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Wittgensteins Auffassung von Augustinus' Sprachverständnis

Seminararbeit 2008 18 Seiten

Philosophie - Philosophie des 20. Jahrhunderts

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Wittgensteins Kritik an Augustinus' Sprachauffassung in den Philosophischen Untersuchungen
1. Funktionen von Worten
2. Der Ursprung von Namen
3. Hinlänglichkeit der Zeichen

3. Augustinus Sprachauffassung in „De Magistro“
1. Funktionen von Worten
2. Der Ursprung von Namen

3. Hinlänglichkeit der Zeichen

4. Revision der Differenzen

5. Schluss

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Nannten die Erwachsenen irgend einen Gegenstand und wandten sich dabei ihm zu, so nahm ich das wahr und ich begriff, dass der Gegenstand durch die Laute, die sie aussprachen, bezeichnet wurde, da sie auf ihn hinweisen wollten. Dies aber entnahm ich aus ihren Gebärden, der natürlichen Sprache der Völker, der Sprache, die durch Mienen- und Augenspiel, durch die Bewegung der Glieder und den Klang der Stimme die Empfindungen der Seele anzeigt, wenn diese irgendetwas begehrt, oder festhält, oder zurückweist, oder flieht. So lernte ich nach und nach verstehen, welche Dinge die Wörter bezeichneten, die ich wieder und wieder, an ihren bestimmten Stellen in verschiedenen Sätzen, aussprechen hörte. Und ich brachte, als nun mein Mund sich an diese Zeichen gewöhnt hatte, durch sie meine Wünsche zum Ausdruck.“ (Wit. P. U. §1)

Im Folgenden soll versucht werden, durch Betrachtung von Augustinus' „De Magistro“ – in dem Augustinus' sich besonders ausführlich zur Sprache äußert – ein genaueres Bild seiner diesbezüglichen Auffassung zu zeichnen, als es das von Wittgenstein gewählte, einleitende Zitat erlaubt. Obwohl acht Jahre zwischen der Entstehung von „De Magistro“ und der Entstehung der Konfessionen liegen (Meyer 2008), lässt ein Vergleich mit den später entstandenen Konfessionen keine Änderung in Augustinus' Ansicht vermuten; vielmehr legt er in der früheren Schrift deutlicher als in der durch Wittgenstein bemühten dar, wie sein Sprachkonzept aufzufassen ist. Eine Bezugnahme darauf ermöglicht somit eine sicherere, der Intention des Autors näher liegende Interpretation.

Zunächst wird in der vorliegenden Arbeit auf die ersten Paragraphen der Philosophischen Untersuchungen eingegangen, um Wittgensteins Lesart von Augustinus' Schrift nachvollziehen zu können. Es soll versucht werden, die entscheidenden Charakteristika von Augustinus' Sprache nach Wittgenstein aufzuzeigen und zu belegen. Hierbei wird besonders auf die nach Wittgenstein verschiedenartige Funktion von Worten hingewiesen. Des weiteren soll versucht werden zu verdeutlichen auf welche Art er „Namen“ und „Bezeichnungen“ nach Augustinus versteht und wie beide ihm gemäß zusammenhängen sollen. Schließlich soll gezeigt werden, weshalb Wittgenstein davon ausgeht, dass Augustinus das Bild einer „primitiven Sprache“ vertritt (Wit. P. U. §2), wieso Augustinus' Auffassung womöglich gewisse Sprachen hinreichend beschreibe, mit dem Anspruch auf jede Sprache anwendbar zu sein aber falsch sein müsse (Wit. P. U. §3). Dies soll geleistet werden, indem Wittgensteins Argumente für das unmögliche Hinreichen von Zeichen zur Schaffung einer nicht-primitiven Sprache betrachtet werden. Daraufhin wird auf die daran von Wittgenstein geübte Kritik eingegangen. Die Mängel von Augustinus' Auffassung nach Wittgenstein sollen herausgearbeitet werden, sowie grundlegende Unterschiede zwischen beiden.

Im zweiten Teil soll anhand der zuvor ausgemachten Kritikpunkte eine auf diese ausgerichtete Analyse von Augustinus' „De Magistro“ statt finden. Dies betrifft zunächst die Notwendigkeit der Worte zur Schaffung einer Sprache, sowie die Frage nach deren Funktion, beziehungsweise Funktion en. Davon ausgehend wird auf den Anwendungsbereich von Namen, sowie auf ihre Beziehung zu Worten eingegangen. Die Entstehung von Namen, sowie inwiefern diese sich von der Kategorie der Worte unterscheiden, wird betrachtet und anhand von Textstellen aus „De Magistro“ belegt. Im Anschluss daran wird auf einen ersten möglichen Konsens zwischen beiden eingegangen, wenn die nach Augustinus notwendige praktische Anwendung von Worten untersucht wird. Schließlich soll der begrenzte Anwendungsbereich von Zeichen zur Beschreibung einer Sprache mit Augustinus' Argumenten beschrieben und neben Wittgensteins Argumente gestellt werden.

