betroffene Kind
7.1.1 Folgen der verbalen Entwicklungsdyspraxie
7.1.2 Das mangelnde Selbstwertgefühl des Kindes
7.1.3 Die Kognition bei Kindern mit verbaler Entwicklungsdyspraxie
7.2 Folgen für die Eltern
7.2.1 Ich bin doch nicht schuld, oder?
7.2.2 Verunsicherung und Ängste der Eltern
7.3 Folgen in der Gesellschaft

8. Heilpädagogisches Handeln und Konzepte
8.1 Einleitung
8.2 Heilpädagogische Ziele und Aufgaben
8.3 Elterngespräche und Elterneinbeziehung
8.4 Heilpädagogische Therapie bei verbale Entwicklungsdyspraxie

9 Fazit

10 Literaturangaben

1. Einleitung

Die Kommunikation des Menschen beginnt mit dem Geburtsschrei. Selbst ein Säugling ist in der Lage, Bedürfnisse und Wünsche in Form von Lauten auszudrücken. Im Laufe seiner Sprachentwicklung werden diese Laute differenzierter, bis es die menschliche Sprache selbst versteht und sich in Worten, später in Sätzen ausdrücken kann. Die wichtigsten Regeln der Sprache werden in den ersten 4 Lebensjahren erworben. In dieser Zeit entstehen die meisten Sprachentwicklungsstörungen. Gemäß der Tragweite der Sprache beschäftigt sich diese Hausarbeit mit der Thematik der Sprachentwicklungstörung.

Mein Einzelförderkind Hans (Name von mir geändert) leidet unter anderem an verbaler Entwicklungsdyspraxie. Aus diesem Grund handelt die vorliegende Arbeit hauptsächlich von dieser Störung sowie von den erforderlichen heilpädagogischen Handlungen.

2. Systematik und Definitionen

Definition „Sprachstörung“ „Sprachbehinderung“ und „Sprachentwicklungsstörung“

Das umfassendste Begriffsverständnis entwickelte G. Knura, die klar zwischen "Sprachstörungen" und "Sprachbehinderung" unterscheidet. "Sprachstörungen" definiert sie folgendermaßen:

"[...] individuell unterschiedlich verursachte und ausgeprägte Unfähigkeit zum regelhaften, alters- und entwicklungsgerechten Gebrauch der Muttersprache, die sich auf eine, mehrere oder alle Strukturebenen und Teilfunktionen des Sprachsystems erstrecken und vorübergehend, lang andauernd oder bleibend sein kann".

"Sprachbehinderung" definiert sie als "die durch die Sprachstörung bewirkte Gefährdung oder Beeinträchtigung der Persönlichkeits- und Sozialentwicklung sowie der seelisch-geistigen und körperlichen Leistungsfähigkeit." (G. Knura, S.3- 11).

Definition „Sprachentwicklungsstörung“

„Diese unterschiedlichsten Störungen betreffen Teilfunktionen des Sprechens, der Sprache, der Stimme, des Sprachverstehens oder der Kommunikationsfähigkeit. Manchmal sind alle Fähigkeiten betroffen, sodass ein korrekter, altersgerechter Sprachgebrauch überhaupt nicht möglich ist.“ (Siegrun von Loh, S. 300) Die Sprachentwicklungsstörungen können hierbei vorübergehend, langandauerend oder bleibend sein. Die Ausprägung und Auswirkung der jeweiligen Sprachentwicklungsstörung ist sehr verschieden.

Definition und Systematik der verbalen Entwicklungsdyspraxie

Die sprachlichen Äußerungen von Kindern mit verbaler Entwicklungsdyspraxie sind weitgehend unverständlich. Dies kommt daher, dass die phonologischen Fehler keinem bestimmten Muster folgen, sondern variabel sind. „Bei der verbalen Entwicklungsdyspraxie wird die Sprache noch vor dem vollständigen Erwerb gestört. Das gesamte sich gerade entwickelnde Sprachsystem, der Aufbau des Lexikons und der Erwerb eines morphosyntaktischen und phonologischen Regelsystems werden gestört.“ (Anne Schulte Mäter, S. 22) Alle linguistischen Ebenen sind von dieser Störung betroffen. Es liegen keine organischen Schäden oder funktionelle Defizite in der Sprechmuskulatur vor, es handelt sich um eine Störung der willentlichen Sprechbewegungen. Dabei ist das Bewegungsmuster im Bewegungsrepertoire oder der Begriff im Wortschatz vorhanden. Dem Kind gelingt es allerdings nicht, das in einem bestimmten Moment geforderte Bewegungsmuster abzurufen.

3. Formen und Häufigkeit

3. 1 Formen

Die verbale Entwicklungsdyspraxie ist eine Form der Sprachentwicklungsstörung. Zu den Auffälligkeiten der Sprachentwicklungsstörung gehören außerdem verspäteten Sprachbeginn, ungenügender Wortschatz, Dysgrammatismus, fehlerhafte Lautbildung und ungenügende phonematische Differenzierungsfähigkeit. (vgl Beate Hugenschmidt, S. 85)

Die verbale Entwicklungsdyspraxie ist ein Erscheinungsbild von Dyspraxien. Der Pschyrembel definiert Dyspraxie als „eine Störung der Abfolge der Einzelbewegungen“ (Pschyrembel 1998). Die Dyspraxien werden in weitere Untertypen unterteilt: Es gibt Dyspraxien, die einzelne Körperteile betreffen (z.B. Gesichtsdyspraxie, Gliedmaßendyspraxie) und Dyspraxien, die bestimmte Fähigkeiten betreffen (z. B. verbale Entwicklungsdyspraxie, Gangdyspraxie).

