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Wo fangen die Gemeinheiten an? Oder: Das Entstehen forcierender Maßnahmen im Gespräch am Beispiel der J. B. Kerner Show mit Verona Feldbusch und Alice Schwarzer.

Hausarbeit (Hauptseminar) 2002 37 Seiten

Germanistik - Linguistik

Leseprobe

Inhalt

1.) Einleitung und Ziel der Hausarbeit

2.) Theorieansätze: Forcieren und Frotzeln als Kooperationsformen
2.1 Das Forcieren
2.2 Das Frotzeln

3.) Der Begriff der Inszenierung

4.) Zur J.B. Kerner-Show - Fernsehen als „confrontainment“

5.) „Body trifft Brain“ – eine Analyse ausgesuchter Stellen
5.1 Allgemeine Beobachtungen
5.2 „Über den Dingen stehen“ – der Übergang zu leichtem Forcieren
5.3 „Bitte leben Sie ihr Leben“ – Wechselspiel von manifestem Forcieren
5.4 „Ich rede grad mit mir selber“ – Frotzeln ausgelöst durch Forcieren?

6.) Besonderheiten – Forcieren durch Mimik und Anredeformen?

7.) Fazit

8.) Anhang (Ausschnitte aus Transkript)

9.) Bibliographie

1.) Einleitung und Ziel der Hausarbeit

Die Frage „Wo fangen die Gemeinheiten an?“ aus dem Titel dieser Arbeit impliziert zweierlei: Erstens, dass ein in Gesprächen und Diskussionen grundlegendes Prinzip der Kooperativität existiert und zweitens, dass diese Kooperativität bei Streit- und Konfliktgesprächen gerne außer Acht gelassen oder wissentlich außer Kraft gesetzt wird, um eigene Interessen und Meinungen gegen den jeweiligen Gesprächspartner durchzusetzen. Als Forcieren oder „verschärfte Gangart“ wird diese Abweichung von der „normalen“ Kooperativität in Gesprächen im Aufsatz von Kallmeyer/Schmitt[1] bezeichnet; diese Betrachtung der Interaktionsmodalität des Forcierens bildet unter anderem die theoretische Grundlage meiner Hausarbeit. Besonders im Blickpunkt stehen soll dabei allerdings nicht das manifeste, eindeutige Forcieren, sondern die Übergänge oder Randerscheinungen dieses Phänomens. Dabei möchte ich auch die Kooperationsform des Frotzelns berücksichtigen, welche als alternative Reaktion dazu beitragen kann, eine Gesprächssituation zu entspannen oder nicht eskalieren zu lassen (siehe Beispiel 5.4).

Als Untersuchungsmaterial dient eine Sendung der J. B.-Kerner-Show. Es handelt sich dabei um das Aufeinandertreffen von Verona Feldbusch und Alice Schwarzer am 28. Juni 2001 – einer Begegnung, der im Vorfeld bereits ein hohes Maß an Aufmerksamkeit in den Medien zukam. Die Situation einer inszenierten öffentlichen Diskussion und die daraus resultierenden besonderen Umstände sollen in Punkt 3 genauer betrachtet werden.

Zur näheren Analyse habe ich drei Ausschnitte der Diskussion gewählt, da die gesamte Sendung mit einer Sendezeit von knapp einer Stunde bei weitem zu umfangreich für den Rahmen einer Hausarbeit gewesen wäre. Dabei handelt es sich um jeweils einen Ausschnitt zu Beginn und zum Ende des Gesprächs, die beide unter dem Aspekt des Übergangs von einem „normalen“, kooperativen Gespräch hin zu leichtem forcieren oder frotzeln interessant sind sowie die bereits im Seminar besprochene Stelle, an der manifestes Forcieren von beiden Teilnehmerinnen eingesetzt wird.

