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Tu es Petrus. Exegese von Matthäus 16,18

Das Primatswort

Hausarbeit (Hauptseminar) 2007 16 Seiten

Theologie - Biblische Theologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort

2. Synoptischer Vergleich
2.1 Narrative Analyse

3. Die Bedeutung von Mt 16,13-19 für Jesus
3.1 Das Petrusbild des Matthäusevangeliums
3.2 Intention des Matthäusevangeliums

4. Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis:

1. Vorwort

„Tu es Petrus et super hanc petram aedificabo ecclesiam meam et tibi dabo claves regis coelorum“ heißt es in goldenen Lettern in der Kuppel von St. Peter, über dem Grab des Petrus. Die Arbeit will versuchen, diese Aussage und deren Kontext exegetisch zu betrachten. Dafür wird der Vergleich mit den anderen Evangelisten herangezogen, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu betrachten. Analytisch soll das Messiasbekenntnis und die Antwort Jesu betrachtet und deren Bedeutung in Wort und Sinn, herausgearbeitet werden. Daneben wird die Intention des Evangelisten Matthäus herausgearbeitet und in den sozio-historischen Kontext gestellt.

2. Synoptischer Vergleich

Matthäus überliefert, im Gegensatz zu Markus, nicht die Blindenheilung Mk 8,22-26. Die Blindenheilung hat bei Markus die Funktion des Vorspiels für das Petrusbekenntnis. Damit geht Matthäus von der Abweisung der Pharisäer und der Sadduzäer und der Warnung der Jünger zu eben diesen zum Petrusbekenntnis über, dass er mit dem Bekenntnis Jesu zu Petrus verbindet. Somit ergibt sich daraus bei Matthäus eine andere Konstellation. Die Aufforderung zur Meidung der Lehren der Pharisäer und Sadduzäer, die mit dem Sauerteig gemeint sind, steht somit dem Bekenntnis Jesu zu Petrus gegenüber, womit die Gemeinde Jesu in Petrus eine neue Autorität erhält, die die der Schriftgelehrten ersetzt. Eingeleitet wird die Übertragung der Autorität in Mt 13,52, wo es heißt, dass der, der Jünger des Himmels geworden ist, sich auf „Altes“ beziehen wird, aber auch „Neues“ hervorbringen wird. Damit ergibt sich bereits eine Vorwegnahme auf die Schlüsselgewalt des „Bindens“ und „Lösens“, die noch im Folgenden betrachtet werden soll.

Grundlage für die Perikope des Matthäus ist das Evangelium nach Markus. Allerdings ist das Matthäusevangelium durch Änderungen und die Einfügung der Verse Mt 16,17-19 grundlegend umgestaltet.

In der Darstellung des Markus wird die Leidensankündigung des Menschensohns zur inneren Mitte. Dies erreicht Markus, indem er Jesus die Antwort der Jünger korrigieren lässt, durch den Hinweis auf den leidenden Menschensohn. Noch deutlicher wird diese Akzentuierung im Lukas Evangelium. Matthäus hingegen setzt einen anderen Schwerpunkt, indem er mit den Versen 16,17-19 das Petrusbekenntnis selbständig einfügt.

Dieser Einschub hat die Gestalt eines dreistrophigen Gedichts zu, je drei Zeilen mit einem ziemlich durchgehenden Viererrhythmus, von denen jeweils die die erste Zeile das Thema enthält und die zweite und die dritte Zeile antithetischen Parallelismus aufweisen.

Das Wortspiel in Vers 16,18, das auf dem aramäischen Kepha beruht, verrät die aramäische Grundlage des Textes. Denn dieses Wortspiel ist im Griechischen nicht wiederzugeben.

Matthäus platziert in Vers 16,13, ebenso wie auch Markus und Lukas, das Geschehen in die Gegend von Caesarea Philippi. Dort fragt er die Jünger, für wen die Menschen den Menschensohn halten. Die Bedeutung dieser Frage ist grundsätzlich, hat doch Matthäus den Begriff Menschensohn schon früher auftauchen lassen (8,20; 9,6; 10,23; 11,19; 12,8.32.40;13,37.41). Die von Jesus gestellte Frage soll nun erkennen lassen, dass der Begriff nun geklärt werden soll. Da Matthäus, im Gegensatz zu Markus, Jesus selbst vom Menschensohn sprechen lässt, bekommt, die hier umgestaltete Frage, einen katechetischen Charakter, wird doch die Frage nach dem Verhältnis der Menschen zum Menschsohn gestellt.

In Vers 14 geben die Jünger die Meinung der Menschen über Jesus wieder. Sie geben an, dass einige Jesus für den wiederauferstandenen Johannes den Täufer halten, andere sollen ihn für Elia halten. Demnach wird Jesus für eine wiedergekehrte Gestalt aus der Vergangenheit gehalten. De facto erkennen die Menschen Jesus nicht. Soweit stimmt Matthäus mit Markus überein. Matthäus zählt aber noch zusätzlich den Propheten Jeremias auf. Warum Matthäus zusätzlich den Propheten Jeremias anführt, ist nicht ersichtlich.

Die Frage in Vers 15 nach dem, wofür die Jünger Jesus halten stimmt, wiederum mit Markus überein.

In Vers 16 antwortet Petrus auf die Frage Jesu. Petrus gibt zur Antwort, dass Jesus der Messias sei. Bei Matthäus gibt er des weiteren den Zusatz, dass Jesus der Sohn des lebendigen Gottes sei. Damit wird Jesus als der Sohn Gottes offenbart. Das Prädikat „lebendig“ definiert Gott als, den, der das Leben in sich hat und das Leben schafft. Demnach ist Jesus, als Sohn des lebendigen Gottes, am Leben und Schaffen des Lebens beteiligt. Somit antwortet Petrus, dass Jesus auf die Seite Gottes gehört, als Sohn des lebendigen Gottes den Tod überwindet, der verheißene Christus ist. Auf dieses Bekenntnis des Petrus, antwortet Jesus mit dem Petrusbekenntnis.