Als Ergebnis sollen zunächst die Unvereinbarkeiten der beiden herausgearbeitet werden um schlussendlich ihre Gemeinsamkeiten deutlich zu machen. Es soll gezeigt werden, dass die Unterschiede zwischen beiden Positionen, in dem was Sprache ausmacht, nur auf den ersten Blick bestehen, bei genauerer Betrachtung allerdings einem grundliegenderem Konsens weichen.

2. Wittgensteins Kritik an Augustinus' Sprachauffassung in den Philosophischen Untersuchungen

Obwohl die Basis von Wittgensteins Kritik lediglich einen Absatz aus Augustinus' Konfessionen umfasst, können entsprechende Kernpunkte seiner Argumentation herausgearbeitet werden. Diese sollen konkretisiert und ausgeführt werden. Die Problematik der Auslegung einer Auslegung ist hierbei offensichtlich, doch lassen sich vermeintliche Unwägbarkeiten anhand Wittgensteins weiterer Ausführungen, sowie durch Berücksichtigung des beabsichtigten Argumentationsziels kompensieren. Drei Punkte scheinen Wittgenstein hierbei zentral zu sein. Zunächst sieht er, anders als Augustinus, bei Worten mehr als nur die bezeichnende Funktion. Wie noch dargelegt werden soll, erscheint ihm die Festlegung der Worte als Bezeichner als lediglich hinreichend zur Schaffung einer primitiven Sprache. Des weiteren ist für ihn die Ursache für die Differenzierung der Namen, wie wir sie in der Sprache beobachten, nicht in deren Bedeutung als ontologisch jenseits der Welt stehend zu suchen, sondern vielmehr in ihrer Bedeutung als Gebrauch (Wit. P. U. §30). Der letzte Hauptkritikpunkt betrifft schließlich das Hinreichen von Zeichen zur Schaffung einer Sprache, die jener ähnelt, welche wir verwenden. In Rückbezug auf den ersten Punkt führt nach Wittgenstein der Umstand, dass in unserer Sprache nicht alle Worte aus Zeichen bestehen dazu, dass Worte mit anderer Funktion berücksichtigt werden müssen, um eine Sprache bestimmter Komplexität beschreiben zu können (Wit. P. U. §27).

1. Funktionen von Worten

Wittgenstein vergleicht die Menge der Wortarten mit dem Führerhaus einer Lokomotive (Wit. P. U. §12). In seinem Bild entspricht jedem dort angebrachten Hebel ein Typus von Wort. Die Funktionen der Worte unterscheiden sich genauso, wie sich die Bedienelemente in ihrer Funktion unterscheiden: manche müssen konstant bedient werden, manche erlauben kontinuierliche Zustandsübergänge, manche diskrete. Worte weisen nach Wittgenstein ebenso Unterschiede in ihrer Funktion auf. Sie erschöpfen sich nicht in ihrer Funktion als Bezeichner, als Zeichen auf Gegenstände (Wit. P. U. §27). Sprachen, die lediglich Worte als Substitution für oder Verweis auf Sinngehalte beinhalten nennt er primitive Sprachen. Um die Unschärfe einer Beschreibung durch Bezugnahme auf Bedeutung zu umgehen, fordert er auf grundlegende Formen des Sprachgebrauchs zu studieren, um sich der möglichen Funktionen der Worte bewusst zu werden (Wit. P. U. §5). Er fordert zur genauen Differenzierung des primitiven philosophischen Begriffs der Bedeutung auf (Wit. P. U. §2 und §5). Wittgenstein kritisiert an Augustinus die Anwendung dieses primitiven philosophischen Begriffs von Bedeutung und die darauf gründende Meinung eine Sprache hinreichend genau beschreiben zu können, indem er alle Worte als Verweise auf Gegenstände bezeichnet. Den Beleg hierfür findet Wittgenstein wohl in dem eingangs aufgeführten Zitat. Ein starker Hinweis darauf ist für Wittgenstein die Benennung der Worte als Zeichen am Ende des einleitenden Zitats.

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Details

Seiten
18
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783638072656
ISBN (Buch)
9783638957007
Dateigröße
491 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v91452
Institution / Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Note
1,0
Schlagworte
Wittgensteins Auffassung Augustinus Sprachverständnis

Autor

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Titel: Wittgensteins Auffassung von Augustinus' Sprachverständnis