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Die Entwicklung der Stände in Preußen vom frühen 13. Jahrhundert bis zum 1. Thorner Frieden 1411

Untersuchung zur Politik des Deutschen Ordens und seinen Beziehungen zu "Land und Stete" Preußens

Hausarbeit (Hauptseminar) 2007 37 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Entwicklung der Städte in Preußen
2.1 Der Aufstieg der preußischen Städte
2.2 Die Zusammenarbeit der Städte und des Ordens

3. Entwicklung und Formen der Ritterschaft
3.1. Die deutschen Siedler und Rittergüter
3.2. Die Entwicklung vom prussischen Bauern zum kleinen Freien und der polnischen Ritterstand
3.3. Politische Aktivität der Ritterschaft

4. „Die Eidechsengesellschaft“
4.1. Die Entstehung eines regionalen Ritterbundes
4.2. „Die Eidechsengesellschaft“

5. Tannenberg und die Folgen
5.1. Die verlorene Schlacht und ein Putschversuch
5.2. Das Herantreten des Hochmeisters an die Stände

6. Schlussbetrachtung

7. Literaturverzeichnis
7.1. Quellen:
7.2. Literatur:

1. Einleitung

1411 unterzeichnete der Deutsche Orden nach der verlorenen Schlacht von Tanneberg, im ersten Frieden von Thorn einen Vertrag mit Polen, welcher nicht nur außenpolitische Folgen hatte. Der Orden, welcher sich immer auf die gut gefüllte Ordenskasse gestützt hatte, verlor diese sowie den Nimbus der Unbesiegbarkeit. Darüber hinaus auch den Anspruch auf ein uneingeschränktes Handeln in der Innen- wie Außenpolitik. „Land und Stete“, vorher nur passiv an der Politik im Deutschordensland beteiligt, hatten nun die Möglichkeit sich auch aktiv in die Politik einzubringen. Diese neue Konstellation, welche dem Orden nun in seinem Handeln Mitbeeinflusste, sollte dann letztendlich zum „Preußischen Bund“ und zum 2. Thorner Frieden führen. Der dann 1466 geschlossene Frieden beendete den Prozess der ständischen Opposition gegen den Orden, welche sich Mitte der 50er Jahre des 15. Jahrhunderts mit dem Königreich Polen verbündete und mit Waffen gegen den Orden vorging. Polen erhielt nach diesem Frieden „Preußen Königlichen Anteils“ – ein Zentrum der ständischen Opposition gegen den Orden – mit den Städte Danzig, Thorn, Elbing sowie den Landschaften Kulmerland und Pommerellen. Von diesen Hansestädten und der Ritterschaft der Regionen gingen die eben kurz geschilderten Ereignisse aus, welcher einer Grundlage bedurften – die Entwicklung der Stände. Diese Entwicklung der eben genannten Städte und Regionen möchte ich hier in der vorliegenden Arbeit „Die Entwicklung der Stände in Preußen vom frühen 13. Jahrhundert bis zum 1. Thorner Frieden 1411“ untersuchen. Die Frage die ich mir bei der Bearbeitung diese Themas gestellt habe lautet: Inwieweit hatte der Deutsche Orden Einfluss auf diese Entwicklung, war er beteiligt und welche weiteren äußeren Faktoren spielten bei der Entstehung der Stände in Preußen eine Rolle?

Der Aufbau dieser Arbeit gliedert sich dann in drei größere Kapitel. Im ersten Kapitel stehen die Städte des Deutschordenslandes im Mittelpunkt, welche auf ihre politische Entwicklung und die Beeinflussung durch die Herrschaft des Ordens, der Hanse und des „Alte Reich“ untersucht werden sollen. Dabei sollen dann neben der Innenpolitik auch die Außenpolitik untersucht und mögliche Entwicklungslinien aufgezeigt werden. Das zweite Kapitel ist ähnlich Strukturiert, dort soll dann aber die Landesritterschaft und ihr Beitrag zur Ständeentwicklung kritisch hinterfragt werden. Dazu muss dann die Ritterschaft in ihrer Entstehung beleuchtet werden, da es Unterschiede in der Politik der „deutschen und polnischen Ritterschaft“ gab, wobei letztere ausschlaggebend für die Politik des Ritterstandes war.

