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Das Lachscluster in Chile - ein kurzer Überblick

Hausarbeit 2008 21 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Wirtschaftsgeographie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das chilenische Lachscluster
2.1. Historische Entwicklung der chilenischen Lachsindustrie zum Lachscluster
2.2. Die gegenwärtige Struktur und Entwicklung des Clusters
2.3. Zukünftige Entwicklungen und Herausforderungen des Lachsclusters

3. Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Weltweite Produktion von wilden Lachs und Zuchtlachs

Abbildung 2: Lachsproduktion in Chile in Tonnen, 1983-2006

Abbildung 3: Chilenischer Lachsexport in Mio. US$ FOB Chile und in Nettotonnen, 1996-2006

Abbildung 4: Chilenischer Lachsexport nach Ländern in Mio. US$ FOB Chile, 1996-2006

Abbildung 5: Weltweite Zuchtlachsproduktion nach Ländern in Tonnen, 1996-2006

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Die 10 größten Lachsexporteure Chiles, 2001

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Die vorliegende Hausarbeit beschreibt und analysiert das relativ junge Cluster der Lachsindustrie in Chile. Dieses Lachscluster soll dabei zunächst von einer historischen Perspektive aufgearbeitet werden, bevor seine gegenwärtige Struktur dargestellt wird. Abschließend werden aktuelle Risiken bzw. zukünftige Herausforderungen des Clusters diskutiert und mögliche Lösungsansätze präsentiert. Es wird sich zeigen, dass es sich bei diesem, auf natürlichen Rohstoffen basierenden, Cluster um eine Industrie handelt, die gezielt von politischen Entscheidungsinstanzen implementiert und gesteuert worden ist. Das Lachscluster hat sich dabei seit seinem Bestehen zu einem essentiellen Bestandteil der chilenischen Wirtschaft entwickelt und gilt im internationalen Vergleich als ein „excellent example of a well organized and administered cluster“ (Lathrop 2006).

Im Rahmen dieser Arbeit wird „Cluster“ an dieser Stelle hinsichtlich der Begrifflichkeit prägnant nach Porters Konzept definiert: „Bei einem Cluster handelt es sich um eine geographische Konzentration von Unternehmen, spezialisierten Lieferanten, Dienstleistungsanbietern, Unternehmen in verwandten Branchen und verbundenen Einrichtungen (zum Beispiel Universitäten, Normungsinstitute und Wirtschaftsverbände), die in bestimmten Feldern untereinander verbunden sind und gleichzeitig miteinander konkurrieren und kooperieren“ (Porter 1999, S. 207). Das chilenische Lachscluster zeigt in diesem Kontext die entsprechenden Charakteristika auf, wie diese von Porter definiert worden sind (Alvial und Bañados 2006). Dabei stellt sich heraus, dass insbesondere die staatlichen Institutionen im Wesentlich zur Entstehung des Clusters in Chile beigetragen haben (Perez-Aleman 2005).

Es sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass der Begriff Lachscluster in dieser Arbeit ab den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts, der Zeit des Entstehens dieses Clusters, synonym mit Lachsindustrie zu verstehen ist. Diese Vereinfachung ist legitim, da das Lachscluster für den Großteil der gesamten chilenischen Lachsexporte, in 2007 waren es 90%, verantwortlich ist.

2. Das chilenische Lachscluster

In diesem Teil der Arbeit wird ein historischer Überblick der Entwicklung der chilenischen Lachsindustrie zu einem nach Porter (1999) definierten Cluster gegeben und anschließend dessen derzeitige Struktur sowie ökonomische Erfolge präsentiert. Abschließend werden aktuelle Herausforderungen und potenzielle zukünftige Gefahren bzw. Schwierigkeiten des Lachclusters erörtert.

