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Reduktion von Stereotypen und Vorurteilen

Welche Möglichkeiten gibt es?

Seminararbeit 2007 17 Seiten

Psychologie - Sozialpsychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Kurze Einführung zu Stereotypen und Vorurteilen

3. Möglichkeiten der Reduktion von Stereotypen und Vorurteilen
3.1. Gedankenunterdrückung
3.2. Kontakthypothese
3.3. Empathie
3.4. Perspective-taking

4. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Stereotype und Vorurteile sind allgegenwärtige Phänomene des alltäglichen Lebens, die Menschen helfen, ihre mentalen Strukturen zu ordnen. Dabei können Stereotypen sowohl sinnvoll, als auch weniger sinnvoll sein, bzw. negativ, als auch positiv. Häufig treten sie in Bezug auf stigmatisierte Gruppen auf, z. B. ethnische Minderheiten, was zu diskriminierendem Verhalten gegenüber diesen Gruppen oder einzelnen Mitgliedern führen kann. Menschen möchten oftmals ihre stereotypen Einstellungen gegenüber anderen verstecken, um nicht z. B. als Rassist abgestempelt zu werden. Doch dadurch ergibt sich keine dauerhafte Einstellungsänderung.

Ich finde das Thema bedarf näheren Untersuchungen, da man, um den Einfluss von Stereotypen auf unsere Einstellungen und unser Handeln zu verstehen, zunächst untersuchen sollte, warum Stereotypen entstehen und wann sie den Menschen beeinflussen. Nachdem dies erkannt wurde, ist es möglich, sich Gedanken über die Reduktion von Stereotypen zu machen. In ihrem sozialen Umfeld begegnen Menschen fortwährend stereotypbehafteten Personen. In manchen Situationen hat dies keinerlei negative Auswirkungen, da diese Stereotype korrekt sind und somit zu einem leichteren Verständnis unserer Umwelt beitragen. In vielen Fällen treffen sie jedoch nicht zu oder lassen sich nicht bedingungslos auf alle Personen einer stereotypen Gruppe übertragen. Hier wäre es am sinnvollsten Stereotype komplett ausschalten zu können. Doch dies ist leider nicht so einfach. Ich finde es faszinierend, dass Methoden wie Unterdrückung des Stereotyps unter Umständen sogar genau das Gegenteil bewirken können, obwohl es zunächst als eine plausible Idee erscheint. Doch wie ist es nun möglich, Stereotypen zu reduzieren und lassen sie sich eventuell auch komplett beseitigen? Diesen Fragen möchte ich in meiner Hausarbeit auf den Grund gehen.

Ziel meiner Hausarbeit ist es herauszufinden, welche Möglichkeiten der Stereotypenkontrolle es gibt und welche ihre Vor- und Nachteile sind. Im Speziellen werde ich versuchen, die Methode herauszufinden, welche am sinnvollsten erscheint und am realistischsten anwendbar ist.

Zu Beginn meiner Hausarbeit möchte ich kurz auf die Entstehung und die Funktionen von Stereotypen und Vorurteilen und ihren Auswirkungen eingehen. Im Anschluss stelle ich vier potentielle Möglichkeiten der Reduktion von Stereotypen vor. Zum einen die Gedankenunterdrückung, die einem beim Reduzieren von Stereotypen wohl am ehesten in den Sinn kommt. Hier werden lediglich die unerwünschten Gedanken unterdrückt, aber nicht verändert, was unter Umständen sogar gegensätzlich verlaufen kann. Eine weitere Möglichkeit ist die Kontakthypothese, bei der die „verfeindeten“ Gruppen oder Personen in direkten Kontakt treten. Dies ist allerdings nur unter bestimmten Umständen erfolgreich. Eine dritte Möglichkeit ist das Hervorrufen von Empathie für ein Mitglied einer stigmatisierten Gruppe. Diese Methode überschneidet sich mit perspective-taking, also das Betrachten der Person oder deren Handeln von alternativen Standpunkten aus. Letzere Methode halte ich für die sinnvollste, was ich am Ende meiner Arbeit näher erläutern möchte.

2. Kurze Einführung zu Stereotypen und Vorurteilen

Bei der Suche nach Definitionen von Stereotypen stößt man auf eine beachtliche Anzahl. Lippmanns (1922) Erklärung finde ich persönlich sehr zutreffend: Stereotype sind “pictures in one’s head”, die helfen, die Komplexität der Umgebung zu managen, da sie die soziale Welt vereinfachen.[1] Stereotype lassen sich auch als kognitive Strukturen umschreiben, die das Wissen, die Überzeugungen und Erwartungen der wahrnehmenden Person über bestimmte Gruppen von Menschen enthalten. Menschen haben also einen Satz von Attributionen in ihrem Kopf, der Gruppen von Menschen zugeschrieben wird. Vorurteile bezeichnen fast dasselbe. Es sind meist negative Einstellungen gegenüber Mitgliedern einer Gruppe.

