Lade Inhalt...

"Selam Berlin". Migration im Jugendbuch

Referat (Ausarbeitung) 2007 10 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Kurzbiographie der Autorin Yadé Kara

3. Zum Roman „Selam Berlin“
3.1 Paratextuelle Ebene
3.1.1 Covergestaltung
3.2. Inhaltsebene
3.2.1 Zusammenfassung Inhalt
3.2.2 Struktur des Romans
3.2.3 Erzähler und Erzählweise
3.2.4 Die wichtigsten Figuren
3.2.5 Wichtige Motive im Roman
3.2.6. Deutschlandbilder/Türkeibilder

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis
5.1. Verzeichnis der Primärliteratur
5.2. Verzeichnis der Sekundärliteratur

1. Einleitung

In den vergangenen Wochen hat sich die Arbeitsgruppe „Deutsch-Türkische Literatur“ im Rahmen des Seminars „Jugendliteratur/-film und Migration“ einen Überblick über die Vertreter dieser Literatur verschafft. Der Roman „Liebesmale, scharlachrot“ von Feridun Zaimoglu wurde bereits in einer Sitzung von zwei Mitgliedern der Arbeitsgruppe vorgestellt. Im folgenden Referat, gehalten am 31. Januar 2007, wurde eine weitere Repräsentantin deutsch-türkischer Literatur, Yadé Kara, mit ihrem Roman Selam Berlin behandelt.

2. Kurzbiographie der Autorin Yadé Kara

Yadé Kara wurde 1965 in der Türkei geboren, und ist damit nur ein Jahr jünger als ihr Kollege Feridun Zaimoglu. Als Kleinkind kam sie mit ihren türkischen Eltern nach Deutschland, wo sie ihre Kindheit und Jugend verbrachte.

Die umtriebige Autorin studierte Anglistik und Germanistik, arbeitete nebenher am Schiller-Theater, danach bei einer Filmproduktionsfirma. Sie war bereits in London, Istanbul und Hongkong tätig, unter anderem als Schauspielerin, Lehrerin und Journalistin. Zur Zeit lebt sie in Berlin.

Von der Hauptstadt handelt auch ihr erster und bislang einziger Roman. Selam Berlin, 2003 im Diogenes Verlag erschienen, erhielt den Deutschen Buchpreis 2004 in der Kategorie „Bestes Debüt“ und, im gleichen Jahr, den Adelbert-von-Chamisso-Förderpreis der Robert-Bosch-Stiftung[1], den vier Jahre zuvor schon Emine Özdamar erhalten hatte. Selam Berlin ist seit 2004 auch als Hörbuch im Handel erhältlich. Die dreihundertachtzig-minütige Lesung erschien im Verlag Hörbuch Hamburg. Sprecher ist der türkischstämmige, in Deutschland lebende Schauspieler Mehmet Kurtulus, der unter anderem bekannt ist für seine Rolle in dem skandalumwitterten Film „Gegen die Wand“ von Regisseur Fatih Akin. Seit zwei Jahren liegt Selam Berlin auch in einer türkischen Ausgabe im Verlag Edition Orient vor.

3. Zum Roman „Selam Berlin“

3.1 Paratextuelle Ebene

3.1.1 Covergestaltung

Die Covergestaltung geht mit der Zweiteilung des Titels einher. Das Diogenes-Cover zeigt links Minarette und rechts den Berliner Funkturm. Die türkische Ausgabe greift diese Idee auf, spiegelt Minarett und Brandenburger Tor von oben nach unten. Beide Cover greifen somit ein wichtiges Thema des Romans auf.

3.2. Inhaltsebene

3.2.1 Zusammenfassung Inhalt

Hasan ist neunzehn, als die Mauer fällt. Er lebt mit der Mutter und dem jüngeren Bruder in Istanbul und hat gerade sein Abitur gemacht. Sein Vater, der in Berlin ein Reisebüro hat, ist am Abend des Mauerfalls im November 1989 zu Besuch in Istanbul. Gemeinsam sieht die Familie die dem Leser bekannten Fernsehbilder, die um die Welt gingen und eben auch in Istanbul landen. Als Hasan im Fernsehen sieht, was in seiner Geburtsstadt geschieht, will er nur noch eins: „voll in die Berlin-Party mit einsteigen“. So beginnt Selam Berlin.

Gegen den Willen seiner Eltern kehrt er Istanbul den Rücken, kehrt zurück nach Kreuzberg (Klein-Istanbul), das Idyll seiner Kindheit. Hasan lässt sich treiben, sucht einen Job, eine Wohnung, eine Freundin. Durch Zufall ergattert er eine Rolle in einem Film – als messerstechender Türke. Der Leser begleitet den etwas ziellos Wandernden durch das sich verändernde Berlin nach der Wende. Doch nicht nur die Großstadt hat sich verändert. Auch Hasans Vater. Als herauskommt, dass er im Osten eine Geliebte hat und ein Kind, zerbricht Hasans Familie.

