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Die App "Li La Lolle". Förderung des Schriftspracherwebs von Menschen mit Trisomie 21?

Hausarbeit 2017 11 Seiten

Pädagogik - Inklusion

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsbestimmung von Trisomie 21

3. Beschreibung der App „Li La Lolle“

4. Entwicklungsorientierte Lesedidaktik

5. Beurteilung der App

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Aufgrund der biologischen Besonderheiten bei Menschen mit Trisomie 21 sind die Bedingungen die Schriftsprache zu erwerben erschwert. Aufgrund der Forschungen gibt es trotz alledem heutzutage mehr Möglichkeiten und Wege denn je, ihnen die Schriftsprache anhand unterschiedlicher und lernwirksamer Methoden beizubringen. Im Zeitalter der Digitalisierung eröffnen sich zudem immer mehr Chancen, zusätzlich technische Geräte wie das des iPads als Hilfsmittel zum Erlernen der Schriftsprache zu benutzen. Die Anwendung der App „Li La Lolle“ ist eines dieser Angebote, die Menschen mit Trisomie 21 versprechen, den Schriftspracherwerb zu erleichtern. In der hier vorliegenden Arbeit wird sich ausführlich mit dieser App auseinandergesetzt und dabei der Frage nachgegangen, ob die Benutzung der App „Li La Lolle“ den Schriftspracherwerb bei Menschen mit Trisomie 21 fördert. Anfangs wird erläutert, was genau unter Trisomie 21 zu verstehen ist. Ausgehend von der Lernmethode der entwicklungsorientierten Lesedidaktik, auf die sich die App stützt, wird erläutert, wie Menschen mit Trisomie 21 auf diesem Wege die Schriftsprache erwerben. Daraufhin wird die App vorgestellt und auf deren Aufbau und Funktion sowie auf weitere wesentliche Elemente eingegangen. Im Anschluss daran folgt die Beurteilung der App im Hinblick auf die Förderung des Schriftspracherwerbs. Die Arbeit schließt mit einem Fazit, sodass am Ende die Fragestellung ausreichend beantwortet werden kann, ob die Anwendung der App „Li La Lolle“ für den Erwerb der Schriftsprache bei Menschen mit Trisomie 21 förderlich ist.

2. Begriffsbestimmung von Trisomie 21

Trisomie 21 beschreibt die genetische Besonderheit, die aus einer Genommutation hervorgeht, bei denen die Chromosomen in erhöhter Form vorkommen. Bei der Trisomie 21, daher die Begriffsbezeichnung, ist das 21. Chromosom dreifach vorhanden (vgl. Zimpel 2016: 20). Die Erkenntnis, dass diese Menschen somit insgesamt 47, statt 46 Chromosomen aufweisen, stammt aus dem Jahr 1959 und ist auf Jerome Lejeune zurückzuführen (vgl. ebd.: 18). Chromosomen können als Träger von Genen angesehen werden und befinden sich in Zellkernen aller „Pilze, Pflanzen und Tiere“ (ebd.: 19). Um die Entstehung von Trisomie 21 nachvollziehen zu können, muss verstanden werden, dass bei der Zellteilung im Regelfall die „Mutterzelle“ die gleiche Anzahl an Chromosomen an die „Tochterzellkerne“ weitergeben. Kommt es während dieser Zellteilung zu Unregelmäßigkeiten, kann sich die Zahl der Chromosomen jedoch erhöhen oder reduzieren (vgl. ebd.: 19). Wenn nun alle Zellkerne in einem Organismus das 21. Chromosomen dreimal enthalten sind, was bei mehr als 90 % aller Menschen mit Trisomie 21 der Fall ist, ist die Rede von einer freien Trisomie 21. Es kann allerdings auch vorkommen, dass nur in einem Teil der Körperzellen das Chromosom 21 dreifach vorhanden ist (Mosaikform), dass sich das Chromosomen 21 an ein anderes anheftet (Translokationsform) oder sich die Genabschnitte von einem der beiden Chromosomen mit der Nummer 21 verlängert hat. Letzteres wird als partielle Trisomie 21 bezeichnet (vgl. ebd.).

3. Beschreibung der App „Li La Lolle“

Das Konzept dieser App ist von Carsten Weißbach und Petra Matouschek entwickelt worden und nach der entwicklungsorientierten Lesedidaktik von Christel Manske aufgebaut (Manske 2004: 74). Die App soll „vor allem Kindern im Vor- und Grundschulalter mit Schwierigkeiten beim Erwerb der Laut- und Schriftsprache Unterstützung“ bieten (Weißbach o.J.). In der App selbst wird ebenfalls darauf hingewiesen, dass „Li La Lolle“ ein Programm ist, was Kindern beim Lernen von Lesen und Schreiben unterstützen soll.

