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Neue Medien und Gewalt an Schulen

Examensarbeit 2007 84 Seiten

Psychologie - Medienpsychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

1. Einführung

A) Theoretischer Teil
2. Ist-Zustand von Gewalt an Schulen
3. Jugendliche und Gewalt
3.1 Was ist Gewalt?
3.2 Ursachen von Gewalt
4.Neue Medien“
4.1 Was sind „Neue Medien“?
4.2 Handys und „Happy-Slapping“
4.3 Computerspiele und „Ego-Shooter“
4.4 Internet und „Cyberbullying”
5. Mediengewalt
5.1 Was ist Mediengewalt?
5.2 Geschichtliche Entwicklung und Diskussion der Mediengewalt
5.3 Was ist reizvoll an Mediengewalt?
5.4 Wirkungen von Mediengewalt
5.4.1 Katharsistheorie
5.4.2 Habitualisierungsthese
5.4.3 Lerntheorie (Lernen am Modell)
5.4.4 Stimulationstheorie
6. Maßnahmen gegen Gewalt an Schulen
6.1 Grundprinzipien
6.2 „Herausforderung Gewalt“
6.3 Olweus Modell
6.4 Alfred-Teves-Schule
6.5 Weitere medienpädagogische Maßnahmen
7. Der Fragebogen theoretisch

B) Empirischer Teil
8. Umfrage
8.1 Fragebogen in der Praxis
8.2 Pretest (Vortest)
8.3 Umfrageteilnehmer
8.4 Suche nach Schulen für die Durchführung der Umfrage
9. Ergebnisse
9.1 Tabelle erstellen
9.2 Frageblock 1 (Alter und Geschlecht)
9.3 Frageblock 2 (Handynutzung)
9.3.1 Besitz von Handys mit multimedialer Funktion
9.3.2 Foto- oder Videoinhalte der Handys
9.3.3 Unfreiwillig empfangene Videos/Fotos
9.3.4 Versand von gewalthaltigen oder ekelhaften Videos/Fotos
9.3.5 Eigenständige Aufnahme von fragwürdigen Videos/Fotos
9.3.6 Ansicht von fragwürdigen Videos/Fotos
9.3.7 Beobachtung einer Aufnahmesituation
9.3.8 Opfer einer Aufnahmesituation
9.3.9 Einschätzung der Intentionen
9.3.10 Persönliche Meinung zu fragwürdigen Fotos/Videos
9.4 Frageblock 3 (Computer/Internetnutzung)
9.4.1 Beliebteste Computerspiele
9.4.2 Vorlieben bei den Computerspielen im Gesamtvergleich
9.4.3 Besuch von Internetvideoportalen
9.4.4 Gründe für den Besuch der Portale
9.4.5 Belästigungen über das Internet
9.5 Frageblock 4 (Videos/TV Programm)
9.5.1 Bevorzugtes Video bzw. Fernsehprogramm
9.5.2 Vorlieben bei den Filmen im Gesamtvergleich
10. Schlussfolgerungen aus den Ergebnissen
10.1 Wie verbreitet sind aggressive Medieninhalte?
10.2 Unterschiede bei den Schulformen
10.3 Auswirkungen auf die Praxis
10.4 Was Schulen tun können
10.5 Kann ein Verbot der Videoportale das Problem eindämmen?
10.6 Warum Schüler gewalthaltige Inhalte konsumieren
11. Persönliches Fazit

Quellenangaben

Anhang

Vorwort

Durch meine Arbeit als Jugendreiseleiterin, meine Arbeit und meine Praktika an Schulen und im Studienkreis bin ich auf den Trend der Handygewaltvideos aufmerksam geworden. Ich bin immer wieder verwundert, was für Inhalte sich auf den Handys der Jugendlichen befinden und mit welchen Computerspielen sie ihre Freizeit verbringen. Vor etwa einem halben Jahr bekam meine Mutter einen Anruf von der Lehrerin meines damals vierzehnjährigen Bruders. Auch auf seinem Handy wurden Videos mit extrem gewalthaltigen und für mich ekelhaften Inhalten gefunden. Das Thema wurde in der Familie diskutiert und mein Interesse für diese neue Form von Gewalt unter Jugendlichen war geweckt. Ich habe angefangen, mich mit der Technik auseinanderzusetzen, mit der diese Videos verbreitet werden, und versuchte herauszufinden, ob Jugendliche auch unfreiwillig diese Videos erhalten können. Bei meinen Recherchen begegneten mir immer mehr Begriffe und Anglizismen, welche mit den „Neuen Medien“ und Gewalt in Verbindung stehen. In der Presse und den Nachrichten begegneten mir immer öfter Fälle, bei denen Schüler[1] von Mitschülern misshandelt werden, nur um einen neuen Film zu drehen. Dass es Gewalt an Schulen schon lange, wenn nicht sogar schon immer gab, war mir bewusst. Dass es jetzt aber Fälle gibt, bei denen eine Prügelei angefangen wird, nur um ein Video zu drehen, hat mich entsetzt. Außerdem interessiert es mich, warum sich Schüler freiwillig Sachen wie Hinrichtungen oder Sodomie anschauen und das anscheinend witzig finden.