2.) Theorieansätze: Forcieren und Frotzeln als Kooperationsformen

Zur Klärung des theoretischen Hintergrunds dieser Konzepte verweise ich auf die beiden Aufsätze von Kallmeyer/Schmitt und Günther[2]. Im Folgenden möchte ich eine kurze Zusammenfassung der Grundprinzipien dieser beiden Aktivitäten geben, die sich auf die vorgenannten Aufsätze stützt.

2.1 Das Forcieren

Wie in der Einleitung bereits erwähnt, finden forcierende Verfahren dann Anwendung, wenn die Gesprächspartner eigene Interessen oder Meinungen durchsetzen wollen und dabei die allgemein vorausgesetzte kooperative Interaktionsform verlassen. Daraus ergibt sich die Frage nach der „Kooperativität“ in einem Gespräch: Was ist kooperatives Verhalten? Dazu kann man zunächst festhalten, dass Interaktion grundsätzliche eine „formale Ordnungsstruktur aufweist, die von den Beteiligten gemeinsam hergestellt werden [muss].“[3] Diese Ausrichtung an gemeinsamen Zielen schafft die Grundlage für eine erfolgreiche Kommunikation, auf dieser dann die unterschiedlichen und eventuell sogar gegensätzlichen Meinungen und Interessen verhandelt werden können. Benutzt ein Teilnehmer nun forcierende Verfahren, wie zum Beispiel das Streitigmachen des Rederechts, kann man von „partiellen Verstößen gegen die Unterstellung von Gemeinsamkeiten“[4] sprechen: Es erfolgt eine „Verschiebung [...] der situativen Verteilung von Rechten und Pflichten in egoistischer, ich-zentrierter und aggressiver Weise.“[5] Dabei gilt für das Forcieren, dass das Potential eines solchen Verfahrens in Abhängigkeit von der Gesprächssituation durchaus ambivalent sein kann, also nicht immer negativ sein muss.

Des Weiteren bildet die Balance von Selbstbestimmung und Fremdbestimmung die Grundstruktur einer jeglichen Interaktion. Diese beiden Konzepte regulieren die Anforderungen und Möglichkeiten der beteiligten Sprecher im Rahmen eines Gesprächs. So wird durch eine Frage des einen Sprechers generell eine Fremdbestimmung des anderen erwirkt. Allerdings bleibt es diesem überlassen, wie ausführlich er zum Beispiel die Frage in seiner Antwort bearbeiten will. Forcierende Verfahren werden nun dazu benutzt, diese Balance zu den jeweils eigenen Gunsten zu verschieben. Dabei können „alle Aspekte der Interaktionskonstitution“[6] betroffen sein: die Gesprächsorganisation, die Sachverhaltsdarstellung, das soziale Handeln, die sozialen Identitäten und Beziehungen sowie die Konstitution von Äußerungsbedeutung, die sich auf alle diese vorgenannten Aspekte beziehen kann (vgl. Kallmeyer/Schmitt, S.28/29). Das Gegensatzpaar von Fremd- und Selbstbestimmung wird, unter Einbeziehung der vorgenannten Konstitutionsaspekte, von Kallmeyer/Schmitt auch zur Etablierung eines Schemas verwendet, in dem die verschiedenen Verfahren des Forcierens typologisiert werden (vgl. Kapitel 6, S. 88 ff.). Auf diese Typologie werde ich im Analyseteil dieser Hausarbeit zurückgreifen, um die von den Sprecherinnen angewandten Verfahren zu klassifizieren.