Beim Starten der App öffnen sich vier Fenster mit den Bezeichnungen „Formen“, „Buchstaben“, „Silben“ und „Wörter“. Diese vier Teile sind für folgende Funktionen gedacht:

Im ersten Teil geht es um ein Nachspuren von grundlegenden Formen, die wiederum aus vier Übungen bestehen. Bei der ersten Übung soll auf dem Bildschirm (Touchscreen) eine Linie entlang von links nach rechts gezogen werden. Die Übungen zwei und drei bestehen darin, gerade Linien von oben nach unten und „zick-zack“ Kurven nachzuziehen. Bei der letzten Übung der Formen geht es um das Nachziehen von „Schlangenlinien“. Der vorgegebene Rand kann dabei nur minimal überzogen werden. Allerdings kann bei diesen Übungen eine zweite Schwierigkeitsstufe eingestellt werden, die den zu überschreitenden Rand etwas vergrößert. Konsequenzen im Sinne von Fehlerpunkten oder Ähnlichem gibt es nicht. Beim Überschreiten der Ränder stoppt der digitale Stift und kann anschließend einfach der Linien entlang weitergeführt werden. Diese Übungen diesen dem Aufbau basaler Fähigkeiten. Dazu zählen die Feinmotorik, die Figur-Grund-Wahrnehmung und die Auge-Hand-Koordination (siehe Beschreibung in der App).

Der zweite Teil besteht aus dem Erlernen von Buchstaben als Laute. Die Buchstaben von A - Z müssen dafür in der entsprechenden Abfolge in einem vorgegebenen Raster auf dem Bildschirm nachgezogen werden. Die Besonderheit an dieser Übung besteht darin, dass nach der erfolgreichen Bewältigung dieser Aufgabe ein dem Alphabet nach passendes Symbol auftaucht. Beim Buchstaben „A“ erscheint beispielsweise ein Bild eines Affen. Auch die Zwielaute „Au“, „Eu“, und „Ei“ können geübt werden sowie der Digraph „Ch“ und der Trigraph „Sch“. Bei diesen Buchstaben-Übungen gibt es außerdem die Möglichkeit, sich anhand eines Videos die Gebärden der Laute anzusehen. Der Laut „A“ wird z. B. trainiert, indem die Einblendung „Sag' mal AAA“ erscheint. Beim Drücken der Starttaste taucht daraufhin eine Person im Bildschirm auf, die den Laut vorspricht und die entsprechende Gebärde vorführt. Dabei werden zu jedem Buchstaben zwei Videos angeboten, eines mit einer besonderen Symbolik zum Verdeutlichen und eines mit der gewöhnlichen Gebärde. Der Laut „K“ beispielsweise wird anfangs mit einem Aneinanderschlagen von Klanghölzern dargestellt und anschließend mit einem Gegeneinanderschlagen der Zeigefinger.

Im dritten Teil geht es um das Bilden von Silben. Hierfür müssen jedoch lediglich die Buchstaben von links (alleinstehender Buchstabe) nach rechts (zum anderen Buchstaben) geschoben werden, sodass die beiden Buchstaben zusammen eine Silbe ergeben. Eine besondere Funktion hierbei ist die Sprachunterstützung. Die Buchstaben der Einzellaute sind zudem vor Beginn der Durchführung in unterschiedlichen Farben dargestellt. Bei erfolgreicher Bewältigung und Zusammenschiebens der Buchstaben zu einer Silbe, ertönt die Silbe zu einer einheitlichen Farbe. Z. B. sind die Buchstaben „S“ und „E“ zu „SE“ oder „R“ und „I“ zu „RI“ zusammenzuführen. Zudem gibt es die Möglichkeit, zwei Silben zueinander zu schieben. Die Silben „AU“ und „TO“ werden beispielsweise zum Wort „AUTO“ zusammengeschoben. Nach erfolgreicher Durchführung der Aufgabe erfolgt dann die Einblendung eines entsprechenden Bildes.

Im vierten Teil geht es um das Lesen und Schreiben erster Hauptwörter. Die Lernenden sollen fünf lose verteilte Buchstaben auf dem Bildschirm der Reihenfolge nach den richtigen Plätzen zuordnen, sodass dabei am Ende ein Wort entsteht. Beispielsweise sollen die Buchstaben „R“, „A“, „T“, „I“ und „P“ der richtigen Reihenfolge nach sortiert werden. Als Hilfestellung dienen entsprechende Bilder. Bei dem eben angeführten Wort ist es das Bild eines Piraten, das auf die richtige Lösung hindeutet. Wichtig ist darauf hinzuweisen, dass es nicht möglich ist, die Buchstaben falsch zu setzen. Dadurch ist es nicht möglich, dass die Lernenden Fehler machen. Auch bei dieser Übung wird eine Hilfestellung angeboten. Die Buchstaben sind anfangs in unterschiedlichen Farben dargestellt, bei richtiger Lösung wechseln sie jedoch alle zu ein und derselben Farbe. Außerdem wird nach der korrekten Antwort der Begriff lautsprachlich unterstützt.