Eine weitere Frage, die sich mir stellt, ist, ab welchem Alter die Schüler anfangen, sich für diese Gewaltformen zu interessieren und wie häufig sie mit ihnen in Kontakt kommen. Wie viele Schüler werden Opfer von „Happy-Slapping“ und „Cyberbullying“ und was verbirgt sich eigentlich hinter diesen Begriffen? In der folgenden Arbeit möchte ich diesen Fragen nachgehen und sie erforschen. Außerdem fühle ich mich als Schwester dreier jugendlicher Geschwister und angehende Lehrerin unmittelbar von dem Thema betroffen. Mir geht es in dieser Arbeit deshalb auch darum, welche Präventions- und Interventionsmaßnahmen die Praxis bereitstellt und ob diese überhaupt angemessen sind. Ich möchte auch den aktuellen Diskussionen über das Handyverbot an Schulen oder das Verbieten von Internetportalen wie „YouTube“ nachgehen. Können solche Verbote die Probleme der Mediengewalt lösen? Hat unsere Gesellschaft überhaupt ein Problem mit Mediengewalt oder wird dieses Phänomen nur überspitzt dargestellt?

1. Einführung

Die Diskussionen um die Zusammenhänge von gewalthaltigen Medien und realer Gewalt sind seit einigen Jahren aktuell und beschäftigen unter anderem die Soziologie, die Pädagogik und die Psychologie. Diese Diskussion steht auch in Verbindung mit der subjektiven Annahme, dass Gewalt an Schulen zugenommen hat. In dieser Arbeit geht es darum, inwieweit sich neue Formen von Gewalt herausgebildet haben und wie diese unter den Schülern verbreitet sind. Diese neuen Formen von Gewalt sind Gewaltformen, welche durch „Neue Medien“ entstehen.

Den „Neuen Medien“ wird von vielen Seiten eine Mitschuld an den Gewalteskalationen im Bereich Schule, wie zum Beispiel Amokläufe oder Videos von Schulhofprügeleien, gegeben.

Aus diesem Grund beschäftigt sich diese Arbeit mit dem Thema „Neue Medien“ und Gewalt in Bezug auf Schüler und Schule. Der empirische Teil soll Ergebnisse liefern, die aussagen, wie Schüler die „Neuen Medien“ nutzen und wie häufig sie in Kontakt mit Gewalt kommen, die durch diese Medien transportiert werden.

Es soll geklärt werden, mit welchen Medieninhalten sich die Schüler am liebsten beschäftigen und ob der Anteil von aggressiven Inhalten wirklich so verbreitet ist, wie das allgemein empfunden wird.

Im theoretischen Teil verschafft die Arbeit zunächst einen Überblick darüber, was Gewalt eigentlich ist und was sie verursacht oder verursachen könnte.

Anschließend werden die „Neuen Medien“, welche mit Gewalt in Verbindung stehen, in ihren Anwendungen und Auswirkungen beschrieben.

Es wird ein Kapitel zu Gewaltdarstellungen in den Medien geben, welches die geschichtliche Diskussion, die Reize und die Wirkungen von Mediengewalt erläutern.

Außerdem wird es im theoretischen Teil eine Auswahl an medienpädagogischen Maßnahmen gegen Gewalt an Schulen geben. Diese Maßnahmen werden erst in ihren Grundprinzipien für jedwede Form von Gewalt an Schulen und anschließend im Speziellen für Gewalt unter dem Gesichtspunkt „Neue Medien“ vorgestellt.

Des Weiteren wird im theoretischen Teil noch die Methode des empirischen Teils vorgestellt.

Im letzten Drittel der Arbeit werden die Ergebnisse der empirischen Studie diskutiert und Schlussfolgerungen aus den Ergebnissen gezogen.

Der letzte Punkt dieser Arbeit wird ein persönliches Fazit über den Verlauf dieser Arbeit und die Ergebnisse sein.

A) Theoretischer Teil

2. Ist-Zustand von Gewalt an Schulen

Seit den 90er Jahren erregt das Thema „Gewalt an Schulen“ immer wieder die Aufmerksamkeit von Medien und Öffentlichkeit. Das Thema wird in Zeitungsartikeln und Fernsehberichten diskutiert. In den letzten Jahren machte die Rütlischule in Berlin-Neukölln die wohl größten Schlagzeilen zum Thema „Gewalt an Schulen“.

Erst vor ein paar Tagen standen im Flensburger Tageblatt Schlagzeilen wie: „Jugendliche prügeln Schüler fast zu Tode“ oder „Berliner Schulen unter Schutz

(vgl. Flensburger Tageblatt vom Dienstag, den 11. Dezember 2007).

Die Diskussion wird bei jedem neuen bekannt gewordenen Einzelfall, wie z.B. Amokläufe von Schülern, egal ob in Deutschland oder irgendwo anders auf der Welt, neu entfacht. Folgt man dem Medienaufkommen zu dem Thema, wird der Eindruck erweckt, als ob Gewalt an Schulen extreme Ausmaße angenommen hat. Man könnte meinen, dass Prügeleien, Erpressungen, Waffen und Vandalismus auf der Tagesordnung einer jeden Schule stehen. Ob es sich hier um ein überspitztes Bild von Gewalt an Schulen handelt, welches die Medien gezeichnet haben, oder um die Realität, ist bis heute nicht eindeutig erforscht.

Als die Diskussionen über Gewalt an Schulen Anfang der 90er Jahre aufkam, gab es kaum wissenschaftliche Daten zu diesem Thema. Da das Thema zu diesem Zeitpunkt in das Blickfeld von Schule, Gesellschaft und Medien geriet, fingen die Erziehungswissenschaft, die Psychologie und die Soziologie an, sich intensiv mit diesem Thema zu beschäftigen.