2.2 Das Frotzeln

Im Aufsatz von Günther wird Frotzeln als „kommunikatives Muster“ beschrieben, welches sich durch eine „Doppelstruktur aus verbaler Provokation und Spielmodalität auszeichnet.“[7] Vor allem durch den Bestandteil der Provokation, der es dem Sprecher ermöglicht, Aggressionen und Kritik – wenn auch in verkleideter Form – am Gesprächspartner zu äußern, rückt dieses Verfahren in die Nähe des Forcierens. Allerdings werden beim Frotzeln bestimmte Techniken angewandt, die den Wechsel zu einer anderen Modalität markieren und so die geäußerte Kritik erheblich abschwächen. Zum einen werden Frotzeläußerungen oft von Lachen begleitet, das „Frotzelsubjekt“ (Günther, S. 83) verwendet häufig Übertreibungen sowie eine prosodische Markierung seiner Äußerung. All dies verweist auf einen Wechsel hin zur „Spaß- und Spielmodalität“ (Günther, S. 91). Dabei treten Frotzeläußerungen nicht einfach irgendwann in einem Gesprächsverlauf auf, sondern sie werden gezielt eingesetzt, um eine vorausgegangene Äußerung des Gesprächspartners als divergent oder nicht den Erwartungen entsprechend darzustellen. Günther ordnet Frotzeln daher grundsätzlich einer gesichts-bedrohenden Sprecherhandlung zu, die man generell als eine Art sozialer Reparatursequenz ansehen könnte. Dem Frotzelobjekt verbleiben verschiedene Reaktionsmöglichkeiten, obwohl durch Frotzeln ein gewisser Druck ausgeübt wird, nicht humorlos dazustehen und die spielerische Modalität mitzumachen oder sogar fortzuführen. Laut Günther ist eine präferierte (da häufig vorkommende) Reaktion ein Lachen mit dem gleichzeitigen Zurückweisen der negativen Zuschreibung (S. 92). Allerdings kann auch die spielerische Komponente missachtet werden, was dann eine ernste Reaktion zur Folge hat oder die implizierte Kritik wird nicht beachtet und die Äußerung als reiner Spaß abgetan. Eine wichtige Rolle bei Frotzelsequenzen spielen außerdem weitere anwesende Personen, die als Publikum dienen. Die gefrotzelte Person wird einem Publikum vorgeführt und häufig entscheidet dessen Reaktion (die ebenfalls wieder zwischen „mitmachen“ und „ernstnehmen“ variieren kann) über die des Frotzelobjekts (vgl. Günther, S. 94-96). Dies ist vor allem auch für die nachfolgende Analyse der J. B.-Kerner-Show von Interesse, da hier der „Vorführeffekt“ durch ein tatsächlich vorhandenes Publikum sowie die öffentliche Inszenierung und die Tatsache, dass nur zwei Protagonistinnen diskutieren, verstärkt wird.

Was beide Verfahren gemeinsam haben, ist eine Tendenz zur sequenzartigen Ausdehnung. Forcierende Aktivitäten eines Sprechers lösen oftmals forcierende Gegenzüge aus; der betroffene Sprecher wehrt sich und die Situation kann leicht eskalieren, wenn sich diese Dynamik von forcierenden Zügen „verselbstständigt“ (Kallmeyer/Schmitt, S. 26). Solche Wechselspiele des Forcierens finden sich in der vorliegenden Talkshow sehr häufig und werden zumeist durch ein Eingreifen des Moderators beendet, der zum Beispiel durch eine neue Frageinitiative das Thema wechselt. Frotzeln hat gleichermaßen das Potenzial, zu einer längeren Sequenz ausgedehnt zu werden; natürlich in Abhängigkeit von der Reaktion des Frotzelobjekts, -subjekts und des Publikums. Günther spricht hier von „verbalen Retourkutschen“ die sich zu einem informellen „verbal dueling“ auswachsen können (vgl. S. 98). Das Spiel kann allerdings jederzeit durch ein Aufheben der Spielmodalität in Ernst umgewandelt werden (durch eine ernstgemeinte Rechtfertigung bei gleichzeitiger Nichtbeachtung des Spielerischen) und dann sein Ende finden, indem es in eine ernsthafte Streitsequenz umgedeutet wird.

Nachdem nun Forcieren und Frotzeln als Abweichungen von der normalen, kooperativen Interaktion definiert worden sind, möchte ich in den beiden folgenden Punkten auf die Besonderheiten in der Fernsehkommunikation eingehen.

