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Wohlstand und Glück - Über die Mehrdimensionalität des Glückes in einer eindimensionalen Wirtschaftsordnung

Hausarbeit 2007 22 Seiten

BWL - Unternehmensethik, Wirtschaftsethik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Intention

2. Determination

3. Der Glückskosmos
3.1. Das Glück früherer Zivilisationen
3.2. Das Glück der Moderne
3.3. Wachstum als Glücksfundament

4. Glücksimmanente Diskrepanzen
4.1. Differenzierung der menschlichen Bedürfnisse
4.2. Natürliche Grenzen des Glücks
4.3. Empirischer Exkurs zur Glücksmessung

5. Medien als Glücksdefinatoren

6. Chancen des anderen Glücks
6.1. Glücklicher durch Arbeit?
6.2. Moralisches Glück

7. Reinkarnation des Glücks

8. Abbildungsverzeichnis

9. Literaturverzeichnis

Jeder ist seines Glückes Schmied.[1]

1. Intention

Der ökonomische Erfolgreiche bringt einer Nation erfahrungsgemäß Wohlstand und Reichtum. Und Reichtum ist wie man weiß, der Schlüssel zu Erfolg und Glück. Im Laufe der Menschheitsgeschichte verfügten die Menschen noch nie über so einen immensen Wohlstand, wie es die westliche Ge­sellschaft heute tut. Doch sind wir dadurch wirklich glückli­cher? Ist Wohlstand tatsächlich der Schlüssel zum Glück oder bedarf es mehr als materiellen Reichtum zum glücklichen Leben? Und was hat Glück tatsäch­lich mit der rationalen Ökonomie zu tun? Fragen, auf deren Antworten in der Ökonomie bis jetzt nicht hinreichend eingegangen wurde und deren Antworten unseren Identifikationskreis ins Wanken bringen können.

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit Wohlstand und Glück; der eindimensionalen und mehrdimensionalen Glücksvorstellung in der Ökonomie sowie in unserer Gesellschaft. Ferner wird in diesem Analyserahmen der Glücksbegriff näher untersucht, wobei sich der Wechsel der Glücksparadigmen herauskristallisiert. Dem modernen Glücksparadigma, mehr Geld einhergehend mit mehr Konsum erzeugt eine exponentielle und unerschöpfliche Glückssteigerung, wird empirisch auf die Spur gegangen und kritisch beurteilt. Im Argumentationsverlauf wird nachgewiesen wie Glücksvorstellungen teils verordnet wer­den, und in wieweit wir uns mit unserem individuellen Glück tatsächlich auseinan­der setzen und setzen sollten.

2. Determination

Wohlstand wird allgemein als das Verfügen über materielle Güter und Dienstleistungen definiert. Um die Frage glücklicher durch Wohlstand adäquat beantworten zu können, muss als erstes geklärt werden was genau unter Glück zu verstehen ist. Glück kennt jeder, vom Kind zum Erwachsenen von arm bis reich, jeder war schon mal glücklich oder hat Glück gehabt. Alle wissen was Glück ist, auch wenn sie es nicht in Worte fassen können, so kennt doch zumindest jeder das Glücksgefühl. Doch so unterschiedlich jeder Glück kennt, so schwer ist es Glück in einer universellen Definition ein­zurahmen. Glück ist eher ein Empfinden, das kommt und geht, als ein konstanter Seelenzustand. Und dieses innere Empfinden ist nicht obligatorisch abhängig von materiellen Gütern oder Konstellationen, denn es wird im inne­ren erlebt, ergo, gebildet. Des Weiteren zählt hierbei nur das subjektive Erleben und nicht die objektive Begebenheit der einzelnen Person. Glück kann daher für jeden etwas anderes bedeuten, anders empfunden und anders entstehen. Was Glück tat­sächlich für den einzelnen bedeutet variiert und hängt unter anderem vom Wohnort, sozialen Umfeld, Partnerschaft, Lebenssituation, Frei­zeit, Alter, Geschlecht, Gesundheitszustand, Bildung, Religion, Erzie­hung, finanzielle Situation etc. ab. Das Wort Glück selbst beinhaltet eine Endlichkeit (der Zustand), die eine schier unendliche Steigerungsfähig­keit besitzt. Es wird auch im Zusammenhang mit “eigentlichen, wah­ren, höheren und inneren“ Glück benutzt. Auch der Versuch Glück durch Unglück zu definieren ist aussichtslos, da Unglück nicht zwangsläufig das Gegenteil von Glück ist. Wenn jemand von einem Unglück befreit ist, ist er noch lange nicht glücklich. Das Wort selbst besitzt eine Universalität und Attraktivität, die es sehr vielfältig zur Anwendung bringen lässt. Diese mannigfache Anwendung und gleichzeitig inflationäre Sprachgebrauch macht eine Definition äußerst facettenreich und kaum möglich. Ein anderer Ansatz zur Definition ist die Frage nach dem Lebens­sinn. Denn wer glücklich sein will, bedarf eines erfüllten Lebens. Dies macht die Frage nach “dem Sinn des Lebens“ unumgänglich, da nur durch die Erfüllung des Lebenssinns zwangsläufig Glück entstehen kann. Nun stellt sich aber die Frage wie man leben soll, wie man sein Leben einrichtet, wel­ches Leben gelebt werden soll, da es ein zu weites Spektrum an Lebensmög­lichkeiten gibt. Und nun muss man sich fragen welche Art des Lebens gut ist, und warum, und was überhaupt gut ist. Hier fangen wir an uns im Kreis zu drehen und stoßen an die Grenzen des Seins, denn diese Fragen kann nur und muss von jedem selbst beantwortet werden.