Tillmann stellte, Anfang der 90er Jahre, in Interviews mit Lehrern fest, dass diese der festen Überzeugung sind, dass die Gewaltprobleme an den Schulen zugenommen haben. Ob diese Einschätzungen der Lehrer auf eine wirkliche Zunahme von Gewalt an Schulen schließen lassen, war Anfang der 90er Jahre nicht erwiesen. Es stand jedoch fest, dass das Thema die Erziehungswissenschaftler intensiv beschäftigt und sie in dem Gewaltverhalten von Jugendlichen, unabhängig davon ob dieses zugenommen hat oder nicht, ein großes Problem des Schulalltages sehen.

Die zahlreichen Studien, die bis heute zu diesem Thema durchgeführt worden sind, ergeben keine eindeutigen empirisch messbaren Ergebnisse, ob die Gewalt an Schulen zugenommen hat oder nicht. Sie liefern aber viele andere wertvolle Informationen zu diesem Thema. So beschreibt Tillmann, dass die Erziehungswissenschaft heute viel mehr über die Verbreitung, die Häufigkeit, die Gruppenunterschiede und die Opfer/Täterproblematik von Gewaltproblemen an Schulen weiß als noch vor 20 Jahren. Um hier ein Beispiel zu nennen, soll auf die erwiesene Schulformabhängigkeit in Bezug auf Gewalt an Schulen verwiesen werden. Demnach sind Haupt- und Förderschulen sehr viel höher belastet als Gymnasien, während sich Real- und Gesamtschulen im Mittelfeld der Statistik befinden.

Einige Querschnittsuntersuchungen und die eben schon genannten Befragungen von Lehrkräften lassen, laut Tillmann, eine Zunahme des Gewaltverhaltens an Schulen vermuten. Eine Vergleichsstudie, welche 1972 von Brusten/Hurrelmann an Bielefelder Schulen und 1995 von Holtappels/Meier/Tillmann an hessischen Schulen durchgeführt wurde, ergab eine Zunahme von delinquentem Verhalten bei Jugendlichen. Diese Studie erforschte aber nicht explizit das delinquente Verhalten in der Schule, so dass man hier auch wiederum nur Schlussfolgerungen ziehen kann. Man kann aufgrund der Ergebnisse dieser Studie darauf schließen, dass, wenn Jugendliche im Zeitvergleich häufiger aggressives oder delinquentes Verhalten zeigen als früher, dieses Verhalten auch an Schulen zugenommen haben kann

(vgl. Tillmann, S. 11-25).

Allein aus den bisherigen Forschungen lässt sich also keine eindeutige Antwort auf die Frage nach der Zunahme von Gewalt geben. Man könnte annehmen, dass die Medien das Thema „Gewalt an Schulen“ dramatisieren. Andererseits könnte man sagen, dass ein Thema, welches es schon seit vielen Schulgenerationen gibt und immer wieder andere Formen hervorbringt, erstmalig die Aufmerksamkeit bekommt, die es benötigt. Hätten die Medien nicht Anfang der 90er Jahre die Aufmerksamkeit der Gesellschaft auf dieses Thema gelenkt, hätten wir heute vielleicht nicht die Erkenntnisstände, die wir brauchen, um Schulgewalt entgegenzutreten und einzudämmen.

In dieser Arbeit wird davon ausgegangen, dass es Gewalt an Schulen schon lange gibt und eine Zunahme nach dem allgemeinen Empfinden stattgefunden hat, aber noch nicht belegt ist. Fest steht aber, dass sich neue Formen von Gewaltanwendungen in Schulen und unter Kindern und Jugendlichen herausgebildet haben, die mit „Neuen Medien“ in Verbindung stehen.

3. Jugendliche und Gewalt

3.1 Was ist Gewalt?

Der Begriff „Gewalt“ tritt im Deutschen unter zwei unterschiedlichen Bedeutungen auf. Zum einen wird er für Worte benutzt, welche eigentlich „Macht“ bedeuten, wie z.B. das Wort „Staatsgewalt“. Zum anderen wird er als Überbegriff für sämtliche Gewalttätigkeiten benutzt (vgl. Robertz & Robertz, S.17).

Auf die erste Bedeutung des Begriffes wird in dieser Arbeit nicht eingegangen. Vielmehr geht es um den zweiten Gewaltbegriff, für welchen es die verschiedensten Definitionen gibt und der oft synonym für „Aggression“ benutzt wird.

Eine eindeutige Definition von Gewalt ist jedoch sehr wichtig, wenn es zum Beispiel um den Schutz von Schulen und Familien vor Gewalt geht.

Die Gewaltkommission arbeitete folgende Begrifflichkeit für Gewalt aus:

„Der Gewaltbegriff soll aus der Sicht des staatlichen Gewaltmonopols bestimmt werden. Dabei soll es primär um Formen des physischen Zwanges als nötigende Gewalt sowie Gewalttätigkeiten gegen Personen und /oder Sachen gehen.“ (zitiert nach Kunczik & Zipfel, S. 21-22).

Eine genaue Abgrenzung zu dem Begriff „Aggression“ findet bei dieser Definition nicht statt. Außerdem fehlen in dieser Definition die immer mehr ins Gewicht fallende psychische Gewalt sowie die strukturelle und die kulturelle Gewalt.

Eine weitere Definition gibt es von Russell G. Green, welche besagt, dass Gewalt „die beabsichtigte physische und/oder psychische Schädigung einer Person, von Lebewesen und Sachen durch eine andere Person“ ist (zitiert nach Kunczik & Zipfel, S. 23).