2.1. Historische Entwicklung der chilenischen Lachsindustrie zum Lachscluster

Lachs ist in seinem Ursprung keine in der freien chilenischen Wildbahn vorkommende Fischart und wurde erst 1921 zum ersten Mal nach Chile importiert und angesiedelt (Lathrop 2006; Iizuka 2004). Da sich das natürliche Verbreitungsgebiet von Lachs auf Nordamerika, Europa und Russland beschränkt, existierten Anfang der 60er Jahre, d.h. zu Beginn des Aufbaus der Lachsindustrie in Chile weder Kenntnisse noch erfahrenes Personal als Basis für die Lachszucht und -verarbeitung. Im Zuge des weltweiten technischen Fortschritts jedoch, wurde die kommerzielle Zucht von Lachsen auch in einem „lachsfremden“ und -unerfahrenen Land wie Chile rentabel und weltweit wettbewerbsfähig (Iizuka 2004). Wesentlicher Treiber des kommerziellen Fischfangs war dabei die weltweit gestiegene Nachfrage nach Fisch und Meeresfrüchten aufgrund gesunkener Preise dieser Güter. Wie Abbildung 1 verdeutlich, war von dieser Entwicklung insbesondere der Lachs betroffen, wobei der Bestand an wild lebenden gefangenen Lachsen relativ konstant geblieben ist und die weltweite Produktion an Zuchtlachs innerhalb der vergangenen 20 Jahre um mehr als 70% gestiegen ist (Montero 2004). In den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts stammten beispielsweise circa 99% des global konsumierten Lachses aus kommerziellem Fischfang, wohingegen heute nur noch circa 40% der verkauften Lachse auf diese Weise gefangen werden. (Iizuka 2004).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Weltweite Produktion von wilden Lachs und Zuchtlachs

Quelle: (SalmonChile 2006)

Chiles Fischwirtschaft zählt mittlerweile zu den größten weltweit, wobei insbesondere die Lachsindustrie und -verarbeitung in den letzten 12 Jahren zu dieser Entwicklung beigetragen haben. Die Lachszucht ist insbesondere in der X. und XI. Region wichtigster Arbeitgeber und somit auch dynamischster Antreiber der regionalen Wirtschaft (Wittelsbürger 2005). Dabei war Chile innerhalb der letzten 20 Jahre in der Lage, in diesen Regionen ein innovatives und global wettbewerbsfähiges regionales Lachscluster aufzubauen. Im Laufe dieser Zeit ist die Lachszucht zu einem der wichtigsten chilenischen Exportgüter geworden und hat folgegerecht signifikanten Anteil an der wirtschaftlichen Entwicklung der beteiligten Regionen Chiles. Neben technologischen Möglichkeiten bietet Chile eine Vielzahl an natürlichen Gegebenheiten und Umweltbedingungen, wie lange Küsten und frisches, sauberes Meereswasser, die für die Implementierung sowie Entwicklung der Lachsindustrie in Chile eine entscheidende Rolle gespielt haben (UNCTAD 2006)

Die chilenische Lachsindustrie ist ein gutes Beispiel dafür, dass die Entwicklung neu etablierter Industrien oftmals von der Effizienz und Produktivität der dazugehörigen Produktions-, Vertriebs- und Marketingprozesse abhängig ist (UNCTAD 2006). Chiles Entwicklung der Lachszucht und -verarbeitung zu einem so genannten Lachscluster lässt sich dabei in vier wichtige Phasen unterteilen: die Experimentierungsphase, die Entwicklungsphase, die industrielle Expansionsphase und die Globalisierungsphase (Alvial und Bañados 2006; UNCTAD 2006; Iizuka 2004; Infante 2003). Die Experimentierungsphase, in der die chilenische Regierung und dem Staat nahe stehenden Institutionen eine entscheidende Rolle spielten, fand zwischen 1960 von 1973 statt. Während dieser Zeit untersuchte und testete der chilenische Staat mit finanzieller und technologischer Unterstützung seitens nationaler und ausländischer Institutionen die technische Realisierbarkeit von Lachszucht. Die ausländische Hilfe kam dabei im Wesentlichen aus den Ländern Japan, USA und Kanada. Der 1969 unterzeichnete Kooperationsvertrag zwischen der chilenischen Fischereibehörde Servicio Nacional de Pesca (SERNAP) und der Japanese International Cooperation Agency (JICA) kennzeichnete die Basis für die kommerzielle Lachszucht in Chile. Technologietransfer sowie die Ausbildung von entsprechenden Fachkräften und Studien zur technischen und wirtschaftlichen Umsetzung standen im Mittelpunkt der beidseitigen Vereinbarung. Obwohl eine Erfahrung und Wissen in geringem Maße in Chiles Fischerei bereits vorhanden waren, legten dennoch dieser Vertrag und die Implementierungsinitiativen der chilenischen Regierung die Grundlage für den späteren Erfolg der Lachsindustrie und des sich daraus entwickelnden Lachsclusters (UNCTAD 2006; Iizuka 2004; Perez-Aleman 2005).

