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Profit machen, Prinzipien beherzigen?

Die ökonomische Relevanz der Werte in Wirtschaftsethik, Theologie und den Medien

Wissenschaftlicher Aufsatz 2008 8 Seiten

BWL - Unternehmensethik, Wirtschaftsethik

Leseprobe

Inhalt

1. Preise als ökonomisch-relevante Werte unterm Strich der Gewinngleichung

2. Glaubwürdige Wertorientierung mit ganzheitlichem Nachhaltigkeits-Effekt

3. Ökonomische Kontingenz und Kongruenz ethischen Wertemanagements

4. Eine stärkere Zusammenarbeit zwischen Politik und Kirche, Kultur und Gesellschaft ist der Schlüssel zur Außenwirkung der eigenen Corporate Governance

5. Das marktwirtschaftliche Prinzip kann im Einklang mit Nachhaltigkeitsimperativen stehen, um langfristig Wirtschaft und Ethik miteinander zu verzahnen

1. Preise als ökonomisch-relevante Werte unterm Strich der Gewinngleichung

Werte sind nicht gleich Werte, sondern werden intersubjektiv verstanden. Ohne Kontext sind Werte weder moralisch noch wertend. Ursprünglich ist der Begriff Wert, mit dem wir heute alsumbrella termGrundwerte, Leitkulturen und Wertekodexe subsumieren können, kein philosophisch-theologischer Begriff, sondern stammt aus der Nationalökonomie. Während Aristoteles nach demeu sän, also dem, was ein Leben zu einem guten Leben macht, suchte, waren es Ökonomen wie Karl Marx oder Herbert Spencer, die nach dem Mehrwert einer Sache fragten.

Weitere Anstrengungen von Unternehmen sind notwendig, ein Wertemanagement in eine Ethik zu integrieren, die „einerseits nicht der ökonomischen Grundfärbung des Wertebegriffs erliegt, anderseits aber auch metaphysische Übersteigerungen ins Absolute vermeidet“[1]. Wertorientierte Konzerne können auf präskriptive Normen in allgemeinen Firmenphilosophien verzichten, wenn sie im Management vermehrt ihre subjektiv-individuell entwickelten Werte fördern. Denn erst bei Entscheidungen mit moralischen Konsequenzen haben Werte eine moralische Dimension, die über den eigenen „moralischen Kompass“[2]individueller Werte hinaus geht.

Um ethische Handlungsmaßstäbe zum Leben zu erwecken, muss ein wertorientiertes Unternehmen genau darum ins Gespräch mit seinenStakeholdernkommen, die vom Wert eines Unternehmens profitieren. Doch schaffen ethische Werte auch gleich finanziellen Mehrwert? Allein mit Gewinn-Hypothesen zu argumentieren ist nicht glaubwürdig genug. Führungskräfte brauchen eine konsistente Haltung, eine klare ethische Urteilsfähigkeit, um langfristig erfolgreich zu sein. Dazu gehört eine stärkere Bewusstseinsorientierung[3], d.h. ein positives Verständnis dafür, dass Werte in einem System, wo riskantes Verhalten von Managern durch Unternehmen sehr stark belohnt wird, kein beliebig verfügbarer Katalog mit kontrollierbarer Wirkung sind.

David Hume betonte, dass es eine kategoriale Differenz zwischen Sein und Sollen gebe[4], man also nicht vom rein deskriptiven Modell zum normativen Imperativ schließen kann. Jesus und seine Jünger sprachen nie explizit von Werten, jedoch von der Wahrheit. Platon sprach ebenfalls nicht von Werten, sondern von der Idee des Guten. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der Begriff „Wert“ ökonomisch verstanden und war Gegenstand der Nationalökonomie, bis Herrmann Lotze die umfassendere Wertphilosophie begründete. Doch Werte an sich sind zunächst subjektiv, keinMission Statementauf der Basis fest kodifizierbarer Grundwerte. Individuelle Werte, auf die sich eine größere Zahl von Menschen einigt, schaffen Normen und nicht umgekehrt.

Ökonomen haben keine philosophische Werttheorie, sondern equilibrieren Wert mit Preis als Gleichgewicht[5]für ein Produkt oder eine Dienstleistung. Der Wert eines Gegenstands ist davon abhängig, welche subjektive Bedeutung der Einzelne ihm zuschreibt. Ökonomisch gesehen sind Preise „nichts anderes als aggregierte Wertvorstellungen“[6]. In der Theologie sind Werte dagegen Verhaltensweisen wie das Fragen nach Wahrhaftigkeit, Treue und Gerechtigkeit.

In der Philosophie hingegen liegt die Sache anders. Hier ist der Wertbegriff „das Ergebnis einer Hypostasierung von Wertprädikaten“.[7]So ist ein Glas Wasser für einen Schwimmbad-Besitzer weniger wertvoll als für einen verdurstenden Marathonläufer, der bereits lediglich einen Schluck vom kostbaren Nass wertschätzen würde.[8]Wenn es dabei um Geld geht, wird der Käufer nur dann denjenigen Preis akzeptieren, der unter seinem subjektiven Werteempfinden liegt. Im Kern divergieren ökonomische Werte von ethischen Maßstäben.[9]Ihre wissenschaftliche Konzeption und daraus resultierende Handlungsempfehlungen werden kontrovers diskutiert.

[...]


[1]Wieland, Josef, Die Ethik der Governance, in: Wieland, Josef (Hg.), Studien zur Governanceethik, Bd. 1, Marburg 52007, S. 81.

[2]Lennick, Doug u.a., Moral Intelligence. Wie Sie mit Werten und Prinzipien Ihren Geschäftserfolg steigern, Heidelberg 2006, S. 86ff.

[3]Enderle, Georges, Handlungsorientierte Wirtschaftsethik: Grundlagen und Anwendungen, in: St. Galler Beiträge zur Wirtschaftsethik, Bd. 8, Stuttgart 1993.

[4]Hume, David, A Treatise of Human Nature, Oxford 1978 (orig. 1740).

[5]Religion in Geschichte und Gegenwart (RGG4), Art. „Wert/Werte“, S. 1468.

[6]McK Wissen, Das Magazin von McKinsey, 11. Ausgabe, „Wert“, Hamburg 2004, S. 22.

[7]Lexikon für Theologie und Kirche (LThK), Art. „Wert“, S. 1108.

[8]Oermann, Nils Ole, Anständig Geld verdienen? Protestantische Wirtschaftsethik unter den Bedingungen globaler Märkte, Gütersloh 2008, S. 209.

[9]Camenish, Paul F., Business Ethics: On Getting to the Heart of the Matter, in: Stackhouse, Max L. u.a. (Hg.), On Moral Business, Classical and Contemporary Ressources for Ethics in Economic Life, Princeton (USA) 1995, S. 587ff.

Details

Seiten
8
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783638056595
ISBN (Buch)
9783656891093
Dateigröße
568 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v90584
Institution / Hochschule
Universität St. Gallen
Note
Schlagworte
Profit Prinzipien Gallen Symposium

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