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Das Preußenbild und die Aufklärung - Geschichte der Groteske

Zu Heiner Müllers Stück "Gundlings Leben. Friedrich von Preußen. Lessing Schlaf Traum Schrei."

Hausarbeit 2006 13 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung - Was ist Aufklärung?

II. Analyse und Interpretation - Der Aufklärungsgedanke im Preußenstaat
a) Symbolik der Aufklärung - Der Scheiterungsprozess?
b) Eine Korrelation zwischen Aufklärung und Kommunismus
c) Der angepasste Intellektuelle
d) Lessing als Selbstbild Heiner Müllers?

III. Fazit - Die Aufklärung ist gescheitert - oder fand sie niemals statt?

IV. Literaturverzeichnis
a) Primärquelle:
b) Sekundärliteratur:

I. Einleitung - Was ist Aufklärung?

Das Stück ,Gundlings Leben. Friedrich von Preußen. Lessing Schlaf Traum Schrei.’ verfasst von Heiner Müller ( 1929-1995 ) im Jahre 1976 thematisiert das Scheitern der Intellektuellen im preußischen Reich, welches durch seine autoritäre Vormachtstellung gekennzeichnet ist.

In diesem Stück wird der provokative Versuch unternommen, das Verhältnis der deutschen Intelligenz zu ihrer Obrigkeit und die Auswirkungen der deutschen Misere auf die innere Konstitution der Intellektuellen zu beleuchten.

Das ‚Leben Gundlings’ soll unter dem Schwerpunkt ‚Das Preußenbild und die Aufklärung’, sowie ‚Geschichte der Groteske’ behandelt werden. Das Kernproblem der folgenden Ausführungen wird sich mit der mit der Unterdrückung und Degradierung zentraler Individuen der Aufklärung auseinander setzen. Als Symbole für die Aufklärung werden drei Personen des Stücks ganz besonders dienen: Gundling, der Professor und Lessing.

Ferner lässt sich die zentrale Frage formulieren „Wie beschreibt Heiner Müller die Aufklärung in Preußen?“, welche als Leitfaden der gesamten Interpretation dienen soll. Dazu wird der Aufklärungsgedanke erstmal kurz definiert. Unter Aufklärung lässt sich ein individueller, wie gesellschaftlich geistiger Emanzipationsprozess verstehen. Dieser soll darauf abzielen den Glauben an die autoritären Denkweisen kritisch zu hinterfragen. Nach Immanuel Kant soll man sich seines „eigenen Verstandes bedienen“ und den Vorgaben der Obrigkeit, sowie den Mode Erscheinungen der gegenwärtigen Zeit kein Vertrauen zu kommen lassen.[1] Das Aufklärungsverständnis Müllers geht einen Schritt weiter und orientiert sich an den Ausführungen von ADORNO und HORKHEIMER[2].

Hier wird die Dialektik der Aufklärung zu Grunde gelegt und teilt den Aufklärungsgedanken in zwei gegensätzlich Faktoren ein: den Vernunftgedanken, sowie die Triebhaftigkeit.

ADORNOs Hauptthese legt dar, dass das Scheitern der Aufklärung bereits in der instrumentellen Vernunft ihres Denkens angelegt ist. Die Kernaussage der Dialektik der Aufklärung liegt sicherlich darin, die Aufklärung als Massenheuchelei zu bezeichnen. Der Mensch als unmündiger Konsument, strebt nach dem vorgelebten Massenkonsum, welcher jegliche Phantasie und jedes eigene Gedankengut raubt. Durch den Massenkonsum und seine ausgiebige Produktion lassen sich Güter kaum mehr von einander unterscheiden. Besonders deutlich machen lässt es sich mit der Filmindustrie. Hier ist fast jeder Film berechenbar und versucht ein möglichst positives Bild der Realität nachzuahmen. Der zweite bedeutende Aspekt der Ausführungen ADORNOs ist die Sexualität. Wir leben unsere Sexualität heute zu Tage nicht mehr aus, es gibt normierte Kleiderordnungen, sowie das erzeugte Schamgefühl, welches das Bedecken des Geschlechts vorschreibt. Allerdings muss der Mensch schon nach Freud seine Triebe ausleben. Das Ich entscheidet sich zwischen ‚Über- Ich’ und ,Es’[3] und versucht das Triebverhalten zu regulieren. Um dieses zu unterbinden muss der Mensch seine Triebhaftigkeit in anderen Bereichen ausleben. Talkshows zum Beispiel dienen lediglich zum einen Zweck; die Gier nach der Aufdeckungs- und Enthüllungslust von brisanten Fakten zu befriedigen. Das ist eine der Möglichkeiten einer Ersatzbefriedigung. In Müller Stück lassen sich Aspekte der Theorien wieder finden und werden durch die Kernfrage und folgende These, ob es eine Korrelation zwischen Kommunismus und Aufklärung gibt, erläutert.

Die Arbeitsweise soll anhand einer textorientierten Analyse erfolgen, welche durch weitere Interpretationsansätze ergänzt wird. Im Fazit soll eine kurze Auseinandersetzung mit der Forschungsliteratur erfolgen, welche kritisch hinterfragt werden muss.

II. Analyse und Interpretation - Der Aufklärungsgedanke im Preußenstaat

Das Stück ‚Leben Gundlings. Freidrich von Preußen. Lessing Schlaf Traum Schrei’ beginnt mit dem Untertitel ‚ Das Greuelmärchen’. Überträgt man diesen Untertitel lässt sich ein Bezug zum deutsch Wort Satire oder Groteske herstellen.

Die Groteske abstammend vom italienischen: ‚grottesco zu grotta, ins Deutsche übersetzt bedeutet ,Grotte’. Es handelt sich um eine übertriebene Erzählung, welche recht kurz gehalten ist. Die Texte sind meist derb- komisch oder närrisch- seltsam und auf verzerrende, ungewöhnliche Art, nicht zusammen passende Elemente, unvereinbare Gegensätze und vor allen Komisches vs. Grausiges werden hier miteinander verbunden.

Die Ironie und jene übertriebenen Aspekte des Stückes lassen sich nicht herunterspielen und werden im weiteren Verlauf mehrmals aufgegriffen.

[...]


[1] Bahr, Ehrhard: Was ist Aufklärung? Thesen und Definitionen. Stuttgart, 2002.

[2] Adorno, Theodor W./ Horkheimer, Max: Dialektik der Aufklärung. Philosophische Fragmente. Frankfurt am Main, 1969.

[3] Freud, Sigmund: Abriss der Psychoanalyse. Einführende Darstellung. Frankfurt am Main, 1996.

Details

Seiten
13
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638040884
ISBN (Buch)
9783638943178
Dateigröße
416 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v91292
Institution / Hochschule
Philipps-Universität Marburg
Note
2,3
Schlagworte
Preußenbild Aufklärung Geschichte Groteske

Autor

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Titel: Das Preußenbild und die Aufklärung - Geschichte der Groteske