3.) Der Begriff der Inszenierung

Der Begriff der Inszenierung von Gesprächen in Fernsehsendungen, der diese grundsätzlich von „normalen“ Alltagskommunikationen abhebt und auch für meine nachfolgende Analyse von Bedeutung sein wird, ist laut Kallmeyer/Schütte vielschichtig:

Bei diesem Begriff ist zu unterschieden zwischen dem für Mediengespräche konstitutiven Aspekt, dass sie vorbereitet, nicht-spontan, geplant und in einer für den Zuschauer nicht vollständig einsehbaren Weise gesteuert werden, und einer Inszenierung von besonderen interaktiven Techniken, mit denen Beteiligte ihre spezifische Orientierung demonstrieren und mit denen sie gerade Konsequenzen aus der Inszeniertheit von Mediengesprächen im erstgenannten Sinne für die ablaufende Interaktion suspendieren.[8]

Diese Umstände sind bei der Gesprächsanalyse zu beachten, wobei jedoch festzuhalten ist, dass auch diese inszenierte Kommunikation den Grundregeln einer alltäglichen Interaktion folgt. Allerdings kann die Einbeziehung des medialen Kontexts durch die Beteiligten entsprechend deutlich gemacht und in die Analyse miteinbezogen werden.

Klemm (1996) hat dazu die These vertreten, dass insbesondere Streitgespräche durch die mediale Inszenierung ihre Qualität verändern, da sie dem Gesetz der Unterhaltsamkeit unterworfen werden:

Der Zuschauer [...] scheint hautnah dabei zu sein, wenn Prominente sich spektakulär in die Haare kriegen, und doch ist diese Intimität eine sekundäre, nur auf das Medienereignis hin funktionalisierte und für den Rezipienten arrangiert. Ohne Kameras fände kein Streit statt, und mit dem Ende der Inszenierung ist auch der „Streit“ vorbei.[9]

Man kann demnach davon ausgehen, dass sich das inszenierte Medienereignis durchaus auf das Gesprächsverhalten der Teilnehmer auswirkt: Bei der Begegnung von Verona Feldbusch und Alice Schwarzer in der J. B.-Kerner-Show handelt es sich um eine Art künstlich herbeigeführte Streitsituation, die zusätzlich von einschlägigen Medien im Vorfeld durch entsprechende Schlagzeilen angeheizt worden ist.[10] Beide Teilnehmerinnen sind sich dessen bewusst, behandeln die Situation jedoch sehr unterschiedlich (siehe dazu auch Punkt 6 der Arbeit).

4.) Die J. B.-Kerner-Show – Fernsehen als „confrontainment“

Die klassischen Formen, in denen Gespräche im Fernsehen geführt wurden (Interviews und traditionelle Diskussionen), werden mehr und mehr durch die sogenannten Mischformen des „infotainments“ und „confrontainments“[11] abgelöst. Dies findet häufig im Rahmen von Talkshows statt, „in denen zwar auch in Ansätzen diskutiert wird, die aber eher der Selbstdarstellung und der Beziehungs-kommunikation dienen, als der sachlich-rationalen Auseinandersetzung.“[12] Der Unterhaltungsaspekt für den Zuschauer spielt dabei eine zunehmend größere Rolle. Auch die hier im Mittelpunkt stehende J. B.-Kerner-Show würde ich der Mischformen des „confrontainment“ zuordnen, da es sich um ein inszeniertes Streitgespräch mit Unterhaltungseffekt handelt. Die in den Zeitungen und Magazinen begonnene Auseinandersetzung zwischen Schwarzer und Feldbusch sollte vor den Kameras fortgeführt werden. Dabei beeinflussten die bereits im Vorfeld den Teilnehmerinnen zugeschriebene und in der Öffentlichkeit existente Rollen („Emanze und Weibchen/Blödchen“) sowohl das Interesse des Publikums als auch das Gesprächsverhalten der Teilnehmerinnen. Verona Feldbusch zum Beispiel bezieht sich mehrere Male auf ihre in der Öffentlichkeit praktizierte Rolle des „Dummchens“ (z.B. Z. 442-46), womit sie einen großen Publikumserfolg hat.