Eine prägnante Antwort auf die Frage was Glück ist liefert Bellebaum mit seiner Definition: “Glück ist das, was Menschen sich unter Glück vorstellen.“[2]

3. Der Glückskosmos

3.1. Das Glück früherer Zivilisationen

Um dem Glück näher auf die Spuren zu kommen hilft eine Be­trachtung der Vorzeit und den damaligen Glücksvorstellungen. Denn das Thema “Glück“ war schon immer fester Bestandteil des Strebens aller Völker und wurde je nach Epoche und Region unterschiedlich defi­niert. Für die alten Chinesen bedeutete Glück vor allem, sich den natürli­chen Mächten nicht zu widersetzen, was eine gewisse Gleichgültigkeit gegenüber materiellen Gütern und Luxus bedeutete. Stattdessen wurde Glück durch eine gelungene Integration in der Gemeinschaft und im Ge­horsam gegenüber den Eltern erreicht.

Für die alten Ägypter bedeutete Glück ebenfalls eine erfolgreiche Beziehung mit der Umwelt. Sie bestand kausal aus einem gesunden Verhältnis zwischen den Göttern, König und Mitmenschen. Die einzel­nen Verhältnisse galten als komplementär und Glück wurde nur erreichte wenn man von allen akzeptiert wurde. Dies verlangte von jedem Indivi­duum ein Höchstmaß an Integrationsfähigkeit, was nur durch Werte wie Bescheidenheit, Mitgefühl, Geduld, Takt, Vertrauen usw. erreicht wurde.

In den großen monotheistischen Weltreligionen[3] wird Glück, im Diesseits und im Jenseits, erfahren. Das diesseitige Glück entsteht durch Gottesnähe und einem von Liebe erfüllten Leben, was durch Tugend und Frömmigkeit erreicht wird. Denn nur durch die Erhebung über sein niedrigeres Ego erhält ein Gläubiger geistiges Glück und Hoffnung auf die Glückse­ligkeit im Jenseits. Darüber hinaus kann ein Gläubiger im Diesseits durch Gott beglückt werden; in Form von materiellen Gütern wie Land, Reich­tum, Gesundheit, Kinder, Ansehen etc. Dabei ist der Reichtum durch Gottes Gnade und kann mit einem reinen Gewissen genossen werden. Das eigentliche Glück erfährt der Gläubige jedoch erst im Jenseits, mit dem Eintritt ins Paradies. Dort wird er mit dem ewigen Glück über­schüttet und erfährt danach nie wieder Kummer, noch Leid.