Einstellungen lassen sich in drei Komponenten unterteilen. Einmal die affektive oder emotionale Komponente, nämlich die Bewertung einer Person oder einer Gruppe. Das zweite ist die kognitive Komponente, also das stereotype Wissen. Als dritte Komponente ist die Verhaltenskomponente zu nennen, also die Handlungen einer Person, was in diesem Fall häufig Diskriminierung bedeutet.[2]

Wie am Anfang schon erwähnt, müssen Stereotype nicht zwingend negativ und auch nicht immer inkorrekt sein. Zudem sind sie für das bessere Verständnis der Welt notwendig. Die Realität ist so komplex, dass Menschen sich in ihr ohne Stereotype wahrscheinlich nicht zurechtfinden würden. Macrae et al. (1994) bezeichnen Stereotype deswegen als „energy-saving-devices“. Sie helfen die kognitiven Prozesse der Informationsverarbeitung und Abspeicherung zu erleichtern. Sie vereinfachen die Wahrnehmung, die Urteilsbildung und die Handlung. Ohne sie wäre das Bewerten einer fremden Person sehr viel aufwändiger, da man sie so anhand einiger Merkmale einer sozialen Gruppe zuordnen kann.[3]

3. Möglichkeiten der Reduktion von Stereotypen und Vorurteilen

Einstellungen gegenüber stigmatisierten Gruppen sind schwer zu ändern. Dies hat mehrere Gründe: Zum einen liegt das an kognitiven Prozessen, die gegen eine Änderung wirken können. Wenn wir stereotypinkonsistente Informationen erhalten, kann dies dazu führen, dass nicht unsere Sicht der gesamten Gruppe verändert wird, sondern wir die betreffende Person in eine Subkategorie unterordnen, sie also als eine Ausnahme betrachten. Somit erfolgt gegenüber der eigentlichen Kategorie keine Einstellungsänderung.

Zum anderen gibt es starke Beweggründe, die gegen die Veränderung wirken können. Eine positivere Einstellung kann potentielles prosoziales Verhalten implizieren, kann aber auch die eigene erhabene Position im Vergleich zur Gruppe bedrohen oder gegen den Gedanken einer gerechten Welt sprechen. Also versuchen sich manchen Menschen dagegen zu wehren.[4]

In diesem Abschnitt möchte ich vier Möglichkeiten aufzählen, um Stereotypen und Vorurteile zu reduzieren. Es handelt sich um Gedankenunterdrückung, bei der Stereotypen unterdrückt werden sollen. Diese Methode ist sinnvoll, hat allerdings einige unerwünschte Nebeneffekte. Eine weitere Möglichkeit ist, den Kontakt zwischen den Gruppen oder Personen herzustellen, die übereinander Vorurteile haben. Dies ist allerdings nur unter bestimmten Bedingungen sinnvoll. Zwei weitere, ähnliche Methoden sind das Fühlen von Empathie und perspektiv-taking. Bei beiden geht es darum, sich in die andere Person oder Gruppe hineinzuversetzen und zu versuchen möglichst gleich zu empfinden.

3.1. Gedankenunterdrückung

Gedankenunterdrückung ist eine Möglichkeit, die einem bei dem Versuch die Zugänglichkeit und Anwendung sozialer Stereotypen zu verhindern am ehesten in den Sinn kommt. Verschiedene Experimente konnten auch beweisen, dass dies eine sinnvolle Methode ist (u. a. Macrae et al., 1994; Wegner et al., 1990). Hierbei spielen zwei kognitive Prozesse eine Rolle: ein kontrollierter und ein automatischer. Menschen können bewusst, also kontrolliert einen Gedanken verdrängen und ihn z. B. nicht aussprechen oder ihn durch einen anderen, erwünschten ersetzen. Währenddessen wird das Bewusstsein nach Spuren dieser Gedanken untersucht. Sollte eine solche gefunden werden, wird sie ebenfalls ersetzt. Dieser zweite Prozess läuft automatisch, also unbewusst ab. Erst so kann Gedankenunterdrückung erfolgreich sein.[5]

[...]


[1] Vgl. Lippmann, W. (1922). Public opinion. New York: Harcourt & Brace, S. 3ff.

[2] Vgl. Aronson, E.A., Wilson, T.D., & Akert, R. (2003). Sozialpsychologie 4., aktualisierte Ausgabe. München: Pearson Studium, S. 484f.

[3] Vgl. Macrae, C.N., Milne, A. B., & Bodenhausen, G.V. (1994). Stereotypes as energy saving devices: A peek inside the toolbox. Journal of Personality and Social Psychology, 66, S. 37.

[4] Vgl. Batson, C. D., Polycarpou, M. P., Harmon-Jones, E., Imhoff, H. J., Mitchener, E. C., Bednar, L. L., Klein T. R., & Highberger, L. (1997). Empathy and attitudes: Can feeling for a member of a stigmatized group improve feelings toward the group? Journal of Personality and Social Psychology, 72, S. 106.

[5] Vgl. Macrae, C. N., Bodenhausen, G. V., Milne, A. B., & Jetten, J. (1994). Out of mind but back in sight: Stereotypes on the rebound. Journal of Personality and Social Psychology , 67, S. 809.

Details

Seiten
17
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638048620
ISBN (Buch)
9783640319886
Dateigröße
607 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v90846
Institution / Hochschule
Universität Mannheim
Note
2,0
Schlagworte
Reduktion Stereotypen Vorurteilen

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Titel: Reduktion von Stereotypen und Vorurteilen