Schwierig bei dieser Definition ist jedoch der Nachweis der Beabsichtigung. Ein Opfer kann zum Beispiel unbeabsichtigtes Verhalten als gewaltsam empfinden und die Abgrenzung zu Notwehr ist schwer nachweisbar. Außerdem ist die Wahrnehmung des Rezipienten, was gewaltsames Verhalten ist, sehr unterschiedlich. Ein Kind wird ganz andere Dinge als physische oder psychische Schädigung empfinden als ein Erwachsener. Eine Frau stuft gewaltsames Verhalten vielleicht ganz anders ein als ein Mann. Was für den einen „nur Spaß“ war, empfindet der andere als gewaltsame Handlung.

Geht man von Johan Galtungs Gewaltmodell aus, wird die Beabsichtigung ausgeklammert. Sein Modell beinhaltet eine gewalttätige Person als Subjekt, eine Aktion in Form einer Gewalttat und ein Objekt als Gewalt erleidendes Opfer. Gewalttaten gegen Gegenstände fallen bei diesem Modell weg und werden unter dem Begriff „Vandalismus“ zusammengefasst. Bei diesem Modell liegt auch dann Gewalt vor, wenn keine sichtbare verletzende Absicht vorliegt oder die Gewalt psychisch statt physisch stattfindet. Galtung benennt seinen Gewaltbegriff „direkte Gewalt“. Bei dieser direkten, personalen Gewalt lassen sich die Handlungsträger eindeutig bestimmen (vgl. Robertz & Robertz, S. 18).

Anders ist dies bei der „strukturellen Gewalt“. Unter struktureller Gewalt wird die in ein soziales Gefüge eingebaute Gewalt verstanden. Es handelt sich hierbei z.B. um Ungerechtigkeiten durch ungleiche Machtverhältnisse, bei denen aber kein direkter Handelnder ausgemacht werden kann. Außerdem ist den Opfern diese Gewalt oft nicht bewusst. Strukturelle Gewalt liegt nach Galtung dann vor, wenn die Opfer sich aufgrund von Manipulationen und Beeinflussungen nicht so entfalten können, wie es ihnen eigentlich möglich wäre (vgl. Kunczik & Zipfel, S. 24).

In dieser Arbeit wird davon ausgegangen, dass es strukturelle Gewalt gibt. Auf diese wird aber nicht näher eingegangen. Vielmehr wird von der „direkten, personalen“ Gewalt ausgegangen. Ein wichtiges Kriterium bei der Auffassung von Gewalt im Rahmen dieser Arbeit ist das Bewusstsein und die Involvierung der psychischen Gewalt, da angenommen wird, dass diese Gewalt ebenso viel Schaden anrichten kann wie die physische.

3.2 Ursachen von Gewalt

Gewalt und Aggressivität bei Kindern und Jugendlichen ist seit vielen Jahren ein Problem. Um dem hohen Gewaltaufkommen gezielt vorbeugen zu können, muss man sich zuerst über die Ursachen von Aggressionen, welche Gewalt auslösen, einen Überblick verschaffen. Die Psychologie hat laut Weiß viele Erklärungsmodelle zu den Entstehungsbedingungen von Aggressionen hervorgebracht (vgl. Weiß, S. 27).

Einige dieser Modelle und Theorien werden nun kurz beschrieben.

Robertz und Robertz weisen darauf hin, dass die psychologischen Theorien zu aggressivem Verhalten in vier sogenannte „Ansatztypen“ eingeteilt werden können.

Ein Ansatz geht davon aus, dass aggressives Verhalten in den menschlichen Instinkten und Neigungen begründet liegt. Aggressives Verhalten ist demnach angeboren. Der bekannteste Vertreter dieser Annahme ist Sigmund Freud. Er ging davon aus, dass der Mensch neben seinem Lebenstrieb einen aggressiven Todestrieb oder Destruktionstrieb hat. Das Zusammenspiel dieser Triebe, welche sich bei einem gesunden Menschen gegenseitig im Gleichgewicht halten, ist Ursprung des menschlichen Verhaltens. Eine Unterdrückung dieses Triebes wäre, laut Freud, schädlich für den Menschen.

Andere Verfechter dieses Ansatzes bezeichnen den angeborenen aggressiven Trieb des Menschen nicht als Todes-, sondern als Überlebenstrieb. Der Mensch benötigt demnach aggressive Triebe, um seine Art zu erhalten (vgl. Robertz & Robertz, S. 22-24).

Der nächste Ansatz bezichtigt äußerlich aktivierte Faktoren als Auslöser für Aggression. Ein Modell hierzu ist die aus dem Behaviorismus stammende „Frustrations-Aggressionstheorie“ von Dollard, Miller u.a., welche Weiß (2000) näher beschreibt. Bei diesem Ansatz wird weniger von inneren Trieben ausgegangen als von äußeren Einflüssen, welche aggressives Verhalten hervorrufen. Demnach entsteht eine aggressive Reaktion auf ein vorhergegangenes frustrierendes Ereignis. Hierbei ist es sehr individuell verschieden, was ein Mensch als frustrierend empfindet und wie hoch seine Toleranzschwelle für eine aggressive Reaktion liegt (vgl. Weiß, S. 31-32).

Ein anderer Ansatz macht aggressives Verhalten von kognitiven und emotionalen Prozessen abhängig. Man geht davon aus, dass zum einen subjektiv empfundene Interpretationen von Situationen das Verhalten von Menschen beeinflussen. Andererseits beeinflusst eine emotionale Erregung kognitive Prozesse. Kognitionen und Emotionen werden bei diesem Ansatz nicht als eigenständige Komponenten gesehen, sondern sie stehen in Wechselwirkungen und Abhängigkeiten zueinander. So kann man zum Beispiel auf eine negative Situation sehr aggressiv reagieren oder aber auf kognitiver Ebene die Situation unter einem anderen Blickwinkel anders einschätzen und weniger aggressiv reagieren (vgl. Robertz & Robertz, S. 29-31).