Zusätzlich problematisiert die Tatsache das Geschehen, dass die beiden Frauen nicht um einer sachlichen Diskussion willen eingeladen worden sind (z. B. zu einem bestimmten Thema wie „Die Frauenbewegung in der Bundesrepublik“), sondern von vorneherein der persönliche Aspekt im Vordergrund stand und durch Medienberichte angefacht wurde. Oben genannte Aussage von Alice Schwarzer war der Anlass für die Sendung und dies bedeutete von Beginn an ein Zusammentreffen zweier Lebensstile, Generationen, das heißt völlig verschiedener Frauen, die gekommen sind, „um über sich zu sprechen“.

Eine entscheidende Rolle im Konzept des „confrontainment“ spielt nach Klemm auch das Saalpublikum: Es dient als „Imagebarometer“, steht stellvertretend für die Fernsehzuschauer, und soll vor allem durch Klatschen oder Buhrufe seine jeweiligen Sympathien oder Antipathien zum Ausdruck bringen (vergleiche Klemm, S. 156). Ebenso kann das Publikum auch aktiv von den Diskutierenden zur Unterstützung herangezogen werden – Verona Feldbusch kokettiert zum Beispiel mit den Zuschauern und macht diese vor allem durch ihre Blicke und Mimik zu einer Art Verbündeten.

5.) „Body trifft Brain“ – die Analyse ausgesuchter Stellen

5.1. Allgemeine Beobachtungen

Zunächst möchte ich einige kurze Beobachtungen zum Verlauf des gesamten Gesprächs festhalten. Beide Teilnehmerinnen, Verona Feldbusch (VF) und Alice Schwarzer (AS), legen ein sehr unterschiedliches Gesprächsverhalten an den Tag. Im Verlauf der Unterhaltung wird deutlich, dass eine völlig verschiedene Auffassung vorherrscht über die Art und Weise, wie dieses Zusammentreffen ablaufen soll. Diese Auffassung wird im Laufe des Gesprächs durchaus explizit deutlich gemacht. Alice Schwarzer bemüht sich um eine sachliche Diskussion (wir mü“ssen uns jetzt entschei“den ob wir uns ein bisschen a“nsehen und ernsthaft unterha“lten, Z. 435/38), wohingegen Verona Feldbusch den Spaßfaktor und die Möglichkeit der öffentlichen Darstellung in den Vordergrund stellt (heute abend is johannes b ke“rner [...] das wird wi“tzig, Z. 1708/12).

Beide Teilnehmerinnen benutzen häufig forcierende Verfahren auf der Ebene der Gesprächsorganisation (häufige Unterbrechungen, lange Überlappungen, explizites Einfordern des Rederechts oder sogar Auffordern des Moderators einzugreifen), ihre Redebeiträge beinhalten sehr häufig fremdbestimmte Charakterisierungen der jeweils anderen und es werden von beiden Metakommentare benutzt, um die Gesprächssituation zu beschreiben oder zu bewerten. Zusätzlich fehlen fast völlig die üblichen Rezeptionssignale („hm“) als Zeichen der Kooperativität zwischen den Protagonistinnen. Daneben bestimmen immer wiederkehrende Themen und Vorwürfe einen Großteil des Gesprächs, so zum Beispiel „gleichsetzen der (realen) Welt mit der Welt der Werbung“ (von AS an VF) und „jeder kann nur für sich reden, aber sie reden immer für alle“ (von VF an AS), die in verschiedenen Abwandlungen immer wieder bearbeitet werden. Ebenfalls werden persönliche Faktoren im Laufe der Diskussion in die Argumentation miteinbezogen: eine große Rolle spielt der Altersunterschied, aber auch Kleidungsstil und die Ehe von VF werden miteinbezogen.