Das dritte Kapitel hat den Krieg mit Polen-Litauen 1409, sowie die daraus folgenden Konsequenzen für den Hochmeister und seine Politik in Verbindung mit den Ständen als Thema. Im letzten Punkt sollen die zusammengetragenen Erkenntnisse nochmals kritisch untersucht und die hier aufgeworfenen Fragen beantwortet werden.

Die Recherchen zum Thema Ständepolitik und Deutscher Orden für die Hausarbeit war in bestimmten Punkten, wie etwa der Quellenlage[1] und der Politik der Städte sehr ergiebig. Hier sind vor allem deutsche und polnische Publikationen zu nennen, welche sich mit der Politik der Städte in Verbindung mit dem Orden beschäftigen.

Ein von mir vorwiegend in diesem Zusammenhang genutzter Autor war so der deutsche Historiker Hartmut Boockmann, z.B. mit seinem Buch „Die Anfänge der ständischen Vertretungen in Preußen und seinen Nachbarländern„[2] oder „Zu den Zielen des Deutschen Ordens in seiner Auseinandersetzung mit den Preussischen Ständen“[3]. Ein weiterer Historiker, welcher sich mit der Problematik auseinandergesetzt hat, ist der polnisch Historiker Marian Biskup, von welchem ich den Beitrag „Die Rolle der Städte in der Ständevertretung des Königreiches Polen“[4] genutzt habe.

Literatur zur Entwicklung der Ritterschaft und insbesondere zur „Eidechsen-gesellschaft“ war jedoch schwer auszumachen. Hier habe ich mich vorwiegend auf Johannes Voigt und seinen Beitrag gestützt[5], in Teilen aber auch auf den polnischen Historiker Karol Górksi[6] und die schon zuvor genannten Historiker.

2. Die Entwicklung der Städte in Preußen

2.1 Der Aufstieg der preußischen Städte

Grundlage der ständischen Opposition war neben der Ritterschaft das Städtewesen, welches sich im Ordensland vor allem durch den Orden selbst, also die dortige Herrschaft entwickelte. Die Ausstattung der im 12. und 13. Jahrhundert gegründeten Städte mit dem Kulmer Recht bzw. der Kulmer Handfeste[7] brachte den Städten die Möglichkeit auf eine weitest gehende Selbstverwaltung. So waren die Städte, wie Anfangs Kulm und Thorn, durch dieses Recht mit Privilegien versehen worden, etwa der Niedergerichtsbarkeit, freie Wahl der Richter durch Bürger und der Möglichkeit das auch weibliche Nachkommen ein Erbe antreten konnten.[8]

Diese Selbstständigkeit der Städte war mit ein Grund für ihre später aufkommende politische Aktivität gegenüber dem Deutschen Orden. Die Herrschaft des Ordens sollte so teils unterstützen, teils, da in die Rechte der Städte eingegriffen wurde, attackieren werden.

Die für die spätere Entstehung und den Bestand des "Preussischen Bundes" so wichtigen Städte sind dabei schon im 13. Jahrhundert zu erkennen, welches vor allem auf ihre günstige Lage an der Ostsee und die wachsende Bedeutung im Handel zurückzuführen ist. Solche Handelsplätze und Gewerbezentren waren Thorn, Kulm Königsberg, Elbing und Braunsberg[9]. Allen diesen Städten ist die günstige Lage zur Ostsee gemein. Entweder liegen sie direkt an der Ostsee und haben so einen guten Ausgangspunkt für den Fernhandel, oder sie sind, etwa wie Thorn und Kulm durch die Weichsel mit dem Meer verbunden. Eine weitere Stadt, welche sowohl über eine günstige Lage am Meer verfügt, als auch die Anbindung an die Weichsel hat, ist Danzig. 1308 kam diese Stadt zu den oben genannten Handels- und Gewerbezentren hinzu und erhielt eine wachsende Bedeutung innerhalb dieser Städte.[10]

