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Eine Interpretation zu Salman Rushdies "Fury"

Essay 2002 11 Seiten

Anglistik - Literatur

Leseprobe

Inhalt

I. Einleitung

II. Interpretation

III. Resumé

IV. Bibligraphie

Fury

Life is fury. ... Fury - sexual, Oedipal, political, magical, brutal - drives us to our finest heights and coarsest depths. This is what we are, what we civilize ourselves to disguise - the terrifying human animal in us, the exalted, transcendent, self-destructive, untrammeled lord of creation. We raise each other to the heights of joy. We tear each other limb from bloody limb.[1]

I. Einleitung

In dem Roman Fury von Salman Rushdie, wird Malik Solanka, ein ehemaliger Philosophieprofessor am King's College in Cambridge, der nun seinen Lebensunterhalt mit dem Herstellen von "intelligenten" Puppen verdient, immer wieder von starken Wutanfällen und extremen Gefühlsschwankungen heimgesucht. Seine innerlich stark verwurzelte Wut läßt ihn zu einer Gefahr für seine Mitmenschen werden: eines nachts steht er mit einem Messer in der Hand in seinem Schlafzimmer, bereit seine Ehefrau zu töten. Erschrocken über sich selbst verläßt Solanka seine eigentlich perfekte Familie, um alleine in New York mit der Wut, die in ihm so tobt, fertig zu werden. Doch die Stimmung dort ist besonders gereizt, und Solanka verliert immer wieder die Kontrolle über seine Wut. Die Stadt wird in diesem erhitzten ersten Sommer des neuen Jahrtausends von einem Serienmörder, der es auf die jungen Damen der New Yorker High-Society abgesehen hat, heimgesucht. Solanka fängt zuerst eine gefährliche Affäre mit der weitaus jüngeren Mila Milo an, die in die Rolle seiner bekanntesten Puppe Little Brain schlüpft, bevor er sich unsterblich in Neela Mahendra, die Freundin seines guten Freundes Jack Rhinehart, einem schwarzen Journalisten, verliebt. Rhinehart gerät in Verbindung mit den Serienmördern, und kommt bald darauf selbst ums Leben. Inspiriert durch seine Liebe zu Neela, beginnt Malik ein neues Projekt für seine Puppen, Galileo-1, mit dem er immensen Erfolg hat. Die Welt die er dort geschaffen hat, wird in Neela's Heimatland Lilliput-Blefuscu zur Realität, die Bewohner "spielen" die imaginären Ereignisse nach, und es kommt zu einem Bürgerkrieg, dem Neela, die dorthin zurückgekehrt ist, zum Opfer fällt. Am Ende hat Malik Solanka zwar seine Wut besiegt, sie hing mit einem Kindheitstrauma zusammen, doch er muß nun auf sich alleine gestellt sein Leben meistern.

Fury ist ein Roman über die Moderne, und über die Probleme moderner und zwangsläufig zivilisierter Menschen. Professor Solanka steht nur stellvertretend für den modernen Menschen. In der folgenden Interpretation werde ich mich mit den verschiedenen Formen der Wut, die im Roman dargestellt werden, befassen. Ich werde dafür einige der männlichen Charaktere aus dem Roman, bei Rushdie ist die Wut vor allem ein männliches Phänomen, näher beschreiben, und versuchen zu erklären, warum die einzelnen Personen wütend sind, und was in ihnen so tobt. Dabei komme ich auch immer wieder auf das Zitat am Anfang zurück, das ich auch als These diskutieren werde. Die Charaktere plagen verschiedene Formen der Wut, sie ist bei ihnen je nachdem sexueller, politischer etc. Natur.