Um dies zu verdeutlichen, soll folgendes Beispiel helfen:

Wenn in einer Wohngemeinschaft der Putzplan von einem Mitglied nicht eingehalten wird, kann das zu aufgestautem Ärger und schließlich zu Aggressionen bei den anderen Mitgliedern führen. Wenn die anderen Mitglieder jedoch wissen, dass das andere Mitglied krank oder besonderem Stress ausgesetzt ist und deshalb nicht geputzt hat, werden die anderen dafür wahrscheinlich mit Mitgefühl anstatt mit Aggressionen reagieren. Es gilt also, die emotionalen Prozesse mit kognitiven Einschätzungen abzugleichen, um in der Situation angemessen und möglichst gewaltfrei zu reagieren. Sind diese Prozesse gestört, kommt es zu einem erhöhten Aggressionspotential.

Viele Psychologen vertreten die Meinung, dass Aggression und Gewalt unter anderem auch erlernte Verhaltensmuster seien (vgl. z.B. Weiß, S. 27 oder Spitzer, S. 213-215).

Der vierte Ansatz ist demnach der der Lerntheorien. Aggressionen werden nach diesem Modell so wie andere soziale Verhaltensweisen von Vorbildern erlernt. Man geht davon aus, dass eigenes Verhalten durch das Imitieren von vorgelebten Verhaltensmustern entsteht. Modelle, von denen man abschaut, sind meistens Vorbilder, welche sich im unmittelbaren Umfeld des Lernenden befinden, wie z.B. die Eltern (vgl. Robertz & Robertz, S. 31-34).

Robertz und Robertz beziehen auch soziologische Komponenten in ihre Ursachenforschung mit ein. Sie beschreiben die sogenannte „Anomietheorie“ und die „Etikettierungstheorie“.

Bei der Anomietheorie wird davon ausgegangen, dass die Gesellschaft bestimmte erstrebenswerte Ziele und Normen hervorbringt. Ein solches Ziel ist z.B., dass jeder Schüler oder jede Schülerin einen Abschluss schafft und eine Lehrstelle bekommt. Dies ist ein Ziel, welches in der Praxis nicht leicht umsetzbar ist. Spannungen und Konflikte entstehen laut der Anomietheorie, weil nicht alle Mitglieder der Gesellschaft die angestrebten Ziele erreichen können. Gesellschaftlich anerkannte Ziele sind, je nach Schicht oder Stellung einzelner Mitglieder der sozialen Struktur, nicht immer auf legitimem Wege erreichbar (vgl. Robertz & Robertz, S. 35-36).

Bei der Etikettierungstheorie werden Personen, welche mehrfach ein von der Norm abweichendes Verhalten gezeigt haben, eine Etikette verliehen. Diese Personen stehen nun ständig im Verdacht, abweichendes Verhalten zu zeigen. Ein Schüler, der z.B. oft durch das Stören im Unterricht auffällt, wird eventuell auch verdächtigt, wenn er unschuldig ist, da man das störende Verhalten von ihm kennt und erwartet (vgl. Robertz & Robertz, S. 37-40).

Weiß möchte eine Verbindung zwischen den wissenschaftlichen Aggressionstheorien der Psychologie und den Erkenntnissen über die veränderten sozialen Bedingungen, in denen Kinder heute aufwachsen, herstellen.

Er ist der Meinung, dass nicht eine der psychologischen Theorien allein für zunehmendes aggressives Verhalten verantwortlich ist, sondern dass es sich um eine Vernetzung von vielen Bedingungen als Ursache handelt.

Weiß geht davon aus, dass Jugendgewalt seit Mitte der achtziger Jahre zugenommen hat. An dieser Stelle sei angemerkt, dass er diese Annahme nicht auf empirische Ergebnisse stützt. Er stellte sich die Frage, was sich seit dieser Zeit gesellschaftlich verändert hat. Wenn man von den Theorien ausgeht, welche sich mit Aggression als angeborenem Trieb beschäftigen, würde es wahrscheinlich eine immer gleichbleibende Kontinuität der Gewaltzahlen geben. Folglich müssen also äußere gesellschaftliche Einflüsse auf das steigende Gewaltverhalten von Jugendlichen einwirken.

Weiß hat diese gesellschaftlichen Faktoren zusammengefasst. Er stellte fest, dass die Anzahl der Kinder, welche aus unvollständigen Familien stammen, sehr stark zugenommen hat. Demnach lebt fast jedes fünfte Kind in einer solchen Familie.

Eine weitere gesellschaftliche Einflussgröße auf Jugendkriminalität sieht Weiß in der Arbeitslosigkeit, welche in vielen Bundesländern ein gleichbleibendes bis leicht ansteigendes Problem darstellt. Das Angebot von Schulen, Kindergärten und Freizeitgestaltungsmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche sind konstant geblieben. Es lassen sich laut Weiß in manchen Bundesländern sogar leichte Verbesserungen verzeichnen. Den letzten Punkt, bei dem sich in den letzten Jahren Veränderungen abzeichnen, stellen die Medien dar. Es gibt eine starke Medialisierung der Gesellschaft. Der Gebrauch von Computern, dem Internet, Handys, Videospielen, Filmen und Fernsehen ist für viele Kinder und Jugendliche alltäglich geworden. Hierzu einige Zahlen, die Klingler und Feierabend 2006 veröffentlichten:

In einem Haushalt, in dem 12 bis 19-Jährige aufwachsen, sind zu 98% Computer und zu 89% Internetzugänge vorhanden. 99% der Haushalte verfügen über mindestens ein Mobiltelefon und 100% verfügen über mindestens einen Fernseher (vgl. Klingler & Feierabend, S.21-22).