Der Handelsverkehr der preußischen Städte reichte von Schonen in Süd-Schweden bis nach England und Flandern, wobei dann neben Getreide und Holz auch Tuche und Fisch gehandelt wurden.[11] War der Handel über Nord- und Ostsee über diese Küstenstädte abgesichert, so musste aber auch eine Verbindung ins Inland hergestellt und der Warenverkehr damit sichergestellt werden. Zeitgleich entstanden daher ca. 95 kleinere Stadtzentren im Hinterland, welche die Versorgung mit Handelswaren, wie z.B. Getreide aus den umliegenden ländlichen Gütern sicherstellten. Zudem war in diesen Städten das Handwerk vertreten.[12]

Neben der günstigen Lage der großen Städte war auch der sich entwickelnde Handelsverkehr und die damit einhergehenden Handelsbeziehungen mit den Hansestädten im "Alten Reich" von Bedeutung. Sie lieferten wichtige Strukturen und die Organisationsform[13], welche dann von den Städten innerhalb Preußens übernommen wurden.

Die Stellung der preußischen Städte zeigt sich schon in den 1290er bei Verhandlungen. Die Hansestädte Stralsund, Greifswald und Rostock verhandelten in dieser Zeit mit dem Landmeister des Ordens, welcher angab, vorher schon mit den großen preußischen Städten über den Handel der Hanse zu haben.[14] Dass diese Beratung des Landmeisters mit den großen preußischen Städten keine Vorraussetzung war um mit Hansestädten in Kontakt zu kommen, zeigt sich aber schon in der gleichen Zeit. 1280, also nur wenige Jahre vor den Verhandlungen des Landmeisters standen die Herren von Thorn schon in Kontakt mit der Hansestadt Lübeck und berieten über Fragen des Handels.[15]

Ein Beispiel für die direkte Zusammenarbeit der Städte war der Städtetag 1335/36, auf welchem sich die Städte auf einheitliche Maße und Gewichte einigten.[16] Diese Einigung wurde dann auch auf das ganze Land übertragen, welches zudem die Dominanz der Städte in Wirtschaftsfragen unterstrich. Die von den Städten zuerst eingeführten und dann vom Orden übernommenen "Standardmaße und Gewichte" zeigen die Zusammenarbeit der Städte indem sie die Zeiten, in denen die verschiedensten Gewichte verwendet wurden, beendeten. Um wirtschaftlich effizienter zu sein und den umständlichen Weg des Umrechnens in ein anderes Gewicht zu umgehen vereinbarten sie daher ein für alle geltendes Maß – damit entstand ein großer und einheitlicher Wirtschaftsraum.[17] Die Beratung solcher und ähnlicher Wirtschaftsfragen und deren Umsetzung bildeten aber auch einen Prozess der Zusammengehörigkeitsbildung, welcher sich durch die Hanse verstärken sollte. 1356 kam es zur Bildung des westfälisch-preußischen Viertels[18] bzw. des westfälisch-preußischen Drittels in Flandern, welchem sich die großen preußischen Städte anschlossen.[19] Hansestädte wie Thorn und Kulm waren so etwa auch an der Blockade gegen Flandern beteiligt und schickten Ratsherren und Ratsmänner zu Hansetagen und der Unterzeichung von Friedensverträgen.[20] Diese außenpolitischen Maßnahmen zum Schutze Handels zeigen die Bedeutung der preußischen Städte.

Ein weiteres Bündnis, an welchem auch preußische Städte (z.B. Elbing, Kulm, Thorn) teilnahmen, war die "Kölner Konföderation" vom 19. November 1367 gegen den dänischen König Waldemar Atterdag[21], welcher Schonen seit 1360 regierte und den Handel zum Nachteil der Hansestädte beeinflusste. Um diesen wichtigen Handelsplatz im Norden weiter zu halten und die alten Privilegien nicht zu verlieren, schlossen sich preußische und wendische Hansestädte, niederländische Städte und einige Fürsten gegen König Waldemar zusammen. Das Ende des Konflikts kam 1370, Waldemar Atterdag musste der Hanse enorme Zugeständnisse machen, d.h. Schlösser zeitweise abtreten, Privilegien zugestehen und die Einflussnahme bei späteren Königswahlen gestatten.[22] Die großen preußischen Städte, welche sich an der Blockade Flanderns bzw. dem Krieg gegen Waldemar Atterdag beteiligten, taten dies meist aus wirtschaftlichen Gründen. Der Verlust von Privilegien oder die Einführung neuer Gebühren, konnte dem Fernhandel und damit den Städten schaden und musste daher verhindert werden. Die wirtschaftlichen Spannungen welche sich zwischen den Städten und dem jeweiligen Kontrahenten ergaben, sollten so auch später mit dem Orden auftreten und für Streitigkeiten sorgen.