Ich habe für die folgende Analyse jeweils längere Ausschnitte gewählt (siehe Anhang, Seite 23 bis 28) von denen ich allerdings nur Kernstellen genauer betrachten möchte, die in den näheren Kontext eingebunden werden sollen. Mimik und Gestik sollen dort einbezogen werden, wo sie entsprechende Verfahren unterstützen oder hervorheben. Ansonsten möchte ich auf Punkt 6 verweisen, in dem ich die oben genannten Stellen nochmals zusammenfassend unter dem Aspekt der Mimik und Gestik betrachten werde. Alle Zeilenangaben beziehen sich auf das auf der CD-Rom zur Verfügung gestellte Word-Dokument 4050.271, feldbuschschwarzer.

[...]


[1] Werner Kallmeyer/ Reinhold Schmitt (1996): Forcieren oder: Die verschärfte Gangart. Zur Analyse von Kooperationsformen im Gespräch. In: Werner Kallmeyer (Hg.): Gesprächsrhetorik. Tübingen, S. 19-118.

[2] Susanne Günther (1996): Zwischen Scherz und Schmerz - Frotzelaktivitäten in Alltagsinteraktionen. In: Helga Kotthoff/Susannne Günthner (Hgg.): Scherzkommunikation. Opladen, S. 81-108.

[3] Kallmeyer/Schmitt (1996),

[4] ebd.,

[5] ebd.,

[6] Kallmeyer/Schmitt,

[7] Günther, S. 81

[8] Werner Kallmeyer/Wilfried Schütte (1998): Erscheinungsformen der Kommunikationsregulierung in Fernsehgesprächen. Unveröffentlichtes Manuskript. S. 8.

[9] Michael Klemm (1996): Streiten „wie im wahren Leben“?. In: Biere, Bernd Ulrich/Hoberg, Rudolf (Hgg.): Mündlichkeit und Schriftlichkeit im Fernsehen. Tübingen, S. 135-163.

[10] Hierbei beziehe ich mich vor allem auf die Bild-Zeitung, die beiden Protagonistinnen im Vorfeld der Sendung eine Gesprächsplattform zur Verfügung stellte und die Diskussion durch plakative Schlagzeilen anheizte („Body trifft Brain“). Gleichzeitig könnte man jedoch auch argumentieren, dass die Diskussion durchaus einen realen „Streithintergrund“ hat, da sie durch eine Behauptung von Alice Schwarzer entfacht wurde. Sie bezeichnete Verona Feldbusch während einer Lesung als „Ohrfeige für alle Frauen“. Allerdings tritt meiner Ansicht nach dieser reale Auslöser in den Hintergrund, da nicht jede Bezichtigung dieser Art in einer Fernseh-Diskussion endet und der künstliche Charakter eindeutig im Vordergrund steht.

[11] Zu dem Begriff „confrontainment“ vergleiche Kallmeyer/Schütte (1998)

[12] Werner Holly (1992): Fernsehen und Streitkultur. In: Johannes Janota (Hg.): Kultureller Wandel und die Germanistik in der Bundesrepublik. Vorträge des Augsburger Germanistentages. Tübingen, S. 57-66.

Details

Seiten
37
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638159456
Dateigröße
722 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v9171
Institution / Hochschule
Universität Mannheim – IDS
Note
1,0
Schlagworte
Gemeinheiten Oder Entstehen Maßnahmen Gespräch Beispiel Kerner Show Verona Feldbusch Alice Schwarzer

Autor

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Titel: Wo fangen die Gemeinheiten an? Oder: Das Entstehen forcierender Maßnahmen im Gespräch am Beispiel der J. B. Kerner Show mit Verona Feldbusch und Alice Schwarzer.