Die größten Veränderungen sieht Weiß also in den Familienstrukturen und der Medialisierung. Weiß bezieht folgende Determinanten in seine Forschungen zu der Ursachenfindung zum Thema Gewalt und Aggressivität bei Jugendlichen mit ein: Persönlichkeit, Familie, Medien, Umwelt, Gesellschaft, Schule (vgl. Weiß, S. 27-31).

Neben Weiß sehen noch weitere Experten die zunehmende Medialisierung der Gesellschaft als Mitverursacher von Jugendgewalt. Als Beispiel sei hier Manfred Spitzer genannt, der in seinem Buch „Vorsicht Bildschirm“ elektronische Medien im Hinblick auf Gesellschaft und Gesundheit betrachtet. Auch Spitzer spricht davon, dass Fernsehen und Computer- oder Videospiele Auswirkungen auf die Gewaltbereitschaft und die Aggressivität der Rezipienten haben können (vgl. Spitzer, S. 225).

Wie diese „Medialisierung“ konkret aussieht, wird in den folgenden Kapiteln beschrieben.

4. „Neue Medien“

Durch die „Neuen Medien“ und den technologischen Fortschritt unserer Zeit, wie z.B. die erweiterten Handyfunktionen und das Internet, haben sich für die Kommunikation viele neue Wege geöffnet. Die erweiterten Funktionen der Technik bringen aber auch Nachteile mit sich. So haben sich z.B. durch die „Neuen Medien“ auch neue Formen von Gewaltanwendungen herausgebildet. Es sind Anglizismen wie „Happy Slapping“, „Cyberbullying“ und „Ego-Shooter“ entstanden.

In den folgenden Kapiteln soll geklärt werden, was in dieser Arbeit unter „Neuen Medien“ verstanden wird und welche Medien unter diesen Begriff fallen.

4.1 Was sind „Neue Medien“?

„Neue Medien“ steht als Sammelbegriff für computergestützte Kommunikationsmittel und digitale elektronische Medien, wie z.B. digitales Fernsehen, CD, CD-ROM und DVD.

Zusätzlich steht der Begriff für interaktive und multimediale Kommunikationsformen wie das Internet und die damit verbundenen Dienste wie Downloads, E-Mails, Chatten, Onlineshopping und Ähnliches.

Des Weiteren beinhaltet der Begriff alle Formen der Mobilfunkanwendungen, wie z.B. SMS oder WAP (vgl. Meyers Lexikon).

„Neue Medien“ sind demnach Verfahren der Informationsverbreitung, welche mit moderner Technik funktionieren.

Jedes Zeitalter hat seine eigenen „Neuen Medien“. Für die vorherige Generation galten das Radio und das Fernsehen als „Neue Medien“. In der heutigen Zeit werden unter den Begriff „Neue Medien“ die Medien gefasst, die auf Daten in digitaler Form zugreifen. Die Digitalisierung von Informationen, Tönen, Bildern und Bewegungen ermöglicht die Erfassung von riesigen Datenmengen und zudem eine Verbindung verschiedenster Kommunikationswege, wie z.B. Sprache, Text, Video und Audio. Zu den „Neuen Medien“ gehören also sämtliche Telekommunikationsmittel sowie Unterhaltungselektronik und Computertechnik.

Für diese Arbeit bedeutet diese Definition konkret, dass unter „Neuen Medien“ diejenigen gemeint sind, welche vorherigen Generationen in deren Schulalter nicht zur Verfügung standen. Neue bzw. junge Medien sind demnach vorrangig Computer und das Internet mit seinen Möglichkeiten des Chattens, des Spielens von Onlinespielen, des Verschickens von E-Mails oder der zahlreichen Internetportale und Weblogs.

Des Weiteren sind Handys zum alltäglichen Medium unserer Gesellschaft geworden. Diese Handys haben heute weitaus mehr Funktionen als nur das Telefonieren. Fast alle Handys sind mit Video- oder Fotokameras ausgestattet und verfügen über neuartige Techniken wie Bluetooth, SMS, MMS oder GPRS.

Im weitesten Sinne gehören Fernsehen und Musik auch zu den „Neuen Medien“. Diese beiden Instanzen werden unter anderem auch für die Verbreitung gewalthaltiger Inhalte benutzt. Da diese beiden Medien allerdings schon der vorherigen Generation, also den Eltern der heutigen Schüler, zur Verfügung standen, wird im empirischen Teil dieser Arbeit nicht auf diese eingegangen.

4.2 Handys und „Happy-Slapping“

Mit den vielfältigen Möglichkeiten der neuen Handys treten nicht nur Vorteile, sondern auch Nachteile auf. Die neuen Handys bieten Möglichkeiten zum Filmen oder Fotografieren und zum Verschicken und Runterladen von Videos oder Fotos. Die Inhalte dieser Videos und Filme sind aber nicht immer lustig und nett, sondern können auch brutal oder pornografisch sein. Es kann sich auch um Inhalte handeln, welche in Deutschland verboten sind, wie z.B. nationalsozialistische Inhalte oder Sodomie. Der Besitz und die Weiterverbreitung solcher Inhalte sind per Gesetz strafbar. Viele solcher Filme werden aus dem Internet heruntergeladen und weiterverbreitet oder herumgezeigt. Es tauchen aber auch immer wieder Fälle auf, in denen Videos mit gewalthaltigen Inhalten selbst gedreht werden. Es handelt sich dabei um sogenannte „Happy-Slapping“ Filme (vgl. www.jugendinfo.de, gesehen am 12.12.2007).