Die Herausbildung der städtischen Opposition, bestehend aus Kaufleuten, dem sog. Kaufmannspatriziat sowie Ratsherren und Bürgermeistern, welche zumeist auch der ersten Gruppe angehörten, bildete so die herrschende Schicht in den Städten und damit die Vertreter des städtischen Standes.[23]

Kulm, Thorn, Danzig, Königsberg, Elbing und Braunsberg, welche auch als "Hauptstädte"[24] des Ordenslandes bezeichnet wurden, waren die wichtigsten Handelsstädte. Somit waren sie auch Wortführer in den Städteversahmlungen und später in der Politik der Stände, seitens der Städte.

2.2 Die Zusammenarbeit der Städte und des Ordens

Die nun folgende Problematik der Kooperation der Städte des Deutschen Ordens ist vor allem auf die Diskussion zwischen Hartmut Boockmann, Klaus Neitmann und Marian Biskup aufgebaut. Die beiden ersten Historiker vertreten die Auffassung einer partiellen bzw. regionalen Zusammenarbeit als Grundlage einer ständischen Entwicklung im Ordensland. Marian Biskup hingegen vertritt die Ansicht, dass der Orden in seiner „landesfremden Herrschaft“ sich „sehr hemmend auf die Herausbildung der Ständevertretung in Preußen“[25] ausgewirkt hat. Im Bezug auf die Städte soll nun kurz untersucht werden, inwieweit eine dieser zwei Thesen zutrifft. Anschließend sollen die außenpolitischen Tätigkeiten der Städte in Verbindung mit dem Deutschen Orden beleuchtet werden.

Die nach Biskup durch den Orden hervorgerufene Hemmung der ständischen Entwicklung scheint mir auf die Gesamtpreußische Ständevertretung fixiert zu sein und die regionalen Tendenzen der Zusammenarbeit außer acht zulassen. Das Hauptargument von Biskup ist in dieser Hinsicht die gute finanzielle Lage des Ordens, welcher die Mitglieder nicht dazu zwang auf die Gelder der Städte zurückzugreifen. Sicher war dies von großer Bedeutung bei der Hemmung einer Ständevertretung und sollte bis zum Anfang des 15. Jahrhunderts anhalten. Doch dieses Argument allein für eine späte Entwicklung der Stände auszumachen, ist mehr als fraglich, sind doch auch die Verleihung von Privilegien an bestimmte Personen und Gebiete oder rechtliche Fragen ein Grund um mit Vertretern einer Region oder des Landes zusammenzukommen und zu beraten. Die von Boockmann zu Recht gemachte Bemerkung in seinem Referat „Bemerkungen zur frühen Geschichte ständischer Vertretungen in Preußen“, nämlich das „sich rasch ein neuer und billiger Beschreibstoff“[26] ende des 14. Jahrhunderts etablierte, ist dabei wichtig. Die vorher zwischen dem Orden und dem jeweiligen Vertragspartner gemachten Beschlüsse waren mündlich und sind uns so nicht mehr überliefert. Ohne spekulieren zu wollen sind schon daher regionale Kontakte und Zusammenarbeiten zwischen Herrschaft und Bevölkerung durchaus möglich.

Das meiste von dem, was auf dem Papier festgehalten wurde, wäre [ohne dieses] nur mündlich verhandelt, anderes wäre überhaupt nicht Gegenstand von Verhandlungen geworden.“[27]