Ähnlich bedeutet Glück für viele Philosophen Verzicht, Askese, Selbstbestimmung, Freiheit, Bildung usw. und nicht die hedonistische, sklavische Befolgung der niederen Begierden. Aristoteles teilte das Glück in drei Kategorien ein, wobei die erste Form des Glücks, das Aus­leben der Lust und des Vergnügens ist. Glück entsteht dieser Person in erster Linie durch Unterhaltung und Spaß, mit dem diese Person den größten Teil seines Lebens zubringt. Die zweite Form des Glücks ist das Leben als freier, verantwortungsbewusster Bürger. Glück erreicht diese Person durch die freie Entfaltung des “Ich’s“ sowohl physisch als auch psy­chisch. Wozu noch der Drang nach Verantwortung kommt, der sich durch sozi­ales Engagement und die Verbesserung des Allgemeinwohls äußert. Sein Glück ist das Glück anderer. Die dritte Kategorie des Glücks ist das Le­ben als Forscher und Philosoph. Glück empfindet diese Person dadurch, dass sie mit seinen Forschungsergebnissen sich und anderen Klarheit ver­schafft, über das Leben und seine verborgenen Sphären. Sein Glück besteht im Fortschritt und der Beseitigung von gesellschaftlichen Problemen. Für Aristo­teles war die letzte Form des Glückes die höchste und anstrebenswerteste. Wahres Glück konnte nach ihm nur durch eine vernünftige und tugend­hafte Lebensweise erreicht werden, in der sowohl ethisch, morali­sche Werte und vor allem die Gerechtigkeit die Gesellschaft beherr­schen. Entscheidend für das individuelle Glück ist jedoch das Maßhalten zwischen den Extremen.

Faktum ist, dass Glück in der Antike weniger mit Wohlstand sondern eher mit Ethik, Werten und Beziehungen de­finiert wurde.

3.2. Das Glück der Moderne

Der Umbruch der Glücksvorstellung kam mit dem Frühkapitalis­mus im 16. Jahrhundert. Alles was von nun an zählte waren eine positive Handelsbilanz und die Akkumulation von Kapital. Unter den Kapitalisten kam es zur Geburtsstunde des “homo oeconomicus“, einem starr rationalen Nutzen-Maximierer. Dieses theoretische Modell geht von einem Men­schen aus, der permanent bestrebt ist seinen Gewinn/ Nutzen zu maxi­mieren, um seine unendlichen Bedürfnisse durch einen höheren Konsum zu stillen. Der homo oeconomicus kennt theoretisch keine Konsumfremden Bedürfnisse und ist auf dem “vollständigen Markt“[4] zu Hause. Höchst mögliche Ge­winne bedeuten für ihn die höchste Stufe des Glückes. Das aus dieser Prämisse resultierende Knappheitspa­radigma stellte den Sinn des Wirtschaftens dar. Wie soll mit den begrenzten, ergo, knappen Ressourcen, auf die effektivste Art und Weise umgegangen werden. Wie soll den unbegrenzten Bedürfnissen der Men­schen mit den knappen Ressourcen begegnet werden. Die Frage nach der optimalen Kombination der Faktorallokation sollte die Maximalauf­gabe lösen. Der Sinn des Wirtschaftens bestand demnach, in der Verbes­serung des Lebensstandards, um so das Glück der Menschen zu gewährleisten und zu steigern. Glück besteht demnach im trivialen Kon­sum und der Steigerung dieses Konsums. In wie fern Konsum den individu­ellen Nutzen und das Glück wirklich fördert wurde außen vor gelassen. Die Frage nach dem Glück wurde daher von den Ökonomen auch nie näher behandelt, da sie ihrer Meinung nach in die Sphäre der Psychologie, So­ziologie und Theologie gehört.

[...]


[1] Deutsches Sprichwort von Matthias Claudius 15.08.1740 - 21.01.1815
dt. Dichter, Journalist und Lyriker

[2] Alfred Bellebaum, Glücksangebote in der Alltagswelt, Münster: Aschendorff 2006, Seite 9, Des Weiteren wird Glück auch als so genannter “Flow“ definiert, was aber in dieser Abhandlung bewusst ausgelassen wurde.

[3] Die da wären: Islam. Christentum und Judentum

[4] Ebenfalls ein Theoriegebilde, welches in der Realität nirgendwo aufzufinden ist.

Details

Seiten
22
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638042857
ISBN (Buch)
9783638940269
Dateigröße
588 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v91036
Institution / Hochschule
Fachhochschule für Wirtschaft Berlin
Note
1,3
Schlagworte
Wohlstand Glück Mehrdimensionalität Glückes Wirtschaftsordnung Makroökonomie Konjunktur Beschäftigung Ethik Alternative Wirtschaft Volkswirtschaft Philosophie

Autor

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Titel: Wohlstand und Glück - Über die Mehrdimensionalität des Glückes in einer eindimensionalen Wirtschaftsordnung