Die Entwicklungsphase der Lachszucht von 1974 bis 1984 war gekennzeichnet von ersten chilenischen Firmengründungen sowie Niederlassungen ausländischer Unternehmen. Mit der finanziellen Hilfe der staatlichen chilenischen Agentur für wirtschaftliche Entwicklung Corporación de Fomento de la Producción (CORFO) gelang erfahrenen Mitarbeitern von CORFO und vom Institut für Fischereientwicklung, Instituto de Fomento Pesquero (IFOP), 1974 die erste Gründung eines Lachszuchtunternehmens. Dies unterstützte den Know-how-Transfer vom öffentlichen zum privaten Sektor und forcierte somit die Entwicklung der entstehenden jungen Lachsindustrie. 1978 wurde schließlich der erste, aus kommerzieller Zucht stammende, Lachs nach Frankreich exportiert. Aufgrund erhöhter Nachfrage und gestiegener Produktion wurde chilenischer Lachs in den darauf folgenden Jahren auch in anderen europäischen Ländern und den USA vertrieben. Dieser Export sowie ein höherer Lachspreis generierten weitere Unternehmensgründungen und eine erhöhte Investitionsrate in der Lachszucht und –verarbeitung (UNCTAD 2006; Iizuka 2004; Perez-Aleman 2005). Während dieser Zeit fungierte Fundación Chile, eine private, gemeinnützige Gesellschaft, als Mittler zwischen privater Wirtschaft und öffentlicher Hand sowie als Katalysator für die gewerbliche Lachszucht. Im Jahre 1980 demonstrierte Fundación Chile sowohl einer eigens gegründeten Lachszuchtfarm die technische Realisierbarkeit der kommerziellen Lachszucht als auch dessen ökonomische Effizienz (Bolman 2007). Fundación Chile förderte in diesem Sektor das Weiteren Forschung & Entwicklung und neue Technologien zur besseren Zucht und Weiterverarbeitung von Lachsen (UNCTAD 2006). Dieses Vorgehen erhöhte die Anzahl privater Lachsunternehmen von drei im Jahre 1980 auf 36 im Jahre 1985 (Perez-Aleman 2005).