3.2.2 Struktur des Romans

Der Leser begleitet Hasan fünfundzwanzig durchnummerierte Kapitel lang – von November 1998 bis zum WM Sommer 1999 – durch das sich im Umbruch befindende Berlin. Die Geschichte Hasans in die Wendezeit zu legen, war ein gekonnter Schachzug der Autorin, denn mit dem Beitritt der neuen Bundesländer kamen am 3. Oktober 1991 schlagartig ca. 16 Millionen ostdeutsche Bürgerinnen und Bürger, ohne sich – geografisch betrachtet – von der Stelle bewegt zu haben, in einem anderen Land an, einem fremden Land. Die vierzig Jahre währenden Entwicklungen in verschiedenen gesellschaftlichen Systemen, trotz der bis 1945 gemeinsam geteilten Geschichte und Kultur, haben ausgereicht, in beiden Teilgesellschaften sehr unterschiedliche Identitätskonstruktionen entstehen zu lassen.

So doppelt Kara die Fremdheitserfahrungen auf beiden Seiten, machen alle Bewohner Berlins zur Wendezeit ganz eigene und unterschiedliche Fremdheitserfahrungen: „Ossis“ wie „Wessis“, „Ossitürken“ wie „Wessitürken“. Das Ende des Romans ist, was die Zukunftspläne der Hauptfigur angeht, offen aber positiv gestaltet.

3.2.3 Erzähler und Erzählweise

Die Erzählung beginnt mit der Vorstellung des erzählenden Protagonisten. In Rückblenden erzählt Hasan von seinen Eltern und ihrem „Glauben an den Westen“.

Die achtunddreißigjährige Autorin lässt den männlichen Protagonisten selbst sprechen. Der Ich-Erzähler führt durch die Stadt und ihre Milieus, allen voran das Kreuzberger Althippie-Milieu, das Berliner Nachtleben und die Berliner Filmszene. Dabei nimmt er die Position des spöttisch-ironischen Beobachters und Kommentators ein, der zum Geschehen kaum Stellung bezieht, was dem vielschichtigen Roman neben der Anlage zum Wende- und Familienroman deutliche Züge eines Schelmenromans verleiht. Mit Hasan als Perspektivmittel ist der Roman im klassischen Sinne (nach Bachtin) episch. Durch Hasan lernt der Leser die Berliner Szene sowie die verschiedenen Charaktere kennen: den Altlinken Breschnew, den „Ossitürken“ dem, die „Wessitürkin“ Leyla, einen skurrile Hundesalonbesitzerin, „Kültür“-Kazim, den Italo-Sänger und viele mehr.

3.2.4 Die wichtigsten Figuren

So sehr sich die Figuren des Romans voneinander unterscheiden, eines haben sie gemein: der Mauerfall hat auf ihr Leben direkte Auswirkungen. Nicht zuletzt auf Hasans Familie, die durch den Mauerfall und das damit gelüftete Geheimnis von Said, zerbricht.

In dem so oft als „Wenderoman“ bezeichneten Roman geht es aber nicht nur um den Mauerfall. Mindestens genauso spannend an „Selam Berlin“ ist, wie die Protagonisten ihre Lebensumwelt wahrnehmen, die sich aufgrund ihres Migrationshintergrundes zwischen den Welten bewegen und eigentlich nirgendwo richtig zu Hause sind. Wie vielfältig Migrationshintergründe sein können, sollen die folgenden Figurenbeschreibungen verdeutlichen.

3.2.4.1 Hasan Kazan...

...heißt Karas hin- und hergerissener Held, der mit dreizehn Jahren zusammen mit Mutter und jüngerem Bruder seinen Geburtsort Berlin verlassen musste, da er von seinen Eltern auf die Deutsche Schule nach Istanbul geschickt wurde. Seitdem pendelte Hasan mit seinem Bruder und der Mutter zwischen den beiden Metropolen, zwischen Bosporus und Spree hin und her. Zurück in Berlin muss er sich zwischen Kreuzberger Altlinken-Milieu, Filmszene und Neonazis aus dem Osten zurechtfinden. Hasan ist ziel- und planlos, was seine Zukunft angeht. Er lebt in den Tag hinein und nimmt alles so, wie es kommt: „Ich hatte genug von: Wer bin ich? Was bin ich? [...] Ich war jung und sah gut aus. Ich nahm mir vor, alles so zu nehmen, wie es gerade kam.“ (Selam Berlin, S.175).

[...]


[1] Der Preis wird seit 1985 an deutschsprachige Schriftsteller verliehen, deren Muttersprache nicht deutsch ist- in Erinnerung an den prominenten Dichter, für den dies ebenfalls galt.

Details

Seiten
10
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783656957751
ISBN (Buch)
9783656957768
Dateigröße
369 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v90670
Institution / Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
1,25
Schlagworte
Selam Berlin Migration Jugendbuch

Autor

Zurück

Titel: "Selam Berlin". Migration im Jugendbuch