II. Interpretation

Insbesondere in einer pulsierenden Metropole wie New York, Rushdie vergleicht sie mit dem alten Rom, wird die Gefühlswelt der Menschen starken Belastungen ausgesetzt. Die permanente Konfrontation mit fremden Menschen und einer bunten Warenwelt führt zu einer Reizüberflutung, und damit zum einen zu einer Abstumpfung und Verrohung, zum anderen aber auch zu starken Gefühlen wie Neid und Wut und auch zu Aggressionen, da jeder einzelne seine Triebe befriedigt sehen will. Besonders geplagt von der Jagd nach Reichtum und Anerkennung ist Solanka's schwarzer Freund Jack Rhinehart, der alles dafür tut um in der New Yorker High-Society, insbesondere zum berüchtigten "S&M-Club" ("which stood, it was suggested, for Single & Male"[2] ), dazuzugehören. Als Neela mitbekommt, wie krankhaft seine Gier danach ist, dazuzugehören (natürlich war er zudem noch fremdgegangen), verläßt sie ihn angewidert und entnervt:

(Neela:) '... he thinks whatever his 'Caesars' in their 'Palaces' want him to think. Jump Jack, and he'll jump sky-high. Dance for us, Jack, you're such a great dancer... Good dog, Jack. Roll over. Fetch.'[3]

An seinem Beispiel will Rushdie auch auf den nach wie vor alltäglichen Rassismus in Amerika aufmerksam machen. Rhinehart, der eine Anlehnung an die Figur des Othellos ist, ist nur ein Spielzeug der Oberschicht, doch er setzt all seine Energie dafür ein, von ihr als Mitglied anerkannt zu werden, was er nie ganz erreichen kann, zu tief scheint der Rassismus in der amerikanischen Gesellschaft, aber natürlich nicht nur dort, verwurzelt zu sein. Die Situation der Afro-Amerikaner ist sicherlich eine ganz besondere, und mit keiner anderen ethnischen Minderheit wirklich zu vergleichen. Bei Jack Rhinehart wird klar, wie die Afro-Amerikaner vom Rest der Gesellschaft am liebsten gesehen werden: als Entertainer und Pausenclowns , als "court jester"[4], die insbesondere intellektuell niemandem weh tun sollen. Die High-Society muß Rhinehart nicht fürchten, doch ihm ist durchaus seine Position und der alltägliche Rassismus bewußt. Rhinehart hat keine Chance über die Rolle des Hofnarrs in den Palästen der "Caesars"[5] hinauszukommen, dennoch gibt er sein Streben nach oben zu kommen nicht auf, aber diese unsichtbaren Mauern des Rassismus sind Ursache seiner Wut. Rushdie macht in seinem Roman auch deutlich, wie stark der Rassismus insbesondere in der High-Society Amerikas verbreitet ist, beziehungsweise gibt es dort im Geldadel, bei den "Caesars", natürlich auch eine Angst vor jeglicher Art von Emporkömmlingen, die ihnen ihren Status und Reichtum, den sie von Generation zu Generation weiterreichen, streitig machen könnten. Die Mitglieder des von Rheinhart begehrten "S&M-Clubs" sind gelangweilte Söhne von mindestens Multimillionären, die nur noch mit Verbrechen und Perversionen Lustgewinn erreichen können. Die drei jungen ermordeten Damen erinnern in ihrem exzessiven Lebensstil etwa an die beiden Enkellinnen des Hiltongründers, die bereits als Teenager zu Multimillionären gemacht wurden. Rushdie versucht ,etwas angestrengt, möglichst viele Stars und Berühmtheiten in seinen Roman zu packen, und möglichst viel von der Popkultur einfließen zu lassen, vielleicht auch um selbst Teil der populären Kultur zu werden.

[...]


[1] Rushdie, Salman: Fury: Roman.- Jonathan Cape, London, 2001, S.30 f.

[2] Fury, S.72

[3] Fury, S. 150

[4] Fury, S.150

[5] Fury, S.150

Details

Seiten
11
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638050449
ISBN (Buch)
9783638947831
Dateigröße
435 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v91582
Institution / Hochschule
Universität Konstanz – Literaturwissenschaft
Note
unbenotet
Schlagworte
Eine Interpretation Salman Rushdies Fury Postcolonial Roman Englisch Modern Rushdie

Autor

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