Während der industriellen Expansionsphase von 1985 bis 1995 stiegen die Produktion von Lachs und dessen Export sowie die Anzahl in der Lachszucht und -verarbeitung tätiger Firmen rapide an. Im Jahre 1987 existierten bereits 56 Unternehmen in dieser Branche mit 117 Lachsfarmen (UNCTAD 2006; Iizuka 2004; Perez-Aleman 2005). Neben den Lachs herstellenden Unternehmen erhöhte sich auch die Zahl derer, die in Bereichen wie der künstlichen Eierbefruchtung, der Futterproduktion, der Käfigherstellung, der Tiefkühlcontainer sowie der Logistik tätig waren (vgl. Perez-Aleman 2005, S. 666). Zwischen 1985 und 1986 stieg der chilenische Lachsexport auf über 1 Million US-Dollar an, womit Chile zum ersten Mal in der Geschichte als ein ernst zunehmender Lachsproduzent anerkannt werden konnte (vgl. Iizuka 2004, S. 11). Zwecks Etablierung im internationalen Wettbewerb und zur Sicherung der Konkurrenzfähigkeit, organisierten sich immer mehr Unternehmen der Lachsbranche der X. und XI. Region zu horizontalen Netzwerken und Allianzen, welche im Laufe der Jahre weiter an Bedeutung gewannen. Im Jahre 1986 gründeten 17 Lachsunternehmen die Association of Salmon and Trout Producers of Chile (APSTC) um technische Innovationen zu fördern sowie internationale Qualitätsstandards zu setzen und kostengünstigere Marktstudien durchführen zu können (UNCTAD 2006; Iizuka 2004; Perez-Aleman 2005). Mittels der APSTC wurde ein institutioneller Rahmen geschaffen, der es ermöglichte, die Produktionsprozesse sowie den Informationsaustausch zwischen den einzelnen Unternehmen effizienter zu koordinieren. Gleichzeitig vereinbarten die beteiligten Firmen einen definierten Qualitätsstandard, bestehend aus Produktstandards, sowie einem Selbstüberwachungsprozess. Durch derartige Normen konnte die Produktqualität des Lachses verbessert und somit ein höherer Export realisiert werden. Die festgelegten Regeln galten im Nachhinein nicht nur für die Unternehmen der APSTC, sondern auch für Nichtmitglieder. Im Laufe der Zeit gewann die chilenische Lachsindustrie immer mehr an Reputation, so dass sich auch ausländische und multinationale Firmen in Chile niederließen (vgl. Perez-Aleman 2005, S. 667). Die Anfang der 90er Jahre des 20. Jahrhunderts somit in der X. Region entstandene geographische Konzentration von verbundenen, kooperierenden aber auch gleichzeitig konkurrierenden Unternehmen und Institutionen kann zu Recht nach Porters Definition als Cluster identifiziert werden. Es zeigte sich, dass mittels kollektiven Handelns seitens des chilenischen Lachsclusters ein globaler Wettbewerbsvorteil erzielt werden konnte, der auf individueller Unternehmensbasis nicht ohne weiteres möglich gewesen wäre. Die chilenische Regierung unterstützte zu dieser Zeit zwar weiterhin den Lachssektor aber aufgrund der besseren Organisation seitens der privaten Wirtschaft war diese Hilfe mittels Vergünstigungen und Krediten eher indirekter Art. Fundación Chile hingegen vermarktete durch Repräsentanzen in Japan, Norwegen, Schottland und den USA den chilenischen Zuchtlachs auf dem internationalen Markt (UNCTAD 2006; Iizuka 2004; Perez-Aleman 2005; Paley und Dubois 2006). Um weitere Wettbewerbsfähigkeit zu forcieren, gründete APSTC 1995 mit finanzieller Unterstützung seitens CORFO das technologische Lachsinstitut, Instituto Tecnológico del Salmón (INTESAL), welches zum Ziel hatte, die Effizienz der Produktion zu steigern. Diese Organisation wurde insbesondere mit Mitarbeiterausbildung sowie mit Gesundheits- und Umweltaspekten der Lachsindustrie beauftragt (vgl. Iizuka 2004, S. 13). In den 90er Jahren übernahm der Branchenverband APSTC immer mehr die Aufgaben der Fundación Chile und wurde zu einem essentiellen Koordinator des entstandenen Lachsclusters (Bolman 2007).

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Details

Seiten
21
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783638041065
ISBN (Buch)
9783638938730
Dateigröße
453 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v91305
Institution / Hochschule
Universität Mannheim – Lehrstuhl für Wirtschaftsgeographie
Note
1,0
Schlagworte
Lachscluster Chile Wirtschaftsgeographie Standort Cluster Netz

Autor

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Titel: Das Lachscluster in Chile - ein kurzer Überblick