Die 1255 entstandene Urkunde, welche ein Beleg für diese regionalen Kontakte ist, betrifft dabei die Region um Kulm/Kulmerland. Neben dem Aussteller der Urkunde, dem Bischof von Kulm, und dem Hochmeister, sowie den Brüdern des Ordens werden die „universitas incolorum terre Culmensis“ aufgeführt. Diese Bewohner Kulms waren eben diejenigen, welche neben dem Orden Getreide für den Bischof und das Domkapitel stellten, dafür jedoch mit Privilegien ausgestattet wurden. notwendig dafür war jedoch eine Zusammenkunft und Verhandlungen, welche durch das “Convenimus in hanc formam, quod“ zudem bezeugt sind.[28] Solche und ähnliche Zusammenkünfte und Verhandlungen waren so vor der Einführung des Papiers nicht für das Pergament bestimmt, infolge dessen nur mündlich vereinbart und nicht erhalten. Der schriftliche Nachweis jener Verbindungen, zwischen Ordensherrschaft und Bevölkerung setzte erst später ein, muss aber schon zuvor im Alltag vorhanden gewesen sein. Diese Verbindungen auf regionaler Basis waren eben eine vertragliche Festlegung von Abgaben an den Orden oder die Ausstellung von Privilegien. Kooperation zwischen beiden Parteien war Grundvorrausetzung. Die Vertragspartner waren dabei neben dem Orden dann die jeweiligen Personen, d.h. die direkten Vertragspartner oder aber, wenn es eine Gruppe war, die hochrangigen Vertreter einer Region bzw. Stadt. In seinem Diskussionsbeitrag zu dem von Hartmut Boockmann gehaltenen Referat bringt Biskup das Argument ein, dass der Orden „keinen consensus und keine Legitimation“ bedurfte. Grundlage seien demnach nur die vom Papst ausgestellten Privilegien und das „patrimonium sancti Petri“ gewesen. Es scheint mir aber, dass eine Zusammenarbeit zwischen Orden und Städten eine gewachsene Entwicklung war, welche sich eben neben diesen Privilegien entwickelte. Auch wenn der Orden eine Theokratie war, welche auf kanonischem Recht basierte, war eine Entwicklung der Stände, d.h. der Städte, nicht vollkommen gehemmt. Die Kooperation des Ordens mit den Bewohnern des Landes, Einheimische wie Siedler, war dennoch auf rechtlichen Grundlagen basierend. Die Kulmer Handfeste, steht dabei als Beginn für diese Zusammenarbeit.

1233 kam es so zu einer Privilegierung der Städte Kulm und Thorn, welche sich dann auch auf andere Städtegründungen des Ordens ausbreitete und den ländlichen Raum mit einbezog. Schon bei dieser Ausstellung müssen Verhandlungen stattgefunden haben, denn die Privilegien und die Herrschaft müssen anerkannt werden.[29] Dort ist dann auch die Verhandlung mit Repräsentanten der Siedler, wie sie schon erwähnt wurden, sehr wahrscheinlich.[30] „Bürger, Pilgrim, Lehnsleute“ waren so bei der Ausstellung dieser bedeutenden Handfeste anwesend und bildeten den „Anfang einer ständischen Vertretung“[31]

Zenon Hubert Nowak, welcher sich dieser Meinung Boockmans anzuschließen scheint, geht dennoch in einigen Dingen mit Biskup gleich. Vor allem wenn Marian Biskup das Argument einbringt das der Adel in Preußen zu jener Zeit nicht die Kraft und Möglichkeit hatte am Entscheidungsprozess in innen- und außenpolitischen Angelegenheiten des Ordens mitzuwirken. Auch Nowak sieht so eine Hemmung der Entwicklung des Ständewesens. Die Ständevertretung aber neben dem Argument der Ganzheitlichkeit der Vertretung auch vom Adel als Initiator abzuleiten, scheint mir ebenfalls nicht ausreichend.[32]

Der Landadel hatte im Deutschordensland nicht die Vorrausetzungen um sich politisch zu artikulieren, jedenfalls nicht in dem Maße wie die Städte und wie der Adel im „Alten Reich“. Diese Rolle der frühen Entwicklung kam hier vor allem den Städten zu, welche die Grundlagen für die Ständevertretung mit schufen. Die großen Städte förderten die Entwicklung der Ständevertretung so nicht durch eine Zugehörigkeit zu einem vom Hochmeister einberufenen Rat[33], sondern durch ihre eigene wirtschaftliche und soziale Entwicklung im Laufe des 13. und frühen 14. Jahrhunderts.

[...]