Der Begriff „Happy-Slapping“ bedeutet aus dem Englischen übersetzt „Fröhliches Verprügeln“. Erstmalig trat dieses Phänomen 2004 in England auf. Auch in Deutschland treten immer wieder solche Fälle in den Medien auf.

Beim „Happy-Slapping“ werden wahllos und unbegründet unbekannte Personen auf der Straße oder Mitschüler in der Schule verprügelt, gequält oder sexuell missbraucht. Diese Attacken werden teilweise bis zur Bewusstlosigkeit des Opfers durchgeführt. Es handelt sich meistens um mehrere Täter, wobei ein Täter die Tat mit einer Videokamera oder dem Handy aufnimmt. Das Opfer wird nach dem Angriff und nachdem der Film gedreht ist, zurückgelassen. Die Filme werden häufig im Internet veröffentlicht, per Handy weiterverschickt oder auf dem Schulhof herumgezeigt. So kommt zu der körperlichen Gewalt, die dem Opfer widerfährt, auch eine seelische Demütigung, aus der große psychische Störungen erfolgen können (vgl. Robertz, S.12-15).

Das Handy kann auch missbraucht werden, um andere Personen zu belästigen. Dies kann in Form von beleidigenden oder bedrohenden Anrufen oder SMS erfolgen oder durch das Zusenden von Fotos und Filmen mit Inhalten, die der Empfänger gar nicht sehen möchte. Die Filme auf den Handys können auch für Erpressungen benutzt werden. Man zeigt einem anderen ein Video, auf dem zum Beispiel jemand verprügelt wird, und droht das auch mit ihm zu tun, wenn bestimmte Dinge nicht erfüllt werden (siehe auch Kapitel 4.4 „Cyberbullying“).

Die Film- und Fotofunktionen der modernen Handys werden manchmal von Schülern genutzt, um Lehrer zu verunglimpfen. So werden Lehrer zum Beispiel in unvorteilhaften oder peinlichen Situationen gefilmt. Ein aktuelles Beispiel ging vor einigen Monaten durch die Medien. Es handelte sich hierbei um ein Schülervideo, welches eine Situation zeigte, bei der ein Schüler einem Lehrer die Hose heruntergezogen hatte. Dieses Video wurde im Internet veröffentlicht und von zahlreichen Menschen angeschaut. Solche Videos veranlassen einige Lehrer und Schulleiter dazu, ein Handyverbot an Schulen zu fordern und die Internetportale, die als Quellen der Verbreitung solcher Filme dienen, verbieten zu lassen.

4.3 Computerspiele und „Ego-Shooter“

Seit Anfang der 70er Jahre gibt es Computer- oder Videospiele. Anfänglich wurden die Spiele an Spielekonsolen gespielt, später gab es immer mehr Spielesoftware für den PC. Insbesondere für Jugendliche und Kinder gehören Computer oder Konsolenspiele zu ihrer Freizeitgestaltung dazu. In der heutigen vernetzten Welt werden Spiele zunehmend über das Internet online gespielt. Bekannte Spiele, welche online gespielt werden können, sind die „First-Person-Shooter“, welche auch „Ego-Shooter“ genannt werden.

Bei Ego-Shootern handelt es sich um Spiele, bei denen dem Spielenden das Gefühl vermittelt wird, selbst die Hauptspielfigur zu sein. Jeder Spieler bedient seine virtuelle Figur aus der Ich-Perspektive und man sieht nur den rechten bewaffneten Arm in der rechten unteren Bildhälfte. Man blickt sozusagen durch die Augen der Spielfigur. Die Figur wird durch Tastenkombinationen und die Computermaus bewegt.

Der erste Ego-Shooter war Doom und kam 1993 auf den Markt. Es folgten weitere Spiele wie Quake, Unreal Tournament und das im Moment wohl populärste Counterstrike. Diese Spiele haben filmähnliche Handlungsstränge und bedienen sich aus Vorlagen des Science-Fiction-Bereiches. Die mittlerweile ausgereifte Technik ermöglicht sehr detailgenaue und realistische Darstellungen der virtuellen Welten und Figuren. Bei diesen Welten kann es sich um Wälder, Wüsten, Städte, Schulen, Fabriken oder sämtliche andere Einrichtungen handeln.

Die Handlungen sind mit Katz und Maus-Spielen vergleichbar. Es gibt die Bösen und die Guten, welche sich gegenseitig bekämpfen. Zu den einzelnen Spielsituationen gehören z.B. Bewachen, Retten, Kämpfen, Schießen, Bomben legen oder entschärfen, Angreifen, Verteidigen und sich bewaffnen. Die Gegner, welche gejagt und bekämpft werden, sind z.B. Mutanten, Monster oder Aliens, aber auch Menschen.

Im Falle des Spieles Counterstrike besteht die eine spielende Gruppe aus Terroristen und die andere aus einem Antiterrorkommando. Da es sich um ein Online-Spiel handelt, kann eine Mannschaft aus bis zu zwanzig Personen bestehen.

In turnierähnlichen Situationen kämpfen die beiden Mannschaften gegeneinander. Eine Runde dauert etwa fünf Minuten und endet, wenn eine Mannschaft alle Gegner eliminiert hat oder ein Etappenziel erreicht ist.