Für die Verse 17-19 gibt es keine Entsprechung bei den anderen Evangelisten.

Dafür greifen die Verse auf Mt 11,27 zurück. Dort heißt es ebenfalls, dass die Offenbarung Gottes und Christi für den Menschen nur durch den Willen Gottes bzw. Christi möglich sei.

Das Redeverbot folgt bei allen drei Evangelisten.[1]

Dabei stellt das Redeverbot bei Lukas und Markus einen abrupten Schluss dar. Es ist relativ unwahrscheinlich, dass nachdem Jesus die Jünger zum Bekenntnis gebracht hat, dies unkommentiert stehen lässt, und mit dem Redeverbot antwortet. Es entspräche nicht der menschlichen Sitte, eine solche Ehrenbekundung schweigend zu beantworten. Bindet man Jesus in den kultivierten jüdischen Kulturkreis ein, so müsste er auf das Petrusbekenntnis zumindest reagiert haben, wie auf einen Gruß. Ein Gruß wird im orientalischen Raum als guter Wunsch betrachtet, auf den man mit einem Gegengruß antworten muss. Daher verwundert es eher, dass man bei den Evangelisten Markus und Lukas, eine solche Entsprechung nicht findet.[2]

2.1 Narrative Analyse

Mt 16,13-20 beginnt mit einem Ortswechsel. In Vers 13 heißt es, dass Jesus mit den Jüngern in die Gegend von Cäsarea Philippi zieht, ohne jedoch die Stadt selbst aufzusuchen. Die geographische Angabe hat von daher Bedeutung, als dass in ihr eine Symbolik liegt. Cäsarea Philippi ist in der Luftlinie ca. 40 km nördlich des Sees Genezareth gelegen. Damit befindet sich die Gegend, in der die hochbedeutsame Szene spielen soll, nicht mehr im jüdischen Land, sondern in einem heidnischen Gebiet.

Bei Cäsarea Philippi befindet sich eine alte Kultstätte, die dem Gott Pan gewidmet war. Dort entspringt eine der Jordanquellen aus einer Felswand. Eine Verbindung des folgenden Felsenwortes mit dieser Kultstätte ist jedoch auszuschließen, da ansonsten Jesus höchstwahrscheinlich diese mit den Jüngern aufgesucht hätte.

Mit der Frage für wen ihn die Menschen halten, und später für wen ihn die Jünger halten, bilanziert Jesus seine bisherigen Tätigkeiten. Diese Frage ist für ihn von solcher Bedeutung, dass er im Lukasevangelium zunächst die Einsamkeit aufsucht, um dort zu beten. Jesus blickt mit dieser Frage auf sein bisheriges Leben zurück, weil er zu der Erkenntnis gekommen sein muss, dass er die Jünger und die Menschen in die Lage versetzt haben muss, diese Frage richtig zu beantworten. Schließlich war sein bisheriges Leben darauf ausgerichtet, durch Selbstoffenbarung, Volk und Jünger erkennen zu lassen. Jedoch konnten sich dabei weder das Volk noch die Jünger auf Äußerungen Jesu stützen, die auf sein wahres Wesen hingewiesen hätten. Somit erklärt sich die Prägnanz dieser Stelle für das Schaffen Jesu.

Die Tragweite dieser Frage müsste den Jüngern aufgefallen sein. In der Frage, ob Jesus der Messias ist, steckt viel Brisanz. Denn wird Jesus als Messias anerkannt, zieht dies einen unmittelbaren Konflikt mit den Pharisäern nach. Auch, wenn in Jesus der Messias gesehen wurde, so z.B. in Jo 3,1f., so war dies wohl nur in einem kleineren Teil der Bevölkerung der Fall. Hinzu kommt, dass Jesus nicht der damals gängigen jüdischen Interpretation eines Messias entsprach. Denn diese sah vor, dass der Messias ein von Gott gesandter jüdischer Nationalheld sei, der Israel von den Römern befreit, Israel eint und eine herrliche Zeit heraufführen würde. Nach dieser Definition konnte Jesus nicht als der Messias erkannt werden. Zumal Jesus in seinem Wirken keinerlei Bestrebungen hatte, als Messias nach dieser Definition erkannt zu werden. Daher muss man, will man Jesus als Messias definieren, einer anderen Definition nachgehen. Demnach ist Jesus ein Messias auf geistigreligiöser Ebene, der Sünden tilgt, Dämonen überwindet und den wahren Weg zu Gott weist. Bezeichnenderweise sind diese beiden geläufigen Definition des Messias nicht übereinstimmend. Betrachtet man nun aber den sozio-historischen Kontext, in dem sich die israelische Bevölkerung damals befand, so ist davon auszugehen, dass das gros der Bevölkerung die Tendenz, aufweist sich für die Definition des befreienden Messias zu entscheiden. Ebenfalls zu berücksichtigen ist, dass die Bevölkerung unter dem Einfluss der Pharisäer stand, die Jesus nicht als den Messias anerkannten.

[...]


[1] Grundmann, W.: Das Evangelium nach Matthäus, Berlin 19866, S. 383-393.

[2] Gaechter, P..: Das Matthäus Evangelium, Innsbruck, Wie, München 1964, S. 523.

Details

Seiten
16
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638056472
Dateigröße
418 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v91416
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster – Katholisch-Theologische Fakultät
Note
2,0
Schlagworte
Petrus Exegese Matthäus

Autor

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Titel: Tu es Petrus. Exegese von Matthäus 16,18