[1] Siehe dazu: Acten der Stände Preußens unter der Herrschaft des Deutschen Ordens, TOEPPEN, Max, Leipzig 1878, Bd.1 und 3; sowie: Hanserecesse. Die Recesse und andere Akten der Hansetage von 1256-1430, KOPPMANN, Hans (Hrsg.), Band 1, Leipzig 1870 und: Preußisches Urkundenbuch, HEIN, Max (Hrsg.), Bd. 3, Königsberg 1944.

[2] BOOCKMANN, Hartmut, Die Anfänge der ständischen Vertretungen in Preußen und seinen Nachbarländern, München 1995 (Schriften des Historischen Kollegs Kolloquien 16).

[3] ders.: Zu den Zielen des Deutschen Ordens in seiner Auseinandersetzung mit den Preussischen Ständen

[4] BISKUP, Marian, Die Rolle der Städte in der Ständevertretung des Königreiches

Polen, einschließlich des Ordensstaates Preußen im 14./15. Jahrhundert, in: TÖPFER, Bernhard (Hrsg.), Städte und Ständestaat. Zur Rolle der Städte bei der Entwicklung der Ständeverfassung in europäischen Staaten vom 13. bis zum 15. Jahrhundert (Forschungen zur mittelalterlichen Geschichte 26), Berlin 1980, 163-193.

[5] Siehe dazu: VOIGT, Johannes, Gesellschaft der Eidechsen in Preußen. Aus Neuaufgefundenen Quellen,

Königsberg 1823.

[6] Siehe dazu: GÓRSKI, Karol, Die Anfänge der ständischen Vertretung der Ritterschaft im Ordensland Preußen

im 15. Jahrhundert, in: ARNOLD, Udo, BISKUP, Marian (Hrsgg.), Der Deutschordensstaat Preußen in

der polnischen Geschichtsschreibung der Gegenwart (Quellen und Studien zur Geschichte des Deutschen Ordens 30), Marburg 1982, S. 212-235.

[7] Siehe dazu: Acten der Stände Preußens unter der Herrschaft des Deutschen Ordens, TOEPPEN, Max, Leipzig

1878, Bd.1, Nr. 1, S. 26; sowie Erneuerung der Handfeste 1251, AdSt. , Bd. 1, Nr. 4, S. 27.

[8] Siehe dazu: PATZE, Hans, III. Sonderentwicklungen, 1. Der Deutschordensstaat Preußen 1226-1466,

SCHIEDER, Theodor (Hrsg.), Handbuch der europäischen Geschichte, Europa im Hoch- und Spätmittelalter, Band 2, Stuttgart 1987, S. 483. Diese Städte, welche sich zu Zentren des Handels im Ordensland wurden, waren zu einem großen Teil Gründungen des Deutschen Ordens.

[9] Ebd.: PATZE (1987), S. 483. Diese Städte, welche sich zu Zentren des Handels

im Ordensland entwickelten, waren zu einem großen Teil Gründungen des Deutschen Ordens.

[10] Siehe dazu: PATZE (1987), S. 474-478; sowie: BISKUP, Marian, Die Rolle der Städte in der Ständevertretung

des Königreiches Polen, einschließlich des Ordensstaates Preußen im 14./15. Jahrhundert, in: TÖPFER, Bernhard (Hrsg.), Städte und Ständestaat. Zur Rolle der Städte bei der Entwicklung der Ständeverfassung in europäischen Staaten vom 13. bis zum 15. Jahrhundert (Forschungen zur mittelalterlichen Geschichte 26), Berlin 1980, S. 177.

[11] Siehe dazu: Biskup, Marian, Zwei Elbinger Kaufleute und Ratsherren (Mitte des 14. Jahrhunderts bis Anfang

des 15. Jahrhunderts): Johann von Volmenstein und Johann (II.) von Thorn, in: KATTINGER, Detlef, WERNICKE, Horst, WERLICH, Ralf-Gunnar (Hrsgg.), Akteure und Gegner der Hanse – Zur der Hansezeit (Hansische Studien 9 = Abhandlung zur Handels- und Sozialgeschichte 30), Weimar 1998, S. 93.

[12] Siehe dazu: BISKUP (1980), S. 177.

[13] Ebd.: BISKUP (1980), S. 178.