Die Spielfiguren haben zahlreiche unterschiedlichste Waffen zur Verfügung, um ihre Gegner zu bekämpfen. Die Anzahl und die Arten der Waffen sind meistens sehr unrealistisch, da es einem Menschen niemals möglich wäre, so viele schwere Waffen zu tragen. Des Weiteren sind die Verletzungen, welche die Spielfigur erleidet, unrealistisch. Hat der Spielende zu starke Verletzungen, können diese, in manchen Spielen, durch Medizinpäckchen schnell wieder behoben werden.

Manche Spiele, wie z.B. Doom und Quake, sind in ihrer Darstellung besonders gewalthaltig. So ist es z.B. möglich, gezielt bestimmte Körperteile des Gegners abzuschießen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: (Jugendschutz.net-Gewaltspiele, gesehen am 10.11.2007)

Bei anderen Spielen, wie z.B. bei der deutschen Version von Counterstrike, bleiben die Körper der Gegner unversehrt und das dargestellte Blut ist grün. Hiermit soll wahrscheinlich der Realitätsbezug der Kampf- und Tötungsszenen aufgehoben werden. Diese zensierten Versionen lassen sich mit zusätzlichen, im Internet zu findenden Funktionen wieder in ihren Ursprung zurückversetzen.

Bei den aktuellen Diskussionen um Killerspiele im Zusammenhang mit realer Gewalt gilt es also auch zu unterscheiden, ob es sich um Ego-Shooter handelt, welche ihr Hauptaugenmerk auf Strategie und Teamgeist legen, oder um welche, deren Interesse hauptsächlich den detailgenauen und grausamen Darstellungen gilt

(vgl. Jörissen, S. 221-230).

4.4 Internet und „Cyberbullying“

„Cyberbullying“ ist nach der Definition von Robertz eine „Verletzung und Belästigung von Personen mittels Nutzung neuer Informations- und Kommunikationsmedien wie E-mails, Handys und verleumderischer bzw. beleidigender Webseiten.“

Hierzu gehören die Überflutung mit einschüchternden oder beleidigenden E-Mails oder SMS-Nachrichten sowie Anrufe, Beleidigungen oder Drohungen in Chaträumen und Weblogs. Durch den Fortschritt der Technik hat sich das „Cyberbullying“ in den letzten Jahren sehr schnell verbreitet. Eine in Australien durchgeführte Umfrage besagt, dass cirka 40% von 13.000 befragten Mädchen bereits Opfer von „Cyberbullying“ in Form von E-Mail oder SMS waren. Im Gegensatz zum „Happy- Slapping“, welches körperlich spürbare Gewalttaten mit sich führt, steht beim „Cyberbullying“ die seelische Deformierung im Vordergrund.

„Cyberbullying“ wird neben den Erniedrigungen seiner Opfer auch zu erpresserischen Zwecken missbraucht. So werden z.B. Schülern oder Schülerinnen „Happy-Slapping“-Filme gezeigt, um ihnen zu drohen. „Cyberbullying“ kann als moderne Form des „Mobbings“ bezeichnet werden. Hanewinkel und Knaak (1997) definieren das „Mobbing“ im Schüler Verständnis folgendermaßen: „Ein Schüler oder eine Schülerin ist Gewalt ausgesetzt oder wird gemobbt, wenn er oder sie wiederholt und über eine längere Zeit den negativen Handlungen eines/einer oder mehrerer anderer Schüler oder Schülerinnen ausgesetzt ist.

Negative Handlungen können durch Worte in Form von Drohungen, Spott, Beschimpfungen oder Hänseleien erfolgen. Aber auch durch Körperkontakte wie Schlagen, Stoßen, Treten oder Ähnliches.

„Mobbing“ kann auch ohne Worte oder Körperkontakte vollzogen werden, wie z.B. durch Gesten oder das Ausschließen eines Mitschülers aus einer Gruppe.

„Mobbing“ liegt nicht vor, wenn sich zwei gleichstarke Gegner bekämpfen oder beschimpfen. Zum „Mobbing“ gehört ein unausgeglichenes Kräfteverhältnis zwischen den Beteiligten dazu. „Mobbing“ wird auch synonym zu „Bullying“ benutzt

(vgl. Hanewinkel und Knaak, S. 300).

Im Gegensatz zum „Mobbing“ oder „Bullying“ in der Schule enden die Attacken und Erniedrigungen beim „Cyberbullying“ nicht vor der Haustür, sondern können um die ganze Welt gehen und das Opfer auch am heimischen Computer noch erreichen. Des Weiteren können die Täter oder Täterinnen durch die Anonymität des Internets ihre Opfer hinterhältig demütigen. Es bedarf keinen Mutes mehr zu demütigen und die menschliche Hemmschwelle, anderen Personen zu schaden, fällt weg. Die rechtliche Verfolgung der Täter oder Täterinnen wird durch diese Anonymität fast unmöglich und sie können nicht zur Rechenschaft gezogen werden (vgl. Robertz, S. 12-15).

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[1] In dieser Arbeit wird aus Gründen der besseren Lesbarkeit nur die maskuline Form verwendet. Es ist aber immer auch die jeweils weibliche Form gemeint.

Details

Seiten
84
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638048583
ISBN (Buch)
9783640858941
Dateigröße
752 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v90749
Institution / Hochschule
Europa-Universität Flensburg (ehem. Universität Flensburg)
Note
1,3
Schlagworte
Neue Medien Gewalt Schulen Cyberbullying Happy Slapping

Autor

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Titel: Neue Medien und Gewalt an Schulen