4. Entwicklungsorientierte Lesedidaktik

Die Entwicklungsorientierte Lesedidaktik von Manske, auf die das Konzept der App beruht, „baut auf der Entwicklungspsychologie Vygotskijs auf. Weiterhin greift Manske auf die „etappenweise Ausbildung geistiger Handlungen“ nach Galperin zurück, die den Lernweg von außen nach innen darstellt“ (Manske 2004: 74 ff.).

Bei der Methode nach Vygotskij geht es darum, das die Kinder lernen, sich die Buchstaben anzueignen, in denen sie eine Tätigkeit mit einem Laut in Verbindung bringen. Dies kann beispielsweise beim Auspusten einer Kerze passieren, wenn sich während des Pustens der Laut „F“ eingeprägt wird (vgl. ebd.). Der Sinn dahinter ist der, dass die Buchstaben nicht einfach bloß auswendig gelernt werden sollen, sondern hinter jedem Buchstaben eine Bedeutung steht. Anhand der Verknüpfung von Tätigkeit und Bezeichnung des Buchstaben baut sich nämlich ein funktionelles Hirnsystem auf (vgl. ebd.). Hinsichtlich der Altersstufe lässt sich anmerken, dass für das Jahr 0-1 ein „gemeinsam geteiltes Empfinden und Wahrnehmen“ vorschlägt, welches zum Ziel hat, „organische Harmonie herzustellen“ (ebd.). Für die Altersstufe 1-3 Jahre steht „gemeinsam geteiltes Agieren“ im Mittelpunkt und soll dazu anregen, dass sich die Kinder staunend und begeistert zeigen (vgl. ebd.). Im Alter von 3-7 Jahren geht es dann schließlich um „gemeinsam geteiltes Symbolisieren [...], mit dem Ziel, sich unabhängig vom Wahrnehmungsfeld zu machen“ (ebd.). In der letzten Entwicklungsstufe, die das Alter von 7-11 Jahre umfasst, geht es um den „gemeinsam geteilten Zeichengebrauch“ (ebd.). In der letzten beschrieben Entwicklungsstufe sollen sich die Lernenden über ihre Gedanken austauschen (vgl. ebd.). Wird ein Buchstabe mit einer Tätigkeit gelernt, kann es sinnvoller sein, da die Kinder noch häufig Probleme mit dem Umgang eines Stiftes haben, sich z. B. selbst ein Bild zu kneten (vgl. ebd.: 75). Eine Schablone mit einem Umriss kann dafür hilfreich sein. Bei dieser Tätigkeit bildet sich dann „die Wahrnehmung von Figur und Hintergrund aus“ (ebd.). Zu Beginn ist es dabei meistens so, dass die Hand noch die Augenbewegung steuert, nach einiger Übungszeit ist es dann aber genau andersrum, was dann letztlich als Voraussetzung für das Schreiben angesehen werden (vgl. ebd.: 76).

Nach Galperin hingegen lernen die Kinder in sechs unterschiedlichen Schritten. Bei dem ersten Schritt geht es um die Motivation der Lernenden. Die Lernenden sollten dabei Sinn und Bedeutung in ihrer Tätigkeit erleben (vgl. ebd.: 79). Im zweiten Schritt geht es um die Orientierung der Kinder. Hierfür werden den Kindern innerhalb der Aufgabe exakte Vorgaben gegeben, sodass es nicht zur Ablenkung kommt. Wichtig ist dabei, dass die Kinder den Lösungsweg mit der Zeit herausbekommen und nicht überfordert werden. Die Tätigkeiten selbst werden dafür z. B. bildhaft vermittelt (vgl. ebd.). Der dritte Schritt besteht aus der Handlung und der Kommunikation. Die Handlung besteht dabei aus Werkzeugen und Materialen, wohingegen die Kommunikation aus Laut- und Zeichensprachen bestehen. Die Aufgabe soll mit einer „gemeinsam geteilten äußeren Handlung mit Gegenständen“ stattfinden (ebd.). Die Handlung wird dabei lautsprachlich unterstützt. In einem vierten Schritt handelt es sich um eine materialisierte Handlung (Bilder, Fotos usw.) und um Kommunikation. Bei dem Lösen dieser Aufgaben handelt es sich um Tätigkeiten, in denen sich zusammen etwas symbolisch geteilt werden soll (vgl. ebd.). Die Kinder entwickeln beispielsweise Zeichnungen und Fotos, die ihr Handeln leiten sollen. Der Ausdruck dieser Handlungen geschieht in Form von Gebärden (vgl. ebd.). Der fünfte Schritt betrifft die Sprache: „Die Kinder verstehen und geben sprachliche Anweisungen mit Hilfe von Handzeichen und lauter Sprache“ (ebd.: 80). Hierbei geht es primär um einen Dialog mit sich selbst (vgl. ebd.). Schließlich im sechsten und somit letzten Schritt verständigen sich die Kinder mit Schriftzeichen (ebd.).

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Details

Seiten
11
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783346237958
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v915178
Institution / Hochschule
Universität Hamburg
Note
1,3
Schlagworte
lolle förderung schriftspracherwebs menschen trisomie

Autor

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