[14] Vgl.: BOOCKMANN, Hartmut, Der Deutsche Orden. Zwölf Kapitel aus seiner Geschichte, München 1994.

Boockmann bezeichnet diese preußischen Städte schon als Mitglieder der Hanse, welche offiziell jedoch erst 1356 aufgenommen wurden. S. 198, sowie: AdSt., Bd. 1, Nr. 10, S. 31.

[15] Siehe dazu: CZAJA, Roman, Die Identität des Patriziats der preußischen Großstädte im Mittelalter, in:

Ständische und religiöse Identitäten in Mittelalter und früher Neuzeit, KWIATKOWSKI, Stefan, MALLEK, Janusz (Hrssg.), Torun 1998, S. 9-10.

[16] Siehe dazu: AdSt., Bd. 1, Nr. 14, S. 32-34.

[17] Ebd.: BOOCKMANN (1994), S. 198.

[18] Siehe dazu: AdSt., Bd. 1, Nr. 34, S. 35.

[19] Vgl.: BISKUP (1998), S. 93; sowie: BISKUP (1980), S. 179.

[20] Ebd.: BISKUP (1998), S. 95-96.

[21] Siehe dazu: Hanserecesse. Die Recesse und andere Akten der Hansetage von 1256-1430, Karl KOPPMANN

(Hrsg.), Band 1, Leipzig 1870, Nr. 314, S. 373-6. Zur Beteiligung der Städte Elbing und Thorn am

Krieg gegen König Waldemar Atterdag siehe weiter: BISKUP (1998).

[22] Siehe dazu: PATZE (1987), S. 499, sowie: BISKUP (1998), S. 96-98.

[23] Siehe dazu: CZAJA (1998), S. 10.

[24] Siehe dazu: BISKUP (1998), S. 93, sowie: NEITMANN, Klaus, Die Landesordnung des Deutschen Ordens in Preussen, in: BOOCKMANN, Hartmut (Hrsg.), Die Anfänge der ständischen Vertretungen in Preußen und seinen Nachbarländern, München 1992 (Schriften des Historischen Kollegs Kolloquien 16), S. 61.

[25] Vgl.: BISKUP (1980), S. 177

[26] Ebd.: BOOCKMANN (1992), S. 40.

[27] Ebd.: BOOCKMANN (1992), S. 40-41.

[28] Vgl.: BOOCKMANN (1992), S. 41, sowie: AdSt., Bd, 1, Nr. 5, S. 27-28.

[29] Siehe dazu: GÓRSKI, Karol, Die Anfänge der ständischen Vertretung der Ritterschaft im Ordensland Preußen im 15. Jahrhundert, in: Udo ARNOLD; Marian BISKUP (Hrsgg.), Der Deutschordensstaat Preußen in der polnischen Geschichtsschreibung der Gegenwart (Quellen und Studien zur Geschichte des Deutschen Ordens 30), Marburg 1982, S. 219, sowie: BOOCKMANN (1992), S. 41.

[30] Vgl.: BOOCKMANN (1992), S. 41. Man muss Bedenken das eine solche Stadtgründung schon eine gewisse

Anzahl von Menschen voraussetze und eine Verhandlung des Ordens mit den Repräsentanten doch effektiver war.

[31] Vgl.: NOWAK, Zenon Hubert, Korreferat: Bemerkungen zur frühen Geschichte der Stände in Preußen, in BOOCKMANN, Hartmut, Die Anfänge der ständischen Vertretungen in Preußen und seinen Nachbarländern, München, Oldenbourg 1992 (Schriften des Historischen Kollegs Kolloquien 16), S. 53.

[32] Ebd.: NOWAK (1992), S. 52.

[33] Ebd.: NOWAK (1992), S. 52.

Details

Seiten
37
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638055628
ISBN (Buch)
9783638946896
Dateigröße
564 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v91055
Institution / Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald – Historisches Institut
Note
1,3
Schlagworte
Entwicklung Stände Preußen Jahrhundert Thorner Frieden Deutschordensstaat Entstehung Säkularisierung

Autor

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Titel: Die Entwicklung der Stände in Preußen vom frühen 13. Jahrhundert bis zum 1. Thorner Frieden 1411