3. 2 Häufigkeit

Die verbale Entwicklungsdyspraxie beträgt 5% der Kinder in Deutschland. Die Störung tritt bei Jungen gehäufter auf als bei Mädchen. Das Verhältnis wird zwischen 3:1 bis 9:1 angegeben.

4. Ursachen

Die Ursachen sind nicht geklärt und es gibt nur spärliche Angaben, auf die ich im Folgenden kurz eingehe.

„Da die anatomischen Areale für Sprache und Bewegung nur zum Teil überlappen, sind wahrscheinlich defekte Verbindungswege innerhalb der weißen Substanz für das gemeinsame Auftreten beider Störung mitverantwortlich.“ (Papgo et al. 1993).

Hypothetische Ursachen findet man bei Morley und Fox (1969): „Sie berichten, dass die verbale Entwicklungsdyspraxie auf einer Funktionsstörung der sensorischen und motorischen Bahnen des Nervensystems beruhe, die das Sprechen affektieren. Crary (1984) vermutet, dass Kinder mit verbaler Entwicklungsdyspraxie ein selektives neurolinguistisches Defizit in der linken, sprachdominanten Gehirnhemisphäre aufweisen“ (Anne Schulte-Mäter, S. 62).

Bei 60% der Familien von Kindern mit verbaler Entwicklungsdyspraxie finden sich gehäuft Angehörige mit Kommunikations- und Lernproblemen. Die relativ hohe Rate von Sprach- oder Sprechstörungen im familiären Umfeld legt nahe, dass es möglicherweise eine erbliche Komponente gibt.

5. Charakteristik der verbalen Entwicklungsdyspraxie

Der Charakter ihres Sprechens kann man nicht mit normalen Kindern im Prozess der phonologischen Entwicklung vergleichen. Ich fasse in dieser Hausarbeit die wichtigsten Symptome zusammen.

Das Hauptsymptom ist die gestörte Lautbildung: Es kommen vielfache Lautbildungsfehler, wie Auslassungen, Substitutionen, Vertauschungen, Additionen, Wiederholungen und Verlängerungen von Konsonanten und Vokalen vor. Weiter besteht eine erhöhte Schwierigkeiten bei fortlaufender Anordnung von Lauten. (vgl. Anne Schulte- Mäter, S. 85). Die Fehlerquote steigt mit zunehmender Wortlänge. Kinder mit verbaler Entwicklungsdyspraxie haben Schwierigkeiten, die Silben in der richtigen Reihenfolge wiederzugeben. „Besonders die Unfähigkeit, Laute, die im Kontext spontan produziert, aber nicht 'auf Befehl' wiederholt werden, ist ein häufiges beschriebenes Merkmal.“ (Anne Schulte-Mäter, S. 86). Die phonologischen Fehler folgen keinem bestimmten Muster, sondern sind sehr variabel. Diese Kinder weisen außerdem eine langsame orale diadochokinetische Rate auf. Eine abweichende Sprechmelodie wird von mehreren Autoren berichtet. Bei diesen Kindern ist das Sprachverständnis normal, aber die lexikalische und syntaktische Formulierungsmöglichkeit ist gestört. Meist sind bei ihnen Lese- und Rechtschreibschwächen, Aufmerksamkeitsschwächen und Schwierigkeiten in der intermodalen Wahrnehmung feststellbar.

6. Diagnostik

Die Kinder, bei denen die verbale Entwicklungsdyspraxie diagnostiziert wird, haben ein normales Hörvermögen, keine epileptischen Anfälle, einen nonverbalen Intelligenzquotienten von mindestens 80 und keine erworbene neurologische Krankheit. Die Diagnose „verbale Entwicklungsdyspraxie“ wird durch einen Kinderneurologen gestellt. Die Bestätigung der Diagnose erfolgt durch einen Sprachtherapeuten anhand von Sprech- und Sprachtests. Zur Diagnostik werden Verhaltensbeobachtungen, Screeningverfahren, halbstandardisierte Verfahren sowie standardisierte Verfahren durchgeführt.

7 Folgen

7.1 Folgen für das betroffene Kind

7.1.1 Folgen der verbalen Entwicklungsdyspraxie

Der Spracherwerb hat großen Einfluss sowohl für die kognitive und schulische als auch für die sozial-emotionale Entwicklung von Kindern. Aus diesem Grund stellen Störungen des Spracherwerbs ein erhebliches Risiko für die gesamte kindliche Entwicklung dar.

Die Sprechfähigkeit bei der verbalen Entwicklungsdyspraxie verbessert sich nur langsam während einer Therapie. „Bei den herkömmlichen Therapien, die bei Kindern mit Artikulationsstörungen angewandt werden, lassen sich oft keine Erfolge erziehen.“ (Aram, Nation, S. 165) Bei Kindern, bei denen die Therapie sehr langsam oder gar nicht anschlägt, besteht die Gefahr, dass die Sprachstörung sich mit der Zeit zu einer Sprachbehinderung entwickelt. Diese Kinder weisen unterschiedliche Störungen in anderen Entwicklungsbereichen auf. Diese Störungen wirken sich nachteilig auf die Persönlichkeitsentwicklung des Kindes aus. Die Defizite in der Persönlichkeitsentwicklung umfassen Verhaltensauffälligkeiten, psychische Störungen, sozial-kommunikative Störungen und Lernstörungen. Die Lernstörungen haben wieder rum Auswirkungen auf die Schullaufbahn.

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Titel: Sprachentwicklungsstörung (SES)